Salesforce.com: übers Ziel hinausgeschossen

Überhaupt birgt die in London propagierte Platform-as-a-Service viel Potenzial, das bislang aufgebaute Vertrauen wieder zu zerstören. Solange es um CRM ging, bot das Abo-Modell die Möglichkeit, jährlich zu kündigen und seine Kundendaten für die Verwendung in einem anderen System zurückzuerhalten. Anders sieht die Sache aus, sobald das Kundenmanagement mit Hilfe der leider nicht quelloffenen Plattform um Prozesse, Features und Anwendungen ergänzt wird.

Ist ein Kunden nicht mehr mit Salesforce zufrieden, steht er vor der Frage: Auf welcher anderen Plattform kann ich die mit Salesforce orchestrierte Anwendungs- und Nutzerumgebung zu vertretbaren Kosten wieder zum Laufen bringen? Daran wird deutlich, worum es beim Wechsel von Software-as-a-Service zu Platform-as-a-Service geht: Die Kunden sollen genau so in die Salesforce-Umgebungen eingesperrt werden, wie das Unternehmen es SAP oder Microsoft zum Vorwurf macht.

Hinzu kommt die Frage, woher Salesforce.com den Mut zu dem Versprechen nimmt, heutige Force-Entwicklungen der Kunden würden auch in Jahren noch laufen. Insbesondere erstaunt das Vertrauen in SOA-Architekturen, die Universalität und Offenheit all der Schnittstellen, die in gemischte Salesforce-, Internet- und anderen Anwendungen involviert sind. Gleichzeitig brüstet sich das Unternehmen, seine Software mehrmals im Jahr zu aktualisieren, und erhöht damit den Komplexitätsgrad der Umgebung zusätzlich - ohne dass sich die Kunden dagegen wehren könnten.

Salesforce.com hat sich große Verdienste um das SaaS-Konzept erworben. Die Software ist inzwischen so ausgereift, dass selbst Kritiker die kostengünstige Alternative zu klassischer CRM-Software nutzen. Doch die ideologische Verteufelung von On-Premise-Software verärgert Anwender, die wissen, dass sie auf Jahrzehnte weiter mit Microsoft- und SAP-Produkten werden leben müssen. Das gilt umso mehr, als sie in dem Platform-as-a-Services-Konzept (trotz der weit offeneren Schnittstellen) ein ähnliches Lock-in-Konzept befürchten müssen, wie sie es von den durch Benioff lauthals kritisierten Software-Anbietern gewohnt sind.

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Lesermeinungen zum Artikel

 
von Thomas Legler (CIO)
am 14. Mai 2008, 21:55 Uhr
Salesforce.com übers Ziel hinausgeschossen
Sehr geehrter Herr Gfaller, mir scheint bei Ihrem Artikel, dass Sie sich auf der DF Europe in UK nicht das geringste mit sfdc auseinander gesetzt haben und wahrscheinlich der Flug von SAP oder MS gesponsort war und Sie sich mit keinem der anwesenden 2.200 Kunden unterhalten haben, warum die sich für diese Lösung entschieden haben. So einen negativen Schmarren habe ich schon lange nicht mehr gehört... "Hinzu kommt, dass es sich bei den bisher erfolgreichen SaaS-Diensten in der Regel um standardisierte Funktionen handelt. Unternehmen dagegen verlangen heute von ihren IT-Abteilungen, dass sie zum Geschäftserfolg beitragen, indem sie individuell, rasch und flexibel auf neue Anforderung reagieren. Solche Aufgaben lassen sich auf absehbare Zeit nicht an externe Dienstleister auslagern, die tausende von Kunden über die gleiche Infrastruktur bedienen müssen."Gerade die Flexibilität, Skalierbarkeit, Individuatlität, welche wir durch dieses Produkt bei eigener Einführung und Umsetzung (ohne Dienstleister) erfahren haben, war allen anderen Systemen um Welten voraus, was unsere täglichen flexiblen neuen Anforderungen erwarten. OnPremise kann dies leider nicht bieten und desshalb fahren 41.000 Kunden gerade diesen höchst flexiblen Ansatz um IHRE Anforderungen und Umgebung in sich stark veränderten Märkten mit einer solch skalierbaren Lösung gerecht zu werden. PS: Wir haben eine Bidirektionale SAP und Lotus Notes Integration und 273 Benuzter in 9 Wochen weltweit ausgerollt.Doch es scheint mir, dass Sie mit Sätzen wie "Datenschutz gehört zu den Schwachstellen von sfdc" nicht wirklich Ihrer Aufgabe einer objektiven Reserche gerecht werden. Da wir gerade desshalb u.a. uns für sfdc versa SIEBELoD oder SUGAR nach gründlichem Audit entschieden haben.
 
von Hermann Gfaller
am 19. Mai 2008, 10:38 Uhr
AW: Salesforce.com; Kein Gefälligkeitsjournalismus
Sehr geehrter Herr Legler,vielen Dank für Ihr Interesse an meinem Artikel. Ich bin gerne bereit Ihre Erfahrungen zu Salesforce.com in einen meiner nächsten Artikel aufzunehmen.Zuerst muss mich aber scharf gegen den Verdacht verwehren, ich würde mich von irgendjemanden für meine Meinung zahlen lassen. Wenn ich einer Fehleinschätzung unterliege, haben weder die Publikationen, für ich schreibe, noch Hersteller haben damit etwas zu tun. Zum Inhalt: Ich habe mich nicht weder gegen das SaaS-Konzept noch gegen die Technik von Salesforce.com gewendet. Im Gegenteil wird im Artikel erwähnt, dass Anwender (mit denen ich entgegen ihrer Vermutung tatsächlich gesprochen habe) mit SAPs CRM unzufrieden waren. Worum es mir ging, war ein übertrieben aggressives Auftreten der Firmenleitung und die - meiner Ansicht nach – überzogenen Versprechungen. Hinzu kommt die (auch von Salesforce.com-Kunden geteilten ) Befürchtung, das Platform as a Service-Konzept könne zu Abhängigkeiten führen. Missverständlich scheine ich mich in Sachen IT-Business-Aligning ausgedrückt zu haben. HIer spielt die Frage eine extrem große Rolle, ob IT mehr Geschäftsvorteile bringt, wenn man sie im eigenen Hause mit eigenem Know-how organisiert, oder eine Aufgabe (inklusive Know-how) einem Dienstleister überlässt. Bislang galt hier die Daumenregel, dass möglichst nur klar von den internen Prozessen abkoppelbare und weniger geschäftskritische Aufgaben ausgelagert wurden. Wenn Sie hier eine andere Meinung haben, wäre ich daran interessiert.
 
von Helmut Schwensen
am 21. Mai 2008, 22:53 Uhr
AW: Salesforce.com übers Ziel hinausgeschossen
Vielen Dank für diese ausführliche Stellungnahme. Leider wird man den Eindruck nicht los, dass der Autor wenig verstanden hat auf dem Event in London. Und die Kombination "Keine Ahnung" und "schlechte Schreibe" war schon immer wenig lesenswert.Selten so einen schwachen Artikel gelesen - da bieten die meisten Blogs deutlich mehr.