Anthony Gold, General Manager Open Source bei Unisys, sieht offene Software am Wendepunkt: Seiner Ansicht nach gibt es inzwischen genügend ausgereifte Lösungen, die auch anspruchsvollen Unternehmen gerecht werden.
2008 werden IT-Entscheider in großen Unternehmen Open-Source-Lösungen noch enger in ihre zentralen IT-Strukturen einbinden, sagt Anthony Gold, Vice President und General Manager Open Source bei Unisys[1]. Im Interview mit ZDNet spricht er über die Gründe.
ZDNet: Sie sind davon überzeugt, dass 2008 Open Source[2] endgültig der Durchbruch in den Großunternehmen gelingt. Warum?
Gold: Immer mehr Lösungen, von Middleware bis zu Business-Anwendungen, beinhalten Open-Source-Bestandteile. Open Source wird damit zu einem Schlüsselinstrument für das Management, wenn dieses die IT auf die Geschäftsziele abstimmen und gleichzeitig weniger Geld ausgeben sowie bereits existierende IT-Bausteine effektiver nutzen will.
ZDNet: Was erwarten Sie für dieses Jahr an konkreten Entwicklungen beim Open-Source-Einsatz?
Gold: Ich bin mir sicher, dass 2008 Open-Source-Lösungen bei der IT-Auswahl und den Beschaffungsprozessen zunehmend in Betracht gezogen werden. Dadurch müssen Unternehmen dann auch ihre Governance-Richtlinien auf das Management von Open-Source-Ressourcen ausdehnen beziehungsweise anpassen. Diese Richtlinien sind für die Evaluierung, Beschaffung, Einführung, das Testen und die Produktion von anderen Lösungen bereits vorhanden. Außerdem führt die neue Ernsthaftigkeit im Umgang mit Open Source dazu, dass Organisationen verstärkt Policies anwenden, um die Leistungsfähigkeit von Open-Source-Lösungen zu messen und festzustellen, inwieweit sie Service-Level-Agreements erfüllen oder sogar übertreffen.
ZDNet: Wie sehen Sie den Übergang von etablierten Strukturen zu den neuen, mit Open-Source-Elementen eng verwobenen?
Gold: Die bisher von Altanwendungen bereitgestellten Services werden zu flexiblen, neuen "Composite-Applikationen" umgerüstet. Diese basieren auf offenen Architekturen wie SOA[3] beziehungsweise offenen Standards. Open Source kann von Unternehmen so wesentlich schneller in Geschäftsanwendungen sowie in Betriebs- und Business-Management-Prozesse integriert werden als bisher.
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| Anthony Gold, Vice President und General Manager Open Source bei Unisys |
ZDNet: Was bringt die CIOs hauptsächlich dazu, die lang argwöhnisch betrachtete Open-Source-Software jetzt so breit einzusetzen?
Gold: In Zeiten schrumpfender Budgets müssen IT-Entscheider dazu beitragen, bessere Geschäftsergebnisse zu erreichen, und gleichzeitig die IT-Infrastruktur modernisieren. Wichtig ist auch, bereits existierende Anwendungen optimal zu nutzen. Durch den Einsatz von Open-Source-Software für die Integration von proprietären Lösungen und Altsystemen kann die Unternehmensführung höhere Kosteneffizienz bei der Modernisierung der IT-Infrastruktur erzielen.
Die meisten Organisationen realisieren diesen Ansatz auf Basis von serviceorientierten Architekturen (SOA). Sie setzen dabei auf offene Standards, wie die Standards für Web Services und Orchestrierung, um die Bereitstellung zu gewährleisten. Open Source kann aufgrund ihrer großen Vielfalt einen Großteil der geforderten Komponenten besser bereitstellen als kommerzielle Software.
ZDNet: In welchen Bereichen wird sich Open Source 2008 weiterentwickeln?
Gold: Open Source wächst dieses Jahr in Bereiche hinein, die lange Zeit nahezu exklusiv proprietären Lösungen vorbehalten waren. Es gibt einige Beispiele dafür: Tools für Business- und IT-Monitoring - wie Jaspersoft[4] und Pentaho[5] für das Dashboard-Reporting bei Business-Intelligence-Anwendungen oder Groundwork[6], Hyperic[7] und Zenoss[8] für die Betriebssteuerung - erobern zunehmend die IT-Infrastruktur von Unternehmen. Das gleiche gilt für Lösungen wie Alfresco[9]für das Enterprise Content Management (ECM), Concursive Concourse[10] für Customer-Relationship-Management[11]-Lösungen. Compiere[12] und Openbravo[13] traue ich einen ähnlichen Erfolg bei Enterprise-Resource-Planning-Anwendungen zu. Und nicht zuletzt gibt es eine Menge neuer Kollaborationstechnologien, die auf Web-2.0-Funktionalitäten basieren.
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