CeBIT: Die Trends in der Business-IT

(http://www.zdnet.de/magazin/39186492/cebit-die-trends-in-der-business-it.htm)

von Peter Marwan, 22. Februar 2008

Sparen und Gewinn maximieren - glaubt man den Versprechungen der CeBIT-Aussteller, geht das ganz leicht. ZDNet hat aus den vollmundigen Ankündigungen die interessantesten Lösungsanbieter für Unternehmen herausgepickt.

Unternehmen interessiert immer mehr, wie sie mit Hilfe der IT Geld sparen können, etwa durch Virtualisierung und Green-IT, oder wie sich Gewinne maximieren lassen. Letzteres scheint vor allem durch die bessere Nutzung vorhandener Ressourcen unter dem Stichwort Information Management mühelos möglich zu sein.

Das Thema Virtualisierung hat insbesondere dem rasanten Aufstieg von Vmware[1] (Halle 2, Stand A30 und Halle 2, Stand A30 im Public Sector Parc) in den vergangenen Jahren immer wieder neue Impulse zu verdanken. Inzwischen sieht sich das Unternehmen jedoch wachsendem Wettbewerbsdruck auf dem Markt der Virtualisierungssoftware ausgesetzt: Nicht nur Microsoft[2] (Halle 4, Stand A26) und Oracle[3] (Halle 5, Stand B48) wollen sich stärker in diesem vielversprechenden Markt engagieren, auch IBM[4] (Halle 2, Stand A10) belebt seine Virtualisierungsangebote für IBM-Systeme mit Power-Prozessoren für die Betriebssysteme Unix (AIX), Linux und I5/OS als Power VM neu. Und auch Citrix[5] (Halle 4, Stand B04) hat sich im vergangenen Jahr mit seinem Xen-Server als ernstzunehmender Anbieter einer Virtualisierungsplattform etabliert.

Für Unternehmen ist der erhöhte Wettbewerb ein Vorteil, profitieren sie doch von vielfältigeren und weiter verbesserten Angeboten. Und im Schlepptau von Microsoft, Oracle, IBM und Vmware gibt es eine Reihe von Spezialisten, die mit ergänzenden Lösungen zusätzliche Angebote für ganz unterschiedliche Anforderungen schaffen.

Im Falle von Vmware sind die meisten davon Mitglied im Virtual Desktop Infrastructure Alliance Program des Herstellers. Einer der letzten Neuzugänge dabei ist der deutsche Anbieter Thin-Client-Spezialist Igel Technology[6] (Halle 4, Stand A04). Mit dessen Lösungen können virtuelle PCs, die auf ganz unterschiedlichen Betriebssystemen basieren, über die Kommunikationsprotokolle ICA, RDP oder NX angesprochen werden. Zusätzlich lässt sich auf weitere serverbasierte Applikationen zugreifen, die nicht über den virtuellen PC laufen, also etwa VoIP, SAP oder Mainframe-Terminalemulationen. Mit diesen Möglichkeiten verspricht der Hersteller eine Konsolidierung der Endgeräte, niedrige Kosten, einfaches Management, schnelle Roll-outs und effizienten Einsatz der Serverhardware.

Pironet NDH[7] (Halle 3, Stand D33) bietet Lösungen auf Mietbasis, nutzt also das Modell Software-as-a-Service (SaaS). Die Hauptvorteile für die Kunden: Sie müssen weder Software noch Lizenzen einkaufen und können kurzfristig auf Änderungen des Ressourcenbedarfs reagieren. Andererseits sind sie auf eine höchst effiziente Serververwaltung des Anbieters angewiesen. Pironet NDH setzt dazu auf die Virtualisierung von Server- und Speicherkapazitäten. Der Anbieter hat sich also die Vorteile der Virtualisierung bereits wirtschaftlich nutzbar gemacht. Wie die Vorteile für Nutzer sind, soll auf der Messe demonstriert werden.

