Der Anteil der Bladeserver am Servermarkt steigt rasant. Bei Großkunden ist der gesparte Platz noch ein wichtiges Argument. Inzwischen nehmen die Hersteller aber den Mittelstand ins Visier - wo andere Fakten wichtiger werden.
Die aktuellen Zahlen von IDC[1] für den Bladeservermarkt klingen, als ob sie aus den guten alten Boom-Zeiten der IT-Branche stammten: So steigerte etwa HP[2] seinen Umsatz im vierten Quartal 2007 im Vergleich zum Vorjahresquartal um 81 Prozent. In Deutschland legte das Unternehmen sogar um 85 Prozent zu. IBM[3] konnte seinen Umsatz mit Bladeservern im selben Zeitraum in Deutschland um 26 Prozent steigern.
Der Gesamtmarkt hierzulande wuchs im vierten Quartal 2007 um stolze 45 Prozent, insgesamt wurden im vergangenen Jahr in Deutschland für gut 124 Millionen Euro Bladeserver verkauft. Damit nahm das Volumen des Marktes um 49 Prozent zu. HP übernahm im vierten Quartal 2006 in dem Marktsegment die Spitzenposition und behauptet sie seitdem, IBM belegt mit 30 Prozent Anteil den zweiten Platz, mit Abstand folgen Dell[4] und FSC[5].
"HP eroberte im Windschatten des Erfolges des C-Class-Chassis die Führungsposition im Blademarkt", sagt Jed Scaramella, Analyst bei IDC. Es gibt aber auch andere Standpunkte: Ed English, Senior Enterprise Marketing Manager bei Dell, glaubt etwa, dass HP seinen Erfolg hauptsächlich der Tatsache zu verdanken hat, dass der Hersteller die Produkte in seiner Verkaufsstrategie stark in den Vordergrund stellt.
"Dell hat da eine andere Herangehensweise: Für uns sind Blades ein Teil unseres Enterprise-Portfolios. Anhand der Herausforderungen des Kunden erarbeiten wir für ihn eine angepasste Lösung - die kann aus Bladeservern bestehen, muss es aber nicht. Schließlich gibt es auch viele andere Möglichkeiten. Und wir wollen dem Kunden nicht verkaufen, was er gar nicht braucht."
"Bladeserver sind seit ihrer Markteinführung ein Wachstumstreiber für den Enterprise-Server-Markt", sagt Scaramella. Er glaubt aber auch, dass der Nutzen, der die Geräte für Kunden so attraktiv macht, sich seitdem verändert hat: "Ursprünglich war es hauptsächlich die Packungsdichte, heute und in der Zukunft liegt der Schwerpunkt auf Verwaltbarkeit, Wartungsfreundlichkeit und Kostenaspekten." Diese Bedürfnisse will IBM mit dem Bladecenter S ansprechen. Gleichzeitig soll die Lösung dem Erfolg von HPs C-Class-Serie Einhalt gebieten. Zielgruppe für das Bladecenter S ist der Mittelstand, wichtigstes Argument neben der Leistungsfähigkeit die Energieeffizienz.
Die Marktforscher der Experton Group[6] sehen in puncto Energieeffizienz Stand heute Vorteile für IBM: Zwar seien die derzeit von IBM angebotenen Bladesysteme in der Regel etwas teurer in der Anschaffung, sie hätten aber im Vergleich zu den Systemen von HP eine geringere Total Cost of Ownership. Aus Sicht des Systemmanagements bieten laut der Experton Group beide Hersteller sehr gute Lösungen, und auch gemessen an der Performance seien beide Systeme gleichauf, "wobei es bei IBM eine größere Optionsvielfalt gibt, was die möglichen Betriebssysteme und Chipsätze anbelangt. Insbesondere können die IBM-Systeme bei den Energiekosten punkten. Hier sind Einsparungen von über 20 Prozent, bezogen auf den Lebenszyklus, gegenüber HP-Systemen möglich", so die Analysten.
Nach ihren Berechnungen ergibt sich beim Vergleich zwischen einem IBM Bladecenter H[7] von IBM und einem BL-460c-Serverblade[8] (Xeon) von HP bei einer Dreijahresbetrachtung eine Kostendifferenz von über 15.000 Euro zugunsten des IBM-Systems.
Ähnliche Betrachtungen hat auch das amerikanische Marktforschungsunternehmen Edison Group[9] angestellt. Es kommt in seinem Bericht[10], der auf dem Vergleich des IBM Bladecenter H[7] mit dem HP Bladesystem C7000[11] beruht, zu dem Ergebnis, dass die IBM-Lösung zwischen 7,8 und 9,8 Prozent weniger Strom benötigt. Das entspricht bei einem mit 224 Blades ausgestatteten System und den aktuellen durchschnittlichen Strompreisen in den USA zwischen 9400 und 12.000 Dollar pro Jahr.
