Webapplikationen offline nutzen: So funktioniert Google Gears

(http://www.zdnet.de/magazin/39158564/webapplikationen-offline-nutzen-so-funktioniert-google-gears.htm)

von Joachim Kaufmann, 23. Oktober 2007

Mit Google Gears sollen Online-Anwendungen die letzte Bastion klassischer Desktop-Software erobern: den Betrieb ohne Internetverbindung. ZDNet erklärt die technischen Grundlagen und zeigt, wie es in der Praxis funktioniert.

Lange hat man nur darüber geredet, in den letzten Jahren ist es zunehmend Realität geworden: Das Internet und der Browser machen dem PC als Plattform Konkurrenz. Zwar sind webbasierte Dienste wie Google Text & Tabellen[1] meistens noch nicht so leistungsfähig wie klassische Programme, Entwickler arbeiten aber jeden Tag daran, die Kluft zu verkleinern.

Ein wichtiger Vorteil von Webapplikationen ist, dass sie nicht installiert werden müssen und an jedem PC mit Internetzugang einfach im Browser aufgerufen werden können. Zudem stehen neue Features ohne komplizierte Updates zur Verfügung.

Die schöne, neue Online-Welt verblasst aber ganz schnell, wenn kein Internetzugang zur Verfügung steht. Zwar sind die meisten Arbeitsplätze heute breitbandig ans Web angebunden, immer mehr Mitarbeiter arbeiten aber mit Notebooks - häufig von unterwegs. Sie können eben nicht immer auf Verbindungen zurückgreifen, die schnell und stabil genug sind. Manchmal, beispielsweise im Flugzeug, herrscht komplette Funkstille.

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Google Gears[2]

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Die Offline-Problematik lösen viele Softwarehersteller mit einer klassischen Desktop-Software, die Daten bei einer bestehenden Verbindung synchronisiert. Allerdings können bereits getätigte Investitionen in die Online-Plattform aufgrund der unterschiedlichen Technik nicht genutzt werden - Kosten und Komplexität steigen.

Google[3], einer der prominentesten und mächtigsten Fürsprecher webbasierter IT, hat mit Google Gears[4] eine Plattform vorgestellt, auf deren Basis sich Online-Applikationen offline betreiben lassen. ZDNet zeigt, wohin die Reise geht.

Webanwendungen wie Google Apps werden auf einem Webserver ausgeführt und im Browser des Anwenders dargestellt. Der Betrieb erfordert eine ständige Verbindung zum Server, ansonsten sind wichtige Funktionen wie Speichern nicht ausführbar.

Steht der Webserver nicht zur Verfügung, muss eine andere Komponente seine Aufgaben übernehmen. Dafür hat Google das Browser-Plugin Google Gears entwickelt. Es liegt in Version 0.2 vor, ist also noch in einem sehr frühen Stadium. Derzeit läuft Google Gears unter Internet Explorer und Firefox für Windows, Mac OS X und Linux.

Google Gears ist quelloffen unter der neuen BSD-Lizenz veröffentlicht. Die Software bringt eine SQLite-basierte Datenbank, einen kleinen Webserver sowie eine Engine zur Synchronisation von Daten im Hintergrund mit. Damit Webapplikationen auf dem Client laufen, sind aber verschiedene Anpassungen notwendig. An den Server gerichtete Requests müssen im Offline-Fall von Google Gears beantwortet werden.

Programmierer finden auf den Developer-Seiten ein Tutorial[5], das die Einarbeitung in die Thematik erleichtert. Außerdem sind dort Demo-Anwendungen[6] sowie eine Einführung in die ideale Architektur[7] einer offline benutzbaren Webanwendung dargestellt. Die auf einem Rechner installierten Google-Gears-Komponenten werden über Javascript-APIs[8] angesprochen.

Google erklärt auf seinen Entwickler-Website die ideale Architektur für offline benutzbare Webapplikationen. Im Mittelpunkt steht die Isolation des Datenzugriffs von der grafischen Oberfläche (Bild: Google).
Google erklärt auf seinen Entwickler-Websites die ideale Architektur für offlinefähige Webapplikationen. Im Mittelpunkt steht die Isolation des Datenzugriffs von der grafischen Oberfläche (Bild: Google).

