Mit Version 6.0 der Enterprise-Version seiner Datenbank soll MySQL kommerzieller werden, indem ein neues Preismodell eingeführt wird, so die Gerüchte. Kaj Arnö, VP Community Relations, versucht die Wogen zu glätten.
Meldungen über einen bevorstehenden Wechsel des Preis- und Lizenzmodells für die MySQL[1]-Datenbanken haben zahlreiche Anwender verunsichert. Viele befürchten, ab MySQL 6.0 handle es sich bei der kostenlosen Community-Version nur noch um eine funktionsarme, abgespeckte Variante, während die im Unternehmen wirklich benötigten Funktionen teuer werden.
Kaj Arnö, VP Community Relations, weist diese Einschätzung gegenüber ZDNet klar zurück: "Die Entscheidung betrifft nur die Add-ons, die es zusätzlich zum MySQL-Server gibt, der unter der GPL bleibt. Außerdem ist es keineswegs neu, dass Enterprise-Eigenschaften nur gegen Bezahlung erhältlich sind. Dies trifft etwa für den MySQL Enterprise Monitor schon länger zu."
Die jetzt entstandene Verunsicherung zeigt aber, dass diese Tatsachen unzureichend bekannt sind. Web-Entwickler Marian Heddesheimer[2] etwa spricht für viele, wenn er sagt: "Prinzipiell habe ich Verständnis dafür, dass ein Datenbank-Entwickler auch Geld für ein gutes Produkt erhält. Gerade bei MySQL ist mir aber nie richtig klar geworden, wie und wann und in welchem Umfang man eine Lizenz erwerben soll. Gerade diese Unsicherheit wird sicher dazu führen, dass viele potenzielle Lizenznehmer dann doch lieber mit der kostenlosen Community-Version arbeiten."
Als Anwendungsentwickler geht Heddesheimer davon aus, dass der Betreiber des Webspace seinen MySQL-Server korrekt lizenziert oder keine kostenpflichtige Lizenz notwendig ist. "Ich weise allerdings immer darauf hin, dass meine Kunden sich auf der Seite www.mysql.com[3] erkundigen sollen. Die Angaben dort sind aber jedenfalls für mich als Entwickler nicht verständlich."
Heddesheimer glaubt daher, dass es einfacher wäre, "wenn man MySQL als Paket-Lizenz genauso kaufen könnte wie ein Microsoft-Office-Paket. Das würde zumindest für Rechtssicherheit sorgen. Ich würde meinen Kunden weiterhin MySQL als Datenbank empfehlen, denn die Kosten dürften sowieso nur einen Bruchteil der gesamten Entwicklungskosten ausmachen."
Dieser Ansicht schließt sich Axel Röber vom Datenbankspezialisten Ordix AG[4] weitgehend an. Sein Unternehmen beschäftigt sich seit 18 Jahren mit Relationalen Datenbanken[5] (RDBMS), sowohl von Oracle[6], Informix[7] und Sybase[8] als auch aus dem Open-Source-Umfeld, etwa Ingres[9].
Röber sagt: "Die Hersteller der kommerziellen RDBMS haben bis zu einem gewissen Grad auf die Konkurrenz aus dem Open-Source Lager reagiert und bieten unterschiedliche Versionen zu unterschiedlichen Konditionen und Lizenzen an. Bei den Kunden spielt natürlich oft der Preis eine Rolle, so dass MySQL punkten kann. Wenn aber bestimmte Enterprise-Features notwendig sind, die nur bei kommerziellen Produkten verfügbar sind, so ist dies für unsere Kunden meistens ein ausreichender Grund, das kommerzielle Produkt zu nehmen."
