Nachgemessen: ZDNet auf HSDPA-Reise in München

(http://www.zdnet.de/magazin/39160077/nachgemessen-zdnet-auf-hsdpa-reise-in-muenchen.htm)

von Harald B. Karcher, 11. Januar 2008

Erste UMTS-Adapter mit HSDPA 7,2 und HSUPA 1,4 sind jetzt in finaler Version verfügbar. Der Highspeed-Luxus ist in der Zwischenzeit auch bezahlbar. ZDNet hat in der bayerischen Landeshauptstadt gemessen, wie hoch der Datendurchsatz tatsächlich ist.

Nicht nur mit dem Duell Apple Iphone[1] gegen den angeblichen Iphone-Killer Samsung Qbowl haben sich T-Mobile und Vodafone in letzter Zeit gegenseitig überboten. Auch in der mobilen Datenkommunikation werden die jüngsten Leistungssprünge von einer wahren PR-Schlacht begleitet: Kürzlich meldeten beide am beide den Start von HSUPA mit 1,4 MBit/s.

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Nachgemessen: ZDNet auf HSDPA-Reise in München[2]

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Fotografen mit eiligen Bildern und Geschäftsleute mit dicken Powerpoints dürfen sich freuen: Die drastische Nachbesserung in Senderichtung (Upstream) ist für solche Zielgruppen fast wertvoller als die weitere Steigerung der ohnehin schon hohen Empfangsgeschwindigkeit.

Verbesserte Pingzeiten

Im vergangenen Jahr haben die Kontrahenten den Downstream ihrer UMTS-Netze von 3,6 auf 7,2 MBit/s hochgefahren[3]. Aber nicht flächendeckend, das wäre zu teuer: Sie konzentrieren sich vorerst auf lukrative Standorte, an denen möglichst viele zahlungskräftige Laptop-User verkehren: Messen, Flughäfen, Bahnhöfe, Innenstädte.

Wirken beide Turbolader, HSDPA 7,2 und HSUPA 1,4, optimal zusammen, können sich damit auch die Pingzeiten der Datenpakete von circa 200 Millisekunden beim Normal-UMTS auf nunmehr bis zu 50 Millisekunden verkürzen. Damit fühlt sich das Surfen via Mobilfunk dann fast so flott an wie über WLAN an einem DSL-6000-Anschluss.

Aber mit welchen Endgeräten lassen sich die superschnellen Netze derzeit nutzen? Erste Handys und Smartphones mit HSDPA 7,2 und HSUPA 1,4 kommen wohl frühestens nach dem Mobile World Congress[4], der vom 11. bis 14. Februar 2008 in Barcelona stattfindet, in die Läden.

Laptops mit fest eingebautem HSDPA-7,2-Funkmodul gibt es theoretisch seit der IFA 2007. Praktisch hängen die meisten Laptop-Hersteller aber immer noch in der Luft: Sie verbauen derzeit bestenfalls 3,6-MBit/s-Module und warten schon seit Monaten auf eine Freigabe der 7,2-MBit/s-Upgrade-Firmware durch ihre Kooperationspartner.

An upgradefähigen Geräten mit 3,6-MBit/s-Handbremse mangelt es nicht: Dell[5] ist mit der D-Serie am Start, Fujitsu Siemens bietet eine HSDPA-Option derzeit in den Serien Esprimo und Lifebook. Toshiba[6] verbaut auf Wunsch die 3,6 MBit/s schnelle Novatel-Wireless-Karte 870D in den B2B-Modellen Portégé R400, Portégé R500 und Tecra M9. Auch Acer[7], Asus[8], Hewlett-Packard[9] und Lenovo[10] können oder wollen noch nichts Genaues zum finalen Freigabe-Termin von HSDPA 7,2 in ihren Laptops sagen.

Derweil hat Sony als einer der Ersten schon im August zur IFA 2007 zwei Laptop-Modelle Vaio SZ61 und Vaio TZ21 mit fest eingebauter HSDPA-7,2-Hardware kommuniziert. Die Firmware dieser Laptops unterstützt bisher aber auch nur 3,6 MBit/s. Sony kooperiert mit T-Mobile und muss deshalb die Firmware-Freigabe des Bonner Netzbetreibers abwarten.

Lediglich externe HSDPA-Adapter für HSDPA 7,2 und HSUPA 1,4 sind seit kurzem lieferbar. Vodafone[11] bietet drei HSUPA-Modems an: Neben der kompakten Vodafone MCC UMTS Broadband Express[12] von Option unterstützt auch die Vodafone Easybox III[13] und der Vodafone Mobile Connect USB-Stick[14] den neuen Übertragungsstandard. Alle drei arbeiten sowohl in Computern mit Windows (2000, XP und Vista) als auch in Mac-Rechnern.

