Vmware Server 2.0 im Test: Profisoftware oder Hobbytool?

(http://www.zdnet.de/magazin/39188413/vmware-server-2-0-im-test-profisoftware-oder-hobbytool.htm)

von Christoph H. Hochstätter, 18. März 2008

Vmware bietet eine Beta des kostenlosen Server 2.0 zum Download an. So soll eine günstige Einsteigerlösung für KMUs etabliert werden. ZDNet hat das Produkt getestet und untersucht, ob es für den professionellen Einsatz geeignet ist.

Normalerweise verkaufen Softwarehersteller ihre Serverprodukte deutlich teurer als Workstationsoftware. Vmware[1] macht es genau umgekehrt. Während Vmware Workstation 6[2] immerhin 189 Dollar kostet, wird das Einstiegsserverprodukt Vmware Server[3] verschenkt.

Die aktuelle Version 1.0.4 basiert auf der Technologie von Vmware Workstation 5.5. Die aktuelle Beta[4] der Version 2.0 ist bereits mit der Virtualisierungstechnologie von Workstation 6 ausgestattet. Vmware Server 2.0 läuft allerdings nur auf Prozessoren, die mindestens Intel VT-x[5] oder AMD Pacifica 1.0[6] beherrschen. Nested Page Tables[7] von AMD und I/OAT[8] von Intel werden nicht unterstützt.

Für einen Großteil der Anwender macht es keinen wesentlichen Unterschied, ob sie Workstation 6 oder Server 2.0 einsetzen. In beiden Fällen erhält man die gleiche Technologie. Vmware Server 2.0 ist für Linux und Windows verfügbar. Unter Windows werden offiziell nur Serverbetriebssysteme als Host unterstützt. Im ZDNet-Test läuft Vmware Server 2.0, wie auch sein Vorgänger, einwandfrei unter Vista.

Unterstützt werden 32-Bit- und 64-Bit-Gastbetriebssysteme. Darunter sind unter anderem Windows Server 2008[9] oder Red Hat 5[10]. Die recht ansehnliche Liste findet man in der Dokumentation auf Seite 27[11].

Eine virtuelle Maschine kann bis zu zwei Prozessoren haben. Der maximale Hauptspeicher beträgt 8 GByte. Zehn virtuelle Netzwerkadapter pro Maschine sind meist mehr als ausreichend.Auffälligster Unterschied zur Version 1.0.x ist, dass kein Client mehr zur Verfügung steht, um die virtuellen Maschinen zu verwalten. Dies geschieht per Webinterface, siehe Bild 1[12]. Unterstützte Browser sind Internet Explorer und Firefox. Die Übernahme von Bildschirm, Tastatur und Maus der virtuellen Maschine geschieht, wie in den Bildern 7[13] und 8[14] gezeigt, über ein Plug-in.

Bildergalerie

Vmware Server 2.0 Beta in Bildern[15]

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Das Plug-in läuft unter Windows und Linux. Im Falle von Internet Explorer laufen im ZDNet-Test alle Versionen ab 6.0. Auch die Beta-Version von IE 8.0[16] funktioniert einwandfrei. Firefox 3 Beta 4 verweigerte die Ausführung des Plug-ins. Firefox 2 stellt sich als idealer Browser heraus. Internet Explorer hat mit der Vmware Server Beta einige Probleme, wenn die Fenstergröße verändert wird.

Die Möglichkeit, jeden Bildschirm einer virtuellen Maschine per VNC[17] zu übernehmen, wie bei Workstation 6, gibt es zumindest in der Beta noch nicht. Es ist ohnehin sinnvoller, die Fernsteuerung nur für die Installation per Plug-In zu nutzen und möglichst bald eine Fernsteuerung im Gastbetriebssystem per RDP[18] oder VNC einzurichten.