Ein etwas anderes Licht auf den Stromverbrauch werfen die Ergebnisse eines Tests von Principled Technologies[12]: Dabei wurden drei Blade-Server-Konfigurationen miteinander verglichen: Ein Dell Poweredge M600[13], ein HP Bladesystem C-Class und ein IBM Bladecenter H. Mit zehn Blades in jedem Chassis erbrachte die Dell-Lösung die beste Leistung gemessen am verbrauchten Strom: Sie lag um rund ein Viertel höher als bei HP und war im Vergleich zu IBM sogar rund 28 Prozent effizienter.
Wie passt das zu den anderen Ergebnissen? Eine zweite Messreihe von Principled Technologies erlaubt eher einen Vergleich: Dabei wurde jeweils gemessen, wie viel Strom voll ausgerüstete Chassis benötigen. Zwar schnitt auch in diesem Fall Dell am besten ab, aber IBM (rund 12 Prozent mehr) und HP (rund 19 Prozent mehr) waren näher dran. Mit einer Einschränkung: Das IBM-Chassis nimmt nur 14, die beiden anderen nehmen je 16 Blades auf.
Und schließlich hat auch HP einen Analystenbericht[14] zur Hand, in dem die eigenen Systeme am besten abschneiden - meistens jedenfalls. Die kürzlich von Sine Nomine Associates[15] vorgestellte Untersuchung zeigt nämlich auch, dass das IBM Bladecenter und HP Bladesystem bei überschaubaren Konfigurationen recht nahe beieinander liegen. Lediglich bei größeren kommt HP deutlich besser weg als IBM - was IBM nicht leugnet, der Hersteller bezeichnet solche aber als "untypisch". Edmund English, Senior Enterprise Marketing Manager bei Dell, sieht noch einige Hindernisse für Bladeserver auf dem Weg in den Mittelstand: So sei etwa das Mißverständnis weit verbreitet, Bladeserver würden mehr Strom und Kühlung benötigen. Aber genau das Gegenteil sei der Fall: Aufgrund von geteilten Netzteilen und Lüftern werde generell weniger Strom benötigt. Große Rechenzentren haben das auch schon selbst durchprobiert, kleinere Firmen sind jedoch noch zögerlich. English versteht das: "Im mittleren Marktsegement müssen wichtige Gründe dafür sprechen, wenn sich jemand für Bladestrukturen entscheiden soll."
Zu diesen Gründen gehört etwa die einfachere Installation: Besonders in einem Umfeld, in dem sich viel ändert,und das oft, macht sich die Anschaffung bald bezahlt. Aber auch sehr verteilte Strukturen profitieren überdurchschnittlichen von Bladeinstallationen: Dadurch lassen sich Server auch an Standorten hinzufügen, an denen kein Spezialist dafür vor Ort ist. "Es besteht aber kein Bedarf für ein Chassis mit 8 oder 16 Slots, wenn nur drei oder vier Server im Unternehmen stehen", so English.
Ab 5 bis 6 benötigten Blades jedoch lohnt es sich durchaus, einmal nachzurechnen. Und zwar gründlich, denn alleine der Vergleich der Anschaffungskosten bringt kein sinnvolles Ergebnis: Sie spielen über die gesamte Nutzungsdauer nur mehr eine untergeordnete Rolle. Wichtig ist, den Stromverbrauch und den zu erwartenden Verwaltungsaufwand einzukalkulieren.
Die wenigsten Unternehmen betreiben aber ihre Server nach drei oder vier Jahren noch so, wie zum Anschaffungszeitpunkt. Gerade im Mittelstand ist daher eine weitreichende Flexibilität notwendig. Auch hier punktet Dell.
In den Chassis des Herstellers sind etwa unterschiedliche Netzteile verbaut, so dass sich eine Art Strom-Load-Balancing einrichten lässt. Auch die Lüfter laufen bei Dell nur, wenn der davorliegende Slot überhaupt ein Blade beherbergt, da die Kühlung nicht auf das Chassis, sondern den einzelnen Bladeserver ausgelegt ist. Und letztendlich hat Dell eine flexiblere Switch-Struktur als die beiden großen Mitbewerber: Bei Dell lassen sich neue Hardware-Module in bestehende Switches integrieren, während bei HP und IBM jeweils neue Switchblades benötigt werden - wenn nicht gleich von Anfang an die größte Option gewählt wird.
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