Die beste Multimedia-Plattform: Apple gegen Microsoft

(http://www.zdnet.de/magazin/39159478/die-beste-multimedia-plattform-apple-gegen-microsoft.htm)

von Joachim Kaufmann, 5. Dezember 2007

Der Umgang mit digitalen Medien gehört zu den Paradedisziplinen von Apple. Doch auch Microsoft hat seinem Windows Vista einige Neuerungen und Verbesserungen in diesem Bereich spendiert. Der ZDNet-Test zeigt, wer die Nase vorne hat.

Apples Ilife-Suite[1] wird häufig in einem Atemzug mit Mac OS X[2] genannt – aber nicht ganz zu Recht. Denn die Sammlung von Medienwerkzeugen ist zwar auf jedem neuen Mac vorinstalliert, gehört aber nicht zum Betriebssystem selbst. Anwender, die jetzt auf Leopard umsteigen, müssen mit der alten Version auskommen oder kostenpflichtig auf das neueste Release Ilife '08 upgraden.

Ilife hat sich in den letzten Jahren unter Heimanwendern einen sehr guten Ruf erworben. Neben der einfachen Bedienung helfen vor allem auch optisch attraktive Vorlagen dabei, mit vergleichsweise geringem Aufwand zu ansprechenden Ergebnissen zu kommen. Zum Erfolg tragen auch die zuverlässig alle 12 bis 18 Monate erscheinenden Aktualisierungen mit sinnvollen Funktionen sowie der geringe Preis von knapp 80 Euro bei.

Auch Microsoft hat im Bereich digitale Medien aufgerüstet und Windows Vista[3] neue Anwendungen spendiert sowie bestehende aktualisiert. Den Funktionsumfang der Ilife-Suite erreichen die Redmonder aber nicht.

Gesetzt sind: Iphoto gegen Windows-Live-Fotogalerie, IDVD gegen Windows DVD Maker und Imovie gegen Windows Movie Maker. Für Iweb (Website-Erstellung) und Garageband (Musikbearbeitung) gibt es unter Vista keine Entsprechung.

In der ersten Runde des ZDNet-Plattformvergleichs - "Duell auf dem Desktop: Vista gegen Mac OS X Leopard[4]" musste sich das Microsoft-OS geschlagen geben. Viele Details hat Apple überzeugender gelöst. Wie es im Bereich digitale Medien aussieht, klärt der ZDNet-Test. Da quasi jeder Computerbesitzer heute auch Digitalkamerabesitzer ist, wiegen die Fähigkeiten der Fotoverwaltung besonders schwer. Das überarbeitete Iphoto trifft auf die Windows-Live-Fotogalerie, die ein kostenloses Upgrade[5] der in Vista integrierten Windows-Fotogalerie darstellt.

Windows-Live-Fotogalerie
Windows-Live-Fotogalerie (Bild: ZDNet)

Beim Import von Fotos ist die Apple-Lösung etwas ausgefeilter: Sie werden im Archiv basierend auf dem Aufnahmedatum in Ereignisse gruppiert, die später umbenannt, zusammengefasst oder neu sortiert werden können. Bewegt man den Mauszeiger über ein Ereignis, zeigt Iphoto die zugeordneten Bilder im Schnelldurchlauf. Windows-Live-Fotogalerie ermöglicht ebenfalls datumsbasiert die Zuordnung sogenannter Beschriftungen, die am linken Rand des Programms aufgelistet sind und die Oberfläche weniger elegant erscheinen lassen.

Das Bearbeiten von Bildern unter Iphoto fällt leichter, da vorangehende und folgende Bilder als Thumbnail angezeigt werden. Die Aufhellung einzelner Bildbereiche ist in Windows-Live-Fotogalerie ebensowenig zu finden wie die Möglichkeit, schief aufgenommene Bilder bis zu einem Winkel von zehn Grad zu korrigieren. Die Microsoft-Lösung unterstützt allerdings das Zusammenfügen mehrerer Fotos zu einem Panorama.

Iphoto
Iphoto (Bild: Apple)

Beide Programme ermöglichen die Veröffentlichung von Bildern im Web. Windows Live Fotogalerie lädt Fotos zu Microsofts eigenem Blog-Dienst Windows Live Spaces[6] sowie zu Flickr[7] hoch. Apple bietet eine komfortable Anbindung an den hauseigenen Onlinedienst .Mac, der allerdings mit 99 Euro pro Jahr nicht gerade günstig ist. Bilder, die von anderen Usern in ein .Mac-Fotoalbum geladen werden, werden mit Iphoto synchronisiert.

Ein praktisches Feature von Iphoto sind Alben, welche die Zusammenstellung ausgewählter Fotos in einer beliebigen Reihenfolge ermöglichen und damit dem Papier-Pendant sehr nahekommen. Auch Slideshows lassen sich gezielt zusammensetzen und mit Überblendeffekten ausstatten. Windows-Live-Fotogalerie zeigt Slideshows nur auf Basis der gerade ausgewählten Fotos.

Ohne Entsprechung in der Windows Live Fotogalerie ist die Möglichkeit, Druckerzeugnisse wie Grußkarten (1,79 Euro), Kalender (17,99 Euro) und Fotobücher (24,99 Euro) direkt in Iphoto zu gestalten und von dort zu bestellen. Wer sich schonmal an ähnlicher Software von Anbietern wie Aldi versucht hat, wird dieses Feature zu schätzen wissen – auch wenn die Preise eher hoch sind. Ein DVD-Player steht inzwischen wohl in jedem Haushalt. Meist dort, wo man ihn zur Wiedergabe von Medieninhalten am ehesten benötigt: im Wohnzimmer, angeschlossen an den Fernseher. IDVD und das mit Windows Vista neu eingeführte Programm Windows DVD Maker ermöglichen die Erstellung eigener Silberscheiben.

