Media Center auf dem TV: Linksys DMA 2200 im Praxistest

(http://www.zdnet.de/magazin/39187567/media-center-auf-dem-tv-linksys-dma-2200-im-praxistest.htm)

von Joachim Kaufmann, 26. Februar 2008

PCs sind heute aufgrund ihrer riesigen Festplatten Speicherort für Medien aller Art. Media-Center-Extender bringen solche Inhalte vom Vista-Rechner auf den TV. ZDNet hat den neuen DMA 2200 von Linksys getestet.

Die seit langem diskutierten Wohnzimmer-PCs haben den Durchbruch bislang nicht geschafft - trotz neuer Formfaktoren mit niedrigerem Stromverbrauch und geringerer Geräuschentwicklung. Gründe dafür sind unter anderem die hohen Anschaffungskosten und der wartungsintensive Betrieb.

Anders sieht es bei der Speicherung von Medieninhalten aus: Dank großer Festplatten mit mehr als 500 GByte dient der Rechner heute in vielen Haushalten ganz selbstverständlich als Ablage für Musik, Filme, Bilder und TV-Aufzeichnungen. Das weit verbreitete Windows Vista Home Premium bietet mit der Media-Center-Oberfläche eine komfortable Möglichkeit, solche Inhalte zu konsumieren.

Allerdings ist man an den Rechner gebunden, der überwiegend mit einem zu kleinen Monitor am falschen Ort steht. Die meisten Anwender möchten die Inhalte auf ihrem Fernseher im Wohnzimmer haben. Die Brücke dorthin schlagen Streaming-Clients, die schon seit einiger Zeit auf dem Markt sind. Microsoft bietet mit so genannten Media-Center-Extendern die Möglichkeit, das von Windows bekannte Interface mit nur geringen Veränderungen auf den TV zu bingen.

Bis vor kurzem war die hauseigene Spielekonsole Xbox 360 die einzige Möglichkeit, diese Technik zu nutzen. ZDNet hat die Lösung vor einem Jahr getestet[1]. Lautstärkeentwicklung und Stromverbrauch konnten aber nicht überzeugen.

Inzwischen bietet unter anderem Linksys mit den Modellen DMA 2100 und DMA 2200 (mit DVD-Laufwerk) echte Media Center Extender. ZDNet hat den DMA 2200 getestet.

Der DMA 2200 kommt in einem unscheinbaren, schwarzen Gehäuse, das 23,1 mal 12,5 mal 32,9 Zentimeter groß ist. An der Rückseite befinden sich neben einem Ethernet-Port mehrere Schnittstellen für den Anschluss an den TV, darunter HDMI 12, Scart und S-Video. Das Gerät verfügt über ein WLAN-Modul nach 802.11n, das sich auch für das Streaming von HD-Inhalten eignet.

Die Einrichtung des Linksys DMA 2200 gelingt ohne Probleme: Zuerst müssen über einen Assistenten Einstellungen wie Schnittstellentyp, Bildformat und Netzwerktyp (LAN oder WLAN) vorgenommen werden. Viele Abbildungen, beispielsweise der Kabel, und klare Anweisungen sorgen dafür, dass auch technisch weniger versierte Anwender problemlos damit zurechtkommen.

Am Ende des Prozesses steht ein Key, der vom Einrichungsassistenten des Vista-Media-Center-PCs abgefragt wird. Das OS meldet den neuen Media-Center-Extender im Netz in der Taskleiste. Ein Klick startet die Konfiguration.

Nach Eingabe des achtstelligen Setup-Schlüssels bietet Windows Vista die Option, den Abwesenheitsmodus zu aktivieren. Der Rechner wechselt dann nicht mehr in den bei Vista standardmäßig eingestellten Energiesparmodus, sondern schaltet lediglich die Ausgabe von Bild und Ton ab. Das Gerät läuft weiter, um ständig für die Auslieferung von Medieninhalten bereitzustehen. Ein Strom sparender PC ist für dieses Szenario also besonders wichtig.

Nach der automatisch ablaufenden Konfiguration verbindet sich der Rechner mit dem DMA 2200. Auf dem TV sind erstmals die Media-Center-Startsequenz und kurz darauf die Oberfläche zu sehen. Der Einrichtungsprozess ist damit abgeschlossen.

Media Center muss auf dem PC nicht gestartet sein, damit der Extender Zugriff hat. Dies erledigt ein Dienst im Hintergrund. Der Rechner muss aber eingeschaltet bleiben, um auf die Inhalte zugreifen zu können. Im Gegensatz zu Apple TV bietet das Gerät aufgrund der fehlenden Festplatte keine Möglichkeit, Daten lokal zu speichern. Auch eine externe Festplatte kann nur über einen Rechner angesteuert werden.

Der DMA 2200 kommt ohne Lüfter aus und arbeitet daher im Extender-Betrieb geräuschlos. Für den Einsatzzweck ist das ein großer Vorteil. Auch bei der Wiedergabe von DVDs bleibt bleibt das Gerät angenehm leise. Der Stromverbrauch ist mit maximal 13 Watt erfreulich niedrig.

