Die Datenflut bewältigen: NAS-Lösungen bis 4 Terabyte

(http://www.zdnet.de/magazin/39188871/die-datenflut-bewaeltigen-nas-loesungen-bis-4-terabyte.htm)

von Peter Marwan, 28. März 2008

Rasant wachsende Datenmengen selbst in kleinen Unternehmen beflügeln den Markt für günstige NAS-Systeme. Neben dem Kaufpreis sind jedoch einfache Handhabung und Integration entscheidende Auswahlkriterien.

Was mit Kisten mit zwei Festplattenschächten und ein bisschen Verwaltungssoftware für ambitionierte Heimanwender anfing, hält jetzt Einzug in kleine und mittlere Unternehmen: Unkomplizierte und günstige NAS-Lösungen. Im vergangenen Jahr hat sich das Marktvolumen in etwa verdreifacht, immer mehr Anbieter integrieren Businessfunktionen und -features.

Der Markt wird dabei von unten her aufgerollt: Firmen, die traditionell stark bei Privatkunden verankert sind, wie Netgear[1], Linksys[2] oder Buffalo[3], haben das Geschäft daher am schnellsten verstanden: Was zählt, sind neben dem Preis die einfache Integration und Bedienung sowie das Vertrauen in den Hersteller.

Schwer tun sich dagegen etablierte Storage-Anbieter wie HP[4], IBM[5] oder Dell[6]. Sie wurden von der Entwicklung im Einstiegsmarkt schlichtweg überrollt. Ihre Einsteigerlösungen kosten in der Regel mehr als das Doppelte der größeren KMU-Lösungen der Newcomer. Dafür bringen sie zwar in der Regel weitaus umfassendere und in Großunternehmen auch benötigte Funktionen für Backup und Archivierung mit - bei der Speicherkapazität hinken sie jedoch teilweise sogar noch hinterher.

Dabei ist gerade dieser Punkt bei den meisten kleinen und mittleren Unternehmen ausschlaggebend: Wohin mit all den Daten? Und vor allem, wie lassen sie sich ohne viel Aufwand so sicher speichern, dass alle Mitarbeiter, die Zugriff benötigen, diesen auch haben? Auf diese Fragestellungen geben die neuen NAS-Lösungen genau die richtige Antwort.

Die rasch sinkenden Preise und die gleichzeitig nahezu ebenso rasch zunehmenden Speicherkapazitäten von Festplatten sorgten zudem dafür, dass NAS-Lösungen mit SATA-Disks und Kapazitäten bis vier TByte heute bereits zu Preisen zwischen etwa 1800 und 2800 Euro erhältlich sind und damit auch für sehr kleine Unternehmen erschwinglich werden.

Der Preis von NAS-Lösungen hängt in der Regel von der Anzahl der unterstützten Protokolle und RAID[7]-Level, den Verwaltungsmöglichkeiten, Schnittstellen und den verwendeten Festplatten ab. Besonders bei letzterem Punkt ist Vorsicht geboten: Verwendet der Hersteller günstigere Festplatten, um den Preis klein zu halten, die eigentlich für den Betrieb in Desktops konzipiert sind, nimmt die Fehler- und Ausfallwahrscheinlichkeit zu.

Andere Anbieter, beispielsweise Qnap[8], Thecus[9] oder Intel[10], liefern ihre NAS-Produkte für Unternehmen ohne Festplatten aus. Sie überlassen dem Anwender die Wahl. Und das nicht nur bei den kleinen Gehäusen für ein Laufwerk mit bis zu 1 TByte, sondern auch bei den etwas größeren mit Kapazitäten von bis zu 4 TByte. Und auch D-Link[11] will den zur CeBIT und voraussichtlich ab Mai verfügbaren Netzwerkspeicher DNS 343 ohne Festplatten ausliefern.

Thomas Jell, Managing Director Central Europe von Netgear, verfolgt eine andere Strategie: “Da wir auf unsere Ready-NAS-Produkte eine Garantie von fünf Jahren gewähren, liefern wir sie nur mit von uns ausgewählten Festplatten aus. Anwender sehen nun einmal nach der Anschaffung die Speicherlösung als Gesamtsystem -und unterscheiden bei einem Problem nicht mehr unbedingt zwischen Gehäuse, Software und Festplatte. Da letztere bei den Systemen aber die häufigste Fehlerquelle darstellen, ist es uns besonders wichtig, auf diesen Faktor Einfluss nehmen zu können."

Bei Allnet[12] geht der Trend ebenfalls in diese Richtung: Während früher die Gehäuse ohne Platten ausgeliefert wurden, sind es heute immer mehr komplett bestückte Systeme. Sie werden entweder bereits von Allnet zusammengestellt oder vom Allnet-Fachhändler für seine Endkunden angepasst.

