Erste Bilanz: Windows Vista doch ein Verkaufsschlager?

(http://www.zdnet.de/magazin/39158919/erste-bilanz-windows-vista-doch-ein-verkaufsschlager.htm)

von Ina Fried, 9. November 2007

Der Start von Vista verlief etwas holperig, mittlerweile liegt der Absatz aber auf dem Niveau vorangegangener Windows-Versionen. Als Katalysator dürfte sich das erste Service Pack für Vista Anfang nächsten Jahres erweisen.

Windows Vista[1] hat schon einiges an Kritik einstecken müssen. Nichtsdestotrotz findet das Betriebssystem inzwischen seinen Weg auf immer mehr PCs. Als Microsoft letzte Woche seine aktuellen Geschäftszahlen bekannt gab, meldete das Unternehmen einen Anstieg von 25 Prozent beim Umsatz des Geschäftsbereichs, der Windows für Notebooks und PCs verkauft. Zum Teil dürfte dafür das verstärkte Vorgehen gegen Raubkopien verantwortlich sein - sowie die Tatsache, dass viele Benutzer die "Premium"-Versionen von Vista bevorzugen. Aber immerhin hat es Microsoft geschafft, bereits 88 Millionen Kopien seines Betriebssystems zu verkaufen - eine beachtliche Zahl.

"Die Benutzer zeigen zunehmend Interesse und Begeisterung", so CEO Steve Ballmer letzte Woche in einem Interview mit CNET News.com[2]. Das bestätigte auch Samir Bhavnani, Analyst bei Current Analysis West. "Der Start verlief etwas holperig", meint er. "Es gab eine kleine, aber lautstarke Minderheit, die kein gutes Haar an Vista ließ."

Im Unternehmensbereich war es ebenfalls schwierig, Fuß zu fassen. Microsoft musste schließlich zugeben, dass es mit seinen Prognosen doch über das Ziel hinausgeschossen war, Vista werde schon nach zwölf Monaten auf dem Markt auf doppelt so vielen Unternehmens-PCs laufen wie XP.

"Wir denken, dass die Verbreitung etwa im selben Tempo verläuft wie bei früheren Windows-Versionen", so Neil Charney, Geschäftsführer von Microsofts Geschäftsbereich Windows Client. Charney meint, dass das ursprüngliche Ziel "etwas hoch gegriffen" war, aber von Microsoft durchaus für erreichbar gehalten wurde. Analysten fanden allerdings schon seinerzeit, dass Microsofts Prognose überambitioniert sei.

Microsoft berichtet, dass einige positive Signale im Unternehmensbereich festzustellen seien, vor allem ein Anstieg der Zahl von Unternehmen, die langfristige Lizenzverträge für Windows abschließen. "Sie würden solche Verträge nicht abschließen, wenn sie nicht die Absicht hätten, Vista auch einzusetzen", sagt Mike Nash, Vice President of Windows Product Management.

"Während einige Unternehmen vielleicht tatsächlich planen, auf Vista umzusteigen, sind die meisten großen Unternehmen immer noch dabei, sofort nach dem Kauf neuer PCs wieder Windows XP zu installieren", so IDC-Analyst Al Gillen: "Das ist ganz normal." Diese Marktreaktion zerstört allerdings die Hoffnungen von Microsoft, Unternehmen zu einem schnellen Wechsel auf das neue Betriebssystem bewegen zu können, indem es neue Tools zur Durchführung von Kompatibilitätschecks entwickelt und Unterstützung beim Deployment anbietet. Unternehmen sind "auf jeden Fall mit dem Wechsel nicht eifriger als bei anderen Windows-Versionen", so Gillen.

Schon immer waren große Unternehmen eher zögerlich, wenn es um die Einführung neuer Betriebssysteme geht, so Gillen, und wollten nicht die Vorreiter spielen, sondern lieber warten, bis die letzten Fehler und Kompatibilitätsprobleme ausgebügelt waren. Als Katalysator dürfte daher für einige Unternehmen das erste Service Pack für Vista dienen, das Anfang nächsten Jahres veröffentlicht werden soll.

