Im Web 2.0 müssen sich Browser zunehmend anspruchsvollen Aufgaben stellen. Komplexe Websites und aufwändige AJAX-Anwendungen fordern immer mehr Leistung. Dabei lassen sich große Unterschiede messen.
AKTUALISIERTE VERSION
Als Tim Berners-Lee[1] 1991 seinem Arbeitgeber CERN[2] den weltweit ersten Browser WorldWideWeb[3] vorstellte, um den Informationsfluss zwischen den verschiedenen Abteilungen des Europäischen Kernforschungszentrum in Genf optimieren, ahnte er noch nicht, dass er damit eine Revolution im Informationszeitalter auslöste. Kaum eine Anwendung dürfte häufiger auf einem Computer genutzt werden als ein Internet-Browser.
Allerdings haben sich die Aufgaben eines Webbrowsern deutlich gewandelt. Neben der Darstellung von Text und Bild müssen moderne Browser komplette Anwendungen wie auf JavaScript[4], DOM[5] und XML[6] basierende AJAX-Programme[7] beherrschen. Wer AJAX noch nie gehört hat, aber dafür Google Maps[8], Google Mail[9] oder AJAX Write[10] nutzt respektive Internet-Sites wie Flickr[11] oder Last.fm[12] ansurft, macht von dieser Technik bereits intensiven Gebrauch. Auch im Unternehmensumfeld hat AJAX schon Fuß gefasst: 24SevenOneOffice[13] ist eine Lösung für Enterprise Resource Planning[14] (ERP) und Kundenbeziehungsmanagement[15] (CRM), das über einen normalen Webbrowser bedient wird. Der Vorteil dieser Web-2.0-Technologien[16] liegt in der Plattformunabhängigkeit. Es wird weder ein spezielles Betriebssystem noch ein bestimmter Prozessor benötigt, um AJAX-Anwendungen ausführen zu können. Lediglich ein kompatibler Browser ist erforderlich.
Durch die gestiegenen Anforderungen rückt die Performance der Browser für die Darstellung von mit neuer Technik gespickten Web-2.0-Anwendungen oder Websites in den Vordergrund. Wer immer noch glaubt, dass nur die Zugangsgeschwindigkeit seines DSL-Anschlusses für die Web-Performance ausschlaggebend ist, täuscht sich gewaltig. Denn die wesentlichen Teile von AJAX-Anwendungen laufen auf dem lokalen Endgerät ab. Bei gleicher Hardwareausstattung ist somit der Browser für die Ausführungsgeschwindigkeit entscheidend. Für AJAX-basierte Unternehmensanwendungen gilt dies natürlich erst recht, da der Code nicht erst aus dem Internet geladen werden muss. Für Unternehmen mit solchen Lösungen kann die Performance des Browsers somit die Produktivität der Mitarbeiter unmittelbar beeinflussen.
Aktualisierte Benchmarks sind unter folgendem Link verfügbar:
Der iBench ermittelt die Performance der Browser durch Stoppen der Ladezeit von HTML-, XML- und JavaScript-Seiten. Die Webseiten befinden sich auf einem lokalen Webserver. Der SunSpider-JavaScript-Benchmark konzentriert sich voll und ganz auf die Ermittlung der JavaScript-Performance. Hierfür werden aus neun Kategorien[20] wie 3D, Stringverarbeitung, Bitoperationen und Verschlüsselung jeweils mehrere Prozeduren durchgeführt. Um Ungenauigkeiten der einzelnen Prozedurdurchläufe möglichst gering zu halten, werden die Tests mehrmals durchgeführt.
Im Gegensatz zum iBench ist der SunSpider-Test online verfügbar[19] und kann von jedem Anwender durchgeführt werden. Selbstverständlich ist die Leistungsfähigkeit der einzelnen Plattformkomponenten ebenfalls die Browser-Performance von Bedeutung. Für den Test der Browser unter Windows Vista und Mac OS 10.5.2 Leopard kommen folgende Komponenten zum Einsatz:
|
||||||||||||
Auch bei den JavaScript-Tests ermittelt iBench 5.0 einen klaren Sieger. Wiederum ist Safari 3.1 der schnellste Browser. Die Microsoft-Browser finden sich beim kombinierten Test JavaScript/HTML DOM am Ende des Klassements wieder. Außerdem zeigen die JavaScript-Tests größere Leistungsunterschiede zwischen den Browsern, als dies bei HTML/XML-Seiten der Fall ist. So benötigt der langsamste Browser für diesen Test etwa 10 mal so lange wie der schnellste.
