Der plattformunabhängige E-Mail-Server Communigate Pro 5.2 ermöglicht Outlook-Nutzern den gleichen Komfort wie unter Exchange. ZDNet erläutert die Unterschiede zwischen einer offenen und einer eng mit Windows verzahnten Lösung.
Kaum ein Microsoft-Werkzeug wird von seinen Benutzern so sehr geschätzt wie Microsoft Outlook. Mit der gelungenen Kombination von E-Mail, Terminverwaltung und Kontaktdatenbank hat Microsoft in puncto Benutzerfreundlichkeit bei den Anwendern ins Schwarze getroffen. Hauptkonkurrent Lotus Notes ist dagegen bei vielen Anwendern unbeliebt.
Um Outlook mit voller Funktionalität, vor allem echter Replikation, nutzen zu können, gibt es nur wenige Alternativen zu Microsoft Exchange. Die Unterstützung von POP3[1] und IMAP4[2] ist in Outlook zwar vorhanden, beschränkt die Nutzung jedoch im Wesentlichen auf die Funktionen von Outlook Express. Mit Communigate Pro 5.2 als Mail-Server ist dies nicht so. Outlook-Nutzer können ihren gewohnten Komfort weiterhin in vollem Umfang genießen.
Communigate Pro ist bis zu fünf Benutzern kostenlos. Bei einer Lizenz für 25 Benutzer beträgt der Bruttopreis 1070 Euro. Für 50 Benutzer werden 1785 Euro fällig. Im Gegensatz dazu muss man für einen Microsoft-Exchange-Server 2007 inklusive nur fünf Client-Lizenzen[3] mit etwa 1500 Euro rechnen.
Auf den ersten Blick auffälligstes Merkmal ist die Plattformunabhängigkeit. Die Liste der unterstützten Betriebssysteme[4] ist gewaltig. Auch Exoten, etwa Open VMS[5] oder IBM OS/2[6], zählen dazu. Unter Windows können alle Versionen ab 2000 verwendet werden. Client-Varianten, wie XP oder Vista, sind ausreichend. In der Unix-Welt werden unter anderem Linux, Mac OS X, Solaris und Free BSD unterstützt.
Die große Liste hört sich eher nach einem Hobbyisten-Server an. Doch weit gefehlt: LDAP-Routing[8] gehört genauso zum Leistungsspektrum wie Clustering und Authentifizierung mittels NTLM[9], Kerberos [10] oder Radius[11]. Communigate Pro bietet nativen Outlook-Support via MAPI[12] (Bild 1[13]) und Active Sync[14] für Windows-Mobile-Geräte. Cal DAV[15] zur verteilten Terminverwaltung unter Mac OS und Linux ist ebenfalls integriert.
Das integrierte Webmail-Interface hat eine große Auswahl an Skins und entspricht funktionell in etwa Outlook-Web-Access[16] ohne proprietäre Internet-Explorer-Unterstützung, siehe Bilder 2[17] und 3[18]. Anti-Spam- und Antiviren-Lösungen von namhaften Herstellern sind ebenfalls verfügbar. Sie müssen allerdings im Zwölf-Monats-Abo[19] bezogen werden.
Webmail-Nutzer kommen mit dem kostenlosen Flash[20]-Client Pronto in den Genuss eines Komforts, der Outlook-Web-Access bei weitem in den Schatten stellt, siehe Bild 4[21]. Dieser Komfort steht mit jedem Browser zur Verfügung, sofern eine Flash-Unterstützung gegeben ist. Firefox- oder Macintosh-Anwender müssen sich nicht länger mit einem abgespeckten Webmail-Client begnügen.
Ganz nebenbei beherrscht Communigate Pro auch noch Instant Messaging und SIP-Telefonie. Beide Dienste sind jedoch in der aktuellen Version 5.2 wenig ausgereift, und man ist, Stand heute, mit anderen Lösungen, beispielsweise Asterisk[22] oder VoIP-fähigen Telefonanlagen, besser bedient.ZDNet hat Communigate Pro 5.2 unter Windows Server 2008 und Mac OS X 10.5 getestet. Die Installation ist nach Eingabe der Zielverzeichnisse für Programm und Mailboxen binnen weniger Sekunden erledigt. Die Konfiguration erfolgt ausschließlich über ein Web-Interface.
