Blogs haben sich etabliert, davon leben können jedoch nur wenige. ZDNet sprach mit Robert Basic, dem weltweit erfolgreichsten deutschen Blogger, über die aktuelle Lage sowie die Zukunft von Blogs und Bloggern.
Der 41-jährige studierte Betriebswirt Robert Basic arbeitete zunächst bei einer großen deutschen Bank. Heute gehört der IT-Berater mit seiner Plattform basicthinking.de[1] zu den weltweit am meisten frequentierten Seiten in der IT-Welt. Auch in Deutschland führt er die deutschen Blogcharts[2] an.
Im Gegensatz zu anderen Plattformen erzielt Robert Basic mit dem eigenständigen Vermarkten von Werbeplätzen auch finanzielle Einnahmen. ZDNet-Autor Lothar Lochmaier traf den Alphablogger auf der diesjährigen Bloggerkonferenz Re-publica[3] in Berlin, bei der rund 800 Teilnehmer aus der internationalen Szene vertreten waren.
ZDNet: Wodurch erklären Sie sich den großen Erfolg von basicthinking.de?
Basic: Das ist wie bei einem Musiker, der einfach Musik machen muss, ohne den genauen Grund dafür benennen zu können. Bei mir sind es die Freude und Faszination am Internet und die Neugier auf Kommunikation mit anderen Menschen, die mich antreiben. Mir macht die Arbeit einfach großen Spaß. In meiner kleineren Heimatstadt finde ich binnen Minuten irgendwo da draußen jemand auf der Welt, der meine Interessen teilt - und so ergeben sich rasch gewisse Schneeballeffekte.
ZDNet: Spielen die Inhalte auf der Plattform basicthinking.de also nur eine untergeordnete Rolle, sprich, muss man einfach nur am Ball bleiben und so lange irgendetwas posten, bis andere kaum mehr um einen herumkommen und Wahrnehmungsgrad beziehungsweise Interesse sich substanziell erhöhen?
Basic: Nein, so einfach funktioniert es sicherlich nicht. Es wäre natürlich auch bei mir durchaus möglich, die Plattform noch stärker in Richtung Expertenorgan und Fachmedium auszubauen. Doch lassen sich Spontaneität und fachlicher Tiefgang nur sehr schwer miteinander verbinden. Meine Einträge leben in erster Linie von den ungefilterten Einträgen und der lockeren Unterhaltung. Entweder ich schreibe einen superlangen und superinteressanten Artikel, oder ich unterhalte mich locker. Letzteres kann und will ich nicht aufgeben.
ZDNet: Die Podiumsdiskussionen auf der diesjährigen Re-publica haben gezeigt, dass es ziemlich schwierig ist, mit Blogs Geld zu verdienen, nachdem die erste Euphorie bei Vermarktern wie Trigami[4] oder Adical[5] abgeklungen ist. Auch scheint es in der Szene an einer gewissen Hartnäckigkeit zu fehlen. Übertragen auf Unternehmen, sollten diese überhaupt noch mit Weblogs beginnen, jetzt wo der Hype sich gelegt hat?
Basic: Kleinere Unternehmen haben oftmals gar nicht die Ressourcen, damit in größerem Stile zu beginnen. Hier hängt es an Einzelpersonen, die das treiben. Chefs aus Großunternehmen mit 5000 Mitarbeitern können unmöglich alleine die ganze Firmenkultur verkörpern. Andererseits wäre es natürlich peinlich, wenn sich herausstellt, dass ausgerechnet der Portier die besten Beiträge schreibt. Das darf dann nicht stattfinden. Dennoch öffnen sich auch große Konzerne stärker als früher für neue Ideen und Kanäle. Generell gilt folgende Grundregel: Je größer das Unternehmen, umso riskanter, schwieriger und komplexer ist es, Veränderungen einzuführen. ZDNet: Gibt es bestimmte Gruppen und Bereiche in der Businesskommunikation, die affiner und aufgeschlossener sind?
Basic: Oftmals gibt es diese klar umrissene Zielgruppe. So erkundigen sich rund 70 Prozent der deutschen Einkaufsmanager übers Internet nach Produkten und Dienstleistungen. Die Fragestellung lautet also, was bieten wir in welchen Märkten an, wie müssen wir uns anpassen, um erfolgreich zu sein, welche Kommunikationskanäle eignen sich für die Kunden. Da gibt es jedoch keine Lösung nach Schema F. Wichtig ist eine durchgängige Betrachtungsweise, die von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich ausfällt.
ZDNet: In welchen Bereichen sollte ein Unternehmen konkret beginnen?
Basic: Am einfachsten ist der Bereich Human Resources, wo ein Weblog oftmals initiiert wird, um für Bewerber attraktiver zu sein. Schwieriger ist der Bereich Entwicklungsabteilungen, wo es oftmals kritische Stimmen gibt, das stehe mit dem Kerngeschäft nicht in Verbindung, oder aber sensible Daten könnten nach draußen gelangen. Der Produktentwickler wird sicherlich eher einen Maulkorb erhalten als der Leiter der Marketingabteilung.
ZDNet: Muss die Initiative eher in Richtung Kommunikationskanal nach innen ausgerichtet sein, oder sollte es gleich auf das Kundeninteresse fokussiert sein?
Basic: Der Prozess sollte spielerisch an irgendeiner Stelle beginnen. Dann kann man das sukzessive auch auf andere Bereiche ausdehnen, nach dem Motto, wenn wir gelernt haben, schrauben wir das Tempo höher. Ein leuchtendes Beispiel ist der britische Fernsehsender BBC[6], wo sich das Bloggen sich wirklich zu einer hohen Kultur entwickelt hat.
