Sun will für rund eine Milliarde Dollar mit My SQL die am weitesten verbreitete Open-Source-Datenbank kaufen. Einiges spricht dafür, dass von dem Deal sogar die Open-Source-Gemeinde profitiert.
Bevor es zu einem lange erwarteten Börsengang kam, hat jetzt Sun[1] für rund eine Milliarde Dollar das schwedische Datenbankunternehmen My SQL übernommen. Dass sich die My-SQL[2]-Bosse angesichts dieses Preises freuen, ist mehr als verständlich – zumal in jüngster Zeit sonst nicht alles nach Wunsch lief. Besonders herb war der Verlust von Max DB[3]. Damit hat SAP[4] den My-SQL-Technikern nicht nur einen wichtigen Wachstumsweg in Richtung Unternehmensdatenbank weggenommen, sondern auch signalisiert, dass Max DB bei My SQL so gut nun doch wieder nicht aufgehoben sei.
Dieser Schlag war umso herber, als My SQL über Jahre hinweg hart daran gearbeitet hatte, sich mit Features wie Trigger, Stored Procedures, Clustering und mehr im Enterprise-Umfeld zu positionieren. Tatsächlich hat das Unternehmen wenig Geld mit den Millionen von Open-Source-Downloads und dafür umso mehr Umsatz mit Unternehmenskunden gemacht, die eine OEM-Version der Datenbank in ihre Produkte eingebaut haben.
In den jüngeren Statements hat sich das Unternehmen aber wieder auf seine Internet-Wurzeln besonnen. Es tat das nicht zuletzt, weil ihm der Web-2.0-Rummel und erfolgreiche Sites wie Google[5], Yahoo[6], Youtube[7] und Facebook[8] auch mit dem Service für GPL-Datenbanken reichlich Geld in die Kassen spülten – so zumindest die Firmenleitung. Vielleicht hat sich aber hier bereits eine Braut für den erhofften Hochzeiter hübsch gemacht und schön geredet. Tatsächlich dürfte die Entwicklung des Internets das Interesse von Sun geweckt haben - also eines Unternehmens, das sich einmal als Dot im Dot.com bezeichnet hat. Der Boom von Web-2.0-Anwendungen und der wachsende Bedarf nach Multimedia-Downloads auf Rechner und mobile Geräte haben die kühnen Prognosen des langjährigen Firmenchefs Scott McNealy[9] bestätigt, der Sun als Ausstatter gewaltiger Dienstleistungsrechenzentren sah. Diese Vision wurde daher von seinen Nachfolgern unter der aus dem Urknall-Echo stammenden Redshift-Vergleich (Rotverschiebung) wieder aufgewärmt. Dieses Beispiel gilt im Übrigen auch für Telekom-Provider, die Sun schon seit Jahren beliefert und mit denen in letzter Zeit auch My SQL durch dedizierte Datenbankvarianten ins Geschäft gekommen ist.
Bei der Ausstattung von Rechenzentren kommt es Sun nun gelegen, wenn das Unternehmen neben der hauseigenen Hardware auch preiswerte Infrastruktur-Software für Web-Dienste anbieten kann, sprich den berühmten LAMP-Stack aus Linux-Betriebssystem, Apache-Webserver, My-SQL-Datenbank und die Programmier- und Scriptingsysteme wie PHP, Perl, Ruby on Rails etc. "Es war MySQLs Rolle im LAMP-Stack, der Sun am meisten interessierte", berichtet My-SQL-Vize Kaj Arnö. Klar, denn der LAMP-Stack ist preiswert, fest in der Web-Szene etabliert und bietet den Nutzern hohe Projektsicherheit. Wer mehr will, kann ja auch Solaris[10] nutzen oder kaufen. My-SQL-Vize Arnö hatte sein Statement allerdings etwas anders gemeint. Ihm ging es darum, der Open-Source-Szene die Aufgeschlossenheit Suns für ihre Ideale zu vermitteln. Tatsächlich hat Sun über die Zeit viel Code in offene Techniken eingebracht und sich in den vergangenen Monaten mit Open-Solaris und Java-GPL tatsächlich geöffnet – wenn auch nicht unbedingt freiwillig.
Die Szene weiß das. So bleibt fraglich, ob sie Arnö glaubt, dass alles beim Alten bleiben kann, weil ja schließlich die gleichen Leute das Projekt weiter betreiben würden. So hat es dem Ruf von Novell wenig genützt, den Linux-Distributor Suse gekauft zu haben, umso mehr dafür dem Wettbewerber Redhat und anderen Linux-Derivaten. Als Gegenbeispiel könnte IBM dienen, seit der Gemeinde die Entwicklungsplattform Eclipse geschenkt und Linux in den Rang eines Mainframe-Betriebssytems erhoben wurde.
Den Kauf von My SQL als Geschenk an die Open-Source-Community umzudeuten, wird Sun nicht gelingen. Aber vielleicht kann es mit dem Open-Source-Angebot wenigstens den angeknacksten Ruf bei den Analysten verbessern – zumal My-SQL-Chef Marten Mickos versichert, dass My SQL sparsamer mit Speicher- und Rechner-Ressourcen umgehe als herkömmliche Systeme. Wer weiß: Vielleicht wird Sun bald das Green Datacenter mit Stromspar-Chips und Stromspar-Datenbank anbieten.
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