SMC Networks hat dagegen zur Zeit drei NAS-Lösungen für Kleinunternehmen[13] im Angebot, nur eine davon mit Festplatten (viermal 250 GByte). Der Hersteller sieht erstens eine hohe Nachfrage nach individuell bestückbaren Geräten, und zweitens will er sich nicht zu sehr mit der Lagerung und Auslieferung von Festplatten beschäftigen. Damit aber nicht durch ungeeignete Festplatten Probleme entstehen, ist bei Händlern, Distributoren oder dem Hersteller selbst eine Liste zertifizierter Produkte erhältlich. Die Anforderungen von Powerusern und kleinen Unternehmen oder Selbständigen an Speicherprodukte unterscheiden sich heute kaum noch. So mancher glaubt, eine private Sicherungskopie des Internets anfertigen zu müssen, und hat daher sogar eine größere Datenmenge zu sichern, als eine Firma, die überwiegend E-Mails, Word-Dokumente und Excel-Tabellen abspeichert.

Allein an der Speicherkapazität lässt sich daher schon lange nicht mehr ablesen, welche Produkte für welchen Anwenderkreis konzipiert sind. Am Design und den zusätzlich mitgelieferten Softwarefunktionen schon eher.

So rüstet Longshine[14] seinen Network Storage Server LCS-8311 etwa mit einem AV-Server, Itunes-Server und P2P-Client aus, den LCS-8220 dagegen mit einem Bittorrent-Client. Ähnliches gilt für SMCs[15] NAS02 Tigerstore: Auch hier sind Itunes-Server und Bittorrent-Client bereits von Haus aus an Bord.

Freecom[16] hat in seine NAS-Lösung Network Drive Pro[17] neben Web-, File-, FTP- und Druckserver ebenfalls einen Torrent-Client integriert. Auf dem Datatank Gateway WLAN[18] von Freecom ist ebenso wie auf vergleichbaren Produkten von Qnap oder Lacie[19] der AV-Server von Twonkyvision[20] vorinstalliert.

Über einen eingebauten Router stellt Freecoms Datatank Gateway WLAN außerdem per WLAN oder LAN einen Internetzugang zur Verfügung. FTP[21]-, DHCP[22]-, und Mail-Server sind ebenso wie ein HTTP[23]-Server mit My SQL[24] und PHP[25] integriert. Der Datatank Gateway WLAN ist in zwei Version erhältlich: Mit 1 TByte zum EVK von 580 Euro, mit 2 TByte für 1140 Euro.

Dass die Grenze zwischen Consumer- und Business-Lösungen immer undeutlicher wird, zeigt ganz deutlich Netgears Ready-NAS NV+ RND4410[26] mit 4 TByte Speicher. So werden die Netzwerkprotokolle CIFS, SMB, AFP, NFS, HTTP und FTP unterstützt, und über drei multifunktionale USB-2.0-Ports lassen sich Drucker, USV-Anlagen oder weitere Speichermedien einbinden. Auch der Preis von 3180 Euro lässt eher an ein Businessprodukt denken. Aber dass in der Firmware Möglichkeiten zum Erstellen eines Itunes-Servers sowie die Unterstützung für Logitechs Squeezebox[27] integriert sind, zeigt, dass sich der Hersteller nicht nur Unternehmen als Käufer vorstellen kann. Welche Kundengruppen Desktop-Storage-Boxen ansprechen sollen,ist nicht immer ganz klar. Manche Hersteller legen sich bewusst nicht fest - sie lassen den Markt entscheiden. Die 19-Zoll-Varianten dagegen sind zweifelsfrei für gewerbliche Endkunden konzipiert.

Die Cisco-Tochter Linksys[2] etwa hat nur solche im Angebot. Die vier als Network Storage System (NSS) verkauften Modelle (NSS 4000, 4100, 6000 und 6100) weisen alle vier Festplattenschächte auf. Sie beherrschen mehrere RAID-Level und unterstützen die Verschlüsselung von Dateien. Mit NSS 6000 und NSS 6100 ist zudem die Anwendung der RAID-Modi über mehrere Linksys-NAS-Geräte hinweg möglich.

Im NAS-Portfolio von Allnet[28] gibt es zwar nur ein 19-Zoll-Modell, die anderen NAS-Boxen mit 2, 4 oder 5 Festplatteneinschüben richten sich aber ebenfalls vom Featureset her - etwa im laufenden Betrieb austauschbaren Platten - an Geschäftskunden. Eine Besonderheit sind die beiden Modelle der ALL-6600-Reihe. Entweder mit iSCSI- oder Gigabit-Ethernet-Port ausgerüstet, können sie bis zu fünf Festplatten aufnehmen.