Hier werden sofort Unterschiede zu Exchange deutlich. Aufgrund der Plattformunabhängigkeit muss Communigate seinen eigenen Webserver mitbringen. Eine Integration in Internet Information Server (IIS)[23] oder Apache[24] ist nicht möglich. Um nicht mit einem bereits installierten Webserver in Konflikt zu geraten, liegt die Administrator-Website auf den Ports 8010 (HTTP) und 9010 (HTTPS). Der Webmail-Zugang ist über die Ports 8100 und 9100 realisiert.
Diese Ports können nach Belieben geändert werden. Um Koexistenz mit einem bestehenden Webserver zu gewährleisten, bietet sich ein akzeptabler Workaround an. Der virtuelle Webserver mail.example.com kann auf https://www.example.com:9010 weitergeleitet werden. Bei der Einbindung von Windows-Mobile-Geräten mittels Active Sync kommt man jedoch mangels Einstellmöglichkeit[25] am Client nicht um die Ports 80 und 443 herum.
Das Web-Interface für den Administrator, siehe Bild 5[26], ist eher schlicht, aber dennoch funktional gehalten. Für eine Evaluierung sollten zunächst eine Mail-Domain und dann einige Benutzer eingerichtet werden.
Im ZDNet-Test entsteht auf diese Weise innerhalb von 15 Minuten aus einem Download ein vollständig funktionierender Mailserver. Die für Clients sofort nutzbaren Protokolle können Bild 5[26] entnommen werden. Daran wäre bei Exchange in dieser Geschwindigkeit nicht zu denken.
Für die Outlook-Anbindung muss auf jedem Client-Rechner ein MAPI-Treiber[27] installiert werden, siehe Bild 6[28]. Er liegt standardmäßig auf Port 143 und lässt sich nach Belieben verändern. Die Verwendung von SSL/TLS[29] kann serverseitig erzwungen werden.
Mit diesem Treiber bietet sich die Möglichkeit, Port 143 ins Internet zu legen und somit den E-Mail-Zugang für Outlook-Benutzer ohne VPN zu ermöglichen. Bei Exchange ist das äußerst schwierig, da Outlook und Exchange über Remote-Procedure-Call (RPC)[30] kommunizieren. Darüber laufen eine Menge Dienste in der Microsoft-Welt. Um nur E-Mail zu ermöglichen, muss ein umständlicher Weg via HTTP-RPC[31] gegangen werden.
Der MAPI-Treiber kann zwar per Gruppenrichtlinie[32] konfiguriert werden, jedoch müssen dazu eigene Templates entwickelt werden. Vorgefertigte, wie bei Exchange, gibt es beim plattformunabhängigen Communigate Pro nicht. Diesbezügliche Deployment-Überlegungen gehören in einem professionellen Umfeld zum Pflichtprogramm.
Outlook kann nach der Konfiguration wie gewohnt benutzt werden, siehe Bild 1[13]. Man bekommt den Komfort der Replikation, ähnlich dem Exchange-Cached-Mode[33]. Auch öffentliche Ordner, die Microsoft durch eine Lösung mit den ungeliebten Sharepoint-Services ersetzen will, werden unterstützt. Es fehlt lediglich die Anzeige über den Verbindungszustand in der Statuszeile.Der SMTP[34]-Service ist mit vielen Konfigurationsmöglichkeiten ausgestattet. Um offenes Relaying[35] zu verhindern, werden IP-Adressen und Subnetze eingetragen, die über den SMTP-Service senden dürfen. Auch eine SASL[36]-Authentifizierung ist bereits integriert, so dass mobile Benutzer mit ihren E-Mail-Accounts die Möglichkeit haben, den SMTP-Service zu nutzen.
DNS-Blacklisting[37] gehört ebenfalls zum Lieferumfang, um E-Mails von bekannten Spamadressen unmittelbar abzuweisen. Anders als beispielsweise bei Sendmail[38] ist auch Blacklisting von Domain-Namen dabei, das so genannte RHSBL[39]. Da der Spamfilter von Communigate Pro abonniert werden muss und nach Anzahl der untersuchten Mail zu lizenzieren ist, spart Blacklisting unmittelbar Geld.
Anders als bei Exchange und Sendmail ist auch eine Auswertung des Spam-Filter-Records (SPF)[40] integriert. Damit legen Inhaber von Domains per DNS offen, von welchen Servern sie E-Mails aussenden. Kommt eine E-Mail von einem nicht veröffentlichten Server, so handelt es sich um Spam. Vorsicht ist allerdings geboten. Häufig vergessen DNS-Administratoren, den SPF-Record zu aktualisieren, wenn sich ein Mailserver ändert.
