Open Source: Jetzt auch mit der Lizenz zum Gelddrucken

(http://www.zdnet.de/magazin/39160988/open-source-jetzt-auch-mit-der-lizenz-zum-gelddrucken.htm)

von Peter Marwan, 4. Februar 2008

Software kostenlos abzugeben, hat sich als ernstzunehmendes Geschäftsmodell durchgesetzt. Die jüngsten Übernahmen und das neubelebte Interesse der Investoren an Open Source sind wahrscheinlich erst der Anfang.

In den vergangenen Jahren hat Open Source deutlich an Gewicht und Reife gewonnen. Quelloffene Software wurde auch in den Augen von Unternehmenskunden und Investoren zu einem ernstzunehmenden Faktor im Markt. Fragte man bis vor kurzem jedoch noch nach Beispielen, fiel den meisten aus dem internationalen Umfeld nicht mehr als Red Hat[1] ein, national vielleicht noch Suse[2].

Aber nur wenige reine Open-Source-Firmen erreichten ein vergleichbares Niveau an Bekanntheit und Marktbedeutung. Das ändert sich nun, indem sich Open-Source-Lösungen auch abseits der angestammten Segmente als echte Alternativen präsentieren, sei es etwa beim Customer Relationsship Management[3] oder beim Web Content Management[4].

Interessant ist die Wandlung von Sun Microsystems[5] von einem Unternehmen, dessen Wurzeln in der Softwareentwicklung in der herkömmlichen Welt der proprietären Systeme liegen, hin zu einem Vorkämpfer für die Open-Source-Idee und wie Sun sein breites Portfolio an Software nach und nach unter unterschiedlichen Lizenzen zu Open Source gemacht hat.

"Entwickler setzen auf freie und offene Software"

"Volumen ist die treibende Kraft hinter allem, und Entwickler setzen auf freie und offene Software" begründet Sun-Chef Jonathan Schwartz. "Um den größtmöglichen Markt anzusprechen gibt es nur ein Preismodell, das weltweit funktioniert – kostenlos. Daher haben wir uns auf den kostenlosen Teil konzentriert", erklärte Schwartz bereits 2005 in einer Keynote bei der Java-One-Konferenz.

Aber natürlich soll trotzdem Geld verdient werden: Wie Red Hat und eine Reihe anderer Open-Source-getriebener Firmen erwartet auch Sun, dass Unternehmenskunden freie Software einsetzen und dann für Maintenance und Support bezahlen.Dass Sun jetzt die Open-Source-Datenbank My SQL für rund eine Milliarde Dollar übernimmt, ist der Höhepunkt einer Reihe bedeutender Aufkäufe aus dem Open-Source-Umfeld: Zuvor schluckte Citrix[6] bereits Xen Source, Jboss wurde von Redhat übernommen und Zimbra von Yahoo[7]. G

Gleich mehrere Ankündigungen von Investitionen in Open-Source-Firmen diese Woche belegen, dass das Open-Source-Geschäftsmodell endgültig in der Welt des großen Geldes angekommen ist. Automattic[8], Entwickler der Open-Source-Blogging-Plattform Wordpress[9], erhielt in einer zweiten Finanzierungsrunde durch True Ventures, Polaris Ventures, Radar Ventures sowie die New York Times über 29 Millionen Dollar.

Greenplum[10], Entwickler einer Business Intelligence Software auf Grundlage des Open-Source-Projektes Bizgres[11], sammelte in einer dritten Finanzierungsrunde 27 Millionen Dollar von Meritech Capital, Sun und SAP Ventures ein.

Alfresco[12], ein Unternehmen, das Content-Management-Software entwickelt, bekam ebenfalls in einer dritten Finanzierungsrunde neun Millionen Dollar von SAP Ventures, Accel Partners und Mayfield Fund.

Und die Liste lässt sich fortsetzen: Zenoss[13], Entwickler von Software zum Monitoring von IT-Infrastrukturen, bekam 11 Millionen in der zweiten Finanzierungsrunde, Openads[14], ein Open-Source-Ad-Server, erhielt über 15 Millionen, und Acquia[15], das sich mit der Entwicklung von Lösungen rund um die Open-Source-Web-Collaboration- und Publishing-Plattform Drupal[16] beschäftigt, nahm in einer ersten Finanzierungsrunde sieben Millionen Dollar ein.

Und wie sieht es hierzulande aus? Nachdem die deutsche Vorzeige-Linux-Firma Suse in Novell aufgegangen ist, fehlen der Szene offenbar die unternehmerischen Lichtgestalten. Anwärter gibt es zwar einige: sei es nun der Karlsruher Security-Anbieter Astaro[17], der Kommunikationsspezialist Collax[18] oder auch die mit ehemaligen Suse-Mitarbeitern reichlich gesegnete Microsoft-Konkurrenz Open-Xchange[19].

Dennoch gilt aber für die deutsche Open-Source-Landschaft auch heute noch, was die Europäische Kommission bereits vor einem Jahr in einer Studie zur Wirtschaftlichkeit von Open-Source-Software [20] für den gesamteuropäische Markt forderte: Es werden mehr Investitionen gebraucht.

Damals, so rechnete die EU Kommission vor, seien rund zwölf Milliarden Euro notwendig gewesen, um konkurrenzfähige Produkte auf den Markt zu bringen, damit Europa das Rennen um die besten Chancen nicht verliere. Das wird wohl angesichts der mehreren hundert Millionen Dollar schweren Investitionen der amerikanischen Firmen in den vergangenen Wochen heute wohl schon nicht mehr reichen.

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.redhat.de
[2] = http://www.novell.com/de-de/linux/
[3] = http://www.zdnet.de/itmanager/strategie/0,39023331,39159754,00.htm
[4] = http://www.zdnet.de/itmanager/strategie/0,39023331,39157359,00.htm
[5] = http://de.sun.com/
[6] = http://www.citrix.de
[7] = http://www.yahoo.de
[8] = http://automattic.com
[9] = http://wordpress.org
[10] = http://www.greenplum.com
[11] = http://www.bizgres.org
[12] = http://www.alfresco.com
[13] = http://www.zenoss.com
[14] = http://www.openads.org
[15] = http://www.acquia.com
[16] = http://drupal.org
[17] = http://www.astaro.de
[18] = http://www.collax.de
[19] = http://www.openxchange.de
[20] = http://ec.europa.eu/enterprise/ict/policy/doc/2006-11-20-flossimpact.pdf