Bislang ist Surfen auf dem Handy noch kein Vergnügen. Auf winzigen Displays zeigen die Browser viele Webseiten nur in Ausschnitten an - und ohne Extras wie Videofilmchen. Doch Opera will es besser machen - mit dem neuen Opera Mini 4.
Wer das Internet mit einem Handy oder Smartphone nutzen will, hat es nicht leicht. Schließlich soll das weltweite Web, das derzeit für PC-Bildschirme mit einer Mindestauflösung von 768 mal 1068 Pixeln optimiert ist, auf dem kleinen Handy-Display erscheinen. Doch die im Schnitt drei mal vier oder vier mal fünf Zentimeter großen Fensterchen räumen nur Platz für 240 mal 320 oder 176 mal 220 Pixel Auflösung ein. Nur wenige Websites erkennen wie die von Spiegel Online[1], ob sie von einem Mobiltelefon, einem stationären Rechner oder einem Laptop aus aufgerufen werden, und schicken eine optimierte Antwort. Die große Mehrheit an Sites ist für PC-Bildschirme konzipiert.
Hinzu kommt ein weiteres Problem: Viele HTML-Browser, darunter Microsofts Internet Explorer für Mobiltelefone, zeigen die Inhalte einer Webseite oder eines Pop-ups entweder gar nicht oder nur in Ausschnitten an. Hier setzt Opera mit seiner neuesten Browser-Version Opera Mini 4[2] an.
Webseitenvorschau
Die Vorschau-Funktion "Show Overview" ist neu - der Vorgänger Opera Mini 3.1 hatte dieses Feature noch nicht an Bord. Sie zeigt das Layout einer HTML-Seite komplett an. Mit Hilfe einer Zoomfunktion kann der Surfer direkt in die Teilbereiche der Seite springen und sie in Originalgröße betrachten. Grundsätzlich eine prima Idee, weil sich das Surfen damit beschleunigt. Doch wer über ein Handy mit 240 mal 320 Pixeln Auflösung surft, wird in der Miniübersicht nichts lesen können. Zum Entziffern des Inhalts muss erst umständlich eine Stelle vergrößert werden, um zu wissen, ob es sich dabei um den gesuchten Abschnitt handelt. Schön wäre hier eine Art Mouse-Over-Funktion, die Überschriften hervorhebt, sobald der Anwender mit der virtuellen Maus darüberfährt.
![]() Es gibt viele Einstellungsmöglichkeiten bei Opera Mini 4. |
Um dieses Manko auszugleichen, hat der norwegische Browser-Spezialist einen Automatismus eingerichtet, der erkennen soll, welchen Seitenbereich der Nutzer nach Aufruf einer Homepage gerne lesen möchte. Das funktioniert ganz gut, wenn der Anwender News-Portale startet. Weniger überzeugend gelingt die Auswahl jedoch bei Firmenseiten. Hier muss Opera noch ein wenig Forschungsarbeit investieren.
Aktualisiert der Nutzer eine Webseite häufiger, so erweist sich eine weitere neue Funktion als praktisch: Der Browser merkt sich die Stelle der Seite, die vor dem Reload gerade angezeigt wurde, und springt exakt dort wieder hin, ohne dass der Nutzer erneut scrollen muss. Das spart Zeit und Nerven beim Surfen.
Neben der Standard-Darstellung lässt sich unter Menu/Tools/Settings bei Mobile view ein Häkchen setzen und damit ein alternativer Ansichtsmodus namens "Small Screen Rendering" einstellen. Er formatiert jede Webseite auf eine Spalte um, so dass der Inhalt in ein kleines Handy-Display passt, ohne dass der Nutzer nach links oder rechts scrollen muss. Die Ladezeiten sind dann geringfügig länger, die Übersichtsfunktion fällt weg. Welchen Modus der Leser vorzieht, ist persönliche Geschmackssache. Gut gefällt die Umschaltmöglichkeit zwischen Hoch- und Querformat. Insbesondere Fotos oder Videos sehen einfach besser aus, wenn man unkompliziert mit dem Tastaturkürzel * # ins Querformat (und auch wieder zurück) wechselt.