Praktisch, aber gefährlich ist die Nutzung der Funktion Auto-Backup-MX[41]. Damit wird erlaubt, dass jedermann E-Mails über den SMTP-Server an Domains versenden darf, die per DNS als Backup MX eingetragen sind. Somit kann der eigene Mailserver von jedem Domain-Inhaber unbemerkt als kostenloser Backup MX genutzt werden. Da diese Funktion standardmäßig eingeschaltet ist, sollte sie deaktiviert werden.
E-Mail-Benutzer müssen grundsätzlich mit allen zugehörigen Attributen per Web-Interface angelegt werden. Obwohl Communigate Pro ein LDAP-Modul besitzt, kann die Benutzerverwaltung nicht über einen externen LDAP-Server, etwa Active Directory[42] oder Open LDAP[43], realisiert werden, da einige Komponenten direkt auf das Directory des Communigate-Servers zugreifen.
NTLM[9], Kerberos[10] oder Radius[11] ermöglichen zwar Single-Log-In für die Benutzer. Der Administrator muss jedoch zur Benutzerverwaltung zwei Tools verwenden. Dies stellt natürlich in sehr großen Installationen ab etwa 500 Benutzern ein ernsthaftes Problem dar.
Auch Microsoft Exchange hat an der ein oder anderen Stelle ein Problem mit der "Enterprise-Readiness". Jeder Exchange-Administrator kennt das Problem der Storage-Groups und Datenbanken. In der Version 2007 gibt es endlich kein Limit[44] mehr von 16 beziehungsweise 75 GByte pro Datenbank, es kommt jedoch zu Performanceproblemen, wenn man Datenbanken allzu groß auslegt. Das ist auch der Grund, warum Microsoft den eigenen Dienst Windows-Live-Mail[45], früher Hotmail, bisher nicht auf Exchange portiert hat.
Communigate Pro verwendet das Filesystem als Datenbank und vermeidet so das Problem von systembedingten Mailboxlimits. Das Gesamtlimit wird nur durch das Filesystem begrenzt. Das ist einerseits schnell, andererseits sind moderne Journal-Filesysteme[46] sehr robust. Mittels Snapshot-Technologie[47] lassen sich Backups auf Postfachebene mit Standardlösungen durchführen. Optionale Mailbox-Limits mit vorheriger Warnung sind trotzdem einstellbar. Besondere Beachtung verdient der Flash-Client Pronto, der von jedem Browser genutzt werden kann, sofern ein Flash-Plugin installiert ist. Mit Outlook-Web-Access bekommen Firefox- oder Macintosh-Benutzer ein deutlich abgespecktes User-Interface präsentiert.
Communigate behandelt alle User zwar gleich, aber ungleich besser. Pronto ist ein echter lokaler E-Mail-Client. ZDNet hat ihn unter Safari auf einem Macintosh und unter Firefox auf Windows Vista getestet. Im Test wird eine 2000 KBit/s-DSL-Leitung verwendet. Die Inbox wird dazu mit über 1000 E-Mails gefüllt, siehe Bild 2[17].
Der Ladevorgang der E-Mail dauert etwa 2 Sekunden. Die Sortierung der E-Mails nach Datum oder Absender geschieht schnell über die gesamte Inbox. Binnen Sekundenbruchteilen filtert die Suchfunktion aus 1018 E-Mails 297 heraus, die das Wort "mein" enthalten, ganz ohne Search-Indexer, der dauernd im Hintergrund aktiv wäre, siehe Bild 7[48].
In einem weiteren Test werden 50 E-Mails mit Outlook zwischen zwei Ordnern verschoben. Ein Pronto-Client auf einem weiteren Rechner beginnt unmittelbar, die Ordner zu aktualisieren, ohne dass ein Refresh des Benutzers erforderlich ist.
HTML-Mail kann Pronto, wie in Bild 8[49] gezeigt, allerdings nur rudimentär darstellen. Bilder erscheinen als Links. Mit der Schaltfläche "HTML anzeigen" wird die komplette E-Mail in ein neues Browserfenster geladen und dort korrekt angezeigt, siehe Bild 9[50].
