Business Intelligence: 20 Jahre Jagd auf Daten

(http://www.zdnet.de/magazin/39159223/business-intelligence-20-jahre-jagd-auf-daten.htm)

von Rudi Kulzer, 22. November 2007

Die Branchenschwergewichter überbieten sich derzeit bei der Jagd um Datenanalyse-Experten. Da stellt sich die Frage: Wo kommt Business Intelligence her? Und vor allem: Wo geht es hin?

SAP[1] hat das französische Softwarehaus Business Objects gekauft. Vor einem halben Jahr verleibte sich Oracle[2] Hyperion ein. Nun folgte IBM[3] dem Beispiel der beiden großen Anbieter von Business-Software mit der Übernahme von Cognos. Die Kaufsumme der geplanten Deals liegt bei mehreren Milliarden Dollar. Damit wird deutlich, dass die Schwergewichte der IT-Branche die speziellen Funktionen von Business Intelligence (BI[4]) und Business Performance Management (BPM[5]) in ihrem Portfolio brauchen.

Den Wunsch, sinnvolle Unternehmensdaten aus der täglichen Datenflut zu filtern, um sie dann für strategische Entscheidungen oder das Veröffentlichen von Geschäftsberichten zu nutzen, gibt es schon, seit es die elektronische Datenverarbeitung eingesetzt wird. Die Idee, diese Software-Werkzeuge unter dem Oberbegriff "Business Intelligence" (BI) zu sammeln, entwickelte sich Anfang der 1990er-Jahre. Gartner-Analyst Howard Dresner sprach 1989 erstmals von "Business intelligence". Er schuf später auch den weiterführenden Begriff "Business-Performance-Management" (BPM).

Grundsätzlich ist im deutschen Sprachraum zu beachten, dass der englische Terminus "intelligence" nicht "Intelligenz" im deutschen Sinne bedeutet. Er steht vielmehr für das Sammeln und Aufbereiten erworbener Informationen und die daraus gewonnenen Erkenntnisse. Die wird am Namen des amerikanischen Geheimdienstes, der Central Intelligence Agency (CIA), deutlich.

Diese Prozesse werden auch unter dem Kürzel des IT-Fach-Jargons OLAP gesammelt. Diese Abkürzung steht für "On-Line Analytical Processing", eine Suchmethode (retrieval), um multidimensionale Informationsbestände eines Unternehmens aus Datenbanken für die Entscheidungsunterstützung sichtbar zu machen. Bekannt wurde OLAP, als 1995 die damaligen Datenbankspezialisten Oracle und Informix ihre ersten Produkte unter dieser Bezeichnung auf den Markt brachten. Microsoft zog mit dem SQL Server 7.0 nach.

Der Startschuss zum jüngsten Bieterrennen um Business Intelligence kam von Larry Ellison, als im Frühjahr dieses Jahres die Meldung die Runde machte, dass der Oracle-Chef Hyperion Solutions, ein Softwarehaus aus Santa Clara im Silicon Valley, kaufen wollte, das auf Programme spezialisiert ist, die es Unternehmen erlauben, die Leistung ihrer Geschäftsprozesse zu erfassen und zu analysieren. Die bekanntesten Anbieter neben Hyperion sind Cognos aus Kanada und Business Objects aus Frankreich. Alle drei werden (die Deals sind rechtlich noch nicht abgeschlossen) in diesem Jahr von führenden Konzernen der IT-Branchen übernommen. Damit hat 2007 die Übernahmewelle im Markt für Business-Software einen Höhepunkt erreicht.

Mit der Übernahme von Cognos durch IBM verliert der letzte große BI-Anbieter seine Eigenständigkeit. Die Übernahme bedeutet eine Strategiewende für IBM, wollte sich das Unternehmen doch bisher aus dem Markt für Anwendungssoftware heraushalten. Doch Big Blue ist neben Oracle als einer der wichtigen Anbieter von Datenbank-Software (DB2) aktiv. Da BI-Programme in ihrem Umfeld angesiedelt sind, war der Schritt nur konsequent.

Die gesamte BI-Branche ist schon seit Jahren von Übernahmen geprägt, allerdings nicht in dem aktuellen Maßstab. So waren es gerade die Hyperion, Business Objects und Cognos, die aus Übernahmen ihre führende Position gebildet haben, bevor sie nun selbst übernommen werden.

Hyperion Solutions hat 2003 für 142 Millionen Dollar den BPM-Spezialisten Brio Software gekauft, um Marktführer bei Business Performance Management Software werden und seinen Kunden verstärkt Anwendungen für Performance Scorecarding, Modellierung, Budgetierung, Planung und Forecasting, Konsolidierung und Berichtswesen anzubieten. Als Geschäftspartner arbeiteten die beiden Unternehmen schon seit 1996 zusammen.

Business Objects (BO) hat im Sommer 2007 das ebenfalls in Frankreich ansässige Softwarehaus Cartesis übernommen. Letzteres hatte sich vor allem mit dem Angebot von Business-Software einen Namen gemacht, das von den Finanzabteilungen der Unternehmen gekauft und dann mit Hilfe der IT-Abteilung genutzt wird. Das Reporting-Werkzeug von BO stammt von der Firma Crystal Decision aus Palo Alto, die schon 2003 übernommen wurde. Ähnliches bei Cognos. Hier haben die Kanadier erst Oktober die Übernahme der aus Massachusetts stammen Analyse-Firma Applix abgeschlossen.

Auch Microsoft ist in diesem Zusammenhang zu nennen. Das mächtige Softwarehaus hat 2004 den BI-Spezialisten Proclarity akquiriert, um für diesen vielversprechenden Markt gerüstet zu sein. Auch hier das bekannte Muster: Das Unternehmen aus dem US-Bundesstaat Idaho war bereits Gold-Partner von Microsoft und liefert Analyse- und Visualisierungswerkzeuge für Microsofts Business-Intelligence-Plattform, zum Beispiel BI-Tools für SQL Server 2005. Proclarity brachte rund 1200 Geschäftskunden und eine spezialisierte Vertriebsmannschaft mit.

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.sap.de
[2] = http://www.oracle.de
[3] = http://www.ibm.de
[4] = http://de.wikipedia.org/wiki/Business-Intelligence
[5] = http://de.wikipedia.org/wiki/Business-Performance-Management