Trotz des anfänglichen Hypes hat Google mit Google Reader[9] bislang nur eine Anwendung vorgestellt, welche die Möglichkeiten von Google Gears nutzt. Allerdings ist die Funktion derzeit nur in der englischsprachigen Version zu finden.

Die Installation von Google Gears dauert unter Windows Vista[10] und Internet Explorer 7 nur drei Minuten. Der Download ist lediglich rund 200 KByte groß.

Beim ersten Login im englischsprachigen Reader fragt der Internet Explorer 7 nach einer Ausführungsgenehmigung für die Datei gears.dll. Ein Fenster weist darauf hin, dass die Website Google Gears nutzen möchte, und ermöglicht es, den Download von Daten auf den PC abzulehnen oder zuzulassen. Man sollte sich für letzteres entscheiden, da ein Rechner ohne Internetverbindung auf lokal gespeicherte Daten zurückgreifen muss.

Die Oberfläche der Webapplikation hat sich nur geringfügig verändert: Neben den Account-Daten befindet sich ein grünes Icon, das den Download der abonnierten Feeds zur Offline-Anzeige ermöglicht. Nach Abschluss der Vorgangs ändert sich das Icon in einen blauen Pfeil, mit dem sich Google Reader wieder in den Online-Modus versetzen lässt.

Trennt man die Internetverbindung, stehen wie vorgesehen alle heruntergeladenen Feeds zur Verfügung. Das Abonnieren von Feeds sowie deren Verwaltung sind offline aber nicht möglich. Dazu wäre ein Mechanismus notwendig, der Änderungen mit den Google-Servern synchronisiert. Insgesamt kann man sich darauf einstellen, da lokal ausgeführte Webanwendungen nicht alle Funktionen des Online-Pendants mitbringen.

Google Gears richtet sich ausdrücklich auch an Fremdentwickler. Einige haben die Plattform bereits genutzt: So ermöglicht es die Aufgabenverwaltung Rememberthemilk[11], Aufgaben und Notizen auch offline anzulegen und zu modifizieren[11].

Auch das Textverarbeitungsmodul Zoho Writer[12] aus der Zoho Office Suite[13] unterstützt Google Gears - allerdings weniger ausgeklügelt als Rememberthemilk. So können Offline-Dokumente lediglich gelesen, aber nicht modifiziert werden. Auch die Erstellung neuer Dokumente ist nicht möglich. Die Entwickler versprechen in ihrem Blog[14], die Funktion in Kürze nachzureichen.

Ausblick

Das Ende Mai erstmals vorgestellte Google Gears befindet sich derzeit noch in einem frühen Entwicklungsstadium. Google setzt auf den Input externer Programmierer, um die Technik zu verfeinern. Auch wenn es im Test mit Google Reader keine Probleme gibt, sollte man die Software derzeit nicht in Produktivumgebungen einsetzen.

Unter dem Strich handelt es sich um eine interessante Technik, die Webanwendungen wieder ein Stück näher an klassische Desktop-Applikationen heranrückt. Wünschenswert wäre, dass Google seine Flaggschiffe Google Mail und Google Text & Tabellen schnellstens mit Offline-Funktionen ausrüstet - auch, um Unterstützung für das Projekt zu demonstrieren.

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.zdnet.de/enterprise/sw/0,39023278,39158010,00.htm
[2] = http://www.zdnet.de/galerie/39158601/google-gears.htm#sid=39158564
[3] = http://www.google.de
[4] = http://gears.google.com/
[5] = http://code.google.com/apis/gears/upcoming/tutorial.html
[6] = http://code.google.com/apis/gears/upcoming/sample.html
[7] = http://code.google.com/apis/gears/upcoming/architecture.html
[8] = http://code.google.com/apis/gears/upcoming/api_summary.html
[9] = http://www.google.de/reader
[10] = http://www.zdnet.de/enterprise/os/vista
[11] = http://www.rememberthemilk.com/services/googlegears/
[12] = http://writer.zoho.com/jsp/home.jsp?serviceurl=%2Findex.do
[13] = http://zoho.com/
[14] = http://blogs.zoho.com/general/offline-support-comments-in-zoho-writer/