Eine Serverimplementierung der Vmware Virtualisierungstechnologie hat gegenüber der Workstation einige Vorteile. So können virtuelle Maschinen direkt beim Hochfahren des Rechners gestartet werden. Außerdem werden virtuelle Maschinen nicht zwangsweise beendet, wenn sich der lokale Benutzer im Hostbetriebssystem abmeldet.

Das hat jedoch zur Folge, dass die virtuelle Umgebung, zumindest was Windows angeht, im Kontext eines Dienstes läuft. Aus diesem Kontext ist es nicht ohne weiteres möglich, auf Netzwerklaufwerke zuzugreifen. Während man virtuelle Disks eher auf der lokalen Festplatte speichert, möchte man ein Gastbetriebssystem oftmals vom einem ISO-Image[19] auf einem Netzwerklaufwerk installieren.

Über das Web-Interface hat man allerdings nur Zugriff auf "Datastores". Vmware Server 2.0 richtet einen Standard-Datastore auf "C:\Virtual Machines" ein. Damit hat man Zugriff auf diesen Verzeichnisbaum. Weitere Datastores können theoretisch nach Belieben eingerichtet werden. Im Beispiel von Bild 2[20] wird versucht, einen Install-Share auf einem anderen Server hinzuzufügen, auf dem sich ISO-Images befinden.

Wie in Bild 3[21] zu sehen ist, erhält man jedoch eine Fehlermeldung. Die rührt daher, dass die Virtualisierungsumgebung unter dem System-Account läuft, dem grundsätzlich der Zugriff auf andere Server verweigert wird.

Ein ähnliches Problem gibts es mit Linux. Ein Datastore auf einem NFS-Laufwerk funktioniert nur, wenn Root-Squashing[22] abgeschaltet ist. Hier bleibt zu hoffen, dass Vmware in der Release-Version ermöglicht, die Engine unter anderen Accounts als System oder Root zu betreiben.

Im Endeffekt bleibt nur die Lösung, das ISO-Image in "C:\Virtual Machines" zu kopieren, und dann mit dem virtuellen CD-ROM-Laufwerk zu verbinden.

Der Möglichkeit, virtuelle Maschinen im Server laufen zu lassen, ohne dass ein Benutzer angemeldet sein muss, stehen allerdings einige Einschränkungen gegenüber. So ist die Snapshot-Technologie[23] im Vmware Server 2.0 stark eingeschränkt. Pro virtueller Maschine kann nur genau ein Snapshot gemacht werden, zu dem später jederzeit zurückgekehrt werden kann. Legt man einen zweiten Snapshot an, so wird ein bereits existierender zwangsweise überschrieben.

Die sehr gute Verwaltung von virtuellen Disks, wie man sie aus der Workstation 6 kennt, ist ebenfalls nicht implementiert. So kann man beispielsweise keine virtuelle Disk einer abgeschalteten Maschine mounten und darin Dateien austauschen oder eine Überprüfung des Dateisystems vornehmen.

Für Vmware ACE[24] ist ebenfalls keine Unterstützung vorhanden. Die ist jedoch auch bei Workstation 6 nur nach Eingabe einer weiteren kostenpflichtigen Seriennummer freizuschalten.

Entwickler werden entdecken, dass kein "Virtual Debugging[25]" möglich ist. Das ist ein Frontend für die Umgebungen Visual Studio[26] und Eclipse[27]. Damit kann Software in verschiedenen virtuellen Maschinen getestet werden, um beispielsweise die Lauffähigkeit unter verschiedenen Betriebssystem- und Sprachversionen sicherzustellen.

Laut Vmware-Website[4] werden USB 2.0-Devices unterstützt. Das Web-Interface erlaubt jedoch kein Weiterreichen von USB-Devices an die virtuelle Maschine. So ist es im ZDNet-Test nicht gelungen, eine Webcam in einer virtuellen Maschine zu betreiben. Allerdings ist davon auszugehen, dass USB-Unterstützung spätestens mit dem Erscheinen der RTM-Version[28] verfügbar sein wird.

