Zum Navigieren mit dem Mobiltelefon braucht es nur ein GPS-Handy oder eine GPS-Maus und Navigationssoftware. Bleibt nur die Frage, ob die Karten auf dem Handy gespeichert oder ständig nachgeladen werden sollen. ZDNet hat die Antwort.
Es gibt zwei Konzepte für Handy-Navigationssysteme: Onboard- und Offboard-Lösungen. Bei den Onboard-Navigatoren liegen die Kartendaten im Gerät selbst beziehungsweise auf einer Speicherkarte, auf die das GPS-System[1] zugreift. Offboard-Lösungen dagegen holen sich das Kartenmaterial per Funk über einen Server. Der Vorteil liegt auf der Hand: Die Straßenkarten sind immer auf dem aktuellen Stand, und das Lotsensystem braucht weniger Speicherplatz auf dem Handy. Doch um sich eine Route anzeigen zu lassen, müssen die Daten aufs Mobiltelefon gelangen.
Die Übertragung lassen sich die Netzbetreiber bezahlen – in der Regel kostet sie aber nur wenige Cent. Pro Berechnung beziehungsweise Neukalkulation der Route kann man mit etwa ein bis zwei Kilobyte pro Kilometer rechnen. Diese Faustformel gilt aber nur für Stadtfahrten. Ein Megabyte kostet derzeit etwa 24 Cent, je nach Anbieter.
Typische Offboard-Systeme heißen T-Navigate von T-Mobile[2] oder Vodafone Navigator von Vodafone[3]. Aber auch der Active Pilot von Falk[4] hat sein Kartenmaterial auf einem Server liegen. Ein Offboard-System ist eher für Gelegenheitsfahrer angebracht. Wer nur für wenige Fahrten pro Monat eine Navigationsfunktion braucht, ist mit einem Offboard-System wie dem Falk Active Pilot gut bedient. Pro Route bezahlt man 99 Cent. Bei Vodafone und T-Mobile muss sich der Nutzer vertraglich binden, er zahlt pro Monat fünf Euro. Bei T-Mobile sind die Datenübertragungsgebühren in diesem Betrag bereits enthalten, Vodafone berechnet sie zusätzlich.
Bei den Onboard-Lösungen entfallen die Übertragungsgebühren. Da die Karten in diesem Fall bereits komplett auf dem Handy liegen, kann man beliebig viele Fahrten durchführen, ohne extra bezahlen zu müssen. Die Kosten für die Landkarten werden bereits beim Kauf der Karte abgegolten. Nachteil: Die Informationen veralten.
Garmin[5] bietet beispielsweise die Onboard-Navigationslösung Garmin Mobile XT mit Karten für Deutschland, Österreich, die Schweiz und Tschechien für 99 Euro beziehungsweise 33 Länder in West- und Osteuropa für 149 Euro an. Navigon[6] verlangt für seinen Mobile Navigator 99 Euro, der Kartensatz enthält 38 europäische Länder. Die Navigation per Handy ist inzwischen fast ebenso genau wie mit einem Portable Navigation Assistant, kurz PNA. Beide Systeme nutzen einen Chipsatz namens Sirf Star III, der innerhalb weniger Sekunden die Position erfasst und den Weg berechnet. Auch die Einstelloptionen sind annähernd gleich: kürzeste oder schnellste Route, Fußgänger- oder Kfz-Modus, Points of Interest. Alle Optionen, die wir von PNAs kennen, finden sich heute auch bei der Handy-Navigation. Das liegt daran, dass Anbieter wie Garmin oder Navigon ihre Software für die kleinen Handy-Bildschirme optimiert und die Bedienung auf eine Handytastatur hin angepasst haben.
Abstriche muss der Nutzer aber ganz klar bei der Größe der Darstellung machen. Auf einem Handy-Display, das im Schnitt nur drei mal vier Zentimeter misst, ist es wenig sinnvoll, eine detailreiche Karte anzuzeigen, auf der der Fahrer kaum etwas erkennt. Als viel praktischer erweist sich die Möglichkeit, sich den Weg ganz spartanisch nur mit Pfeilen anzeigen zu lassen. Damit entfällt für die Handy-Navigation aber eine Darstellungsform, die 2008 ihren Durchbruch feiern wird: Gebäude in 3D. Dabei werden markante Bauten, vor allem Kirchen und Sehenswürdigkeiten als naturgetreues 3D-Modell dargestellt, um die Orientierung zu erleichtern.