ZDNet: Wie ist denn der Status Quo bei der Umsetzung in Deutschland im internationalen Vergleich derzeit zu bewerten? Wo läuft es Ihrer Ansicht nach gut?
Basic: Da fällt mir spontan Doc Morris[7], ein, der die Apotheken ärgert. Zu den Vorreitern hierzulande gehören auch Frostablog[8] und Saftblog.de[9]. Letzterer stammt von der Firma Walther, einem mittelständischen Unternehmen. Der Blog hat die Kundenzeitung bei weitem überholt. Auch der Absatz von Sondermarken und -Sondersorten ist bei der Kelterei dadurch kräftig gestiegen. Das lässt sich aber trotzdem nicht anhand von harten Fakten vorher kalkulieren. Einen Blog also nur mit diesem Ziel zu beginnen, kann nicht immer klappen.
Auch hoch spezialisierte Zielgruppen bloggen erfolgreich. Plattformen für Rechtsanwälte wie Jurablog.de[10] haben sich längst etabliert. Jedes Unternehmen sollte auf der eigenen Welle reiten und danach streben, sich aus der Masse herauszuheben.
ZDNet: Wie kommen die Verantwortlichen trotzdem aus der Zwickmühle heraus, irgendwie einen mess- und nachweisbaren Erfolg des personellen und finanziellen Investments sicherstellen zu müssen?
Basic: Es geht immer um weiche Faktoren, die man mit harten Zahlen zunächst nicht gegenrechnen kann. Das wäre der völlig falsche Ansatz. Letztlich geht es um eine unternehmerische Vision, die auch von der Chefetage aktiv getragen werden muss. Irgendeiner muss den Ball ins Spiel bringen, und dann muss er weiter durchs Unternehmen rollen. Das kann nur als kreative Aufgabe verstanden werden, und die meisten Unternehmer sind doch per se risikobereit.
ZDNet: Ergeben Corporate Blogging Guidelines, die gerade größere Unternehmen gerne entwerfen, überhaupt Sinn, und wenn ja, wie müssten sie konkret aussehen, damit sie tatsächlich funktionieren?
Basic: Gewisse Richtlinien sind sicherlich sinnvoll, damit das Projekt nicht aus dem Ruder läuft. Auch ein Moderator ist sicherlich an der einen oder anderen Stelle sinnvoll. Aber das darf kein Verantwortlicher sein, der die Kommunikation am Ende wieder blockiert. Entweder man will den offenen und konstruktiven Dialog, oder man sollte es lieber gleich ganz lassen.
ZDNet: Welche Themen stehen denn bei Blogs in der IT-Industrie derzeit besonders hoch im Kurs?
Basic: Ich persönlich finde die Blogs von Oracle[11], Sun[12] und Microsoft[13] exzellent. Auch Google[14] hat einiges zu bieten.
ZDNet:…. was wäre, wenn die deutsche SAP sich auf diesem Gebiet stärker positionierte?
Basic: Erste Ansätze gibt es ja bereits. Für mich lesen sich die Experten-Beiträge von SAP immer sehr produktlastig und vor allem von der Sprache her zentral und irgendwie künstlich gesteuert. Das dürfte den in Walldorf so oft beschworenen Mittelstand eher wenig interessieren, wenn der Jargon so weit von der Realität weg ist.
ZDNet: Wie sieht die Zukunft von Weblogs in den Unternehmen aus?
Basic: Jedes Unternehmen, das sich auch im Internet bewegt, ist gut beraten, darüber zu schreiben, was es tut. Was ist das Besondere an dem Produkt? Das sollte kein allgemeines und privates Geschwätz oder nutzloser Smalltalk sein. Einfließen sollten konkrete Erfahrungen bei den Kunden, also informative Elemente, so dass der Interessent sagt, das gibt mir einen Einblick, worum es bei denen geht.
ZDNet: Rechnet sich das letzten Endes nicht doch irgendwie?
Basic: Durchaus. Das entlastet etwa das Callcenter oder spart Kosten beim Direktmarketing, bis hin zu teuren Werbeaktionen, die dadurch entfallen. In einem konkreten Fall haben wir dies sogar berechnet. Es ergaben sich durch einen effizient gestalteten Weblog Einsparungen von 6500 Euro für einen Mittelständler gegenüber dem klassischen Versenden von Briefe und aller sonstigen Kosten. Auch das teure Suchmaschinenmarketing, das auch für kleinere Betriebe mindestens Kosten von zwei- bis dreitausend Euro verursacht, wird dadurch erheblich entlastet.
ZDNet: Welche beruflichen Zukunftsperspektiven bieten sich für die professionelle Bloggerszene?
Basic: Wer heute das Bloggen richtig erlernt, hat sicherlich morgen bessere Arbeitschancen. Vielleicht nicht auf eine feste Arbeitsstelle, aber er oder sie demonstriert, dass eigene Ideen da sind, der Blogger dazu steht und sich damit inhaltlich und personell profilieren will. Dadurch kann man zumindest etwas immuner gegen Arbeitsplatzverlust sein.
Alles hängt natürlich von der Person ab. Das bedeutet natürlich auch, eine andere Form von Risikoverhalten an den Tag zu legen. Sprich, nicht erst später nach einem Arbeitgeber Ausschau zu halten, sondern frühzeitig ein auch für andere Personen interessantes Expertiseprofil aufzubauen. Mit dem Kopf durch die Wand zu rennen, ist dabei nicht gefragt. Ein KO-Kriterium wäre auch eine latente Faulheit in der Pflege und beim Aktualisieren der Inhalte. Gefragt sind vielmehr eine gewisse Systematik, wenngleich diese die Fantasie nicht aushebeln darf, und vor allem ein langer beziehungsweise disziplinierter Atem.
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