Wer auf die genannten Features verzichten kann und eventuell bereit ist, den Server auf nicht unterstützten Windows-Client-Betriebssystemen zu installieren, bekommt eine interessante kostenlose Alternative zur Vmware Desktopvirtualisierung, die zudem noch per Browser von jedem anderen Windows-PC im Netzwerk steuerbar ist. Im Bereich der professionellen Servervirtualisierung setzt Vmware heute auf ESX Server 3[29] und 3i[30], die ohne vollständiges Hostbetriebssystem auskommen, und sich direkt auf der Hardware installieren lassen. Jedoch hat auch die betriebssystembasierende Virtualisierungslösung mit Vmware Server durchaus interessante Anwendungsmöglichkeiten.

Das Hostbetriebssystem, insbesondere Windows, nimmt der virtuellen Maschine einiges an I/O-Performance. Demgegenüber steht die Möglichkeit, beliebige Hardware in der Hostmaschine betreiben zu können. Kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) können beispielsweise eine Fax-Karte mit Microsoft Exchange als Fax-To-E-Mail-Gateway auf dem Host betreiben und gleichzeitig einen virtuellen Linux-Server auf derselben Hardware anbieten.

Für KMUs kann es durchaus Sinn machen, einen Server mit zwei Low-Power Quad-Core-Prozessoren und 16 GByte RAM zu betreiben, anstelle von mehreren kleinen Maschinen. Da eine Quad-Core-CPU nur unwesentlich mehr Strom als eine Dual-Core-CPU verbraucht, und Hauptspeicher mittlerweile kostengünstig ist, ist eine Lösung mit Vmware Server 2.0 im Sinne einer Green-IT[31]. Sehr wichtig ist dann allerdings eine gut durchdachte Desaster-Recovery-Lösung[32].

Für größere Unternehmen ist der Betrieb von Vmware Server 2.0 nicht zu empfehlen. Eine Verwaltung mit Vmware Infrastructure 1.4 oder 2.0 ist nicht möglich. Eine flexible Zuordnung von virtuellen Maschinen zu Hardware kann also nicht realisiert werden. Zudem ist der Performanceverlust, den das Hostbetriebssystem verursacht, zu groß.

Ideal ist Vmware Server für alle Unternehmen als Test- und Demoumgebung. Virtuelle Maschinen können in einem Kompatibilitätsmodus eingerichtet werden, so dass sie später unmodifiziert auf einen ESX-Server gebracht werden können. Verzichtet man auf diesen Modus, so stehen alle Features der Virtualisierungsengine von Vmware Workstation 6 zur Verfügung.Vmware hat sein Versprechen aus dem letzten Jahr, seinen Server weiter zu entwickeln und weiterhin kostenlos verfügbar zu machen, gehalten. Eine Beta der Version 2.0 ist zum Download verfügbar.

Die Virtualisierungsengine ist mitnichten mit experimentellen Neuerungen gespickt, sondern basiert auf der stabilen Plattform von Vmware Workstation 6. Somit ist der Server 2.0 nicht nur für Hobbyisten geeignet, sondern kann überall dort eingesetzt werden, wo eine Virtualisierung unter einem Hostbetriebssystem Sinn macht.

Auch im Bereich der Desktop-Virtualisierung kann Vmware Server 2.0 eingesetzt werden. Desktop-Betriebssysteme werden als Host-Betriebssystem zwar nicht offiziell unterstützt, jedoch lässt sich der Server ohne Probleme installieren.

Einige Abstriche muss man allerdings machen. So ist jede virtuelle Maschine auf einen Snapshot begrenzt. Tools zum Mounten und zur Verwaltung von virtuellen Disks im Hostbetriebssystem finden sich ebenfalls nicht im Produkt. Entwickler werden zudem das "Virtual Debugging" vermissen.