Netgears Rackmount-Modelle[29] der Ready-NAS-Serie gibt es inzwischen in vier Ausführungen: Mit jeweils vier Platten mit 500, 750 oder 1000 GByte. Auffallend bei Netgear ist die zum Patent angemeldete X-RAID-Technik. Sie soll die intelligente Steuerung des RAID-Verbundes gewährleisten, indem automatisch die jeweils optimale Konfiguration der Platten gewählt wird.

Sind zwei Platten verbaut, werden diese automatisch gespiegelt (RAID 1). Bei Erweiterung auf eine dritte Festplatte wird zu RAID 5 gewechselt, wodurch sich Geschwindigkeit und Redundanz verbessern. Wird eine vierte Festplatte in den RAID-Verbund integriert, erkennt das System auch sie automatisch und synchronisiert den Datenbestand selbständig. Auch Ausbau oder Austausch von Festplatten im laufenden Betrieb sind laut Netgear so ohne Datenverlust möglich.

Lacie hat für Netzwerke in Kleinbetrieben und Heimbüros vier Gerätevarianten[30] im Angebot. Die "Ethernet Big Disk" mit Gigabit-Ethernet- und Hi-Speed-USB-2.0-Port ist mit 1, 1,5 und 2 TByte erhältlich. Das Modell "2 Big Network" kann mit denselben Festplattenkapazitäten als Dateiserver, Sicherungsserver oder FTP-Server eingesetzt werden und Daten einfach sichern oder auf der zweiten Festplatte spiegeln.

"Ethernet-Disk-RAID" von Lacie ist mit Gigabit Ethernet-Schnittstelle und vier im laufenden Betrieb austauschbaren Festplatten ausgestattet (1, 2, 3 oder 4 TByte). Sie unterstützt RAID 0, 1, 5, 5+Spare sowie 10 und ist als Dateiserver und zur zentralen Sicherung mehrerer PCs in Kleinbetrieben gedacht. Mit einem zweiten Ethernet-Port lässt dich die NAS-Lösung zudem als DHCP-Server zur Einrichtung eines lokalen Netzwerks einsetzen. Für eine sichere Datenfreigabe sorgt die Authentifizierung über Benutzer- und Gruppenberechtigungen. Über Systemfehler informiert die Box per E-Mail-Benachrichtigung. Alternativ wird die Rackmount-Variante Ethernet Disk angeboten. Sie rüstet Lacie ebenfalls mit 1, 2, 3 oder 4 TByte Speicher aus.

Ausgehend von existierenden NAS-Lösungen arbeitet SMC Networks derzeit noch an Rackmount-Varianten. Buffalo und Iomega haben ihr Angebot kürzlich um solche Modelle erweitert. Die Lösungen werden über einen Gigabit-Ethernet-Port an das Netzwerk angeschlossen, enthalten bis zu vier SATA-Laufwerke und beherrschen die RAID-Level 5, 1, 0 sowie 0+1.

Buffalo verkauft mit Terastation-Pro-II eine 19-Zoll-Version seiner Netzwerkspeicherlösung bereits seit März. Sie kann bis zu 4 TByte speichern und kostet je nach Ausbaustufe zwischen 760 und 2060 Euro. Iomega[31] bringt mit Storcenter Pro NAS 200rl im Laufe des April eine Rackmount-Variante seiner NAS-Lösungen für kleine und mittlere Unternehmen. Sie wird in drei Ausführungen mit 1, 2 oder 3 TByte erhältlich sein und soll 1486, 1724 beziehungswiese 2022 Euro kosten. Bisher scheinen den meisten kleinen Unternehmen Lösungen mit vier Festplatten auszureichen, nur wenige Hersteller (etwa Allnet und Thecus) haben Lösungen mit fünf Slots im Angebot. Alles was darüber liegt, spielt aber bereits ein einer anderen Liga - sowohl beim Funktionsumfang als auch beim Preis.

Als Anbieter etabliert hat sich in diesem Segment seit langem Adaptec[32] mit seiner Snap-Server-Reihe[33]. Sie wurde im Herbst vergangenen Jahres um die 700i-Familie ergänzt. Mit ihr lassen sich zwischen 1 und 36 Terabyte speichern und alle gängigen SAS- und SATA-Festplatten verwenden. Die iSCSI-Geräte gewährleistet mit synchroner Plattenspiegelung zwischen zwei Geräten möglichst geringe Ausfallzeiten für Anwendungen wie Exchange oder SQL-Server.

