Umweltfreundliche IT schwankt zwischen Marketing und Nutzwert. Viel wichtiger als das von Herstellern forcierte Ökogewissen ist für Unternehmen eine betriebswirtschaftliche Betrachtung, welche grünen Elemente sich wirklich rechnen.
Die Liste der Anbieter von Rechenzentrumsdienstleistungen, die massiv auf den "grünen" Innovationszug aufgesprungen sind, ist lang. An der Spitze des Zuges voran marschieren die Webhoster, wie Host Europe, Strato und 1&1 Internet.
Ob allerdings der Wechsel zu einem Ökostromanbieter, wie es 1&1 Internet vor kurzem propagiert hat, bereits ausreicht, um das Gewissen zu entlasten und das Image zeitkonform zu gestalten, sei dahin gestellt. Wie die Spezialisten im Unternehmen die Gratwanderung zwischen wirtschaftlichen und ökologischen Aspekten beurteilen, steht auf einem ganz anderen Blatt.
"Green IT ist aus unserer Sicht kein ökologischer Ansatz, sondern ein ökonomischer, der die drei Hauptprobleme der meisten Rechenzentren adressiert", sagt Wolfgang Schwab, Senior Advisor bei der Experton Group[1]. Die Marktforscher machen als zentrale Argumente nämlich folgende Aspekte aus: Erstens die Stromkapazität, zweitens den verfügbaren Platz im Rechenzentrum und drittens die Klimatisierung beziehungsweise Kühlung im Rechenzentrum.
Aus Sicht der Unternehmen zählen also vor allem die wirtschaftlichen Fakten. Und da steht fest: Der Anteil der Kosten im Energiesektor, den die IT verursacht, steigt weiter an. Was also macht ein Rechenzentrum wirklich grün? "Wir müssen unterscheiden zwischen der Nutzung alternativer Energiequellen und der effizienten Nutzung der Energie im Rechenzentrum”, argumentiert Marcus Köhler, Leiter Business Development bei E-Shelter Facility Services[2] in Frankfurt.
Das Unternehmen offeriert seinen Kunden in Deutschland an insgesamt fünf Standorten über 80.000 Quadratmeter hochverfügbare Rechenzentrumsfläche. "Wir sind Carrier-neutral und geben unseren Kunden dadurch eine hohe Investitionssicherheit", betont Köhler. Der Experte plädiert vor allem für eine differenzierte Betrachtung der grünen Elemente.
Die Rechenzentren benötigten nämlich neben der Energie für die IT-Infrastruktur oft mindestens die gleiche Energiemenge, um die Rechenzentrums-Infrastruktur zu betreiben, so Köhler. Damit seien vor allem die Energieverteilung und die Energieabsicherung wie Transformatoren, USV, PDU gemeint, sowie die Kühlung mit den Elementen Rückkühler, CRAC-Units sowie Umluftkühlgeräte.
Köhler: "Die Energiekosten stellen heute den Löwenanteil der IT Betriebskosten für die Unternehmen dar." Bei richtiger Planung und einem professionellem Betrieb des Rechenzentrums ließe sich indes viel Energie einsparen, was letztlich dem Kunden beziehungsweise Mieter mittels einer kleineren Stromrechnung zu Gute komme.
Der Anbieter E-Shelter bietet von dem Miet-Rack bis zum eigenen Gebäude mit 10.000 Quadratmeter alle Varianten und Größenordnungen an. So setzt das Unternehmen den Schwerpunkt auf hochmoderne Aggregate mit einer hohen Energieeffizienz. Hinzu kommen weitere grüne Elemente wie modulare USV-Systeme und die freie und adiabatische Kühlung – letztere klimatisiert Räume mit Verdunstungskälte.
Auch die Nutzung der Abwärme sowie Blockheizkraftwerke spielten eine große Rolle. "Außerdem setzen wir vermehrt wassergekühlte Racks ein, um zum einen die schnell wachsenden hohen Wärmelasten der Server abführen zu können, und erreichen damit zum anderen auch eine bessere Ausnutzung der Energie", berichtet der Experte.