Zwei dieser drei neuen Adapter konnte Vodafone schon zum Test anliefern, und zwar tatsächlich schon mitsamt der nötigen Firmware für HSDPA 7,2 und HSUPA 1,4. Das erste Modell im PCI-Express-Format kommt von der belgischen Firma Option, das zweite für den USB-Port von Huawei aus China. Beide Adapter haben Prozessortechnik vom UMTS-Chip-Weltmarktführer Qualcomm[15] aus Kalifornien unter der Haube. Das USB-Teil kann an Laptops und Desktops gleichermaßen angeschlossen werden. Die PCI-Express-Card dagegen eignet sich in der Regel eher für Laptops.

Auch T-Mobile hat ein Endgeräte für HSDPA 7,2 und HSUPA 1,4, kann aber frühestens in einigen Wochen ein finales Testexemplar liefern.Die Vodafone-Karte unterstützt alle wichtigen Datennetze: HSUPA, HSDPA, UMTS, EDGE und GPRS. Zum Test wird sie mit der neuesten Firmware (Vodafone_D2_Etna_FW_2_8_0) aus dem Internet bestückt.

Zum Lieferumfang gehört ein Adapter, mit dem die schmale Express-Card auch in einem älteren Laptop mit PC-Card-Slot betrieben werden kann. Das gedruckte Handbuch ist mit 22 Seiten völlig ausreichend. Auf der letzten Innenseite fehlt beim Testmuster die vorgesehene Installations-CD. Daher muss die jüngste Bediensoftware namens "Dashboard Version 9.2.1.6545" mit 68 MByte heruntergeladen werden.

HSDPA im WLAN-Office?

Die Installation der Vodafone-Karte auf einem Sony Vaio SZ61 mit Windows Vista[16] Business verläuft problemlos: Dashboard-Software installieren, die HSDPA-Karte samt SIM-Card in den Express-Slot einschieben, nach dem Neustart die vierstellige PIN eintippen.

Das gewählte Testbüro liegt 600 Meter Luftlinie vom großen Vodafone-Funkturm in der Kastenbauerstrasse entfernt, am östlichen Rand des Münchner Stadtbezirks Bogenhausen. Hier erkennt die Vodafone-Software im geschlossenen Gebäude auf Anhieb ein Funknetz namens "Vodafone DE UMTS BB". BB steht für Broadband und will sagen: Hier ist nicht nur Normal-UMTS, sondern auch HSDPA in der Luft, lässt aber offen, ob 3,6 oder 7,2 MBit/s.

ZDNet misst den Durchsatz mit Speedmeter[17]. Damit kann auch jeder Leser seinen eigenen DSL-Anschluss selbst testen und Vergleiche zu den Messungen ziehen. Die höchste Messung bringt im Büro einen Downstream von 4847 KBit/s und einen Upstream von 296 KBit/s. Also ist hier schon HSDPA 7,2 in der Luft, aber von HSUPA 1,4 ist noch nichts zu spüren. Der Ping liegt im Bereich von 100 Millisekunden.

Die niedrigste Messung zeigt 880 KBit/s beim Empfang und 64 KBit/s beim Senden. Das ist immer noch besser als ISDN. Selbiges kann man vom Ping nicht sagen: Er schwankt um 250 Millisekunden.

Ab und zu kommen auch Timeout-Meldungen. Für Business-E-Mails sind das sehr brauchbare Werte, aber für High-Speed-Online-Gamer sind 250 Millisekunden oder gar Timeouts eine unzumutbare Ewigkeit. Die großen Unterschiede sind in einem Funknetz nicht ungewöhnlich. Bei den schlechten Messungen fehlt im Funknetznamen dann auch meistens das BB am Ende.Zum Vergleich misst ZDNet den Durchsatz über das in den Sony Vaio SZ61 fest eingebaute 54-MBit/s-Centrino-Funkmodul via Fritzbox Fon WLAN 7170 an einem schlechten DSL 6000. Den lässt die Telekom schon seit Jahren auf der Fallbackstufe von 3000 KBit/s vor sich hin dümpeln. Der Grund: An diesem Standort ist schon VDSL 50 verfügbar, da investiert das Unternehmen nicht mehr in die Rest-Modernisierung alter DSL-Anschlüsse. DSL 16.000 soll hier überhaupt nie kommen.

An diesem DSL-6000-WLAN-54-Anschluss misst ZDNet immer wieder und mit großer Zuverlässigkeit extrem stabile Downloads von 2888 KBit/s, Uploads von 368 KBit/s und Pingzeiten um die 50 Millisekunden. Vor allem wegen der kürzeren Pingzeiten fühlt sich das Surfen am Uralt-Dümpel-DSL noch immer etwas flotter an als über HSDPA 7,2. Kommt aber irgendwann HSUPA 1,4 dazu, könnte ein schlechter DSL-6000-Anschluss bereits ins Hintertreffen geraten.