Im Vergleich zu den aktuellen Browser-Versionen zu den Beta-Varianten zeigen sich große Unterschiede, was letztendlich das große Verbesserungspotential dokumentiert. So benötigt Firefox 2.0.13 für den Test JavaScript/HTML DOM 3,1 Sekunden, während die aktuelle Beta-Version nur 0,65 Sekunden benötigt. Ein ähnliches Bild ist beim Vergleich der beiden Opera-Browser zu beobachten. Während die Version 9.27 beim JavaScript-Test mit 2,54 das Schlusslicht ist, erzielt die Opera-Version 9.5 Beta 4758 das zweitbeste Ergebnis.
Nicht unerwähnt bleiben darf, dass die Werte für den Safari-Browser beim iBench-Test etwas besser sind als in der Realität. Ein manuelles Nachmessen der Ladezeiten bis zur vollständigen Anzeige der Seite hat etwas höhere Werte ergeben. Der Grund liegt in der Messmethodik des iBench 5.0, der vom Safari-Browser die Fertigstellung des Seitenaufbaus etwas früher signalisiert[24] bekommt, als dies tatsächlich der Fall ist. Das bedeutet jedoch nicht, dass Safari aufgrund dieser Ungenauigkeit vom schnellsten zum langsamsten Browser wird. Der Apple-Browser ist schnell, daran besteht kein Zweifel. Nur ist der Abstand zu den Mitbewerbern nicht so groß, wie dies der iBench ermittelt. Das zeigt der nächste Test.
![]() |
![]() |
Der SunSpider-JavaScript-Benchmark fällt für die aktuelle Browser-Version von Microsoft vernichtend aus. Wie schon beim iBench-Test JavaScript/HTML DOM ist der Internet Explorer 7 mit großem Abstand der langsamste Vertreter seiner Zunft. Nutzer der aktuellen Firefox-Version können sich darüber freuen, dass man mit dem Mozilla-Browser deutlich schneller als mit dem Microsoft-Pendant ist. Allerdings heißen die Gewinner bei diesem Test Opera und Safari.
Wie schnell sich diese Reihenfolge ändern kann, zeigen die Werte für die Beta-Varianten der einzelnen Hersteller. Microsoft kann den Abstand zur Konkurrenz mit dem Internet Explorer 8 Beta 1 drastisch verkürzen, ist aber immer noch deutlich langsamer als der Mitbewerb. Den größten Sprung bei diesem Test macht Firefox, dessen aktuelle Version nur auf dem vorletzten Platz landet, während Firefox 3 Beta 5 den ersten Rang knapp vor Safari belegt.
Die Einzelergebnisse des SunSpider-JavaScript-Benchmarks bieten eine größere Differenzierung, sodass schnell klar wird, in welchem Bereich die Browser besonders gut oder schlecht sind und wo die Beta-Versionen im Vergleich zu den aktuellen Varianten das bessere Ergebnis herausholen. Das schlechte Abschneiden des Internet Explorer 7 resultiert aus der mit Abstand langsamsten String-Verarbeitung. Der Internet Explorer 8 Beta 1 erzielt in diesem Einzeltest ein deutlich besseres Ergebnis und kann zu den Mitbewerbern teilweise aufschließen, ist aber im Vergleich zu den Beta-Versionen des Mitbewerbs und zu Safari immer noch ziemlich langsam. Die aktuelle Firefox-Version leistet sich Schwächen in den Bereichen String- und 3D-Verarbeitung sowie bei Bit-Operationen. Die aktuelle Beta-Variante merzt diese Schwächen aus und belegt in allen Tests den ersten Platz.
![]() |
![]() |
Jobs' Aussage, dass Safari der schnellste Browser sei, basiert auf Tests, die die Firma mit iBench 5.0 durchgeführt hat. Wie auch die ZDNet-Messungen mit diesem Benchmark ergeben, ist Safari tatsächlich viel schneller als der Mitbewerb. Allerdings muss man die Werte mit Vorsicht genießen. Wie manuelle Messungen mit einer Stoppuhr zeigen, ist der Safari-Browser nicht ganz so schnell, wie er vorgibt[27]. Mit dem JavaScript-Event onload ermittelt iBench die Ladezeit einer Seite. Safari verwendet diese Prozedur, kurz bevor die Seite fertig geladen ist. Trotz dieser Ungenauigkeit bleibt er - auch bei kritischer Prüfung[24] - ein sehr schneller Vertreter seiner Zunft.
