Macworld Expo: Neuigkeiten aus dem Apple-Universum

(http://www.zdnet.de/magazin/39160214/macworld-expo-neuigkeiten-aus-dem-apple-universum.htm)

von Kai Schmerer, 16. Januar 2008

Das schlankste Notebook der Welt hat Apple-Chef Jobs auf der Macworld präsentiert, aber auch interessante Erweiterungen und zukunftsträchtige Technologien. Trotzdem war die Aufregung nicht so groß wie in den letzten beiden Jahren.

Schon seit Tagen verkünden die offiziellen Werbeplakate der Macworld Expo in San Francisco, dass etwas in der Luft liegt: There is something in the air. Die üblichen Gerüchte-Sites wurden seither von harten Spekulationsfieberattacken heimgesucht. Neben Fan-Sites berichteten auch seröse Medien wie FAZ und Spiegel von allerhand Fantastischem, wie einer drahtlosen Auflademöglichkeit für Notebooks[1] und einer vorab aufgetauchten Keynote-Präsentation[2]. 90 Prozent der Gerüchte entpuppten sich als falsch.

Das Ende der Gerüchte kam, als Apple-Chef Steve Jobs, wie immer im schwarzen Rolli und blauen Jeans, gestern seine Eröffnungsrede zur diesjährigen Macworld Expo hielt. Die Spannung war groß, da der Apple-Chef in den letzten beiden Jahren Epochales verkündet hatte: 2006 teilte er der verdutzten Apple-Gemeinde mit, dass man zukünftige Macs mit Prozessoren des bis dato verhassten Microsoft-Partners Intel (Wintel[3]) verbauen werde. 2007 erblickte dann das Iphone das Licht der Welt, was die Branche für Mobiltelefone einigermaßen in Aufregung versetzte.

Ganz so aufregend war die Ansprache gestern nicht: Neben einem dünnen Notebook gab Jobs noch die Verfügbarkeit eines WLAN-Routers mit integrierter Festplatte, Firmware-Updates für das Iphone, Ipod Touch und Apple TV sowie die Möglichkeit des Filmverleihs in Itunes bekannt. Letzteres bleibt allerdings zunächst auf Nordamerika beschränkt, was den Wow-Faktor in Europa im überschaubaren Rahmen hält.

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Zwar handelt es sich beim Macbook Air mit einer maximalen Höhe von knapp 2 Zentimeter um das angeblich dünnste Notebook mit 13-Zoll-Bildschirm, das lediglich 1,36 Kilo auf die Waage bringt. Allerdings gibt es sowohl dünnere als auch leichtere Modelle, wenn auch mit kleinerem Bildschrim, bereits von anderen Herstellern.

Klar ist, dass man Kompromisse bei der Ausstattung eingehen muss, um ein besonders dünnes Notebook zu bauen. Das Nichtvorhandensein eines DVD/CD-Brenners dürfte die meisten Anwender nur in den wenigsten Fällen stören. Zudem kann man für 99 Euro ein externes Laufwerk erwerben, das allerdings kaum für den mobilen Einsatzbereich gedacht ist.

Schwerer wiegt eher der Verzicht auf eine Ethernet-Schnittstelle. Vor allem dann, wenn man beruflich auf eine stabile Netzwerkverbindung angewiesen ist. Wer einmal ein Presse-Center einer großen Messe besucht hat, weiß, dass die WLAN-Verbindung meist nur für kurzes Surfen im Internet ausreicht, aber ein produktives Arbeiten wegen häufiger Verbindungsabrüche damit kaum möglich ist. Nicht nur, dass die WLAN-Hotspots durch die vielen Anwender völlig überlastet sind, dazu kommen noch Störsignale benachbarter WLAN-Router. Wer eine kabelgebundene, stabile Netzwerkverbindung benötigt, sollte daher den Erwerb des 29 Euro teuren USB-Ethernet-Adapters in Betracht ziehen.

