Thin Clients im Aufwind - dank Vista?

(http://www.zdnet.de/magazin/39159039/thin-clients-im-aufwind-dank-vista.htm)

von Dietmar Müller, 14. November 2007

Liegt es wirklich an Microsofts neustem Betriebssystem Vista, dass Thin Clients einen neuen Boom erleben? So zumindest spotten einige Anbieter der Minimal-Hardware - und weisen auf die Vorzüge des Server Based Computing.

"Das beste Argument für Thin Clients in letzter Zeit war die Einführung von Windows Vista", so Jeff McNaught, Chief Marketing Officer bei Wyse. Durch die hohen Hardwareanforderungen des Microsoft-Betriebssystems hätten viele CTOs gesehen, dass sie die komplette Hardware austauschen müssten. Tatsache jedoch ist, dass die abhängigen und schmalbrüstigen Rechner ohne eigene Festplatte aktuell im Aufwind sind.

Der Trend geht sogar hin zu so genannten Zero oder Ultra-Thin Clients, die sich alle Informationen vom Server holen. Sie verfügen weder über ein Betriebssystem noch über Applikationen, die auf dem Gerät selbst installiert sind. Zudem sind keine Konfigurationsdaten gespeichert. Zero Clients treiben den Grundgedanken von Thin Clients also ins Extreme. Und sie sind vergleichsweise billig: Dell erklärte bei der Vorstellung seiner Thin Clients im Oktober, dass das Konzept, Anwendungen zentral auf einem Server zu pflegen und die Ausgabe lediglich an die Clients zu streamen, bis zu 56 Prozent der Administrationskosten sparen könne. Allerdings müssen Anwender bei einem Umstieg vergleichsweise hohe Anfangsinvestitionen tätigen und bestehende Infrastruktur ersetzen.

Bislang galt in der Industrie die Faustregel, dass sich Thin Clients erst ab mindestens zehn PC-Arbeitsplätzen für den Anwender auszahlt. Der Bremer Thin-Client-Spezialist Igel Technology macht aber eine andere Rechnung auf: Praxis-Beispiele hätten belegt, dass bereits mit sieben Arbeitsplätzen Kostenreduzierungen realisiert werden können. Die Gesamtkosten für die Anschaffung von PC-Arbeitsplätzen hätten in einem Fall rund 4260 Euro betragen. Die Installation einer Thin-Client-Lösung habe mit rund 7580 Euro zu Buche geschlagen. Beim Vergleich der Gesamtinvestitionskosten habe sich dann gezeigt, dass Wartungs und Hardwarekosten diesen Unterschied bereits im zweiten Jahr ausgleichen. Binnen fünf Jahren, so Igel, konnte der Anwender etwa 4970 Euro einsparen.

Aber Achtung: Viele Anwender sperren sich gegen die Einführung der serverbasierten Architektur, denn sie sind es gewohnt, an ihrem Arbeitsplatz eine große Festplatte sowie sämtliche Funktionen lokal gespeichert zu haben. Denn klar: Der Thin Client ist viel mehr ein "dummes" Terminal denn ein PC. Neben klassischen Anbietern wie Sun, Wyse, Siemens, Neoware, HP, Igel und anderen ist Dell nicht der einzige Anbieter, der frisch in diesem Markt eingestiegen ist. So hat auch NEC im April mit dem Virtual PC Center den Einstieg ins Server Based Computing gewagt.

Grundsätzlich stehen für serverbasierte Netze zwei Funktionsweisen zur Verfügung: Zum einen kann der Client Anwendungen aus dem Netz beziehen - man nennt ihn dann einen "Thick Client". "Thick" deswegen, weil der Rechner zum Ausführen einen ausreichend starken Prozessor besitzen muss. Zum anderen können handelsübliche Softwareprogramme wie von Citrix oder Tarantella zum Ansteuern der Clients verwendet werden. Mausbewegungen und Tastaturanschläge werden über ein spezielles Protokoll an den Server gesendet. Es kommen auch nur die Programme zur Ausführung, die vorher auch auf dem Server freigegeben wurden. Die Rechenleistung wird dann vom Server erbracht, der Client kann "thin" oder "zero" sein.

Durch ihre Minimalismus-Strategie kommen die Geräte mit weniger verbauten Komponenten aus. Die Vorteile sind einerseits ein hohes Sicherheitslevel für die Daten, andererseits eine vereinfachte Verwaltung der Geräte. Da auf dem Gerät keine Daten abgespeichert werden, gehen diese im Fall eines Diebstahls oder Verlusts des Geräts nicht verloren. IT-Verantwortliche müssen sich auch nicht um jeden Rechner einzeln kümmern. Es reicht, wenn die Image-Dateien am Server gewartet werden. Wie bei Thin Clients üblich zeichnen sie sich zudem durch einen äußerst geringen Energieverbrauch aus.

Für die Verwendung von Zero oder Thin Clients spricht des Weiteren der Umweltschutz. Vergleicht man PC-Nutzer mit Thin-Client-Anwendern samt Serverumgebung, zeigt sich, dass auf Seite der Minimalisten deutlich weniger Energie benötigt wird. Nimmt man für einen PC eine durchschnittliche Leistungsaufnahme von 71 Watt an, so verschlingen 1000 Rechner jährlich 146.000 Kilowattstunden und damit 13.000 Dollar, rechnet McNaught vor. Auf der Seite der Thin Clients (etwa 7 Kilowatt inklusive anteilsmäßigem Energiebedarf des Servers) benötigen 1000 Geräte nur 14.000 Kilowattstunden jährlich. Die Kosten können somit um 90 Prozent reduziert werden.