Microsoft hat das Service Pack 1 für Windows Vista fertig gestellt. ZDNet erklärt, warum die Auslieferung erst Mitte März beginnt, und testet, ob die Geschwindigkeit des etwas trägen OS wie versprochen zugelegt hat.
Windows-Chef Steven Sinofsky[1] hat sein Versprechen eingehalten: Das Service Pack 1 für Windows Vista[2] liegt jetzt als Final vor. Die Auslieferung an Endkunden soll in rund vier Wochen beginnen.
Mit solcher Termintreue konnte sein Vorgänger Jim Allchin nicht glänzen: Nach vielen Verzögerungen lieferte er ein halbes Jahrzehnt nach der Markteinführung von XP ein System ab, das um viele interessante Features gekürzt war und auch ansonsten viele Probleme bereitete. Bugs sowie Inkompatibilitäten zu Anwendungen und Treibern sorgten für Ärger bei Vista-Anwendern der ersten Stunde. Schwierigkeiten dieser Art kannte man vom gereiften Vorgänger nicht.
In den zwölf Monaten seit der Markteinführung für Endkunden hat Microsoft mit einer Reihe von Patches an der Qualität des Betriebssystems gearbeitet. Probleme wie der abstürzende Kalender oder das langsame Kopieren von Dateien wurden so gelindert oder beseitigt. In Verbindung mit gereiften Treibern und angepassten Applikationen ist Vista heute stabiler, sicherer und kompatibler.
Diese Basis will Microsoft mit dem Service Pack 1 festigen. Wer auf spektakuläre neue Funktionen hofft, wird enttäuscht. ZDNet hat getestet, was die Software bietet.
Obwohl das Service Pack 1 als finale Version vorliegt, steht es noch nicht offiziell zum Download. Microsoft will das Update in mehreren Stufen auf die inzwischen mehr als 100 Millionen Vista-Rechner verteilen.
Ab sofort werden die OEMs beliefert, damit sie ihre neuen PCs gleich mit dem Service Pack 1 ausliefern können. Wer Vista bereits im Einsatz hat, muss sich bis Mitte März gedulden. Dann steht die Software auf der Download-Website von Microsoft und per Windows Update zur Verfügung. Wer die automatische Installation von Updates konfiguriert hat, wird Mitte April beliefert.
Während des Betatests hat Microsoft Probleme auf Rechnern festgestellt, deren Treiber nicht gemäß den Richtlinien installiert wurden. Um welche es sich handelt, ist nicht bekannt. Betroffene Maschinen werden zunächst nicht per Windows Update mit dem Service Pack 1 beliefert, sondern vorab mit neuen Treibern. Da das Problem aber nicht mit den Treibern selbst, sondern mit deren Setup zusammenhängt, können sie erfahrene Anwender selbst neu installieren. Die notwendigen Informationen stehen noch aus.
Um unter dem Strich mehr Zuverlässigkeit, Kompatibilität und Geschwindigkeit zu bieten, musste Microsoft an vielen kleinen Schräubchen im System drehen. Eine detaillierte Liste der Änderungen und Neuerungen bietet der Artikel Windows Vista wird renoviert: Alles zum bevorstehenden SP1[3].
Die Installation der gut 550 MByte großen Standalone-Version des Service Pack 1 dauert auf einem Testrechner mit Pentium 4 und 1,5 GByte RAM rund anderthalb Stunden. Das System verfügt über alle bis dahin installierten Updates und wird seit circa zwölf Monaten eingesetzt. Die Umgebung ist also durchaus praxisnah. Die Einrichtung erfordert drei Neustarts und verläuft ohne Probleme.
Nach dem Bootvorgang werden die meisten Nutzer keine Unterschiede bemerken. Lediglich im Detail sind ein paar Änderungen festzustellen: In der rechten Spalte des Startmenüs fehlt der Eintrag Suchen. Das Suchfenster ist jetzt über das Suchfeld im Startmenü erreichbar, das nach der Eingabe eines Begriffs die Option Überall suchen anzeigt. Die Änderung ist das Resultat eines Protests durch Google. Das Unternehmen sieht in der Verknüpfung der Desktop-Suche mit Vista einen unfairen Wettbewerbsvorteil. Daher ist es künftig möglich, die Lösung gegen ein konkurrierendes Modul - beispielsweise von Google oder Yahoo - auszutauschen.