Kompromisse in Sachen Ausstattung trifft man auch im Inneren des Gerätes. Die eingebaute Festplatte gehört mit 4200 Umdrehungen pro Minute und einer Parallel-ATA-Schnittstelle ohne Native Command Queuing[5] zum Langsamsten, was derzeit in Sachen Massenspeicher auf dem Markt ist. Der Startvorgang von Mac OS X 10.5 Leopard dürfte mit dem schon im Ipod verwendeten Festplatten-Modell nicht besonders schnell verlaufen. Ganz anders hingegen startet Mac OS mit dem optional angebotenen 64-GByte-Flash-Laufwerk. Wie Messungen mit einer 32-GByte-Variante ergeben haben, halbiert sich die Startzeit von Mac OS[6] gegenüber einer SATA-Festplate mit 7200 Umdrehungen pro Minute nahezu. Trotz eines rapiden Preisverfalls bei SSD-Laufwerken verlangt Apple stolze 900 Euro Aufpreis für diesen Performance-Kick.

Die Mängel in Sachen Schnittstellen und Ausstattung dürfte das Design des Macbook Air für viele Anwender allerdings wettmachen. Wer also Eindruck schinden will, der packt in der Business-Suite am Flughafen zunächst sein Iphone aus und zückt anschließend sein dünnes Macbook Air aus der Tasche. Somit wird das Macbook Air unter den Besserverdienenden sicher viele Fans finden, wobei das Gerät in der Standardkonfiguration mit 1699 Euro relativ preiswert ist.

Macbook Air
Macbook Air: Dünnes Notebook mit wenig Schnittstellen und langsamer Festplatte. (Foto: Apple)
In Anlehnung an den in Mac OS X 10.5 Leopard integrierten Backup-Dienst Time Machine nennt Apple das für eine drahtlose Datensicherung gedachte Kombiprodukt aus WLAN-Router und Festplatte Time Capsule[7]. Die Zeitkapsel soll auch kompatibel zu Windows sein, sodass Windows- und Mac-Nutzer über das Gerät Daten austauschen können.

Time Capsule[8] funkt mit WLAN-Standard 802.11n und bietet darüber hinaus noch vier Gigagbit-Ethernet-Schnittstellen sowie eine Anschlussmöglichkeit für einen USB-Drucker oder externe USB-Festplatte. In der Standardkonfiguration mit einer 500-GByte-SATA-Festplatte kostet das Gerät 299 Euro. Optional ist Time Capsule mit einer 1000-GByte-Platte für 499 Euro erhältlich.

Apple Time Capsule
Apple Time Capsule: Drahtloses Backup-Medium mit integriertem 802.11n-Funk-Router

Firmware-Update für Apple TV, Iphone und Ipod Touch

Mit dem Update auf Revision 1.1.3 erweitert Apple auf dem Iphone den Funktionsumfang. Damit beherrscht das Handy auch den SMS-Versand an mehrere Teilnehmer. Zudem lässt sich jetzt auch der Home-Desktop inklusive Dock anpassen. Eine Standortbestimmung erlaubt das Iphone auf Basis von Wi-Fi-Netzwerken und Sendemasten jetzt ebenfalls.

Mit der neuen Firmware wird auch der Funktionsumfang[9] des Ipod Touch erweitert. Anders als beim Iphone ist das Update mit 17,99 Euro kostenpflichtig. Dafür erhält der Anwender nun Applikationen, die bisher nur auf dem Iphone oder einem gehackten Ipod Touch[10] zur Verfügung standen. Dazu gehören die bekannten Anwendungen Mail, Karten, Aktien, Wetter und Notizen. Neu ist die Möglichkeit der Desktop-Anpassung sowie das Anordnen von wichtigen Websites als Webclip auf dem Home-Desktop, sodass sie direkt aufgerufen werden können.