Nicht neu, aber nach wie vor exzellent ist das Rendering von Opera. Der Browser passt die Internetinhalte an die kleinen Handy-Displays an. Dazu laufen alle aufgerufenen Webseiten über einen Server des Browserherstellers. Dort werden sie komprimiert, so dass sie sich zügiger darstellen lassen und weniger Datenverkehr aufläuft. Aus einer 300 Kilobyte großen Nachrichtenseite wie die der BBC[3] oder von Focus.de[4] wird eine knapp 30 Kilobyte kleine Seite - entsprechend flott sind die Ladezeiten auch dann noch, wenn der Nutzer nur via GPRS[5] oder EDGE[6] surft. Die aktuelle Version bietet einen virtuellen Mauszeiger, der an das Surfen auf einem Desktop-PC erinnern soll. Er lässt sich über das Steuerkreuz und über die Zifferntasten 2, 4, 6 und 8 bewegen. Nun hängt es von der persönlichen Vorliebe ab, ob der Anwender lieber auf Tasten drückt, um zu scrollen, oder eher das Steuerkreuz bevorzugt. Beide Scrollmethoden sind ergonomisch und gleich schnell.
Weiter unterstützt der Opera Mini 4 Stylesheets, HTML-Tabellen und mehr CSS-Funktionen. Seiten wie die Lokalzeitung Rheinpfalz.de[7], an der bislang jeder Browser gescheitert ist, werden nun komplett angezeigt. Auch Pop-ups stellt der Browser dar. Flash-Seiten kommen jedoch nach wie vor nicht aufs Handydisplay – und so lassen sich auf der Startseite von burgerking.de[8] oder schoeller.de[9] keine Inhalte finden und auch Youtube-Videos können die Mobiltelefone nicht darstellen.
![]() Die Suche ist in Opera Mini 4 komfortabel zu erreichen. |
Ein Nebeneinander von mehreren Browser-Fenstern, besser bekannt als Tabbed Browsing, gibt es nach wie vor nicht. Ferner ist eine Funktionen unter den Tisch gefallen: Fotoblogging. Version 3.1 bot dies noch an. RSS-Feeds kann die aktuelle Handy-Version immerhin auslesen. Die Feeds lassen sich abonnieren, indem der Anwender die News-Site selbst aufruft - in der Regel werden RSS-Feeds automatisch aufgelistet, so dass der Nutzer nur noch auf "Subsribe" klicken muss. In der Feedliste sortiert Opera die Links automatisch nach Alphabet. Unterordner gibt es keine. Bei langen Feedlisten mag das ein wenig unübersichtlich werden, aber wer nur ein paar Nachrichtenseiten oder Börsenticker speichert, kommt gut klar. Für den Schnellzugriff gibt es ein Tastaturkürzel: * 0.
Zu den Suchmaschinen gelangt man sehr komfortabel über das Kürzel * 9. Die Liste kann der Nutzer selbst anlegen und dabei beispielsweise auch Übersetzungsdienste hinterlegen.
Wer die Übersicht über die Tastaturkürzel verloren hat, drückt kurz auf *. Ein Layer listet schön übersichtlich die wichtigen Kürzel auf.
Bilder-Download
Um Webseiten schneller darstellen zu können, komprimiert Opera die Bilder. Damit wirken insbesondere Fotos sehr pixelig, dafür sind die Ladezeiten kurz. Wer höhere Ansprüche an die Bildqualität stellt, kann sich auch besser aufgelöste Fotos anzeigen lassen. Doch mit der höheren Auflösung verdoppelt sich auch die Ladezeit, ohne dass die Qualität wirklich gut würde.
![]() Opera Mini 4 kann RSS-Feeds auslesen. |
Interessant ist die Möglichkeit, sich die gesamten Bilder einer Webseite gesondert auflisten zu lassen. Der Browser verrät unter Bookmarks/Tools/Page information/Download images, wie groß jedes Bild und wie hoch seine Auflösung ist. Schließlich lässt sich das Motiv auch aufs Handy herunterladen und beispielsweise als Hintergrundbild oder für eine MMS nutzen.
