Die Marktforscher der Experton Group analysieren regelmäßig die wichtigsten Eckdaten publizierter Outsourcing-Deals. Auch aus den Ergebnissen für das vergangene Quartal lassen sich wieder interessante Trends ableiten.
Die Experton Group[1] erfasst in ihrem Outsourcing-Tracking-Report weltweit Outsourcing-Deals, die von den Outsourcern veröffentlicht beziehungsweise in der Fach- und Wirtschaftspresse genannt werden. Hinzu kommen Vereinbarungen, die die Experton Group begleitet und bei denen der Auftraggeber der Veröffentlichung zustimmt. Insofern kann der Bericht keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben – nichtsdestotrotz ist er ein gutes Instrument, um sich abzeichnende Tendenzen zu erkennen.
So waren im vierten Quartal 2007 laut dem Experton-Bericht IBM[2], EDS[3], Atos Origin[4], T-Systems[5], ACS[6], CSC[7] und Unisys[8] die Outsourcer, die die meisten neuen Kunden gewinnen konnten. Im dritten Quartal 2007 hatte zwar ebenfalls IBM die Spitzenposition belegt, auf den Plätzen gab es aber einige Verschiebungen, folgten doch CSC und Atos Origin vor Accenture[9], EDS, T-Systems, ACS, Tata Consultancy Services (TCS)[10], Lufthansa Systems[11] und CGI[12].
Die starke Segmentierung des Marktes wird auch daran deutlich, dass Experton im vierten Quartal 2007 Abschlüsse von 80 verschiedenen Anbietern zählte, von denen jedoch nur 27 mit mehr als einem Outsourcing-Vertrag vertreten waren.
Finanzdienstleister unterzeichneten im Erhebungszeitraum die meisten Verträge über ITK-Outsourcing oder BPO (Business Process Outsourcing). Fast jeder fünfte Vertrag ist dieser Branche zuzuordnen. Aber auch Public Services und Non-Profit-Organisationen (18 Prozent) sowie Fertigungsunternehmen (15 Prozent) gehören zu den aktiven Outsourcing-Branchen – auch wenn die Werte im Vergleich zum bisherigen Jahresdurchschnitt leicht gesunken sind. Deutliche Impulse sehen die Experton-Marktforscher dagegen im Gesundheitswesen (10 Prozent) und bei Medienunternehmen (6 Prozent).
Mega-Deals waren bei ITK- und Business-Process-Outsourcing im vierten Quartal ebenso wie schon im dritten Quartal 2007 die Ausnahme: Ein Vertragsvolumen von einer Milliarde Euro und mehr wurde lediglich bei 2 Prozent der Verträge erreicht. Fast die Hälfte der registrierten Verträge hatte dagegen ein Volumen von weniger als 50 Millionen Euro. Fast jeder dritte Deal umfasste immerhin Vereinbarungen im Wert von 100 bis 499 Millionen Euro. Auch im vierten Quartal 2007 bevorzugen Unternehmen geringe bis mittlere Laufzeiten (zwei bis fünf Jahre). Diese Tendenz ist bereits seit mehreren Quartalen deutlich geworden und setzt sich offenbar fort. Die im vierten Quartal von der Experton Group erfassten Verträge gehen zum überwiegenden Teil über eine Laufzeit von fünf Jahren (29 Prozent) und weniger (31 Prozent). Sechs bis neun Jahre will sich lediglich jedes siebte Unternehmen binden, zehn Jahre sogar nur jedes achte.
Die langfristigen Deals sind zum größten Teil strategische Kooperationen in den Branchen Versicherungen, beim öffentlichen Dienst und im Gesundheitswesen. Die Experton Group sieht zudem einen Trend hin zu sogenannten Optionsmodellen, bei denen zu den Vertragslaufzeiten eine Verlängerungsoption angeboten wird. Die Marktforscher schließen daraus, dass Unternehmen ihre Outsourcing-Aktivitäten inzwischen nicht nur hinsichtlich der Inhalte, sondern auch in Bezug auf die Laufzeit variabler gestalten als noch vor einigen Jahren.
Dennoch waren auch im vierten Quartal 2007 Outsourcing-Verträge mit mehreren Segmenten am häufigsten (39 Prozent). Bestandteile solcher Verträge können etwa Infrastruktur-Outsourcing verbunden mit Applikationsbetreuung, BPO-Verträge und Application-Management, Infrastruktur- und Telekommunikations-Outsourcing sowie weitere Varianten sein.
An zweiter Stelle rangieren mit 20 Prozent Infrastruktur-Outsourcing-Verträge. Fach- und branchenspezifische Business-Process-Outsourcing-Verträge (17 Prozent) sowie Applikations-Outsourcing (9 Prozent) oder die Auslagerung von Buchhaltung (8 Prozent) und Personalwesen (4 Prozent) stellen einen weitaus geringeren Anteil. Die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte[13] weist in ihrem Outsourcing Report 2008 nach, dass Outsourcing den meisten Unternehmen einen ansehnlichen Return on Investment (ROI) gebracht hat. 83 Prozent der von Deloitte für die Studie befragten 300 Unternehmenslenker haben mit Outsourcing-Maßnahmen einen ROI von über 25 Prozent erreicht.
Geld allein ist aber wohl nicht alles. "Dennoch gibt nur etwa ein Drittel der Befragten an, innovative Impulse durch das Outsourcing erhalten zu haben, ebenfalls gut ein Drittel würde heute mehr Zeit mit der Suche nach dem richtigen Partner verwenden. Die Hälfte sagt sogar, sie würde die Vereinbarungen mit dem jeweiligen Partner besser auf die strategischen Ziele des Unternehmens abstimmen", erklärt Edgar Klein, Partner Consulting bei Deloitte. Zu wenige Unternehmen hätten Outsourcing als strategische Maßnahme und den Dienstleister als Partner begriffen. Die Folge davon sei, dass in den meisten Fällen die wirklichen Potenziale ungenutzt blieben.
Knapp 40 Prozent der von Deloitte befragten Unternehmen haben bereits einmal einen Auslagerungsvertrag vorzeitig gekündigt oder beschweren sich, dass nach kurzer Zeit Unstimmigkeiten mit dem Dienstleister auftraten. Deloitte bemängelt in dem Bericht, dass sich derzeit nur wenige Unternehmen des Potenzials durch Transformation und Neugestaltung von Geschäftsprozessen als strategischem Instrument bewusst seien.
Im Idealfall könnten sich Unternehmen damit nämlich einen Wettbewerbsvorteil verschaffen, der die Kosteneinsparung als sekundären Effekt erscheinen lasse. Wichtig sei dafür jedoch, die Outsourcing-Maßnahmen eng an den Geschäftsstrategien des Unternehmens zu orientieren und auch mögliche Entwicklungen zu berücksichtigen.
Dass sie diese Punkte nicht bereits bei der Vertragsgestaltung in ausreichendem Maße berücksichtigt haben, bedauert knapp die Hälfte der Unternehmen. Diese haben sich daher auch fest vorgenommen, bei neuen Auslagerungsprozessen mehr Zeit darauf zu verwenden, Service Level stärker an der Gesamtstrategie des Unternehmens auszurichten. Um den richtigen Dienstleister zu finden, empfiehlt Deloitte Unternehmen, bereits frühzeitig einen präzisen Anforderungskatalog an potenzielle Partner zu versenden. Da dafür jedoch großer Aufwand notwendig ist, scheuen viele Unternehmen davor zurück. Die Folge: Sie wählen einfach einen Dienstleister, den sie bereits kennen.
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