Windows DVD Maker
Windows DVD Maker (Bild: ZDNet)

Beide Programme bieten Templates mit Elementen wie Hauptmenü, Kapitel und Extras, die das Grundgerüst einer DVD darstellen. Die Vorlagen von Apple sind aus ästhetischer Sicht den Microsoft-Pendants überlegen. Das Ausgabeformat kann sowohl in IDVD als auch in Windows DVD Maker 4:3 oder 16:9 sein.

Während man Inhalte wie Videos und Fotos in Windows DVD Maker aus den Tiefen des Dateisystems heraussuchen muss, zeigt IDVD die Librarys von Itunes, Iphoto und Imovie an. Das ist wesentlich komfortabler und einfacher, weil man den Content (beispielsweise in Form von Events) so vorfindet, wie man ihn in einer anderen Software eingeordnet hat.

IDVD
IDVD (Bild: Apple)

Das Microsoft-Programm bietet keine Entsprechung zur Funktion Magic IDVD, die für sämtliche Elemente auf der Silberscheibe Platzhalter einfügt, die nur noch angepasst werden müssen. Danach kann man schon mit dem Brennen beginnen.

Vorteile bietet IDVD auch bei der Erstellung von Slideshows – angesichts der hohen Zahl digitaler Fotos eine wichtige Funktion. Während man unter Windows DVD Maker nur die Dauer bis zum Bildwechsel einstellen kann, ermöglicht es die Apple-Software, dem Betrachter ganz die Kontrolle zu überlassen. Anstatt mit Play und Pause zu hantieren, kann man einfach die Pfeil-Taste auf der Fernbedienung verwenden.

Das Brennen aufgezeichneter TV-Sendungen ist ein interessantes Feature der Microsoft-Software. Sie lassen sich dann auf jedem Player wiedergeben. Da Apple von Haus aus keine TV-Funktionen bietet, geht dieser Punkt nach Redmond.

Die Verbreitung von Videokameras ist im Vergleich zu Digitalakameras zwar immer noch gering, sinkende Preise und eine immer bessere Qualität sorgen aber für stetiges Wachstum in diesem Segment. Zudem liefern die neuesten Digicams durchaus gute Videoaufnahmemöglichkeiten. Imovie und Windows Movie Maker sollen Hobby-Filmemachern eine Arbeitsgrundlage bieten.

Windows Movie Maker
Windows Movie Maker (Bild: ZDNet)

Imovie glänzt wie IDVD mit der Einbindung von Musik- und Fotolibrarys, über die sich Inhalte einfach importieren lassen. Video-Ausgangsmaterial wird in einer eigenen Mediathek gespeichert, in dem es sich ähnlich zum aus Iphoto bekannten Ereignis-Prinzip organisieren lässt. Windows Movie Maker greift dagegen nur auf den Windows-Verzeichnisbaum zurück.

Die Sichtung des importierten Quellmaterials ist unter Imovie einfacher, da das Überfliegen mit dem Mauszeiger ein Preview in Gang setzt. Windows DVD Maker zeigt Inhalte nur im großen Fenster, wenn man sie gezielt wiedergibt.

Imovie
Imovie (Bild: Apple)

Das Quellmaterial kann in beiden Programmen beliebig oft unterteilt werden. Anschließend lassen sich die einzelnen Clips zu einem Film zusammensetzen, der mit zahlreichen Übergangseffekten versehen werden kann. Von Soundeffekten wie einem kreischenden Publikum, die ein Video aufwerten können, ist unter Windows Movie Maker nichts zu sehen.

Imovie und Windows Movie Maker exportieren die Filme in verschiedenen Auflösungen und Größen, wobei Apple natürlich für Abspielgeräte wie den Ipod gleich entsprechende Voreinstellungen hat. Nach dem Aufeinandertreffen von Ilife '08 und den in Windows Vista integrierten Lösungen wird schnell klar: Für Microsoft gibt es auch im Bereich Digital Media wenig zu gewinnen. Der Unterschied ist aber noch größer als zwischen den Betriebssystemen.

Ilife '08 bietet mehr Funktionen, ist aber trotzdem nicht schwerer zu bedienen. Auch der Grad der Integration zwischen den Programmen über die gemeinsamen Librarys gefällt.

Die Windows-Plattform hat aber mit Vista[3] dazugewonnen. Mit Windows DVD Maker und der Windows-Live-Fotogalerie reagiert Microsoft auf Anforderungen, die schon lange im Raum stehen. Die Anwendungen sind nicht schlecht, fallen eben nur im direkten Vergleich mit ihren über Jahre gereiften Apple-Pendants etwas ab.

Es ist aber sehr gut denkbar, dass Microsoft in diesem Bereich größere Ambitionen hat. Die üblicherweise gut informierte Microsoft-Expertin und ZDNet-Bloggerin Mary Jo Foley geht davon aus[8], dass man in Redmond bereits an einem echten Ilife-Konkurrenten arbeitet.

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.zdnet.de/enterprise/sw/0,39023500,39157135,00.htm
[2] = http://www.zdnet.de/enterprise/os/0,39023263,39156030,00.htm
[3] = http://www.zdnet.de/enterprise/os/vista/
[4] = http://www.zdnet.de/enterprise/os/vista/tests-beratung/0,39035744,39159037,00.htm
[5] = http://www.zdnet.de/news/software/0,39023144,39158894,00.htm
[6] = http://spaces.live.com
[7] = http://flickr.com
[8] = http://blogs.zdnet.com/microsoft/?p=930