Das von der CeBIT ausführlich angekündigte Virtualisierungsforum (Halle 2 Stand A 30) ist eigentlich nicht mehr als der Stand des Großhändlers Magirus[8]. Der aber hat in seinem Programm eine ganze Reihe von Herstellern versammelt, mit denen er eine möglichst umfassende Lösungspalette zum Thema Virtualisierung anzubieten versucht. Davon sind neben Vmware auf dem Stand unter anderem auch Avocent, BEA, Datacore, Falconstore und Platespin vertreten. Das in der IT-Branche ausgebrochene Green-IT-Fieber[9] hat auch die CeBIT ergriffen. Deutlichstes Merkmal sind lautstark angekündigte Sonderaktionen und das mit der amerikanischen Organisation Climate Savers[10] als Kooperationspartner aufgezogene "Green IT Village" in Halle 9. Dort sollen sich Industrieunternehmen, Institutionen, Forschungseinrichtungen und Organisationen austauschen und den Besuchern Lösungen präsentieren. Wer es nicht gleich findet: Halle 9 liegt ganz unten rechts auf dem Hallenplan. Zumindest geografisch steht das Thema damit nicht wirklich im Zentrum. Aber auch thematisch tut es sich schwer: Was genau die Besucher erwartet, war Mitte Februar noch weitgehend unklar.

Eines der wenigen konkreten Beispiele vor Ort ist ein "grün vernetztes Büro", das den Vergleich zwischen herkömmlicher und energieeffizienter Nutzung eines Büroarbeitsplatzes ermöglicht. Und auch Fujitsu-Siemens[11] ist in Halle 9 vertreten. Der Hersteller macht auf der CeBIT einen neuen Anlauf mit einem Green-PC. Wie bei den Vorgängern setzt FSC auch diesmal auf ein Mainboard, das besonders wenig Schadstoffe enthält. Aber auch beim Stromverbrauch wurde jetzt etwas erreicht: Dank einer zusätzlichen Software soll der neue Green-PC rund ein Viertel weniger Strom benötigen. Der Scaleo Green-PC ist mit einem Pentium-Dual-Core-Prozessor von Intel mit 1,6 GHz und 2 GByte Arbeitsspeicher sowie Windows Vista Home Premium ausgerüstet und soll ab April für 500 Euro erhältlich sein.

Diese zwei netten Angebote wirken ein bisschen dürftig dafür, dass Green-IT eines der Top-Themen der CeBIT 2008 werden soll. Die Chance, wenigstens die themenspezifischen Vorträge in Halle 9 zu bündeln, wurde auch nicht genutzt. Wer sich für Green-IT wirklich interessiert, muss zwischen den Forumsveranstaltungen in Halle 8, dem "Future Talk" in Halle 9 und dem Forum des Linux-Parks in Halle 5 pendeln. Immerhin: Das "Green IT Village" ist auch der Startpunkt für die geführte "Infotour Green-IT". Wem es dort also nicht gefällt, der kann schnell weiter - und sich andernorts nach grünen ITK-Lösungen umsehen.

Unter dem Oberbegriff "Green Responsibility" zeigt IBM[12] (Halle 2, Stand A10), was der Konzern unter Green-IT versteht. Der Bogen ist dabei weit gespannt und reicht von IT-Lösungen für die Energieerzeugung und die Verbrauchsoptimierung im Rechenzentrum über das Gebäudemanagement bis zu einem neuen Recyclingprozess, der aus Abfall-Siliziumscheiben Solarkonzentratorzellen herstellt, um so Siliziumressourcen zu schonen.

Business-Intelligence-Spezialist SAS Institute[13] (Halle 3, Stand C55/1) vermarktet seine Lösung SAS IT Resource Management ebenfalls als grüne Lösung: Sie sammelt Daten aus unterschiedlichen Plattformen, Netzwerken und TK-Anlagen sowie Systemmanagement-Anwendungen und führt sie zusammen. Berichts- und Analyseanwendungen helfen, die Systemleistung und -verfügbarkeit einzustufen sowie Investitionen und Kapazitäten bei der Konsolidierung von Servern und der Optimierung von IT-Prozessen bedarfsgerecht zu planen – und so letztendlich Geräte und Strom einzusparen.

Cyberpower Systems[14] (Halle 12, Stand E52), USV-Anbieter aus Taiwan, verspricht, Anlagen zu zeigen, die bis zu 75 Prozent weniger Strom verbrauchen. Während eine handelsübliche 2200-VA-USV im Schnitt 315 kWh pro Jahr verbrauche, komme die neueste Generation des Herstellers mit 68 kWh aus. Auf der Messe werden unter anderem eine SOHO-Serie mit 1200, 1500 und 2200 VA sowie eine Rackmount-Variante mit 1000 oder 1500 VA präsentiert.