Selbst einige Privatanwender und kleinere Unternehmen haben sich entschieden, vorerst beim bewährten Windows XP zu bleiben. Dell und andere PC-Hersteller sind Anfang des Jahres dazu übergegangen, wieder Windows XP auf Rechnern für Privatleute und kleine Unternehmen zu installieren. Und seit kurzem machen einige PC-Hersteller es für Käufer von Vista-Rechnern einfacher, zurück zu XP zu wechseln.

microsoft-CEO Steve Ballmer sagt, dass es zwar einige PCs mit XP auf dem Markt gebe, im Allgemeinen aber Vista von den Privatanwendern gekauft werde: "Es gibt sicher irgendwo auf der Welt noch den einen oder anderen PC, auf dem Windows Vista nicht läuft, aber auf allen aktuell vertriebenen Rechnern läuft Windows Vista." Trotzdem reagierte Microsoft kürzlich auf Bedenken von großen PC-Herstellern und zog die Auflage zurück, im Januar den Verkauf von XP-Rechnern einzustellen, sondern gewährte ihnen noch eine Fristverlängerung bis Ende Juni.

Allerdings sind Benutzer, die Windows XP den Vorzug geben, deutlich in der Minderheit. Inzwischen findet sich Vista auf 95 Prozent der im US-Einzelhandel angebotenen PCs, und Laptops mit Vista machen 91 Prozent der Modelle im Einzelhandel aus, berichtet Charney unter Verweis auf Zahlen von Current Analysis.

Gute Umsatzzahlen für Vista – sei es nun aufgrund der Beliebtheit von Vista oder nur wegen der guten Verkaufszahlen auf dem PC-Markt – sind nichtsdestotrotz wichtig für die Zukunft des Betriebssystems. Denn wenn die Zahl der Vista-Installationen zunimmt, werden auch Anwendungsentwickler und Hardware-Hersteller eher Produkte entwickeln, die die besonderen Funktionen des neuen Betriebssystems ausnutzen, was wiederum Katalysator für weitere Verkäufe sein wird.

Microsoft wird zu Weihnachten keine umfangreiche Werbekampagne für Vista starten, rechnet aber damit, dass sich wichtige Vertriebspartner wie Hewlett-Packard für Vista ins Zeug legen. Der Softwarehersteller hat außerdem eine Online-Marketingkampagne ins Leben gerufen, die die Vorteile einer Kombination von Windows Vista mit Microsofts Windows-Live-Services anpreist, der bislang wichtigsten Vermischung des Betriebssystems mit Online-Angeboten.

Microsoft baut also auf das Weihnachtsgeschäft, das für die Computerbranche immer am umsatzstärksten ist, um die Zahl der Vista-PCs weltweit deutlich zu steigern. Apples Macintosh ist dabei im Privatbereich ein nicht zu unterschätzender Konkurrent, der im letzten Jahr auf Kosten von Windows deutlich zulegen konnte. Und für Vista ist es zwar das erste Weihnachten, aber in Läden gibt es das Betriebssystem bereits seit neun Monaten, im Vergleich zu Apples Mac OS X Leopard, das letzten Freitag sein Debüt gab.

Microsoft lässt sich vom Zugewinn Apples allerdings nicht einschüchtern, sondern verweist auf das eigene Wachstum. Der Markt insgesamt wachse, da Privatanwender PCs für immer mehr Aufgaben des digitalen Lebens einsetzten. "Wir sind ebenso wie unsere Partner äußerst optimistisch, was die Verkaufsprognosen für Windows Vista im diesjährigen Weihnachtsgeschäft betrifft”, sagt Charney.

Apple hat zwar gegenüber Windows im letzten Jahr an Boden gewinnen können, aber nach Meinung von Bhavnani dürfte sich das Unternehmen mit weiteren Zuwächsen schwerer tun, es sei denn, es würde seine Produkte umfassend neu gestalten oder mit einem preiswerteren Laptop auf den Markt kommen.

Aber auch auf Microsoft könnten aufgrund der wirtschaftlichen Ungewissheiten Schwierigkeiten zukommen. Noch Anfang des Jahres war Bhavnani nach eigenen Angaben bei seinen Prognosen für das Weihnachtsgeschäft mit PCs optimistischer. "Die Sorgen wegen einer möglichen Rezession drücken auf die Kauflaune vieler Verbraucher", meint er "Es dürfte zwar ein recht gutes Weihnachtsgeschäft werden, besonders für Notebooks, aber sicher auch kein überwältigendes."

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