Die Snap-Server-Reihe 700i besteht aus drei Rackmount-Systemen: Snap-Server 720i für 1 bis 2 Terabyte auf SATA-Platten, 730i für SATA-Laufwerke bis zu einer Gesamtkapazität von 3 TByte und 750i für SAS-Platten mit 15.000 U./min und einer Gesamtspeicherleistung von 1,2 TByte. Ausbauen lässt sich das Speichervolumen jeweils durch ein Erweiterungschassis für weitere zwölf im laufenden Betrieb austauschbare SATA- oder SAS-Platten. Die Preise fangen bei 6000 Euro für das Modell 720i mit 1 TByte Speicherplatz an und reichen beim Snap-Server 750i, ausgerüstet mit SAS-Festplatten für 1,2 TByte, bis zu 17.500 Euro.

Dell hat sein Portfolio an NAS-Speichergeräten im Herbst ebenfalls überholt. Die einzelnen Produktfamilien wurden dabei unter dem Namen Powervault-NAS zusammengefasst. Powervault DP 100 dient dabei der fortlaufenden Sicherung für Microsoft-Anwendungen und Dateien. Als Kenngröße gibt Dell bis zu 2000 Exchange-Mailboxen, 700 GByte SQL-Datenbanken oder 10.000 GByte an Dateien an, für die 2,25 TByte nutzbarer Massenspeicher zur Verfügung steht.

Powervault DP600 bietet bei ansonsten ähnlichen Merkmalen 5 TByte verfügbaren Speicherplatz. Powervault DP500, im 19-Zoll-Formfaktor, ist mit bis zu 3,5 TByte nutzbarem Festplattenspeicher für bis zu 3500 Mailboxen, 800 GByte SQL-Datenbanken oder 20.000 GByte Dateien ausgelegt. Zusammen mit Dells erweiterbarem modularen Festplattenspeicher Powervault MD 1000 ist der Ausbau der Kapazität auf auf 97 TByte möglich.

HP positioniert in dem Segment sein Reihe All-in-One-Storage[34]. Sie umfasst zurzeit fünf unterschiedliche Modelle. Die Preise reichen von 3100 bis 9900 Euro. Das Einsteigermodell HP-Storageworks-All-in-One-Storage-400 ist als Rackmount- oder Tower-Variante erhältlich und mit vier 250-GByte-Platten ausgerüstet. Es kann gemeinsam genutzten Speicher für mehrere Applikationsserver bereitstellen sowie als Dateiserver für Arbeitsplatzrechner fungieren. Datei- und Anwendungsdaten werden mit Festplatten-Snapshots und Sicherungssoftware geschützt. Ein Assistent erleichtert die Datenmigration für Microsoft Exchange 2003/2007 und SQL Server 2000/2005.

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[2] = http://www-de.linksys.com/
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[4] = http://www.hp.com/de
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[6] = http://www.dell.de
[7] = http://www.zdnet.de/enterprise/server/0,39023275,39119381,00.htm
[8] = http://www.qnap.de/index.asp
[9] = http://www.thecus.eu/de/9/
[10] = http://www.intel.com/products/server/storage/index.htm
[11] = http://www.dlink.de
[12] = http://www.allnet.de
[13] = http://www.smc.com/index.cfm?event=viewSubCategory&localeCode=DE_DEU&cid=120&scid=123
[14] = http://www.longshine.de/longshine/index.php?lang=ger
[15] = http://www.smc.com/index.cfm?event=showHome&localeCode=DE_DEU
[16] = http://www.freecom.de/
[17] = http://www.zdnet.de/news/hardware/0,39023109,39159075,00.htm
[18] = http://www.zdnet.de/news/hardware/0,39023109,39157590,00.htm
[19] = http://www.lacie.com/de/index.htm
[20] = http://www.twonkyvision.de/
[21] = http://de.wikipedia.org/wiki/File_Transfer_Protocol
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[23] = http://de.wikipedia.org/wiki/Http
[24] = http://de.wikipedia.org/wiki/Mysql
[25] = http://de.wikipedia.org/wiki/Php
[26] = http://www.zdnet.de/news/hardware/0,39023109,39160283,00.htm
[27] = http://www.logitech.com/index.cfm/speakers_audio/wireless_music_systems/devices/881&cl=ch,de
[28] = http://www.allnet.de/produktuebersicht.php?cPath=1010
[29] = http://www.netgear.de/Produkte/Netzwerkspeicher/ReadyNAS1100/index.html
[30] = http://www.lacie.com/de/products/range.htm?id=10007
[31] = http://www.iomega-europe.com/home?p=4710
[32] = http://www.adaptec.de/
[33] = http://www.snapserver.com
[34] = http://h10010.www1.hp.com/wwpc/de/de/sm/WF02a/24251-12897770-12897770.html