HP bringt am laufenden Band neue Thin Clients, Sun sieht auf einmal Nachfrage nach seinen Sun-Ray-Clients, Dell und NEC sind kürzlich in den Markt eingestiegen. Jetzt empfiehlt sogar das Umweltbundesamt die schlanken Rechner nachdrücklich.
Jahrelang haben die zahlreichen spezialisierten Anbieter von Thin Clients die Vorteile[1] ihrer Produkte nahezu gebetsmühlenartig wiederholt – zugehört hat kaum einer: Einfachere Verwaltung, höhere Sicherheit, weniger Aufwand beim Helpdesk, beim Rollout und bei Upgrades, weniger Stromverbrauch und längere Lebensdauer, all diese guten Argumente nutzten nichts.
Der Großteil der Firmen blieb aus Bequemlichkeit oder Gewohnheit, weil sie falsch beraten waren oder sich einfach nicht eingestehen wollten, dass auch sie nur eine recht begrenzte Anzahl von Anwendungen wirklich benötigen, beim althergebrachten Desktop-Konzept. Sogar Citrix[2]-Anwender, eigentlich prädestiniert für den Einsatz von Thin Clients, setzten – sehr zur Verzweiflung von Anbietern wie Wyse[3], Igel[4] oder Neoware - überwiegend auf Desktop-Rechner mit allem drum und dran.
Und im Programm der großen PC-Anbieter HP und FSC waren Thin Clients zwar immer vertreten, führten aber ein Schattendasein.
Selbst Sun[5], mit dem Slogan "the network is the computer" einer der Vorreiter von ganz neuen Bürokonzepten und mit den Sun-Ray-Clients Anbieter von passenden Endgeräten, tat sich jahrelang schwer, ansehnliche Referenzkunden vorzuweisen: Nur die eigenen Mitarbeiter mussten oder durften - je nach Standpunkt - mit dem innovativen Konzept arbeiten.
Doch auf einmal scheint alles anders zu sein. Nachdem HP im vergangenen Jahr den auf Linux spezialisierten Thin-Client-Anbieter Neoware übernahm[6], wurden in den vergangenen Wochen mehr neue Thin Clients vorgestellt als sonst in Jahren. Auch Sun stellt auf einmal - und das klingt schon ein bisschen so, als sei der Hersteller selbst etwas überrascht - eine rege Nachfrage[7] nach seinen Sun-Ray-Clients fest. Nicht zuletzt ergreift auch das Umweltbundesamt[8] auf einmal Partei für die Mauerblümchen unter den Rechnern: Nach Angaben des Amtes könnten bei Rechenzentren, durch Vermeidung von Leerlaufverlusten und den konsequenteren Einsatz von Thin Clients rund sechs Millionen Tonnen CO2 eingespart werden.
Die neu entdeckte Liebe des Umweltbundesamtes für Thin Clients geht aber noch weiter: Die Umstellung eines Drittels der PCs in Deutschland auf Thin Clients würde pro Jahr eine Million Tonnen CO2 und rund 100.000 Tonnen Material sparen, speziell Metalle und Kunststoffe. "Wir sollten nicht nur dem Energiesparen Aufmerksamkeit schenken. Es ist an der Zeit, auch verstärkt die Materialeffizienz und Rohstoffknappheiten in den Blick zu nehmen“, sagte Andreas Troge, Präsident des Umweltbundesamtes, auf einer zusammen mit dem Bitkom in Berlin veranstalteten Konferenz.
Dell[9] und NEC sind im vergangenen Jahr ebenfalls in den Markt eingestiegen. Dell vermarktet das Angebot als On-Demand-Desktop-Streaming-Technologie und wendet sich damit in erster Linie an größere und mittelständische Unternehmen bei Finanzdienstleistern sowie Callcenter und Schulen. Hauptverkaufsargument ist, dass sich damit über die Hälfte der Administrationskosten einsparen lassen.
Es handelt sich dabei jedoch um keine echten, neu entwickelten Thin Clients, sondern lediglich um die ihrer Festplatte beraubten Desktop-Modelle Optiplex 745 und Optiplex 755. Sie werden zusammen mit je einem Server Power Edge 2950 für rund 100 Clients verkauft. Der Preis liegt für das gesamte System bei deutlich über 1000 Dollar pro Anwender. Also auch preislich kaum eine Bedrohung für die etablierten Anbieter.
Mit dem als Virtual PC Center[10] (VPCC) verkauften Thin-Client-Konzept will NEC[11] besonders Anwender ansprechen, die hohe Anforderungen an die Grafik ihres Rechners haben. VPCC besteht aus einem gesonderten Server, einem Management-Server, der integrierten Virtualisierungssoftware eines Drittanbieters (Wyse) und den mit einer besonders leistungsfähigen Grafikkarte ausgerüsteten Clients. Hauptargumente sind auch hier zentrales Management und verbesserte Sicherheit sowie um 60 Prozent geringere Stromkosten als bei einer Desktop-Lösung.
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