Salesforce.com: übers Ziel hinausgeschossen

Den Durchbruch für das Kundenmanagement hat Salesforce.com unbestritten erreicht: Software-as-a-Service gehört die Zukunft. Jetzt könnte das Unternehmen die Sympathien mit zu weitgefassten Plänen jedoch wieder verspielen.

Salesforce.com, das derzeit erfolgreichste SaaS-Unternehmen, tut derzeit einiges, um Akzeptanzhürden aufzubauen. Auf der Hausmesse Dreamforce vergangene Woche in London hat das Unternehmen - unbeabsichtigt - ein altes Peter-Handke-Stück wieder auf den Spielplan gesetzt: "Publikumsbeschimpfung". Firmenchef Marc Benioff suggerierte den Anwendern, sie seien von gestern, wenn sie nicht endlich ihre herkömmliche Software durch Dienste aus der Internet-Wolke ersetzen würden.

Das Modell von SAP und Microsoft sei passé, und Venture-Kapitalisten investierten längst keinen Penny mehr in Software-Projekte. Unternehmen, die weiterhin darauf bestünden, ihre IT-Prozesse selbst mit Hilfe von SOA, Virtualisierung und ähnlichem zu optimieren, hätten nicht verstanden, dass das Internet den CIO im Sinne des "Chief Infrastructure Officer" überflüssig gemacht habe.

Obwohl Benioff in einigen Punkten durchaus Recht hat, so rührt er damit doch an den tiefsten psychologischen Grundlagen jeglicher Betriebsorganisation: In aller Regel werden nur Mitarbeiter befördert, deren Ehrgeiz sich in der Bereitschaft äußert, den eigenen Verantwortungsbereich auszuweiten - sowohl inhaltlich als auch personell.

Daran misst sich die Stellung im Unternehmen und auch das Gehalt. Solange das so ist - und vermutlich wird es immer so bleiben -, tut sich jeder IT-Leiter schwer, sich für SaaS stark zu machen: Denn damit schadet er letztendlich seiner eigenen Karriere. Die gesamte Riege der IT-Dienstleister hat sich bereits die Zähne daran ausgebissen, den Kulturwandel herbeizuführen, den nun auch Salesforce.com fordert.

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Lesermeinungen zum Artikel

 
von Thomas Legler (CIO)
am 14. Mai 2008, 21:55 Uhr
Salesforce.com übers Ziel hinausgeschossen
Sehr geehrter Herr Gfaller, mir scheint bei Ihrem Artikel, dass Sie sich auf der DF Europe in UK nicht das geringste mit sfdc auseinander gesetzt haben und wahrscheinlich der Flug von SAP oder MS gesponsort war und Sie sich mit keinem der anwesenden 2.200 Kunden unterhalten haben, warum die sich für diese Lösung entschieden haben. So einen negativen Schmarren habe ich schon lange nicht mehr gehört... "Hinzu kommt, dass es sich bei den bisher erfolgreichen SaaS-Diensten in der Regel um standardisierte Funktionen handelt. Unternehmen dagegen verlangen heute von ihren IT-Abteilungen, dass sie zum Geschäftserfolg beitragen, indem sie individuell, rasch und flexibel auf neue Anforderung reagieren. Solche Aufgaben lassen sich auf absehbare Zeit nicht an externe Dienstleister auslagern, die tausende von Kunden über die gleiche Infrastruktur bedienen müssen."Gerade die Flexibilität, Skalierbarkeit, Individuatlität, welche wir durch dieses Produkt bei eigener Einführung und Umsetzung (ohne Dienstleister) erfahren haben, war allen anderen Systemen um Welten voraus, was unsere täglichen flexiblen neuen Anforderungen erwarten. OnPremise kann dies leider nicht bieten und desshalb fahren 41.000 Kunden gerade diesen höchst flexiblen Ansatz um IHRE Anforderungen und Umgebung in sich stark veränderten Märkten mit einer solch skalierbaren Lösung gerecht zu werden. PS: Wir haben eine Bidirektionale SAP und Lotus Notes Integration und 273 Benuzter in 9 Wochen weltweit ausgerollt.Doch es scheint mir, dass Sie mit Sätzen wie "Datenschutz gehört zu den Schwachstellen von sfdc" nicht wirklich Ihrer Aufgabe einer objektiven Reserche gerecht werden. Da wir gerade desshalb u.a. uns für sfdc versa SIEBELoD oder SUGAR nach gründlichem Audit entschieden haben.
 
von Hermann Gfaller
am 19. Mai 2008, 10:38 Uhr
AW: Salesforce.com; Kein Gefälligkeitsjournalismus
Sehr geehrter Herr Legler,vielen Dank für Ihr Interesse an meinem Artikel. Ich bin gerne bereit Ihre Erfahrungen zu Salesforce.com in einen meiner nächsten Artikel aufzunehmen.Zuerst muss mich aber scharf gegen den Verdacht verwehren, ich würde mich von irgendjemanden für meine Meinung zahlen lassen. Wenn ich einer Fehleinschätzung unterliege, haben weder die Publikationen, für ich schreibe, noch Hersteller haben damit etwas zu tun. Zum Inhalt: Ich habe mich nicht weder gegen das SaaS-Konzept noch gegen die Technik von Salesforce.com gewendet. Im Gegenteil wird im Artikel erwähnt, dass Anwender (mit denen ich entgegen ihrer Vermutung tatsächlich gesprochen habe) mit SAPs CRM unzufrieden waren. Worum es mir ging, war ein übertrieben aggressives Auftreten der Firmenleitung und die - meiner Ansicht nach – überzogenen Versprechungen. Hinzu kommt die (auch von Salesforce.com-Kunden geteilten ) Befürchtung, das Platform as a Service-Konzept könne zu Abhängigkeiten führen. Missverständlich scheine ich mich in Sachen IT-Business-Aligning ausgedrückt zu haben. HIer spielt die Frage eine extrem große Rolle, ob IT mehr Geschäftsvorteile bringt, wenn man sie im eigenen Hause mit eigenem Know-how organisiert, oder eine Aufgabe (inklusive Know-how) einem Dienstleister überlässt. Bislang galt hier die Daumenregel, dass möglichst nur klar von den internen Prozessen abkoppelbare und weniger geschäftskritische Aufgaben ausgelagert wurden. Wenn Sie hier eine andere Meinung haben, wäre ich daran interessiert.
 
von Helmut Schwensen
am 21. Mai 2008, 22:53 Uhr
AW: Salesforce.com übers Ziel hinausgeschossen
Vielen Dank für diese ausführliche Stellungnahme. Leider wird man den Eindruck nicht los, dass der Autor wenig verstanden hat auf dem Event in London. Und die Kombination "Keine Ahnung" und "schlechte Schreibe" war schon immer wenig lesenswert.Selten so einen schwachen Artikel gelesen - da bieten die meisten Blogs deutlich mehr.