Die Darstellung von HTML-Seiten des iBench-Tests gelingt Safari am schnellsten. Mit unter 10 Sekunden geht der Browser deutlich fixer zu Werke als Opera 9.27 mit über 48 Sekunden. Ist das Safari-Plug-in STAND[28] installiert, verlängert sich allerdings die Ladezeit unter Safari auf über 18 Sekunden. Möglicherweise unterbindet das Plug-in die verfrühte Mitteilung Safaris über die Fertigstellung der Seite an iBench. Dennoch belegt der Apple-Browser mit STAND immer noch den ersten Platz. Im Vergleich der Beta-Versionen gelingt Opera eine dramatische Verkürzung der Ladezeit von über 48 Sekunden mit Version 9.27 auf unter 20 Sekunden mit der aktuellen Beta 9.50. In den XML-Tests belegt Safari wiederum den ersten Platz. Hier hat die Verwendung von STAND keine großen Auswirkungen. Am langsamsten geht in diesem Test Opera zu Werke. Die Beta-Version ist anders als beim HTML-Test diesmal nicht schneller als die aktuelle Variante 9.27.
Aus den JavaScript-Tests geht wiederum Safari als Sieger hervor. Zum andern zeigt der Test auch das enorme Optimierungspotential der Browser-Entwicklung. Von den Beta-Versionen kann besonders Firefox 3.0 Beta 5 deutliche Verbesserungen gegenüber dem Vorgänger erzielen. Statt 3,91 Sekunden mit Firefox 2.0.13 benötigt die aktuelle Firefox-Beta für den Test HTML/JavaScript DOM nur noch 1,07 Sekunden. Auch Opera und Safari erzielen im Vergleich zu den jeweiligen Vorgängerversionen deutlich bessere Leistungen.
![]() |
![]() |
Im Vergleich zu aktuellen Browsern ist Safari 3.1 unter Mac OS im SunSpider-JavaScript-Benchmark klar der schnellste. Allerdings kann Firefox 3 Beta 5 am Apple-Browser leicht vorbeiziehen. Die Beta von Opera erzielt im Vergleich zur aktuellen Variante 9.27 zwar ein klar besseres Ergebnis, an die relativ gute Performance von Safari und Firefox 3 Beta 5 kommt Opera 9.5 allerdings nicht heran.
Der Blick auf die Einzelergebnisse verrät, wo Firefox 3.0 Beta 5 aufgeholt hat und in welchen Bereichen Opera noch nachlegen muss, um zu Safari und Firefox aufschließen zu können. Vor allem bei den Bit-Operationen erzielt Firefox 3 mit 187 Millisekunden gegenüber der Vorgängerversion 2.0.13 mit 2241 Millisekunden ein deutlich besseres Ergebnis. Opera 9.50 Beta kann gegenüber der aktuellen Version 9.27 zwar auch aufholen, jedoch nicht in dem Maße, wie dies Firefox 3 gegenüber der aktuellen Variante tut.
![]() |
![]() |
Zur Ermittlung des Speicherhungers wird zunächst ein Website geladen und der Speicherverbrauch gemessen. In Zeiten von Tabbed-Browsing untersucht ein zweiter Test den Ressourcenbedarf nach dem Laden von zehn Sites. Hierfür wählt ZDNet.de Angebote ohne Werbeinhalte aus, da Sites mit Werbung durch den ständigen Wechsel der Formate keine reproduzierbaren Resultate zulassen: Beispielsweise wird einmal ein einfaches Bild, ein anderes Mal eine aufwändige Flash-Animation geladen.
Wird nur eine Website dargestellt, liegt der Speicherbedarf der Browser unter Mac OS X 10.5.2 zwischen 18,5 und 34,7 MByte. Am genügsamsten ist Safari, am verschwenderischsten gehen die Firefox-Browser mit der Ressource Speicher um. Dies ändert sich allerdings, wenn zehn Seiten gleichzeitig geladen werden. Bei diesem Test ist die Beta-Version von Firefox 3 mit 76,2 MByte am ressourcenschonendsten, gefolgt von Safari mit 93,7 MByte. Etwas mehr Speicher benötigt Safari, wenn das STAND-Plug-in installiert ist. Opera 9.27 belegt 134,4 MByte, während die Beta-Version 9.50 mit 139,9 MByte etwas mehr beansprucht als Firefox 2.0.13 mit 138,8.
