Großinvestor Carl Icahn kann einen Erfolg verbuchen: Yahoo und Microsoft reden wieder miteinander. Scheinbar aber nicht mehr über eine Übernahme, sondern eine Zusammenarbeit. Erreicht Microsoft seine Ziele so doch noch?
Wird es doch noch etwas mit Microsoft[1] und Yahoo[2]? Nach den Querelen[3] um den Übernahmeversuch und den teilweise recht harten Worten[4] scheint es Großinvestor Carl Icahn[5] gelungen zu sein, die beiden Streithähne wieder an einen Tisch zu bringen[6]. Wie das Wall Street Journal berichtete[7], geht es nun vorsichtig ausgedrückt um eine mögliche Zusammenarbeit beim Suchen und Werben im Internet. Ein späterer Kauf wird aber nicht ausgeschlossen.
Wie die Berichte der vergangenen Wochen zeigten, spielten bisher Aktienkurse und Investorenmacht eine Rolle. Ein gefährliches Spiel! Sollte es nicht zuallererst um Inhalte und unternehmerische Visionen gehen, wenn zwei Werbe-Kranke gesund gemacht werden sollen?
Die Herausforderung ist nach wie vor die gleiche: Microsoft kann es nicht zulassen, dass Google das mit Suchvorgängen gekoppelte Anzeigengeschäft im Internet weiterhin so dominiert, wie dies derzeit der Fall ist. Zurückhaltende Marktbeobachter sprechen von einem Anteil von deutlich über 50 Prozent für Google, Tendenz steigend. Yahoo liegt bei etwa 25 Prozent, Microsofts MSN zwischen 11 und 13 Prozent. Andere Analysten[8] sehen Google zumindest in den USA inzwischen sogar bei 67 Prozent, Yahoo lediglich bei 20 und Microsoft sogar unter 7 Prozent.
Auch ein möglicher Zusammenschluss der beiden Werbe-Schwächeren würde also die Situation nicht entscheidend verändern, wie William H. Davidow[9] in seinem Buch "High Tech Marketing" beschreibt.
Das Buch beruht auf den Erfahrungen des Autor bei Intel während dem Aufstieg des Unetrnehmens im Halbleitermarkt. Seine These: Im Falle einer deutlichen Dominanz, bei der ein Anbieter das Vertrauen der Kunden auf breiter Basis gewonnen hat, ist er praktisch nicht zu verdrängen. Vorausgesetzt, er bringt sich nicht durch Managementfehler selbst in Bedrängnis.Ein Beleg für Davidows These ist auch Microsoft. Dem Unternehmen gelang es Anfang der 80er Jahre unter Gates, enorme Macht beim Betriebssystem für den Personalcomputer aufzubauen und diese seither erfolgreich zu verteidigen.
Selbst die fast 50 Milliarden Dollar, die Steve Ballmer in die Hand nehmen wollte, um Yahoo in das Microsoftimperium einzugliedern, hätten nach der These von Davidow wenig geholfen[10]. Im Gegenteil - im Falle eines wahrscheinlichen Scheiterns wäre für Microsoft ein enormer Schaden entstehen.
Doch genau das will Investor Carl Icahn, dem es in erster Linie um die Steigerung des Aktienkurses der Yahoo-Papiere geht. Von inhaltlichen strategischen Ansätzen, wie die Dominanz von Google zu brechen sei, ist keine Rede. Icahn spielt bei seinem Investorenspiel im Falle Yahoo-Microsoft also mit dem Feuer.
Doch wer solche Kritik übt, muss selbst einen möglichen Weg aufzeigen. Wie wäre es damit: Microsofts beste Chancen im Markt der Suchmaschinen und den damit verbundenen Werbeeinnahmen liegen in seinen eigenen Produkten. Kurz vor der CeBIT hatte das Unternehmen mit den Softwarepaketen Windows Server 2008[11] und Sharepoint Server[12] zwei Systeme auf den Markt gebracht, die durch ausgereifte Qualität den Markt sichern können.
Anlässlich dieses Launchs hatte Microsoft von drei Suchebenen gesprochen: im eigenen Arbeitsplatzrechner (Desktop), auf den Unternehmensservern und im Web. Google ist nur bei der Websuche dominant. Die Strategen von Microsoft müssten also alles daransetzten, ihre neuen Produkte in Ruhe zu einem obligatorischen Werkzeug bei der Datensuche am Schreibtisch zu machen. Aus dieser Position heraus ließe sich auch die Websuche mit MSN verbessern. Dazu braucht der Konzern keine Milliarden für die feindliche Übernahme von Yahoo zu verbrennen. Eine Kooperation könnte allerdings nicht schaden.
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