Viele Anwender können auf die wenigen fehlenden Features jedoch leicht verzichten und bekommen dafür den Vorteil, dass virtuelle Maschinen weiterlaufen können, wenn kein lokaler Benutzer im Hostbetriebssystem eingeloggt ist. Außerdem sind die virtuellen Maschinen per Browser fernwartbar.

Ideal ist der Vmware Server 2.0 für Demos und Tests. Virtuelle Maschinen können für Workstation 6 und den ESX-Server 3 erstellt werden. Im Falle von Demos lässt sich der kostenlose Vmware-Player zum "Abspielen" verwenden.

Mit Vmware Server 2.0 und Vmware Workstation 6 hat man heute noch in etwa gleichwertige Versionen. Für die Zukunft wird vor allem das Thema 3D-Hardwarebeschleunigung interessant sein. Während in Vmware Workstation 6 bereits undokumentierter Support[33] vorhanden ist, lässt Vmware Server 2.0 dies nicht zu. Möglicherweise wird man ab der nächsten Version die kostenpflichtige Workstation-Variante benötigen, wenn man 3D-Grafik virtualisieren möchte.

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.vmware.de
[2] = http://www.vmware.com/de/products/ws/
[3] = http://www.vmware.com/de/products/server/
[4] = http://www.vmware.com/beta/server/
[5] = http://en.wikipedia.org/wiki/Vanderpool#Intel_VT_.28IVT.29
[6] = http://en.wikipedia.org/wiki/Pacifica_(virtual_machine)#AMD_virtualization_.28AMD-V.29
[7] = http://www.zdnet.de/enterprise/server/0,39023275,39151514-4,00.htm
[8] = http://www.intel.com/technology/ioacceleration/index.htm
[9] = http://www.zdnet.de/enterprise/server/0,39023275,39186662,00.htm
[10] = http://www.redhat.de/rhel/
[11] = http://www.vmware.com/products/beta/vmware_server/vmserver2.pdf
[12] = http://www.zdnet.de/enterprise/server/0,39035443,39188424-1,00.htm
[13] = http://www.zdnet.de/enterprise/server/0,39035443,39188424-7,00.htm
[14] = http://www.zdnet.de/enterprise/server/0,39035443,39188424-8,00.htm
[15] = http://www.zdnet.de/galerie/39188424/vmware-server-2-0-beta-in-bildern.htm#sid=39188413
[16] = http://www.zdnet.de/news/software/0,39023144,39188013,00.htm
[17] = http://de.wikipedia.org/wiki/Vnc
[18] = http://de.wikipedia.org/wiki/Remote_Desktop_Protocol
[19] = http://de.wikipedia.org/wiki/Iso-Image
[20] = http://www.zdnet.de/enterprise/server/0,39035443,39188424-2,00.htm
[21] = http://www.zdnet.de/enterprise/server/0,39035443,39188424-3,00.htm
[22] = http://articles.techrepublic.com.com/5100-6345-1047683.html
[23] = http://www.zdnet.de/itmanager/whitepapers/0,39026294,88009515p-39002369q,00.htm
[24] = http://www.vmware.com/de/products/ace/
[25] = http://www.zdnet.de/enterprise/sw/0,39023278,39154286-4,00.htm
[26] = http://www.zdnet.de/builder/program/0,39023551,39185938,00.htm
[27] = http://www.zdnet.de/builder/program/0,39023551,39161746,00.htm
[28] = http://de.wikipedia.org/wiki/Release_to_Manufacturing#Release.2FStable
[29] = http://www.vmware.com/files/pdf/esx_datasheet.pdf
[30] = http://www.vmware.com/files/pdf/esx_server3i_datasheet.pdf
[31] = http://www.zdnet.de/itmanager/green-it/
[32] = http://www.zdnet.de/itmanager/whitepapers/0,39026292,39002269q,00.htm
[33] = http://vmware-forum.de/viewtopic.php?t=9943