HSDPA 7,2 im Flughafen München

Am Flughafen München testet ZDNet im modernen Terminal T2 auf der oberen Restaurantetage gleich neben dem asiatischen Restaurant Mangostin: Da meldet sich das Vodafone-UMTS-Netz fast immer mit BB und mit allen fünf Feldstärkebalken. Oft kommen Werte wie 3518 KBit/s zu 288 KBit/s und 3971 KBit/s zu 304 KBit/s. Dann sackt der Durchsatz wieder ein paar Messungen lang auf Werte wie 1006 KBit/s zu 240 KBit/s, oder 1289 KBit/s zu 288 KBit/s. Ist das noch HSDPA 3,6 oder schon HSDPA 7,2? Beides wäre denkbar, denn im Airport sieht man oft mehrere User mit roten Vodafone-Karten im Laptop, und bekanntlich müssen die sich die verfügbare Bandbreite ja teilen.

Die Uploads indes sind noch weit entfernt vom HSUPA-1,4-Feeling. Zum Vergleich: Der WLAN-Hotspot der Telekom liefert in beiden Terminals sowohl bei Down- als auch beim Upstream Werte oberhalb von 2 MBit/s. Da liegt offenbar ein symmetrischer xDSL-Anschluss hinter dem WLAN, damit fühlt sich das Surfen, Senden und Empfangen extrem gut an. Diese WLAN-Hotspot-Uploads sind schon heute schneller, als es HSUPA 1,4 in naher Zukunft verspricht.

High-Speed an der Messe

Über dem Eingang West der Messe München meldet die UMTS-Software BB und fünf Feldstärkebalken. Die beste Messung: 4229 KBit/s zu 264 KBit/s. Der schwächste Durchsatz: 1059 KBit/s zu 280 KBit/s. Das klingt schon sehr nach HSDPA 7,2, aber noch nicht nach HSUPA 1,4. WLAN kommt auch mit 2000 KBit/s zu 200 KBit/s.

McDonalds in der Nähe des Marienplatzes

Die UMTS-Versorgung von Vodafone ist im McDonalds-Schnellrestaurant im Tal Nummer 6 miserabel - offenbar sieht Vodafone hier nicht gerade sein Kernzielpublikum für schnellen Datenverkehr. Teils liegt der Durchsatz in beiden Richtungen unter 100 KBit/s. Der Raum ist sehr schmal, geht aber sehr tief in das Gebäude hinein. Das ist von der Strasse her mit Mobilfunk schwer zu versorgen.

Umso deutlicher kommt hier der Vorteil eines WLAN-Netzes zum Tragen: Der Telekom-Hotspot bringt Downloads bis 4000 KBit/s und Uploads bis 450 KBit/s. Wer sich in 21 Bildschirmseiten schier endlos ausfragen lässt, vom Geburtsdatum bis zur Handy-Nummer, darf den T-Mobile-Hotspot von McDonalds sogar eine Stunde lang kostenlos nutzen und wird per E-Mail zum McVIP befördert. Gerade Jugendliche, deren Eltern kein eigenes DSL zu Hause haben, werden es vielleicht mögen. Insofern ist es ja löblich. Aber die Online-Ausfragerei von McDonalds und T-Mobile geht an die Schmerzgrenze.An gut versorgten Münchner Standorten wie Messegelände und Flughafen bringt die HSDPA-Karte von Vodafone bereits 4 bis 5 MBit/s im Download. Also funkt hier schon HSDPA 7,2. Im Upload kommen selten mehr als 300 KBit/s – von HSUPA 1,4 ist noch nichts zu spüren.

Aber auch die hohen Downstream-Werte werden nur am Anfang der Messungen erreicht. Bei Wiederholungen bricht der Download meist schnell von 4 auf 2 oder 1 MBit/s ein. Nach einer kurzen Messpause stehen dann oft wieder volle 4 MBit/s zur Verfügung. Offenbar werden die Daten-Dauersauger momentan ganz schnell mit Speed-Limitierungen bestraft.

Wer aber nur mal kurz eine große Internetseite ansurft oder seine Mails checkt, kann durchaus angenehme Durchsatzraten aus der Luft erleben, die schon fast mit einem festen DSL-Anschluss konkurrieren können.

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.zdnet.de/mobile/handy/0,39023186,39158930,00.htm
[2] = http://www.zdnet.de/galerie/39160175/nachgemessen-zdnet-auf-hsdpa-reise-in-muenchen.htm#sid=39160077
[3] = http://www.zdnet.de/mobile/tkomm/0,39023192,39158782,00.htm
[4] = http://www.mobileworldcongress.com
[5] = http://www.dell.de/
[6] = http://www.toshiba.de/
[7] = http://www.acer.de/
[8] = http://www.asus.de/
[9] = http://www.hewlett-packard.de/
[10] = http://www.lenovo.de/
[11] = http://www.vodafone.de/
[12] = http://shop.vodafone.de/Shop/product_details.jsp?menuKey=1075&propositionId=prod3299&shopid=358
[13] = http://www.vodafone.de/business/pda-notebook-blackberry-umts-hsdpa/97244.html
[14] = http://shop.vodafone.de/Shop/product_details.jsp?menuKey=1075&propositionId=prod133495&shopid=358
[15] = http://www.qualcomm.com/
[16] = http://www.zdnet.de/enterprise/os/vista/
[17] = http://www.speedmeter.de/