Den bisher nur mäßigen Erfolg der Streaming-Box Apple TV versucht der Hersteller ebenfalls mit einer neuen Firmware anzukurbeln. Damit ist es auch ohne Computer möglich, Filme im Itunes-Store auszuleihen, Musik und TV-Serien zu kaufen oder Podcasts zu laden. Bisher konnte Apple TV nur Inhalte wiedergeben, die auf einem Computer im Netzwerk waren. Neben der gestiegenen Funktionalität sollte die Preissenkung von 299 auf 229 Dollar ebenfalls für mehr Attraktivität der Streaming-Box sorgen. Allerdings wird im deutschen Apple-Store noch der alte Preis angezeigt.Ab sofort bietet der Itunes-Store das Ausleihen von Filmen an. Allerdings ist der digitale Filmverleih zunächst nur in Nordamerika verfügbar. Mit Filmen der Studios 20th Century Fox, Disney, Lionsgate, MGM, Miramax, Newline, Paramount, Sony, Touchstone, Universal und Warner Brothers sollte das Angebot recht attraktiv sein. Ältere Filme können für 2,99 Dollar ausgeliehen werden, neuere kosten 3,99 Dollar. Die Filme lassen sich innerhalb von 30 Tagen für 24 Stunden anschauen. Anschließend werden sie gelöscht. Gegen jeweils einen Dollar Aufpreis stehen die Filme auch in HD und Dolby Digital 5.1 zur Verfügung. Laut Apple-Chef Jobs soll der digitale Filmverleih im Laufe des Jahres auch auf andere Länder erweitert werden.

Zusammen mit 20th Century Fox hat Apple die sogenannte Itunes Digital Copy vorgestellt. Kunden, die eine DVD kaufen, erhalten eine kostenlose Itunes Digital Copy des Spielfilms. Genau wie Filme, die man im Itunes-Store gekauft hat, wird eine Itunes Digital Copy in Itunes übertragen und kann im Anschluss auf einem PC oder Mac, Ipod mit Videofunktion, Iphone oder einem Apple TV angesehen werden. Die erste DVD, die ihr Debüt mit Itunes Digital Copy gibt, ist die DVD-Premiere von "Blue Harvest", die heute in den Handel kommt. Fox und Apple planen, noch in diesem Jahr weitere DVDs mit Itunes Digital Copy zu veröffentlichen.

Fazit

Im Vergleich zu den letzten beiden Jahren, als Apple-Chef Jobs 2006 den Ersatz der Power-PC-CPUs zugunsten von Intel-Prozessoren verkündete und 2007 das Iphone einführte, brachte die Macworld 2008 keine spektakulären Neuigkeiten. Dass ein dünnes Notebook so viel Wirkung in der Öffentlichkeit erzeugt, liegt vor allem an Apple. Konkurrenten wie Sony[11] und Samsung[12] ernten mit vergleichbaren Geräten längst nicht eine so breite Berichterstattung wie der Hersteller mit seiner begeisterungsfähigen Fan-Gemeinde.

Obwohl das Macbook Air für die meisten Berichterstatter eindeutig der Favorit der Macworld 2008 ist, dürfte dem Film-Verleih-Service über Itunes eine größere Tragweite zukommen. Während sich auf der CES im Formatstreit über das Standardmedium von HD-Content ein Sieg zugunsten der Blu-ray-Technik abzeichnete, könnten sich die Prognosen von Seagate-Chef[13] Bill Watkins bewahrheiten, der die Festplatte als Sieger für HD-Content sieht. Wenn es Apple in Zusammenarbeit mit den Filmstudios gelingt, den Verleih-Service auf viele weitere Länder auszudehnen, dürften damit auch die Tage der Blu-ray-Disk gezählt sein.

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.faz.net/s/Rub4C34FD0B1A7E46B88B0653D6358499FF/Doc~EEBC8B07C026B434FA3C46E5E97B8BDE1~ATpl~Ecommon~Scontent.html
[2] = http://www.spiegel.de/netzwelt/spielzeug/0,1518,528769,00.html
[3] = http://de.wikipedia.org/wiki/Wintel
[4] = http://www.zdnet.de/galerie/39160218/die-macworld-in-bildern.htm#sid=39160214
[5] = http://de.wikipedia.org/wiki/Native_Command_Queuing
[6] = http://cgi.zdnet.de/mac/?p=15
[7] = http://www.apple.com/de/timecapsule/
[8] = http://www.apple.com/de/timecapsule/specs.html
[9] = http://www.apple.com/de/ipodtouch/whatsnew.html
[10] = http://www.zdnet.de/news/hardware/0,39023109,39158524,00.htm
[11] = http://www.sony.de/
[12] = http://it-business.samsung.de/products/detail_article.aspx?guid=135b0f75-cc8e-4d50-ab48-2b549a831df9&e1=products&e2=Notebook+PC&e3=UltraMobil
[13] = http://www.zdnet.de/news/business/0,39023142,39160095,00.htm