Bei den Kosten im Energieverbrauch liege das Unternehmen im laufenden Betrieb der Rechenzentrumsflächen somit weit unter dem Branchendurchschnitt. E-Shelter sieht deshalb einen konstanten Trend, die Rechenzentrumsfläche auch weiterhin auszulagern. Treiber seien nicht nur die steigenden Anforderungen an die Verfügbarkeit von Geschäftsprozessen, etwa im Sinne gesetzlicher Vorgaben.
"Der Vorteil besteht zudem in klaren und budgetierbaren IT-Kosten", sagt Köhler. Als weitere Pluspunkte verbucht E-Shelter das oftmals das in den Unternehmen fehlende eigene Know-how für einen effektiven und sicheren Betrieb des Rechenzentrums in Eigenregie. Aber auch das Sicherstellen einer flexiblen Wachstumsstrategie, der sich die Kapazitäten anpassen sollen, spielt den externen Dienstleistern in die Hände.
"Diese Kriterien betreffen sowohl große Unternehmen als auch den Mittelstand", fasst Köhler zusammen. Inwieweit allerdings der Hype um die grüne IT das Auslagern der Rechenzentren tatsächlich beschleunigt, darüber gibt es in der Fachwelt durchaus geteilte Meinungen.
Unternehmen seien zwar dazu angehalten, ihre IT-Infrastruktur sinnvoll zu nutzen, argumentiert Wolfgang Schwab von der Experton Group. Dies bedeute jedoch vor allem, das Augenmerk darauf zu legen, sowohl Server als auch Storage so weit wie möglich zu virtualisieren. "Ob dies selbst oder durch einen Outsourcer gemacht wird, spielt dabei keine Rolle". Je dynamischer eine IT-Infrastruktur sich verändere, desto mehr spreche für den Eigenbetrieb - und umgekehrt.
Der Experte hat sich mittlerweile seinen eigenen Reim darauf gemacht, was ein Rechenzentrum wirklich "grün" macht. Im ersten Schritt sei es notwendig, die verwendete Hardware auf ein Minimum zu reduzieren und optimal auszulasten. "Das gelingt am besten durch Konsolidierung und Virtualisierung", so Schwab.
Der zweite Schritt bestehe im Einsatz energiesparender Hardware, wobei man sich als Kunde nicht durch die vom Marketing geprägten Aussagen blenden lassen dürfe. "Es muss auf konkreten Aussagen zum Stromverbrauch bestanden werden", so Schwab weiter. Der dritte Schritt liege im Einsatz von energieeffizienten Kühlsystemen.
Und der letzte Schritt, der sich jedoch oftmals nur bei Neu- oder Umbauten wirtschaftlich rechne, sei die Nutzung der Abwärme beispielsweise zur Warmwassererzeugung, bilanziert die Experton Group. Trotz gradueller Verbesserungen monieren die Marktforscher aber auch zahlreiche offene Punkte, etwa die Netzwerkkomponenten. "Leider sind uns derzeit keine Hersteller in diesem Bereich bekannt, die das Thema Green-IT im Bereich von Hubs, Switches und derartigen Komponenten adressieren", fasst Schwab zusammen.
Ob das grüne Umweltgewissen also letztlich den Trend in Richtung Auslagern eher befördert oder ob sich eine eher neutrale Betrachtungsweise durchsetzt, darauf hat sich Marcus Köhler von E-Shelter seinen eigenen Reim gemacht. "Die Entscheider achten zunächst auf die Verfügbarkeit und auf die Kosten, dann erst kommt das Thema, wie grün ist mein Unternehmen eigentlich, beziehungsweise, wie grün will es sein."
Der Trend, diesen Aspekt jedoch als integralen Bestandteil einer unternehmensweiten PR-Strategie und Selbstdarstellung zu betrachten, forciere jedoch auch weiterhin das selektive Outtasking bis hin zum kompletten Outsourcing. Denn hier könnten die Verantwortlichen einfach schneller und kostengünstiger beim "richtigen Anbieter ihr grünes Gewissen befriedigen".
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