"Wir haben es selten erlebt, dass sich jemand über die hohen Preise insbesondere bei Oracle gefreut hat", fährt Röber fort, "aber man war fast immer bereit, dafür Geld zu investieren. Der eine oder andere wechselte zwar später von Oracle zu Informix oder zum SQL-Server. Aber dass jemand wegen des Preises auf wichtige Features verzichtet, kommt selten vor. Zumal hinter diesen Features oft ein erhoffter Mehrwert steht. Von dieser Seite her betrachtet kann ich die neue Lizenzstrategie nachvollziehen, und wir werden deswegen unseren Kunden keine anderen Empfehlungen aussprechen."
Neuerungen bei MySQL 6.0
Für MySQL 6.0 sind etwa Backup-Funktionalität im MySQL-Server geplant. "Diese Backup-Funktion wird unter der GPL-Lizenz sowohl für Community- als auch Enterprise-Benutzer verfügbar sein", sagt Arnö. Das Feature beinhalte eine Backup-API, die es allen ermögliche, eigene Backup-Funktionalität zu entwickeln und zu benutzen. "Diese Eigenschaften sind nicht notwendig, um ein MySQL-Datenbank-Backup zu erstellen, aber sie machen das Verfahren einfacher, schneller oder fortschrittlicher."
Eigenschaften der Backup-Funktionalität, etwa Kompression und Verschlüsselung, setzen die offene API des MySQL Servers ein. Das heißt, dass jeder ähnliche Werkzeuge erstellen kann. Einen Termin, wann die Add-Ons zum Online Backup verfügbar werden, hat MySQL noch nicht festgelegt."MySQL Server ist Open Source; zusätzliche Dienstleistungen, Werkzeuge und Support sind im kommerziellen MySQL-Enterprise-Abo enthalten", umschreibt Arnö die Grundzüge der Lizenzpolitik.
Bei der Frage nach dem konkreten Preismodell bleibt Arnö aber vage, ja nahezu philosophisch: "MySQL Community Server ist für Benutzer, die bereit sind Zeit einzusetzen, um Geld zu sparen. MySQL Enterprise Server ist für Kunden, die bereit sind, Geld einzusetzen, um Zeit zu sparen und Seelenfrieden zu bekommen." Insgesamt ändere sich jedoch kaum etwas, versichert der Manager. "Höchstens, dass die Gruppe von zusätzlichen Werkzeugen um die oben genannten Add-Ons erweitert wird."
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| "MySQL Server ist Open Source; zusätzliche Dienstleistungen, Werkzeuge und Support sind im kommerziellen MySQL-Enterprise-Abo enthalten", sagt Kaj Arnö, VP Community Relations, von MySQL (Bild: MySQL). |
Axel Röber glaubt, dass MySQL "in der Entscheidungsmatrix für die Auswahl eines RDBMS dann im Bereich Preis vermutlich nicht mehr so deutlich punkten kann. Da aber die kommerziellen Anbieter oft auch nicht gerade günstig sind, bleibt mit einer geschickten und angemessenen Preis- und Lizenzpolitik Spielraum für MySQL." Andere Open-Source-Projekte hätten vergleichbare Lizenzmodelle aber in der jüngeren Vergangenheit aufgegeben. Sie bieten mittlerweile nur noch eine kostenlose Open-Source Lizenz und kommerziellen Support. Denn, so Röber "der Erfolg des Modells von MySQL steht und fällt auch mit den Alternativen aus dem nichtkommerziellen Lager: zum Beispiel, ob PostgreSQL[10] die entstehende Lücke füllen kann."
Die Einschätzung von Web-Entwickler Heddesheimer ist ähnlich: "Als problematisch sehe ich allerdings, wenn das Preismodell eine Jahresgebühr vorsieht. Hier werden sicher viele Kunden nach Alternativen suchen, da gerade in Deutschland für Software nur einmal bezahlt wird. Üblicherweise läuft eine gute Software durchaus über 5 bis 8 Jahre ohne wesentliche Änderungen. Viele Kunden werden nicht einsehen, warum sie jedes Jahr für eine Software zahlen sollen, die vor Jahren installiert wurde. In diesem Fall müsste ich mir tatsächlich Gedanken machen, ob ich nicht PostgreSQL als Alternative anbieten sollte."
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