Eine Freisprecheinrichtung, wie sie die besser ausgestatteten PNAs mit sich bringen, sucht man bei der Handy-Navigation vergebens. Wer sein Mobiltelefon per Bluetooth mit einer GPS-Maus zum Navigator aufgerüstet hat, kann sein Headset nicht mehr mit dem Handy koppeln. Telefonieren während der Autofahrt ist damit nicht möglich. Auch die Option, Navigationsanweisungen über die Lautsprecher des Autoradios auszugeben, sucht man bei der Handy-Navigation vergeblich.
Das größte Manko bei der Nutzung von GPS ist allerdings die Akkulaufzeit der Mobiltelefone. Während alle PNAs im Schnitt vier bis fünf Stunden ohne Stromanschluss durchhalten, variieren die Zeiten bei den Handys und Smartphones erheblich. Wer sein Mobiltelefon per Bluetooth mit einer GPS-Maus koppelt, um sich lotsen zu lasen, kann dabei zusehen, wie der Akku leergesaugt wird. Aber auch Smartphones mit eingebautem GPS-Chip brauchen viel Strom. Gut, wenn der Nutzer sein Mobiltelefon über die Autobatterie laden kann. Doch leider lässt sich nicht jedes Handymodell mit Strom aus dem Auto wiederbeleben - das Nokia 6300 beispielsweise kann diese Energiequelle nicht nutzen.
Dafür punktet die Handy-Navigation immer dann, wenn die Kartendaten mit zusätzlichen Informationen angereichert sein sollen. T-Mobile liefert mit T-Navigate beispielsweise Angaben zum Wetter am Zielort. Der Active Pilot verrät, wo das günstigste Benzin zu haben ist. Weitere aktuelle Daten bekommt das Handy - wie auch der persönliche Navigationsassistent - per TMC[7].
Navigationssystem
Falk Active Pilot 6
Garmin Mobile XT
Navigon Mobile Navigator
offboard
onboard
onboard
Genauigkeit
bis auf wenige Meter genau
bis auf 30-40 Meter genau
bis auf wenige Meter genau
Abbiege-
anweisungenrechtzeitig und genau
manchmal zu spät oder verwirrend
rechtzeitig und genau
Dauer der Routen-
berechnungNeuberechnung etwa 5 Sekunden
Neuberechnung etwa 3-4 Sekunden
Neuberechnung etwa 3-4 Sekunden
Staumeldungen
ja
ja
ja
Straßennamen-
ansageja
nein
nein
Geschwindigkeits-
warnerja, Nutzer kann eigenes Tempolimit eingeben; offiziell angegebene Geschwindigkeiten werden nicht berücksichtigt
nein
ja
Besonderheiten
zeigt günstigste Tankstelle in der Umgebung
Anwender können ihre Position an andere Garmin-Mobile-XT-Nutzer schicken bzw. von ihnen bekommen und sich dorthin lotsen lassen
GPS zeigt echte Autobahnschilder an
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Auch wenn der Nutzer aufgrund der kleinen Handy-Displays Abstriche bei der Kartendarstellung machen muss, kann er sich darauf verlassen, dass ihn sein GPS schnell und zuverlässig zum gewünschten Zielort bringt. Damit ist die Handy-Navigation der Leistung tragbarer Navigationsgeräte fürs Auto ebenbürtig. Die Routenberechnung dauert lediglich ein klein wenig länger. Auf Stauwarnungen per TMC und vielfältige Einstellmöglichkeiten muss der Nutzer auch beim Handy nicht verzichten. Der Schwachpunkt liegt derzeit vor allem in der Akkulaufzeit.
Die Vorteile spielt das Handy aus, wenn es die Daten direkt von einem Server zieht und damit aktuelle Wetterangaben liefert oder die billigste Tankstelle anzeigt. Außerdem lassen sich aus den Kontakten heraus Navigationsziele ansteuern.
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