Kontakte werden deutlich einfacher dargestellt, als bei Outlook. An Informationen fehlt jedoch nichts, siehe Bild 10[51]. Die Listendarstellung zeigt nur Name und E-Mail-Adresse. Die Detailansicht schneidet Adressen ab, wenn das Fenster nicht breit genug ist. Besser wäre es, die Zeilen umzubrechen.
Die Darstellung der Ansichten im Kalender ist grundsätzlich gelungen. Termine werden allerdings häufig unvollständig angezeigt. Meist sieht man nur die Uhrzeit, wie in Bild 11[52] gezeigt. Auch in der Tagesansicht, siehe Bild 12[53], fehlen Ort und Notizen. Dazu muss der Termin geöffnet werden (Bild 13[54]).
Zudem hat Pronto einige Bugs. Wählt man im Log-In-Screen eine Menüsprache aus, so erscheint grundsätzlich eine leere Inbox. Diese kann wieder gefüllt werden, wenn der Benutzer nach dem Anmelden eine andere Sprache auswählt. Ab und zu kann beobachtet werden, dass beim Abspeichern eines Kontakts ein Duplikat erstellt wird. Im Großen und Ganzen lässt sich Pronto jedoch sehr komfortabel bedienen.
Völlig problemlos gestaltet sich die Integration mit Active Sync. Windows-Mobile-Devices lassen sich genau so einbinden, wie unter Exchange auch. E-Mails, Termine, Kontakte und Aufgaben werden einwandfrei repliziert.
Macintosh-Benutzer können ihre gewohnte Ical-Anwendung per Cal DAV mit Communigate Pro nutzen. Für E-Mail stehen IMAP4 und POP3 zur Verfügung. Im Macintosh-Adressbuch können andere Communigate-Pro-User per LDAP eingebunden werden. Adressbuch-Sharing ist über Communigate Pro nicht möglich.
Macintosh-Benutzer, die Entourage als integrierte Lösung verwenden möchten, bleiben leider auf IMAP4 beschränkt und somit auf die Nutzung von E-Mail. Der MAPI-Treiber von Communigate Pro läuft nur unter Windows und kann nicht mit Entourage benutzt werden. Insgesamt gesehen sind Macintosh-Benutzer deutlich schlechter gestellt als Windows-User. Communigate Pro stellt sich als eine echte Alternative zu Microsoft Exchange dar. Dabei ist es alles andere als ein Exchange-Klon. Der Mailserver hat zum Teil deutlich andere Konzepte als Exchange. Aus der Sicht eines Administrators ist der Hauptunterschied, dass Communigate Pro keine enge Anbindung an das Active Directory von Windows bietet, sondern seine eigene Benutzerverwaltung erfordert. Single-Sign-On ist jedoch möglich.
Windows-Benutzer werden unter Outlook lediglich die Anzeige des Verbindungsstatus vermissen, ansonsten ändert sich wenig. Der an Outlook angelehnte Pronto-Client für den mobilen Zugriff via Browser wird jeden Nutzer sicher begeistern. Bietet er doch deutlich mehr Komfort als Outlook-Web-Access, und das obendrein für die Benutzer aller Webbrowser. Macintosh-Benutzer allerdings können Entourage nicht mit gewohntem Komfort nutzen.
Unternehmen, die in ihrer Serverinfrastruktur auf Linux setzen oder sich nicht grundsätzlich auf Windows festlegen möchten, finden mit Communigate Pro eine ideale Lösung. Kleinen und mittleren Unternehmen wird die Nutzbarkeit einfacherer Backup-Lösungen sehr entgegenkommen.
Communigate Pro ist vor allem auch für Hoster interessant, die serverseitig meist zu Linux hin orientiert sind. Kunden, die sich für "Hosted Exchange[55]" als E-Mail-Produkt entscheiden, möchten vor allem den vollen Komfort von Outlook nutzen, ohne einen eigenen E-Mail-Server zu betreiben. Dies kann Communigate Pro leicht leisten. Ferner kann ein Hoster seinen mobilen Kunden durch den Pronto-Client einen wesentlichen Mehrwert liefern.
Auch Hobbyisten können problemlos in den Genuss eines eigenen professionellen E-Mail-Servers kommen, da eine Nutzung bis zu fünf Mailboxen kostenlos ist. Von der Skalierbarkeit her braucht Communigate Pro den Vergleich mit Exchange nicht zu scheuen.
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