Linksys hat für den Test den WLAN-Router WRT350N zur Verfügung gestellt. Der Extender erkennt das neue 802.11n-Funknetz problemlos. Die IP wird dynamisch zugeteilt.

Das Booten des Extenders aus dem Standby dauert mit 41 Sekunden sehr lange. Dann steht aber erst das Basismenü zur Verfügung, das die Auswahl zwischen DVD- und Extender-Funktion ermöglicht. Für die Verbindung zum Rechner benötigt der Linksys weitere 25 Sekunden. Bis das blaue Media-Center-Menü aufblitzt, vergeht also über eine Minute. Im LAN mit fester IP verkürzt sich die Startzeit auf circa 40 Sekunden.

Das Media-Center-Interface von Windows ist animiert. Der Wechsel zwischen Menüpunkten und die Auswahl von Content sind daher hübsch anzusehen. Nicht so beim DMA 2200: Ein ständiges Ruckeln konterkariert den Effekt. Gerade auf einem großen HD-Fernseher im Wohnzimmer fällt dieses Problem besonders ins Gewicht. Schwerer wiegt allerdings, dass der Extender auf viele Kommandos der Fernbedienung nur mit einer spürbaren Verzögerung von bis zu einer Sekunde reagiert. Fälschlicherweise entsteht dadurch der Eindruck, dass die Eingabe nicht registriert wurde.

Linksys kann sich den Sachverhalt nicht erklären und hat nach eigenen Angaben kein Feedback von Kunden erhalten. Die ruckelnden Menüs sind jedoch auch bei anderen Testern aufgetreten. Ein zweites Testsystem bringt keine Abhilfe.

Die Wiedegabe von Inhalten, egal ob Bild oder Ton, macht keine Probleme. Selbst über WLAN ist die Darstellung eines HD-Videos mit 10 MBit/s über einen längeren Zeitraum flüssig. Laut der Netzwerkleistungsüberwachung dürfte dies eigentlich gar nicht funktionieren, da sie eine stark schwankende Bandbreite zeigt. Linksys zufolge kann es aber sein, dass die Werte nicht genau stimmen. Das Testszenario in der Redaktion macht jedenfalls keine Schwierigkeiten. Der Test-PC wird seiner Rolle als Medienserver ohne Probleme gerecht. Er ist mit 3-GHz-Pentium-4, 1,5 GByte RAM und ATI Radeon X600 zwar kein langsames Gerät, von neueren Modellen mit Quad-Core-CPU aber leistungsmäßig ein ganzes Stück entfernt. Bei der Wiedergabe hochauflösender WMV-Videos (1920 mal 1080 Pixel) zeigt der Taskmanager eine CPU-Auslastung von circa 15 Prozent, bei Musik etwa 8 Prozent. Das Weiterarbeiten mit dem Rechner ist also problemlos möglich.

Die vom Extender gebotene Darstellungsqualität hängt maßgeblich davon ab, ob der Media-Center-PC ständig genügend Ressourcen für die flüssige Wiedergabe bereitstellen kann. Denn schließlich dürften Ruckler in den spannendsten Szenen für laute Proteste im Wohnzimmer sorgen. Hier schlägt sich das System wacker: Das HD-Video läuft bei der normalen Arbeit mit dem Explorer sowie Produktivitäts-Anwendungen als auch beim Wechsel zwischen Desktops ohne Störungen weiter. Auch das ressourcenintensive Komprimieren bringt das Video nicht aus der Ruhe.

Aus diesen Ergebnissen lässt sich natürlich nicht ableiten, dass es unter keinen Umständen zu Qualitätsproblemen kommen kann. Dazu ist das Ökosystem aus Treibern, OS, Hardware und Anwendungsprogrammen zu vielfältig und zu fragil. Eine gewisse Robustheit kann man dem Gespann aus Vista Media Center und Linksys-Extender aber bescheinigen.

Der Linksys DMA 2200 hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck: Für das Gerät sprechen die einfache Einrichtung, der lautlose Betrieb und der geringe Stromverbrauch.

Dem stehen allerdings viele Negativpunkte gegenüber. Das Bootvorgang dauert mit über eine Minute relativ lange, und die ruckelnden Menüs sind bei einem Produkt der Unterhaltungselektronik im Jahr 2008 nicht hinnehmbar. Gleiches gilt für die indirekt arbeitende Steuerung.

Man sollte sich auch im Klaren darüber sein, dass ein Media-Center-Extender nur in Verbindung mit einem eingeschalteten Rechner funktioniert. Ansonsten bleibt der Fernseher schwarz. Das schränkt die Nutzungsmöglichkeiten deutlich ein.

Der Linksys DMA 2200 ist mit knapp 300 Euro Straßenpreis relativ teuer. Die Version 2100 ohne DVD-Laufwerk kostet rund 50 Euro weniger.

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[1] = http://www.zdnet.de/enterprise/os/vista/tests-beratung/0,39035744,39150217-1,00.htm