In den letzten Monaten konnte Firefox Microsofts Internet Explorer weiter Markanteile abnehmen. Voraussichtlich im Juni kommt Firefox 3. ZDNet stellt die neuen Funktionen vor und diskutiert Argumente für und wider den Browser.
Heute nutzt die überwiegende Zahl der PC-Anwender den Internet-Explorer. Warum? Wahrscheinlich, weil es der Weg des geringsten Widerstandes ist. Das war einmal anders: Noch vor wenigen Jahren hatte Netscape eine beherrschende Marktposition unter den Browsern inne. Mit der Zeit gelang es Microsoft jedoch, die meisten Funktionen mindestens genau so gut zu beherrschen wie der Konkurrent. Und manchmal war Microsoft sogar besser.
Dass Redmond nach dem Dafürhalten mehrerer Gerichte sogar die Gesetze verletzte, um der noch jungen Bedrohung seines Desktop-Monopols zu begegnen, tat der Verbreitung zunächst kaum Abbruch. Den Siegeszug des Internet-Explorers aber allein darauf zurückzuführen, wäre auch verkürzt: In Version 3 hatte der Softwarekonzern aus Redmond auch technisch mit Netscape gleichgezogen. Und nachdem im Februar das Scheitern des letzten Versuches[1], Netscape als Browser zu erhalten, eingestanden wurde[2], bleibt nicht mehr als die Erinnerung an den "Browserkrieg[3]" und für Nostalgische die Möglichkeit, den Firefox-Browser mit Netscape-Skins zu versehen.
Das tun allerdings nur wenige. Dafür gewöhnen sich immer mehr an das Design und die Funktionen von Firefox: Ende Februar hatte Mozilla[4] das Erreichen der Marke von 500 Millionen Downloads[5] verkündet. Von wie vielen die Software dann tatsächlich auch genutzt wird, ist umstritten und hängt davon ab, welchem Marktforschungsunternehmen man traut.
Bezogen auf Unternehmen hat Forrester Research[6] Anfang April eine recht fundierte Untersuchung vorgestellt. Demnach verloren alle Versionen des Internet Explorer in den 2300 befragten Großunternehmen rund 10 Prozent Marktanteil. Die Version 7 konnte in den ersten 15 Monaten nach ihrer Veröffentlichung nur einen Anteil von 30 Prozent unter den 50.000 Umfrageteilnehmern erreichen.
Dagegen löste im gleichen Zeitraum die Version 2.0 von Mozillas Firefox ihren Vorgänger fast vollständig ab. Zudem wechselten fast alle Anwender, die dem Internet-Explorer den Rücken kehrten, zu Firefox. Dementsprechend verdoppelte sich dessen Anteil in der Forrester-Umfrage auf 18 Prozent. Wenn Firefox 3 wie geplant[7] spätestens im Juni erscheint, ist mit einem weiteren Schub für den Browser zu rechnen. Für viele Nutzer, die auf Firefox setzen, sind Sicherheitsaspekte maßgebend. So sind in Firefox 2 bereits erste Anti-Phishing-Funktionen enthalten oder es lassen sich mit einem Klick Informationen über SSL-Zertifikate erhalten, was die Entscheidung erleichtert, ob eine Website vertrauenswürdig ist. Offenbar hat aber Microsoft inzwischen seine Hausaufgaben gemacht.
In einem aktuellen Bericht über Bedrohungen im Internet entdeckte Symantec[8] 88 Sicherheitslücken beim Mozilla-Browser, 22 bei Safari[9], 18 im Internet-Explorer und 12 bei Opera[10]. Im ersten Halbjahr hatte mit 39 Lücken noch der Internet-Explorer die Liste angeführt, gefolgt von Mozilla mit 34.
"In der Vergangenheit wies Firefox jedoch insgesamt weniger Sicherheitslücken auf als der Internet-Explorer", bilanziert der Consultant Hartmut Goebel[11]. Aber auch er glaubt, dass sich das mittlererweile relativiert hat. "Die reine Zahl ist auch weniger wichtig als die Möglichkeiten, die eine Sicherheitslücke Angreifern bietet.
Besonders gefährlich sind beispielsweise ActiveX-Elemente: Gelingt es, diese dem Browser unterzujubeln, ohne dass Sicherheitsmechanismen zuschlagen, ist ein voller Zugriff auf die Maschine möglich." Firefox unterstützt ActiveX gar nicht. "Der Internet-Explorer bietet also einige Angriffsmöglichkeiten, die es bei Firefox nicht gibt."
Für Unternehmen dürfte aber letztendlich die Diskussion um Anzahl und Patchzeiten von Browsersicherheitslücken nur ein Nebenkriegsschauplatz sein. Entscheidend wird vielmehr der Aufwand, der durch Verwaltung und Anpassung der immer zahlreicher werdenden webfähigen Anwendungen und der immer zahlreicher und unterschiedlicher werdenden Endgeräte entsteht.
