Firefox gegen Internet Explorer: Streit der Studien

(http://www.zdnet.de/magazin/39159760/firefox-gegen-internet-explorer-streit-der-studien.htm)

von Lothar Lochmaier, 14. Januar 2008

Zwei Browser zu vergleichen, kann eigentlich nicht so schwer sein. Der Studienkrieg zwischen Microsoft und der Open-Source-Bewegung belegt aber eigentlich nur eines: Die meisten Studien sind auf Papier gebrachtes Wunschdenken.

Immer absurder verlaufen die ideologischen Flügelkämpfe zwischen Open-Source-Software und Microsoft. Es wäre an der Zeit, einmal anhand einer methodisch unverdächtigen Studie sinnvolle Parameter zu definieren – etwa um die Leistung und Sicherheit beider Varianten zu vergleichen.

Doch gerade dieser durchaus spannende Vergleich dürfte aufgrund einer von reinem Marketing geprägten Werbeschlacht kaum möglich sein. Wieder einmal hat Microsoft vollmundig behauptet, der Internet Explorer (IE) sei sicherer als Firefox. Natürlich belegt der Konzern dies auch durch eine von ihm in Auftrag gegebene "Studie"[1].

Allerdings hat schon der frühere britische Premier Winston Churchill einmal gesagt, er glaube nur jenen Statistiken, die er selbst gefälscht habe. Ein ähnlicher Eindruck drängt sich beim Vergleich zwischen dem Hause Microsoft und seinen Konkurrenten aus der quelloffenen Szene auf.

Kaum hat Microsoft den politischen Wettstreit erneut losgetreten, hält das andere Lager dagegen. Natürlich auf der Grundlage ebensolch seriöser Studien, die die Vorteile der offenen Varianten untermauern. Schließlich werden Mozilla und Firefox weit weniger zum Angriffsziel der bösen Programmierer von Malware aller Art.

Nun sind Datenerhebungen oder angeblich produktneutrale "Studien" oftmals so zuverlässig wie die Einschaltquoten im Fernsehen. Bekanntlich rechnen Experten dort von einer Einheit pro 1000 auf Millionen Haushalte hoch. Methodisch ist das ein gewagter Drahtseilakt.

Auf Mozilla, Firefox und andere OSS übertragen stellt sich die Frage, wie sich überhaupt qualitativ wie quantitativ sinnvolle Vergleichskriterien aus dem Blickwinkel von Microsoft ermitteln lassen. Wenig aussagekräftig sind jedenfalls die Aussagen bekannter Marktforscher wie Forrester Research.

Kaum weiter bringt auch der magische Quadrant á la Gartner. Im Gegenteil: Die Ergebnisse so genannter Marktforschung kommen nicht selten auf wundersam magische Weise zustande, auch unter tätiger Mitwirkung finanzieller Mittel. Dies bietet die Gelegenheit, den Begriff "Studie" einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.Es existieren quasi zwei Lager. Jenes der Altmodischen, die den Begriff der "Studie" noch wörtlich nehmen. Nämlich im Sinne einer zitierfähigen und abgeschlossenen Untersuchung, die zumindest einigen wissenschaftlichen Standards genügen sollte. Im angelsächsischen Sprachgebrauch gilt übrigens nur eine abgeschlossene Untersuchung als "Study".

Auf der anderen Seite befinden sich die Neumodischen, die den deutschen Sprachgebrauch sehr flexibel ausdehnen. Lupenreine Vertreter dieser Spezies finden wir in gehäufter Form in der Pharmaindustrie und Medizin vor. Dort verwechselt man ganz gerne Äpfel mit Birnen. Sprich, Mediziner und Pharmazeuten sprechen auch dann von einer Studie, wenn sie nur eine "Untersuchung" meinen, deren Resultat meist von vorneherein schon feststeht.

Bevor wir aber weitere ungeklärte Fragen aufwerfen, wer etwa in welchem Umfang wo genau im Unternehmen Linux und GNU-Software einsetzt, kehren wir lieber zum Ursprung der Debatte zurück. Weder sind Windows und Open Source in irgendeiner Form als Systeme kompatibel, noch lässt sich ein "Return on Security Invest" bei Browser oder Desktop überhaupt anhand eindeutiger Kriterien beschreiben oder gar beziffern.

Auch die Ermittlung einer zahlenmäßigen Größenordnung an kritischen versus unkritischen Bugs sowie potentielle Exploits rechtfertigen kaum den Begriff "Studie". Fakt ist deshalb nur eines: Die offenen Varianten auf dem Desktop haben dem großen Spieler auf dem Markt gewisse Anteile abgetrotzt. Dennoch verhilft wohl nur eine gigantische Werbeschlacht Linux zu einem größeren Durchbruch.

Dies gilt sowohl in den Unternehmen als auch beim Privatanwender. Die psychologische Kriegsführung mit Hilfe so genannter "Studien" ist letztlich jedoch eine im Ergebnis vordefinierte "Untersuchung" beider Reihen. Eines kann man aber auch vermuten: Wenn Redmond zu solchen Stilmitteln greift, zeigt es damit eine wachsende Nervosität aufgrund einer größeren Offenheit seitens der Anwender.

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[1] = http://www.zdnet.de/news/tkomm/0,39023151,39159444,00.htm