Eine weitere Neuerung betrifft die Defragmentierung: Nach der Installation des Service Pack 1 lassen sich die zu sortierenden Laufwerke per Checkbox auswählen. Vorher hatte man darauf keinen Einfluss. Das Tool Wiederherstellungsdatenträger erstellen brennt eine DVD, von der sich das System auch ohne Windows-Datenträger reparieren oder neu aufsetzen lässt.
Das Versprechen erhöhter Zuverlässigkeit ist kaum nachprüfbar, da Windows Vista auf den in den letzten Monaten getesteten PCs und Notebooks keine grundsätzlichen Stabilitätsprobleme ausweist. Bugs wie das abstürzende Kalender-Modul wurden bereits mit Patches adressiert. Microsoft hat nach eigenen Angaben durch die in Vista integrierte Fehlerberichterstattung einen umfangreichen Überblick über die Probleme der auf dem Markt befindlichen Rechner erhalten. Man kann davon ausgehen, dass die Redmonder versucht haben, möglichst viele davon zu beseitigen. Da aber tausende unterschiedliche Konfigurationen im Einsatz sind, lässt sich zur Zuverlässigkeit keine allgemeingültige Aussage machen. Wer Probleme mit seinem Vista-System hat, kann aber auf Besserung hoffen.
Viele Anwender halten Windows Vista für eher träge. Besonders die Dauer des Starts sowie das Herunterfahren werden immer wieder kritisiert. Auch das Kopieren von Dateien - schon mehrfach per Patch nachgebessert - könnte schneller gehen. Microsoft will Vista mit dem Service Pack 1 die Sporen geben. Wie die Tests zeigen, ist dies aber nur teilweise gelungen.
Der Bootvorgang dauert mit 59 Sekunden jetzt sogar 6 Sekunden länger als ohne Service Pack 1, das Beenden ist mit 29 Sekunden unverändert. Das Kopieren von JPEGs auf der internen Festplatte geht tatsächlich etwas schneller. Die benötigte Zeit sinkt von 75 auf 69 Sekunden.
Obwohl bei der Installation des Updates Daten wie Caches gelöscht werden und damit auch Superfetch[4] seine Datenbank neu aufbauen muss, zeigt Vista Service Pack 1 ein geringfügig besseres Antwortverhalten. Zudem tauchen vernetzte Rechner schneller in der Übersicht auf, und die Suche liefert die Ergebnisse etwas zügiger.
Den versprochenen Zuwachs bei der Akkulaufzeit liefert das Service Pack 1 nicht: Beim Dell XPS 1530 gehen jetzt bei DVD-Wiedergabe und voller Leistung nach 130 Minuten die Lichter aus - im Prinzip unverändert zu den bisherigen 129 Minuten. Microsoft hat dagegen festgestellt, dass 14 von 16 zufällig ausgewählten Notebooks länger laufen. Es könnte sein, dass feiner eingestellte Stromsparfunktionen den Ausschlag geben. ZDNet wird den Sachverhalt weiter beobachten.
Benchmarks sind immer mit Vorsicht zu genießen, da die Abhängigkeit von bestimmten Treibern, Tools und Anwendungen relativ groß ist. Die ermittelten Werte zeigen aber deutlich, dass man sich vom Service Pack 1 keine Performance-Wunder erwarten kann. Die Veränderungen sind zwar messbar, aber nicht spürbar.
Ansonsten hat das erste große Vista-Update wenig zu bieten: Die Unterstütztug neuer Standards wie Direct X 10.1 oder Ex-FAT ist für die meisten Nutzer zunächst nicht relevant. Spektakuläre Features sucht man vergebens. Man kann sich mit der Installation ruhig etwas Zeit lassen. Den von Microsoft geplanten Rollout-Ablauf mitzumachen, reicht vollkommen aus.
Um sich nicht unnötig Probleme zu schaffen und sein System zu gefährden, sollten technisch weniger versierte Anwender das Service Pack 1 über Windows Update beziehen. Auf diese Weise stellt man auch sicher, dass mögliche Treiberkonflikte ausgeräumt sind. ZDNet wird in den nächsten Wochen weitere Tests mit dem Service Pack 1 durchführen.
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