Auch unter Windows Vista gibt es große Unterschiede bezüglich des Speicherbedarfs. Ist nur eine Seite geöffnet, belasten die Microsoft-Browser den Speicher nur wenig. Etwa doppelt so groß ist die Belastung mit den Firefox-Browsern, und gar dreimal mehr Speicher als die Internet-Explorer-Varianten gönnen sich Opera und Safari. Nach dem Öffnen von zehn Websites kehrt sich das Ergebnis teilweise um. Jetzt übernehmen die Microsoft-Browser mit bis zu 143,7 MByte Speicherbedarf die rote Laterne, während Firefox 3.0 Beta 5 nur 50,8 MByte benötigt. Wie unter Mac OS geht die aktuelle Firefox-Beta mit dem Speicher am sparsamsten um. Auch die Opera-Varianten sind mit 66,8 (9.27) und 77,8 (Beta 9.5) recht genügsam, während Safari und die aktuelle Firefox-Version 2.0.13 mit 113,3 und 94 MByte deutlich mehr benötigen, aber immer noch genügsamer als die Microsoft-Browser sind.
![]() |
![]() |
Beim Laden von HTML-Seiten mit iBench gehen die Windows-Versionen von Firefox schneller zu Werke als unter Mac OS. Bei Safari und Opera 9.50 Beta ist es genau umgekehrt, während mit Opera 9.27 so gut wie keine Unterschiede zwischen Vista und Leopard feststellbar sind. Die Darstellung von XML/CSS-Seiten des iBench gelingt allen Browsern bis auf Opera 9.27 unter Windows Vista etwas schneller als unter Mac OS.
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
Zweifellos gehört Safari zu den schnellsten Vertretern der aktuellen Browser-Gards, auch wenn die Messmethodik mit dem iBench nicht ganz korrekte Werte für den Apple-Browser ermittelt - der SunSpider-JavaScript-Benchmark scheint davon nicht betroffen zu sein. Sowohl unter Mac OS als auch unter Windows belegt der Apple-Browser einen der vorderen Plätze.
Am schlechtesten von den getesteten Browsern ist in Sachen Performance der Internet Explorer 7. Besonders im für moderne Web-Angebote relevanten SunSpider-JavaScript-Benchmark macht der Microsoft-Browser keine gute Figur. Das ändert sich erst mit dem Internet Explorer 8, dessen Beta-Version schon eine deutliche Leistungssteigerung signalisiert. Andererseits schläft die Konkurrenz nicht und bringt mit Firefox 3 sowie Opera 9.5 ebenfalls neue Versionen auf den Markt, die nach augenblicklichen Entwicklungsstand auch den Internet Explorer 8 weiter deutlich auf Distanz halten können.
Zieht man bei der Beurteilung der Browser-Performance auch die Beta-Versionen in Betracht, ergibt sich folgendes Leistungsbild: Firefox und Safari führen das Klassements mit deutlichem Abstand vor Opera und Internet Explorer an. Für Firefox 3.0, der im Juni erscheinen soll, spricht neben der sehr guten Performance auch dessen effizienter Speicherauslastung. Kein Browser benötigt bei mehreren geöffneten Sites weniger Speicher als die aktuelle Beta-Version von Firefox. Dazu kommt, dass der Browser nur noch wenige Sites nicht korrekt anzeigt. Mit Safari und Opera trifft man hingegen deutlich häufiger auf Inkompatibilitäten.
Das mit diesem Test ermittelte Leistungsbild beweist aber auch, dass der Raum für Verbesserungen im Browser-Umfeld sehr groß ist. Performancesteigerungen zwischen einzelnen Versionen desselben Herstellers von mehreren 100 Prozent zeugen von einer enormen Volatilität. Daher können heute gewonnene Erkenntnisse morgen schon wieder ganz anders aussehen.
AKTUALISIERTE VERSION
URLs in diesem Artikel:
[1] = http:/
[2] = http:/
[3] = http:/
[4] = http:/
[5] = http:/
[6] = http:/
[7] = http:/
[8] = http:/
[9] = http:/
[10] = http:/
[11] = http:/
[12] = http:/
[13] = http:/
[14] = http:/
[15] = http:/
[16] = http:/
[17] = http:/
[18] = http:/
[19] = http:/
[20] = http:/
[21] = http:/
[22] = http:/
[23] = http:/
[24] = http:/
[25] = http:/
[26] = http:/
[27] = http:/
[28] = http:/
[29] = http:/