Netzwerkanbieter D-Link[15] (Halle 13, Stand D71) hat bereits Ende vergangenen Jahres eine Reihe von sogenannten Green-Ethernet-Switches vorgestellt. Sie benötigen dank einiger neuer, hardwarebasierender Features deutlich weniger Strom. Zur CeBIT werden jetzt die businesstauglichen großen Brüder nachgeliefert: Nicht verwaltbare Modelle mit 16 beziehungsweise 24 Ports sowie sogenannte Smart-Switches für Gigabit-Ethernet mit bis zu 48 Ports.

Aber auch bei den Netzteilen wird gespart, was das Zeug hält. Messgröße hier ist allerdings nicht der absolute Verbrauch, sondern der Wirkungsgrad der Netzteile. Amacrox Technologie[16] (Halle 24, Stand D30) zeigt mit Free Style AX750-EP eines mit einer Effizienz von mehr als 85 Prozent. Listan[17] (Halle 21, Stand B33) will hier nicht zurückbleiben und stellt neue Modelle der Produktreihe "Be Quiet Dark Power Pro" mit einer Effizienz von bis zu 88 Prozent aus. Weil aber auch das umweltfreundlichste und innovativste Produkt irgendwann einmal ausgedient haben wird, gehören auch spezialisierte Entsorger und Wiederverwerter wie Geodis[18] (Halle 5, Stand D46/2) zu einem kompletten grünen CeBIT-Rundgang. Der schon oft strapazierte Spruch, dass Informationen das wichtigste Gut eines Unternehmens seien, gewinnt für immer mehr Firmen tatsächlich an Bedeutung: Denn das selbst erarbeitete Wissen ist allmählich noch das einzige, was sich betriebswirtschaftlich durch Sale und Leaseback, durch Outsourcing oder Managed Services nicht in einen zumindest kurzfristigen finanziellen Vorteil umwandeln lässt.

Andererseits wächst dieses Wissen – oder wenigstens die Menge der Informationen und Daten, die einmal dazu zählen könnten – rasant. Dadurch wird auch der geschickte Umgang damit zu einem Trumpf im Wettbewerb. Genau dies zu leisten, versprechen mehrere Branchen: Dokumenten- und Content-Mamanagment-Systeme sowie Business-Intelligence-Lösungen. Ein kluger Schachzug der CeBIT ist es daher, dass die Messeleitung diese Aussteller erstmalig alle in Halle 3 zusammengezogen hat. Für wen Informationen also wirklich das wichtigste Gut seines Unternehmens sind, der ist hier genau richtig.

Die Veranstalter der in Halle 3 integrierten Content-Management-Arena sehen das Internet nicht mehr als Werkzeug der Informationsbeschaffung, sondern als Medium, das vor allem dem interaktiven Dialog dient. Unternehmen müssten diese neuen Nutzererwartungen auf ihren Websites umsetzen und deren Inhalte in einem dialogorientierten Umfeld bereitstellen. In 14 Vortragsrunden mit rund 100 Programmpunkten sollen Best Practices, Fachvorträge und Technologie-Demonstrationen zeigen, wie das geht. Der Mittelstand steht dabei am Donnerstag, 6. März, von 12 bis 15 Uhr im Mittelpunkt. Spannend dürften auch die Beiträge zum Multi-Site-Management sein, die am Vortag zu derselben Zeit stattfinden und sich damit beschäftigen, wie sich Websites effektiv umsetzen lassen, die in mehreren Sprachen, für mehrere Länder oder mehrere Marken eines Unternehmens konzipiert sind.

Am Stand von Red Dot[19] (Halle 3, Stand D09), der ebenfalls viel für Web-2.0-Enthusiasten bietet, ist auch die Mutter Open Text[20] als Unteraussteller vertreten. Open Text will für Unternehmen mit der Kombination aus seinen Web-2.0-Lösungen mit traditionelleren Themen wie Records Management, Security und Archivierung die Brücke zwischen Compliance und mehr Produktivität im Umgang mit Wissen schlagen. Dazu greift Open Text auf seine Erfahrungen bei Kollaborationslösungen zurück, um knifflige Fragen rund um Compliance, Zugriffsschutz und Risikomanagement im Zusammenhang mit der neuen Art der Wissensverbreitung anzugehen. Mit den Open Text Content Services kommt zudem eine system- und applikationsunabhängige Schicht von Webdiensten für ECM. Damit sollen sich Informationen unabhängig vom Speicherort und der genutzten Anwendung nutzen lassen.

