Während immer mehr IT-Jobs durch Outsourcing nach Fernost verlorengehen, haben Unternehmen und Wissenschaftler eine Marktlücke für Informatiker gefunden: IT-Profis mit Geschäftskenntnissen werden nach wie vor gesucht.
Es sind unruhige Zeiten für IT-Manager. Denn wieder einmal steht ein grundlegender Wandel an, diesmal "von der Information- zur Business-Technology", wie ihn Jutta Schneider, Direktorin bei Hewlett-Packard (HP[1]) und zuständig für den Bereich Consulting und Integration bei HP Services, nennt. Technologie würde von den Unternehmen nicht mehr als ein Bereich betrachtet, der strategische Geschäftsentscheidungen umzusetzen habe, sondern als Treiber von Geschäftsstrategie, Innovation und Geschäftserfolg. "Das erfordert einen Wandel der IT von einer technologieorientierten Organisation zu einem geschäftsorientierten Dienstleister", prognostiziert die HP-Managerin.
Um schneller neue Geschäftsanforderungen abbilden zu können, wird nicht nur die Technologie standardisiert, konsolidiert und modularisiert. Auch die Anforderungen an die Mitarbeiter ändern sich. Was für die Kunden von HP gilt, gilt für den Konzern selbst natürlich auch: Jobs, die im Hintergrund ablaufen können, wandern mehr und mehr nach Bulgarien oder Indien, weil sie in diesen Ländern erheblich günstiger erbracht werden können als in Deutschland.
Hierzulande nehmen die Aufgaben zu, die stark mit den Kernkompetenzen des Unternehmens vernetzt sind. Dazu gehört zum Beispiel die Abbildung von Geschäftsprozessen in der IT. "Dahin müssen sich die Skills der Mitarbeiter entwickeln", fordert die HP-Direktorin. Ihrer Meinung nach werden immer mehr strategisch denkende, service- und businessorientierte Informatiker, aber auch Betriebswirtschaftler mit einem guten Verständnis für die IT gebraucht.
Es ist aber nicht die gesamte IT-Belegschaft eines Unternehmens, die jetzt auf den Strategiezug aufspringen muss. "Netzwerkspezialisten, Datenbankexperten oder Softwareentwickler werden auch weiterhin ihre Daseinsberechtigung haben, ganz ohne strategische Hintergedanken mit sich herumtragen zu müssen", ist Oliver Höß überzeugt. Er leitet das Marktstrategieteam Softwaretechnik am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation[2] in Stuttgart. Strategisches Know-how sei pyramidenförmig von oben nach unten in abnehmender Stärke notwendig. "Der IT-Leiter muss den Business-Wert wie auch den Nutzen von Informationstechnologie vermitteln können", so Höß. Ein Abteilungsleiter sollte die neuesten technologischen Entwicklungen wie auch die Strategien der einzelnen Hersteller kennen, und auf Projektleiterebene seien strategische Kenntnisse in Abhängigkeit vom Projekt notwendig. "Die IT sollte aber nicht überschätzt werden." Eine funktionierende und businessorientierte Informationsverarbeitung entbinde die Fachabteilungen noch lange nicht von der Pflicht, ihren Aufgaben nachzukommen. Die IT könne sie hierbei lediglich prozessorientiert unterstützen.
Wie schaffen es nun IT-Mitarbeiter, der neuen Rolle der IT im Unternehmen gerecht zu werden, welche Kompetenzen brauchen sie und wie erwerben sie diese? "Betriebswirtschaftliches Wissen alleine reicht dazu nicht aus. Ebenso wichtig ist die richtige Einstellung, die sogenannten weichen Faktoren", meint Schneider von HP. IT-Mitarbeiter müssten sich Kunden- und Geschäftsorientierung aneignen, also zuerst fragen, was der Kunde braucht, welche Services im Mehrwert bringen, seine Risiken und Kosten senken sowie für Wachstum sorgen. Die Konzentration auf technische Brillanz, die klassisch deutsche Ingenieurskunst, reicht nicht mehr aus. Die Bedeutung von Datawarehouse und Business Intelligence für Marketing und Vertrieb stehen exemplarisch dafür.
"IT hat sich zu einem wichtigen Faktor für die Unternehmensführung und –planung etabliert, um schnell auf Veränderungen reagieren zu können - und das bis weit in den Mittelstand hinein", meint Stephan Pfisterer, der beim Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien, kurz Bitkom[3], für das Referat Bildung und Personal zuständig ist. Auch er ist der Meinung, dass IT-Leiter diejenigen sind, von denen am meisten strategisches Denken und Handeln erwartet wird.
Seiner Ansicht nach können es die Hochschulen jedoch gar nicht leisten, in einem technisch orientierten Informatikstudium breit angelegte Managementtechniken zu vermitteln. Zudem sei das ein Thema vor allem für Führungskräfte und nicht für Berufseinsteiger. "Ein Aufbaustudium mit einem Abschluss als Master of Business Administration ist eine exzellente Möglichkeit, mit der sich Führungskräfte strategisches Know-how aneignen können", so Pfisterer. Eine andere Möglichkeit seien spezielle Seminare zum Thema.
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