Sauber surfen: Internet ohne Kohle- und Atomstrom

(http://www.zdnet.de/magazin/39189185/sauber-surfen-internet-ohne-kohle-und-atomstrom.htm)

von Stefan Gneiting, 4. April 2008

Auch Energie sparende PCs brauchen Strom. Doch Ökostrom ermöglicht, ohne CO2-Ausstoß zu arbeiten, zu spielen und im Web unterwegs zu sein. ZDNet zeigt die Unterschiede zwischen den zahlreichen Anbietern und Webhostern auf.

Computer, Drucker, Monitore, Internet- und E-Mail-Nutzung tragen mehr als sechs Prozent[1] zur gesamten Umweltauswirkung privater Haushalte bei, behauptet das Freiburger Öko-Institut[2]. "Es gibt bereits vereinzelt Hersteller, die effiziente Geräte produzieren. Doch zum Standard gehört ein energieeffizienter PC noch lange nicht", kritisiert Dietlinde Quack, IT-Expertin des Instituts.

Energiesparende Produkte sind aber nur ein Schritt auf dem Weg zu einer ökologisch verantwortlichen IT. Verbraucher sollten bei der Kaufentscheidung für IT-Geräte darüber hinaus berücksichtigen, ob der Hersteller schadstoffarme und recyclingfähige Werkstoffe verarbeitet oder sogar schon einmal recycelte Materialien verwendet. Darüber hinaus raten die Unternehmensberater von A.T. Kearney in einer Studie[3], den Einsatz von erneuerbaren Energien zu prüfen, um die CO2-Bilanz der IT weiter zu optimieren.

Wer also zu Hause Strom aus regenerativen Quellen bezieht, hat schon eine wichtige Stufe hin zu einer grünen IT erklommen. Konsequenterweise sollten Betreiber einer Website oder E-Mail-Nutzer aber noch weiter gehen und bei der Wahl des Providers den Einsatz von Ökostrom als Maßstab ansetzen. Es gibt bereits einige Anbieter, die ihre Rechenzentren mit Strom betreiben, der aus regenerativen Quellen stammt. Weil aber nicht überall (nur) Ökostrom drin ist, wo Ökostrom draufsteht, gibt ZDNet einen Überblick über Ökostrom-Anbieter und listet "grüne" Hostingpartner auf.

Was ist überhaupt Ökostrom[4]? Ökostrom stammt entweder aus nachwachsenden, also regenerativen, oder aus unendlich zur Verfügung stehenden Quellen: Biomasse, Sonne, Wasser und Wind. Nach Angaben des Bundesumweltministeriums[5] haben die erneuerbaren Energien im Jahr 2007 in Deutschland einen Anteil von 14,2 Prozent am gesamten Stromverbrauch erreicht. Das sind 2,4 Prozent mehr als im Vorjahr.

Aber kommt eigentlich bei den Ökostrombeziehern tatsächlich Strom aus der Steckdose, der aus regenerativen Quellen erzeugt wurde? Nein. Weil alle Verbraucher Strom aus demselben Netz beziehen und Strom physikalisch[6] immer gleich ist, hat der Bezug von Ökostrom keine direkte Auswirkung auf den beim einzelnen Kunden gelieferten Strom - alle Kunden erhalten den gleichen Strom. Wer grünen Strom bezieht, veranlasst lediglich, dass sein Anbieter so viel grünen Strom ins bundesweite Netz einspeisen[7] muss, wie er verbraucht hat. Jeder Stromkunde nimmt also Einfluss auf die Zusammensetzung der bundesweiten Strommischung insgesamt.

Mittlerweile hat fast jeder Stromanbieter Ökostrom im Portfolio. Das impliziert aber bereits, dass viele Lieferanten neben Ökostrom auch solchen aus Atomkraftanlagen und Kohlekraftwerken verkaufen. Bei solchen Unternehmen besteht die Möglichkeit, dass man mit dem teurer bezahlten Ökostrom die für einen viel geringeren Preis angebotenen Atom- oder Kohlestromofferten subventioniert. Und die Eigentumsverflechtungen sind nicht immer offensichtlich. So bietet beispielsweise En-BW[8] seinen Kunden unter anderem vollständig aus Wasserkraft gewonnenen Strom an, ist aber gleichzeitig 100-prozentige Mutter von Yello[9], in deren Billigstrom sich ein überdurchschnittlich hoher Anteil an Atomstrom[10] findet. Bei der Wahl des Lieferanten heißt es also: Augen auf!

Neben den Eigentumsverflechtungen sollte man unbedingt den Strommix[11] sorgfältig betrachten, den jeder Anbieter anzugeben verpflichtet ist. Er spezifiziert, aus welchen Quellen der Strom stammt.

Auch die Ökostromangebote selbst unterscheiden sich. Es gibt Unternehmen, die Ökostrom einkaufen und einfach an ihre Kunden weiterreichen. Das ist prinzipiell schon einmal gut, aber sie verändern damit auf längere Sicht den Mix im bundesweiten Stromnetzwerk nicht zugunsten des grünen Stroms.