Opera Link - Lesezeichen online verwalten
Auf der Browser-Starseite erscheint ein Menüpunkt "Synchronize Opera". Dahinter verbirgt sich Opera Link[10], ein Service, um Opera-Daten per Internet zu verwalten. Bislang bot Opera dieses Online-Tool nur für die PC-Variante des Browsers an, nun läuft es auch auf Handys. Damit lassen sich unter anderem sämtliche Lesezeichen mit Opera aufrufen, ganz gleich, ob der Nutzer den Browser auf einem Desktop-Rechner oder auf dem Handy nutzt. Neben der Lesezeichenverwaltung speichert der Dienst auch Speed-Dial-Einstellungen für den schnellen Zugriff auf neun häufig angefragte Seiten sowie die Personal-Bar-Einstellungen. Wer den Service nutzen will, muss sich zwar bei Opera Link kostenlos registrieren, doch die Mühe lohnt sich.
Um den Opera Mini 4 zu installieren, muss der Nutzer via Handy die Webseite operamini.com aufrufen und den Browser herunterladen. Opera ist gedacht für alle Java-fähigen Handys sowie für Palm- und Blackberry-Geräte.
Im Test wird der Browser auf einem Sony Ericsson K550i, einem Samsung SGH-i600 und einem Blackberry 8800 installiert - mit unterschiedlichem Erfolg.
Sony Ericsson K550i
Völlig unproblematisch hat sich Version 4 neben Version 3.1 auf dem Sony Ericsson K550i[11] installieren lassen. Die Version für das Foto-Handy ist 91 Kilobyte groß. Das Herunterladen dauert wenige Sekunden (über eine Verbindung mit EDGE). Nach einem kurzen, etwa zwei Sekunden langen Performance-Test startet der Browser.
Entgegen dem Versprechen von Opera funktioniert die Version 3.1 nicht mehr, sobald die 4er-Version installiert ist. Zwar überschreibt die Software den Vorgänger nicht, der alte Browser lässt sich auch noch aufrufen, er zeigt jedoch statt der Webseiten die Fehlermeldung "Fehlgeschlagene Gültigkeitsprüfung des Serverzertifikats" an.
Samsung SGH-i600 und T-Mobiles MDA Vario III mit Windows Mobile 6
Im Prinzip müsste Version 4 auch auf Smartphones, die unter einer der aktuellen Windows-Mobile-Varianten laufen, funktionieren. Im Test soll der Mini auf einem Samsung SGH-i600[12] installiert werden, doch Opera erkennt das Gerät nicht. Dennoch sendet die Website die Empfehlung, die Version mit viel Speicherbedarf – sie arbeitet mit Midlets - herunterzuladen. Da Midlets aus Windows-Mobile-Sicht nicht aus einer zuverlässigen Quelle stammen, fragt das Mobiltelefon, ob man will, dass diese Midlets ausgeführt werden. Doch kaum ist die Frage bejaht, hängt sich das System auf. Den MDA Vario III erkennt Opera ebenfalls nicht. Die Software lässt sich auch hier herunterladen, der Browser scheint sich auf dem Smartphone zu installieren, doch dann kommt die Fehlermeldung - eine Verbindung ins Internet könne nicht hergestellt werden. Bislang erkennt der Browser nur folgende T-Mobile-Modelle: den MDA Compact, den MDA Compact III, den MDA II und III, den MDA Vario und das SDA Music Phone.
Blackberry
Auf den Blackbery 8800[13] lässt sich die neue Version problemlos herunterladen. Nach dem Download führt der Browser wie beim K550i einen Performance-Test durch. Dann kommt eine Fehlermeldung "Failed to connect to the internet". Zu diesem Fehler kommt es, wenn das Blackberry-Modell mit einer frühen Firmware ausgeliefert ist. Neben dem 8800 alias Curve ist auch das 8100 respektive Pearl betroffen.
Fazit
Noch läuft der Browser nicht auf jedem Handy. Wenn es jedoch gelingt, die Software zu installieren, hat man einen der besten derzeit verfügbaren Browser auf seinem Mobiltelefon. Webseiten erscheinen rasch auf dem Display, der Browser lässt sich mit Hilfe der virtuellen Maus ergonomisch steuern, und die Vorschau-Funktion hilft bei der Orientierung. Zu bemängeln ist allerdings, dass Blogger-Tools derzeit nicht eingebunden sind.
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