Fest an die Zukunft des Mitmach-Internets glaubt auch Hyperwave[21] (Halle 3, Stand A29) – zumindest in einer gezähmten Form. "Die Diskussion in den Medien hat den Begriff Web 2.0 sicherlich sehr strapaziert. Unternehmen müssen aber erkennen, welche großen Potenziale das Konzept und die Idee des Web 2.0 bereithalten", sagt Christoph Michel, Senior Vice President des Unternehmens. Hyperwave habe die Grundprinzipien des Web 2.0 in die Entwicklung seiner Enterprise-Content-Management-Plattform übernommen und könne damit dieses Potenzial erschließen. CeBIT-Besuchern sollen die Augen am Beispiel konkreter Einsatzszenarien geöffnet werden.

Docuware[22] (Halle 3, Stand C46) hat rechtzeitig vor der Messe einen Web-Client für seine Archivierungslösungen fertiggestellt. Er soll den schnellen Zugriff auf alle Dokumentarten eines Archivs über Browser erlauben, so das sich gescannte Unterlagen, E-Mails, PDF- und Office-Dateien oder CAD-Zeichnungen überall dort nutzen lassen, wo ein Internetzugang vorhanden ist. Der Web Client basiert auf Microsoft ASP.NET sowie AJAX und lässt sich in den Microsoft Sharepoint Server integrieren.

Pironet NDH[7] (Halle 3/Stand D33) präsentiert auf der CeBIT das Release Pirobase CMS 7 seiner Content-Management-Lösung. Damit soll die fein regulierbare Verwaltung und eine weitgehend personalisierte Ausgabe von Content möglich sein. Außerdem stand für die Entwickler die leichtere Integration in Geschäftsszenarien im Vordergrund, nicht zuletzt hinsichtlich des Trends zu serviceorientierte Architekturen (SOA). Speziell für den Einsatz in SAP-Netweaver-Portalen stellt Pironet NDH zudem kosteneffiziente CMS-Lösungen vor, die ohne den Aufbau einer vom Portal getrennten CMS-Infrastruktur auskommen.

SOA steht auch bei ELO Digital Office[23] (Halle 3, Stand C 40) ganz oben auf der Prioritätenliste. Der Stuttgarter Softwarehersteller präsentiert mit dem ELO Businesslogik-Provider (BLP) eine neu entwickelte Serverkomponente, die auf Grundlage einer SOA die nahtlose Verzahnung von Applikationen zu einem unternehmensübergreifenden Prozess beschleunigen soll. Außerdem wird eine neue E-Government-Lösung zur Nutzung von Standard-ECM-Technologien sowie ein Web-Content-Management-Modul für die ECM-Suite des Herstellers gezeigt.

Intelligenter Wissensversorgung entlang der Wertschöpfungskette hat sich USU[24] (Halle 3, Stand C25) verschrieben und bietet dazu selbstlernende Verfahren für den Umgang mit Unternehmenswissen an. Und das, so der Hersteller, funktioniert bei Enterprise Search, als Wissens- und Lösungsdatenbank für Callcenter und Servicedesks oder als Wissensportal.

Damit sich all die schönen, in Datenbanken fleißig angesammelten Daten dann nicht beim ersten größeren Problem sofort wieder in Luft auflösen, gibt es Backup- und Recovery-Lösungen. Bisher war die Crux daran, dass ein – je nach gewähltem Backup-Fenster – mehr oder wenig großer Zeitraum übrig blieb, der sich nicht ohne weiteres rekonstruieren ließ. Daher lohnt sich ein Blick in die Halle nebenan, wo Acronis[25] (Halle 2, Stand E49) mit Acronis Recovery für Microsoft SQL Server seine Disaster-Recovery-Lösungen erstmals auch auf die Sicherung von Datenbanken anwendet. Damit lässt sich der Datenbankstatus zu einem frei wählbaren Zeitpunkt (Restore to Point in Time) oder automatisch bis zum Zeitpunkt unmittelbar vor einem Crash (Restore to Point of Failure) sicherstellen.

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[10] = http://www.worldwildlife.org/climate/projects/climatesavers/companies.cfm
[11] = http://www.fujitsu-siemens.de
[12] = http://www.ibm.com/de/cebit/de/green-responsibility.html
[13] = http://www.sas.com/offices/europe/germany/
[14] = http://eu.cyberpowersystems.com/
[15] = http://www.d-link.de
[16] = http://www.amacrox.com
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[19] = http://www.reddot.de/
[20] = http://www.opentext.de/
[21] = http://www.hyperwave.com/d/
[22] = http://www.docuware.de/
[23] = http://www.elo-digital.de/
[24] = http://www.usu.de/
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