Anwendungsvirtualisierung isoliert Applikationen vom Betriebssystem. Das OS ist so gegen schädliche oder fehlerhafte Software gewappnet. Auch können Programme damit rückstandsfrei entfernt werden. ZDNet erklärt das Konzept.
Was eigentlich gar nicht sein dürfte, ist nach wie vor an der Tagesordnung: Software altert. Eines der besten Beispiele dafür ist Windows, das nach frischem Setup zügig arbeitet, nach einem halben Jahr aber zur Krücke mutieren kann – ohne die geringste Änderung an der Hardware.
Einer der Gründe dafür ist die auf dem System installierte Software, die die je nach Qualität in Verzeichnisse und Konfigurationsdateien schreibt und nicht mehr komplett entfernt werden kann. Der Rechner wird dadurch ausgebremst. Wer viele Anwendungen ausprobiert, muss sein Windows möglicherweise schon nach acht Wochen neu aufsetzen.
Auch ansonsten birgt auf einem Rechner installierte Software großes Konfliktpotential: Von Inkompatibilitäten mit anderen Anwendungen bis zur Zerstörung des Rechners hat wohl jeder Anwender schon seine Erfahrungen gemacht.
Eine Lösung für das Problem bietet Anwendungsvirtualisierung. ZDNet erklärt die dahinterliegende Technologie. Spricht man heute von Virtualisierung, denken die meisten Anwender an eine Lösung, welche die Hardware eines kompletten Rechners emuliert. Die Virtualisierungssoftware wird entweder zwischen Hardware und Betriebssystem (Hypervisor) oder über dem OS ausgeführt. Das darauf laufende Gast-Betriebssystem ist ein isoliertes Paket und wird als Virtual Machine bezeichnet.
Anwendungsvirtualisierung geht einen ähnlichen Weg: Es macht aus einem normalen Programm bei dessen Installation ein isoliertes Paket, das auf alle Ressourcen des Betriebssystems zugreifen kann, beispielsweise Dienste, DLLs und Registry.
Jede Anwendung geht also davon aus, auf einem normalen OS installiert und ausgeführt zu werden. In Wirklichkeit sorgt eine Virtualisierungsschicht für eine saubere Trennung von Anwendung und Betriebssystem. Zugriffe erfolgen durch einen zwischengeschobenen Filtertreiber nicht mehr auf die echten OS-Ressourcen, sondern auf eine virtualisierte Kopie davon.
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| Anwendungsvirtualisierung im Überblick (Bild: Altiris) |
Virtualisierte Anwendungen können nebeneinander oder im Mix mit nativ installierten Programmen ausgeführt werden. Die Isolierung von Applikationen bringt eine Reihe von Vorteilen. Da virtualisierte Anwendungen nicht mehr mit dem Betriebssystem selbst interagieren, ist dieses vor fehlerhaftem Code besser geschützt. Jedes Paket lässt sich auch ohne Rückstände komplett vom Rechner entfernen. Diese Eigenschaft ist besonders wichtig, wenn häufig verschiedene Anwendungen getestet werden.
Aufgrund der Isolation der Pakete können inkompatible Programme oder unterschiedliche Versionen einer Software gleichzeitig auf einem Rechner installiert werden. Ohne Virtualisierung hat der Anwender nur die Wahl, auf ein Programm zu verzichten oder das ältere Release zu aktualisieren.
Gegenüber dem Einsatz virtueller Maschinen ergibt sich ein deutlich verringerter Ressourcenverbrauch, da nicht das komplette OS nochmal ausgeführt wird. Im Vergleich zu nativ installierter Software sind nur minimale Performanceeinbußen festzustellen.
Lösungen wie Altiris Software Virtualization ermöglichen zudem es Unternehmen, Software bedarfsorientiert auf Clients zu verteilen und gegebenenfalls wieder zu löschen. Dies kann sinnvoll sein, wenn nur eine begrenzte Anzahl an Lizenzen zur Verfügung steht. Im Bereich Softwarevirtualisierung gibt es inzwischen viele Lösungen, es kristallisieren sich aber durch Zukäufe vier große Player heraus: Symantec mit Altiris Software Virtualization[1], Microsoft Application Virtualization[2] (früher Softgrid), Citrix Xenapp[3] und Vmware Thinstall[4].
Die zunehmende Komplexität von IT-Umgebungen sorgt für wachsendes Interesse an dieser Technologie. Da Microsoft über eine eigene Lösung verfügt, ist es gut denkbar, dass der Vista-Nachfolger Windows 7 über eine integrierte Softwarevirtualisierung verfügen wird. Seit zwei Jahrzehnten ungelöste Probleme wie das nicht rückstandsfreie Entfernen von Applikationen oder störende Interaktionen (die "DLL-Hell") könnten so gelöst werden.
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