Das Öko-Institut[12] schreibt dazu: "Mit derartigen Produkten ist derzeit kein messbarer ökologischer Mehrwert verbunden" und liefert die Begründung gleich dazu: "Im europäischen Strommarkt ohnehin vorhandener Ökostrom wird an Unternehmen umverteilt, die diesen gesondert nachfragen. Bezieht also ein Stadtwerk in Deutschland Wasserkraftstrom[13] aus abgeschriebenen skandinavischen Anlagen, erhalten dort ansässige Kunden einfach weniger Strom aus Wasserkraft."

Umstritten ist in diesem Zusammenhang auch die Verwendung von Zertifikaten wie die des Renewable Energy Certificate System (RECS[14]). Zwar können Lieferanten RECS-Zertifikate einerseits als zusätzlichen Nachweis verwenden, dass sie tatsächlich Ökostrom anbieten, andererseits lässt sich mit solchen Zertifikaten[15] auch nicht ökologisch erzeugter Strom sehr preiswert in grünen Strom wandeln, ohne tatsächlich die Stromerzeugung aus regenerativen Quellen zu erhöhen.

Wer also einen wirklichen Beitrag zum Umweltschutz[16] leisten möchte, sollte einen Anbieter wählen, der nachvollziehbar einen Beitrag zum Bau neuer Ökostromkraftwerke leistet. Einige Ökostromanbieter wie die Elektrizitätswerke Schönau[17] oder Naturstrom[18] investieren pro verbrauchte Kilowattstunde einen festgelegten, vom Tarif abhängigen Betrag in neue Anlagen zur Grünstromgewinnung. Greenpeace Energy[19] legt sich bei der Abgabe nicht auf einen bestimmten Betrag fest, sondern will alle seine Neukunden nach spätestens fünf Jahren vollständig aus Ökokraftwerken versorgen, die nicht älter als fünf Jahre alt sind - das geht natürlich nicht ohne den Neubau von Anlagen. Nur mit solchen Verpflichtungen oder Abgaben ist garantiert, dass die aus regenerativen Quellen stammende Strommenge sich künftig auch tatsächlich erhöht.

Natürlich kann man eine Fotovoltaikanlage[20] auch auf dem eigenen Dach montieren und den Strom ins Netz einspeisen, der dann wiederum mit einem im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG[21]) festgelegten Betrag vergütet wird. Wer das macht, sollte aber trotzdem seinen Eigenbedarf bei einem Ökostromlieferanten decken. Sonst produziert er zwar grünen Strom, verbraucht aber möglicherweise selbst Kohle- oder Atomstrom.

Einige Ökostromanbieter, die in neue Anlagen investieren

Die nachfolgende Tabelle zeigt eine Auswahl an unabhängigen Anbietern, die Kunden im gesamten Bundesgebiet ohne Atom- und Kohlestrom beliefern und in den Bau neuer Anlagen zur Ökostromgewinnung investieren. Die Beispiele sind Privatkundentarife. Für Geschäftskunden mit höherem Verbrauch (meist über 10.000 kWh pro Monat) werden die Tarife individuell und nur auf Anfrage kalkuliert.

Ökostromanbieter
Anbieter Tarif Vertragslaufzeit / Kündigungsfrist monatliche Grundgebühr Kosten pro kWh monatliche Kosten bei 4000 kWh*
Elektrizitätswerke Schönau GmbH[17] Stromtarif Sonnencent 0,5 0 Wochen / 6 Wochen 6,90 Euro 21,20 Cent 77,57 Euro
Greenpeace Energy eG[19] Privatkundentarif 0 Wochen / 6 Wochen 8,90 Euro 19,80 Cent 74,90 Euro
Lichtblick GmbH[22] Lichtblick 3 Monate / 4 Wochen 7,95 Euro 20,25 Cent 75,45 Euro
Naturstrom AG[18] Privatkundentarif 0 Wochen / 6 Wochen 7,95 Euro 19,90 Cent 74,28 Euro

* 4000 kWh entsprechen ungefähr dem Verbrauch eines 4-Personenhaushalts.
Alle Preisangaben inkl. MwSt. und sonstige Abgaben.
Die Tabelle auf der vorangegangenen Seite enthält nur ein Beispiel. Wer die Tarife mit seiner bisherigen Stromrechnung vergleichen möchte, kann einen der zahlreichen Tarifrechner nutzen. Dabei stellt sich übrigens häufig heraus, dass Ökostrom nur minimal teurer oder sogar billiger ist als der bislang bezogene Strom.

Auf die Ergebnisse der Rechner darf man sich dennoch nicht blind verlassen, sondern kann sie allenfalls als Orientierung nutzen. Die Stromgebühren sind ständig in Bewegung, und manche Rechner kennen nicht immer die aktuellen Tarife. Außerdem berücksichtigen manche Tarifrechner auch nur die Angebote einiger ausgewählter Anbieter, ohne das kenntlich zu machen. Die Zeitschrift Ökotest[23] hat im März die Qualität von Vergleichsrechnern getestet.

