Bis 2011 sollen 80 Prozent der Unternehmen das Konzept der serviceorientierten Architekturen (SOA) ganz oder teilweise umgesetzt haben. Doch bei aller Euphorie: Sicherheit, Performance und Interoperabilität bleiben offene Punkte.
2006 lagen die Ausgaben für SOA[1]-Technologien und -Services weltweit bei 2,3 Milliarden Dollar, dieses Jahr sollen es schon sechs Milliarden sein. Bis 2011 erwarten Marktforscher von IDC[2] dann ein Marktvolumen von 14 Milliarden. Auch hierzulande wird kräftig an der Umsetzung von SOA gewerkelt, wie die Analysten von PAC[3] herausgefunden haben: Etwa 600 bis 700 Millionen Euro geben deutsche Unternehmen in diesem Jahr für SOA-Tools und Service aus.
"Was wir zurzeit im Markt sehen, ist allerdings erst der Anfang", glaubt Gartner[4]-Analyst Massimo Pezzini. Das Angebot sei vielfältig, und je mehr SOA in den Unternehmen umgesetzt werden, umso mehr zeigten sich Herausforderungen, an die vor wenigen Jahren noch keiner gedacht hat. Insbesondere das Thema "Federation" – also wie sich unterschiedliche SOAs miteinander verbinden lassen – und Performancefragen werden Anwender, Anbieter und Forscher in den kommenden Jahren intensiv beschäftigen.
"Das Management von Services in großen Umgebungen ist ein Performance-Fresser", sagt Pezzini. Es müssten viele Übersetzungs-, Transformations- und Ladeprozesse ausgeführt werden. "Das kostet Ressourcen." So arbeiteten Labors bereits heute an Konzepten, wie sich eine SOA künftig ohne Datenbank betreiben lässt: In gigantischen Arbeitsspeichern sind alle Daten, Anwendungen und Steuerungsregeln zur Laufzeit enthalten, um akzeptable Prozesszeiten überhaupt ermöglichen zu können.
Weitgehend unklar ist auch das Thema Sicherheit von Services, wie der unabhängige Analyst Wolfgang Martin[5] erläutert: "Innerhalb eines Unternehmens oder mit einigen wenigen Services mag man das noch in den Griff bekommen." Sollten Unternehmen jedoch in großen Stil Services anbieten und konsumieren, werde ein komplexes Rechte- und Sicherheitssystem benötigt. Laut Martin sind dabei noch viele Fragen offen: "Wer nutzt einen Service, wie stelle ich sicher, dass zum Zeitpunkt der Aktualisierung den Service keiner verwendet, und wie schütze ich Daten und Strukturen?" Für Licht im SOA-Markt sorgen Analysten mit einer Unterteilung in zweierlei Hinsicht: Zum einen legen sie fest, welche Teilkomponenten zu einem vollständigen SOA-Angebot gehören – den sogenannten SOA-Stack: ein ESB, Business Process Management (BPM), Repository, Application Server, Portal, Business Activity Monitoring und Master Data Management gehören dazu.
Zum anderen sortieren sie Hersteller, je nach Grad der Vollständigkeit ihres Portfolios, in drei Schubladen: Vollsortimenter, Quasi-Komplettanbieter sowie Nischenanbieter. Zur Kategorie der SOA-Komplettanbieter gehören IBM[6], BEA Systems und Oracle[7], dem es im zweiten Anlauf doch gelungen ist, sich BEA Systems einzuverleiben[8].
Gartner-Analyst Pezzini zählt auch Sun Microsystems[9], die SAP AG[10] und Microsoft[11] zu den Vollsortimentern, wenn auch bei letzteren, laut Pezzini, noch elementare Bausteine wie ein Repository, Webservice-Management sowie BPM-Tools fehlen. Die Redmonder haben jedoch unter dem Namen "Oslo" vor kurzem einen Pfad aufgezeigt, um diese weißen Flecken in ihrem SOA-Angebot künftig zu füllen.
Zu den Quasi-Komplettanbieter unter den SOA-Anbietern zählen Analysten Firmen, denen einzelne Komponenten fehlen, etwa ein Portal oder ein Application Server. Tibco[12], die Software AG[13], Progress Software[14], Sterling Commerce[15], Iona[16] und HP[17] sind Hersteller aus diesem Segment. Aufsteiger in diese Gruppe ist HP. Bereits 2006 kaufte[18] der Konzern mit Mercury einen Spezialisten für Software-Testing und Governance. Mercury hatte sich zuvor Systinet einverleibt. Kategorie drei sind laut Gartner Anbieter mit einem Umsatz bis maximal 100 Millionen Dollar. "Also ein weites Feld von hunderten Spezial- und Nischenanbietern." Die großen Umsatzmotoren für SOA werden in den kommenden Jahren Themen wie Governance, Service Management und BPM sein. "SOA bringt eine hohe Komplexität mit sich und damit verschärfte Anforderungen an die Einhaltung von Entwicklungsrichtlinien", erklärt Analyst Martin. "Sonst passen die einzelnen Bausteine nicht zusammen, und das Versprechen der Wiederverwendung wird nicht erreicht."
IBM hat dazu beispielsweise einen sehr umfassendes "Governance Framework" vorgestellt. Dabei handelt es sich um ein Set aus Methoden und Tools, die helfen sollen, die hohen Anforderungen an Transparenz sowie die stringenten Vorgaben für die Entwicklung von Anwendung einzuhalten.
Ein weiteres Riesenthema wird laut Martin die Implementierung einer SOA mit Hilfe von Geschäftsregel-Management-Systemen, wie sie etwa Ilog[19] und Pega Systems[20] anbieten. So genannte "Transparent Decision Services" machen Entscheidungen oder die Einführung und Änderung von Geschäftsregeln transparent für alle Anwendergruppen. Damit erhalten sogar Fachanwender die Möglichkeit, ohne IT-Unterstützung neue Regeln für die Implementierung einer SOA einzugeben. SOA-gestützte Prozesse werden damit flexibler und erfüllen die in sie gesetzten Anforderungen.
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