Obwohl der Hype um Voice over IP vorbei ist, spielt die Technologie in fast allen Bereichen der TK- und IT-Industrie eine immer größere Rolle. ZDNet skizziert aktuelle Einsatzfelder und zeigt, wohin die Entwicklung geht.
Um das Thema Voice over IP (VoIP) ist es in letzter Zeit ruhig geworden. Entgegen der Wahrnehmung hat die Technik aber einen Siegeszug angetreten, der den Markt für Telekommunikation nachhaltig verändert.
Während VoIP vor fünf Jahren noch Inbegriff für eine Nischenlösung für IT-Profis war, ist die paketbasierte Sprachübertragung in vielen Anwendungsgebieten inzwischen selbstverständlich. Häufig wissen Anwender nicht einmal, dass ihr Telefonat per VoIP abgewickelt wird.
Auf den folgenden Seiten beleuchtet ZDNet die aktuellen Einsatzfelder von VoIP und zeigt die nächsten Entwicklungsschritte auf. Die Verbreitung von VoIP auf dem Markt für Privatkunden geht mit dem Aufstieg von DSL und der Verfügbarkeit von Flatrates einher. Anfangs wurde hauptsächlich über VoIP-Clients am PC telefoniert, deren Einrichtung eher kompliziert war. Insbesondere Desktop-Firewalls und NAT-Router bereiteten immer wieder Probleme.
Das 2004 vorgestellte Skype, entwickelt von den Gründern der Tauschbörse Kazaa, überzeugte mit guter Sprachqualität und einer vergleichsweise einfachen Einrichtung. Aufgrund der Peer-to-Peer-Technik waren Firewalls und NAT-Router plötzlich keine Hindernisse mehr. Skype setzt allerdings nicht auf das weit verbreitete Session Initiation Protocol[1] (SIP) und ist daher zu den meisten VoIP-Geräten (einschließlich des Marktführers AVM Fritzbox) inkompatibel.
Den Durchbruch auf dem deutschen Markt erlebte VoIP erst 2005. Router wie die Fritzbox Fon entkoppelten die Technik vom PC und ermöglichten die Nutzung vorhandener Telefone. Ein VoIP-Gespräch war damit nicht mehr von einem klassischen Telefonat zu unterscheiden. Vorreiter bei der Vermarktung der Lösung ist 1&1[2].
In den letzten Jahren sind die Preise für TK-Dienste drastisch eingebrochen: Das Paket aus Telefon- und 16-MBit/s-DSL-Anschluss samt Flatrates ist inzwischen für monatlich unter 30 Euro zu haben. Möglichkeiten zur Differenzierung haben die Anbieter kaum. Um auf diesem Markt weiter Geld verdienen zu können, ist eine Senkung der Kosten unerlässlich.
Bei allen TK-Anbietern, die bis vor kurzem nur klassische Anschlüsse geschaltet haben, geht die Reise daher früher oder später zu einem einheitlichen IP-Netz (Next Generation Network[3]), das die Trennung zwischen Telefon- und Datenanschluss aufhebt und daher günstiger zu betreiben ist. Die Übertragung von Sprache erfolgt dann per VoIP.
NGN-basierte Anschlüsse werden derzeit von Arcor[4] und Hansenet/Alice[5] ausgerollt - zumindest in einigen Gebieten. Die Provider machen die Entscheidung von den technischen Gegebenheiten (Qualität des DSL-Anschlusses) abhängig. Der Kunde hat meist keinen Einfluss, welche Anschlussart zum Einsatz kommt. Auch die Deutsche Telekom will bis 2010 NGN einsetzen.Auch Unternehmen jeglicher Größe setzen inzwischen auf VoIP. Statt Ferngesprächen stand hier zunächst der firmeninterne Einsatz im Vordergrund.
Das für die IT verlegte LAN kann nämlich relativ einfach auch für Sprachanwendungen genutzt werden. Bandbreite und Latenzen sind meistens kein Problem. Besonders Mittelständler verzichten daher oft auf ein Bandbreitenmanagement. VoIP-Telefone werden einfach am Netzwerkport angeschlossen.
An die Stelle von Telefonanlagen ist im IP-Zeitalter eine Software getreten, die wie andere Anwendungen auf einem Standard-Server installiert wird. Da größere Firmen meist nicht ihre TK-Landschaft komplett austauschen, sondern schrittweise zu VoIP migrieren, kommen häufig Gateways zum Einsatz, die für herkömmliche Telefone Ports bereitstellen.
Mit VoIP wird Telekommunikation Teil der IT-Infrastruktur. Entsprechend einfach sind administrative Tätigkeiten wie das Anlegen neuer Nutzer. Auch am Desktop erfolgt eine immer weitergehende Integration mit Anwendungen wie CRM.
Während VoIP unternehmensintern inzwischen Standard ist, setzen die meisten Firmen für die Verbindung mit dem öffentlichen Festnetz auf ISDN. Zwar ist die Anbindung an den TK-Anbieter per VoIP - bezeichnet als SIP-Trunking - schon lange ein Thema, der Durchbruch steht hierzulande aber noch aus. Stattdessen übernimmt ein hausinternes Gateway die Umwandlung.
Wann SIP-Trunking auf dem deutschen Markt den Durchbruch schafft, ist derzeit noch offen. Die Entwicklung in diese Richtung wird aber vom Wechsel hin zu NGN angetrieben.
In der Mobilfunkwelt hat VoIP bis dato kaum Verbreitung gefunden. Erst UMTS und dessen Erweiterungen HSDPA[6] beziehungsweise HSUPA[7] sind in der Lage, die erforderlichen Benchmarks hinbsichtlich Bandbreite und Latenz zumindest halbwegs zu erfüllen.
Das Roaming zwischen Handynetz und Hotspots, um per WLAN kostenlos oder vergünstigt per VoIP telefonieren zu können, spielt in der Praxis zumindest für Telefonate keine Rolle. Die Hürde unterschiedlicher Abrechnungsmodelle und Authentifizierungsmechanismen wurde in den letzten Jahren nicht überwunden. Zudem haben deutlich gesunkene Preise in den herkömmlichen Netzen mit Flatrates oder günstigen Minutenpaketen eine größere Verbreitung von VoIP bislang verhindert.
Ausblick
Voice over IP wird herkömmliche Telefonnetze mittelfristig überflüssig machen. Die geringeren Betriebskosten von IP-Infrastrukturen machen den Austausch in Folge des Margenverfalls unumgänglich. In den nächsten Jahren wollen alle TK-Anbieter eine flächendeckende NGN-Infrastruktur ausrollen, um das Einsparpotential voll ausschöpfen zu können. Im Unternehmensumfeld entwickelt sich VoIP immer mehr zum Bestandteil der IT-Infrastruktur, der aufgrund der zunehmenden Integration mit den Verwaltungswerkzeugen immer weniger Aufmerksamkeit erfordert.
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