Hier eine kleine Auswahl von Stromrechnern:

Wer zuhause Ökostrom bezieht, hat nur einen ersten Schritt getan, um halbwegs klimaneutral das Internet nutzen zu können. Freilich: Auf den Strom, mit dem die gigantischen Server der großen Anbieter laufen, hat der Anwender keinen Einfluss. Und schließlich kann man sich nicht auf ökologisch gehostete Seiten wie die von Google und Yahoo[28], Intel[29] und Sharp[30] beschränken.

Wer aber selbst einen Internetauftritt eingestellt hat, kann seine ökologische Konsequenz durch die Wahl des Serverbetreibers demonstrieren. Die nachfolgende Tabelle führt eine Auswahl von Web-Hosting-Anbietern, die Ökostrom verwenden.

Grüne Webhoster
Hosting-Anbieter Strom-
lieferant
Hosting-Produkt Speicher monatl. Inklusiv-Traffic E-Mail Do-
mains
Preis pro Monat
1 und 1[31] Stadtwerke Karlsruhe* Homepage Basic 600 MByte Webspace / 2 GByte pro Postfach 60 GByte 60 POP3/IMAP 1 3,99 Euro
Biohost.de[32] Greenpeace Energy Extraspace 5GB 5 GByte 25 GByte 10 POP3/IMAP-Accounts, unbegrenzte Aliases 1 5,99 Euro
CGS GmbH[33] Greenpeace Energy Webhosting Basic 500 MByte 10 GByte 50 POP3-Accounts, 100 Aliases für E-Mail 1 19,00 Euro
Greensta[34] Greenpeace Energy Greensta Medium 1,5 GByte 25 GByte bis zu 200 E-Mail-Adressen 1 3,99 Euro
Hetzner online[35] Naturenergie AG** SH200 1 GByte 10 GByte 25 POP3/IMAP-Accounts, 100 Aliases 1 1,99 Euro
Manitu[36] Stadtwerke St. Wendel*** Webhosting M 500 MByte 50 GByte 50 POP3/IMAP-Accounts, unbegrenzte Aliases 1 5,99 Euro
NMMN[37] Greenpeace Energy Atomstrom-
frei Energy Advanced
50 MByte 2 GByte 5 POP3-Accounts, 20 Aliases 2 9,95 Euro
Strato[38] Naturenergie AG** Powerweb Basic 500 MByte 50 GByte 100 POP3 / IMAP-Accounts, 10 Aliases 3 3,99 Euro

* Anteilseigner: Stadt Karlsruhe: 70 Prozent, En-BW: 20 Prozent, Thüga (Eon-Tochter): 10 Prozent
** 100-prozentige Tochter der Energiedienstholding AG, die wiederum zu 76 Prozent der En-BW gehört.
*** Anteilseigner: Stadt St. Wendel: 50,5 Prozent, Energis GmbH (gehört zu Evonik): 49,5 Prozent

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.zdnet.de/news/messen/cebit2008/0,39039377,39187857,00.htm
[2] = http://www.oeko.de/
[3] = http://www.atkearney.de/content/presse/pressemitteilungen_practices_detail.php/practice/nachhaltigkeit/id/50162/global/1
[4] = http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96kostrom
[5] = http://www.bmu.de/files/pdfs/allgemein/application/pdf/ee_hintergrund2007.pdf
[6] = http://de.wikipedia.org/wiki/Elektrischer_Strom
[7] = http://de.wikipedia.org/wiki/Stromkennzeichnung
[8] = http://www.enbw.com/
[9] = http://www.yellostrom.de/
[10] = http://de.wikipedia.org/wiki/Yello_Strom
[11] = http://de.wikipedia.org/wiki/Strommix
[12] = http://www.oeko.de
[13] = http://de.wikipedia.org/wiki/Wasserkraft
[14] = http://www.recs.org
[15] = http://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCtesiegel
[16] = http://www.bbu-online.de/
[17] = http://www.ews-schoenau.de
[18] = http://www.naturstrom.de
[19] = http://www.greenpeace-energy.de
[20] = http://www.solarstromerzeugung.de/
[21] = http://www.erneuerbare-energien.de/inhalt/40064/4596/
[22] = http://www.lichtblick.de
[23] = http://oekotest.de/oeko/bin/strompreisrechner.pdf
[24] = http://www.projekt21plus.de/strom/index.html?stromrechner.htm
[25] = http://www.verivox.de/Power/Calculator.asp
[26] = http://www.steckdose.de
[27] = http://www.energieverbraucherportal.de
[28] = http://www.zdnet.de/news/tkomm/0,39023151,39154412,00.htm
[29] = http://www.zdnet.de/news/business/0,39023142,39161598,00.htm
[30] = http://www.zdnet.de/itmanager/tech/0,39023442,39148844-2,00.htm
[31] = http://www.1und1.de
[32] = http://www.biohost.de
[33] = http://www.CGS.net
[34] = http://www.greensta.de
[35] = http://www.hetzner.de
[36] = http://www.manitu.de
[37] = http://www.nmmn.de
[38] = http://www.strato.de