"Der Internet-Explorer hat jahrelang keine transparenten PNG-Dateien unterstützt, mit Vektorgrafiken tut er sich ebenfalls schwer, und auch sonst muss Software oft angepasst werden, um den altertümlichen Technologien des Microsoft-Browsers gerecht zu werden", sagt Goebel.
"Außerdem läuft der Internet-Explorer nur auf einer Plattform, und auch da oft nur mit den neueren Betriebssystemvarianten. Wer Handhelds, Blackberrys oder andere Geräte einsetzen will, tut sich einfach leichter, wenn er mit Standards arbeiten kann. Das lässt eine größere Freiheit bei der Wahl der eingesetzten Produkte und vermeidet, dass mehrere Plattformen unterstützt werden müssen."
Mike Schroepfer, Vice President of Engineering der Mozilla Foundation, gab kürzlich im Rahmen eines Tags der offenen Türe bei Mozilla Rafe Needleman von CNET.com einen Einblick[12] in kommende Funktionen. Dazu gehört etwa, dass Firefox 3 im Stil an jede Plattform (Windows, Mac und Linux) angepasst wird und damit einiges vom "Firefox-Look" verliert. Natürlich wird es weiterhin Skins geben, mit denen Anwender ihr bevorzugtes Design behalten können. An der Benutzerführung wurde dagegen wenig geändert. Am auffälligsten ist noch, dass der "Zurück"-Button nun doppelt so groß ist.
Echte Neuerungen und Verbesserungen gibt es für das Adresseingabefeld. Eine Automatikfunktion unterstützt dort Anwender beim Eintragen von Webadressen. Auch die Suche wird in das Adresseingabefeld integriert, da "die Menschen Suche zunehmend als eine Art und Weise der Browsernutzung sehen", wie Schroepfer erklärt. Mozilla verbindet die aktuelle Suche mit vorangegangenen Suchvorgängen sowie Informationen darüber, welche der vorangegangenen Suchergebnisse dann auch tatsächlich angeklickt wurden. Damit soll erreicht werden, dass mehrdeutige Suchbegriffe richtig erfasst werden.
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| Mike Schroepfer, Mozilla Vice President of Engineering (Bild: Rafe Needleman / CNET) |
Auch beim Browserverlauf und den Lesezeichen wurde mehr die dahinter liegende Technologie als das Erscheinungsbild geändert. Beide werden nun in einer lokalen, relationalen Datenbank[13] abgespeichert. Dadurch soll der Browser zuverlässiger und schneller werden. Konkret bedeutet das für die Anwender, dass mit den Default-Einstellungen der Browserverlauf über einen längeren Verlauf als bisher (14 Tage) gespeichert wird. Er ist außerdem auf der Stelle zugänglich und durchsuchbar. Auch bei dem alten Pluspunkt "Sicherheit" hat Mozilla noch einmal nachgelegt: Firefox 3 wird nach Seiten aktiv nach Malware durchsuchen. Updates der internen Signaturdatenbank sollen alle 30 Minuten geliefert werden.
Damit geht Mozilla einen anderen Weg als Microsoft: Beim Internet-Explorer werden URLs zu Microsoft geschickt und dort überprüft. Klar, dass Schroepfer sich da den Hinweis auf die besser gewahrte Privatsphäre nicht verkneifen kann. Und schließlich sind bekannte Funktionen, wie der Anti-Phishing-Schutz und die Überprüfung von Zertifizierungsinformationen, in die Adressleiste integriert.
Ein Ärgernis für viele beseitigt der neu gestaltete Passwort-Manager: Er ist nicht mehr in ein störendes Pop-up integriert, dass während des Log-in-Vorgangs erscheint, sondern erlaubt es jetzt, das Passwort zu speichern, nachdem der Anmeldevorgang erfolgreich beendet ist. Noch werden Passwörter nicht über verschiedene Systeme hinweg synchronisiert. Daran arbeitet aber ein neues Mozilla-Projekt namens Weave[14].
Bei der Geschwindigkeit will Mozilla ebenfalls noch einmal zulegen: Angeblich soll Firefox 3 dreimal schneller sein als sein Vorgänger. Außerdem verspricht Schroepfer, dass Firefox 3 weniger Arbeitsspeicher als andere Browser benötig und - fast noch wichtiger - Arbeitsspeicher auch wieder freigibt, wenn Tabs geschlossen werden.
Exakte Daten zu Geschwindigkeit und Performance von Webbrowsern liefert ein ausführlicher, aktueller Test[15] auf ZDNet.
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