Freie Funknetze sorgen für kostenlosen Zugang zum Internet an Hotspots quer durch die Republik. Je nach Anbieter kann man sich auch mit seinem eigenen WLAN ein paar Euro dazuverdienen. ZDNet erklärt Funktion und rechtliche Fallstricke.
Was spricht dagegen, etwas mit anderen zu teilen, das man sowieso umsonst bekommt? Oder damit Geld zu verdienen? Zunächst relativ wenig. Auf Basis dieser Überlegungen sind WLAN-Communities wie Fon[1], Sofanet[2] oder Freifunk[3] entstanden.
Sie bauen im Gegensatz zu T-Mobile[4] oder Vodafone[5] keine eigene Hotspot-Infrastruktur auf, sondern organisieren drahtlose Internetzugänge von Privatnutzern. Diese sind mit großer Bandbreite und Abrechnung per Flatrate in vielen Haushalten ohnehin vorhanden.
Da inzwischen jedes Notebook und immer mehr Smartphones über WLAN-Funktionalität verfügen, dürften WLAN-Communities für viele Nutzer interessant sein. Es handelt sich nicht um ein Nischenphänomen: Mit mehr als 12.000 Hotspots hat die größte WLAN-Community Fon mehr Versorgungspunkte als T-Mobile.
ZDNet stellt auf den nächsten Seiten drei WLAN-Communities vor und informiert über rechtliche Konsequenzen.
Bei dem Gedanken, seinen Internetzugang mit wildfremden Menschen zu teilen, gerät mancher aufgrund fehlender Kontrollmöglichkeiten vielleicht ins Schwitzen. Aus gutem Grund: Taucht die eigene IP-Adresse im Zusammenhang mit Ermittlungen zu Kinderpornografie oder illegaler Software auf, kann dies ernste Konsequenzen nach sich ziehen.
Da sich bisher noch kein Gericht mit WLAN-Sharing auseinandergesetzt hat, ist die rechtliche Situation derzeit unklar. In diesem Zusammenhang wird häufig eine Entscheidung (Urteil vom 27. Juni 2006 - Az.: 308 O 407/06) des Oberlandesgerichtes Hamburg[6] angeführt, wonach Betreiber ungesicherter Internetzugänge für Rechtsverletzungen Dritter haften. Da man aber keinen der Dienste ohne Login nutzen und somit den Verursacher ausfindig machen kann, ist der Sachverhalt nicht eindeutig.
Der rechtlichen Unsicherheit begegnen die im Artikel aufgeführen WLAN-Communities auf unterschiedliche Art und Weise. Etwaige Eigenheiten werden in der Beschreibung des Anbieters erwähnt.
Das in Spanien beheimatete und inzwischen weltweit tätige Unternehmen Fon[7] ist ein Kind des Web-2.0-Zeitalters. Das macht sich an der gesamten Kommunikation bemerkbar: Mitglieder der Community werden als Foneros bezeichnet. Wohl in Anlehung an bekannte IT-Größen unterscheidet Fon die Nutzertypen Linus, Bill und Alien.
Als Linus stellt man seinen Internetzugang anderen Mitgliedern kostenlos zur Verfügung und kann dafür Fon-Hotspots unentgeltlich nutzen. Wer sich für den Nutzertyp Bill entscheidet, erhält von den an seinem Zugriffspunkt gekauften Tickets die Hälfte der Einnahmen. Die andere Hälfte behält Fon ein. Die Auszahlung erfolgt per Paypal. Auch Bills können andere Hotspots kostenlos nutzen.
Aliens betreiben keinen Hotspot und müssen daher für den Zugang zum Fon-Netzwerk bezahlen. Ein Tagesticket kostet im Einzelverkauf drei Euro, bei der Abnahme von fünf sinkt der Preis auf zwei Euro. Die Bezahlung läuft über Kreditkarte oder Paypal. Ein Finder[8] auf Basis von Google Maps[9] hilft bei der Lokalisierung von Hotspots.
Zur Bereitstellung eines WLAN-Zugangs reicht der eigene Router nicht aus. Besitzt man ein Gerät von Buffalo oder Linksys[10], kann man es mit einem speziellen Firmware-Upgrade Fon-kompatibel machen. Ansonsten bleibt nur die Anschaffung des "La Fonera+"-Routers[11], der 43,06 Euro kostet.
Öffentliche Verbindungen mit Fon-Hotspots sind grundsätzlich unverschlüsselt. Wer im Falle problematischer Downloads haftet und ob die Authentifizierung des Nutzers ausreicht, ist bislang nicht zweifelsfrei geklärt.
Sofanet[2] setzt einen Anschluss voraus, der auf Telekom-Technik basiert. Der Dienst funktioniert auch mit den Zugängen von Resellern wie 1&1. Aus technischer Sicht gibt es einige Unterschiede zu Fon: Der Betreiber muss über zwei WLAN-Router verfügen, wovon dann einer für das Sharing der Verbindung genutzt wird.
Das Unternehmen stellt für den WLAN-Router eine DSL-Kennung sowie eine IP bereit, über die Mitsurfer aufs Internet zugreifen. Damit ist auch die Haftungsfrage für den Hotspot-Betreiber geklärt. Sämtliche Verbindungen sind per VPN abgesichert. Die Funktionsweise erklärt der Anbieter auf seiner Website[12].
Wer einen Hotspot betreibt, der mehr als 95 Prozent der Zeit aktiv ist, erhält monatlich 1 GByte Freivolumen an allen Sofanet-Einwahlpunkten. Alles, was darüber hinausgeht, wird nach den Mitsurfer-Tarifen abgerechnet. Der Schnupper-Tarif mit 500 MByte Inklusivvolumen kostet zwischen 1 und 2,50 Euro (gilt 24 Stunden). Für den Drei-Monats-Tarif mit 6 GByte Volumen werden zwischen 15 und 37,50 Euro fällig. Da der Anbieter eines Hotspots die Preise abhängig von seinen Margenvorstellungen selbst festlegen kann, sind keine genauen Preisangaben möglich.
Im Gegensatz zu Fon und Sofanet handelt es sich bei Freifunk[3] um ein nicht kommerzielles Angebot. Ziel ist laut Website die "Demokratisierung der Kommunikationsmedien und die Förderung lokaler Sozialstrukturen durch freie Netzwerke". Die Teilnahme an Freifunk ist an keinerlei Bedingungen geknüpft. Der Zugang kostet auch dann nichts, wenn man selbst keinen Hotspot betreibt.
Auch in technischer Hinsicht geht Freifunk andere Wege: Statt einzelne Internetzugänge über Hotspots verfügbar zu machen, werden die Ressourcen zu einem vermaschten Netz[13] zusammengefasst. Den organisatorischen Rahmen bildet das Picopeering Agreement[14].
Die Übertragung zwischen den einzelnen Knoten erfolgt nach dem Peer-to-Peer[15]-Verfahren. Das gewährleistet eine große Netzabdeckung sowie eine hohe Ausfallsicherheit. Der Nachteil ist, dass neben einer speziellen Firmware für WLAN-Router (Freifunk empfiehlt den Linksys WRT54GL[16]) auch zur Einbindung von Notebooks und PCs eine Software benötigt wird. Beides steht auf der Website zum Download[17]. Die rechtlichen Grundlagen bei missbräuchlicher Nutzung sind noch ungeklärt.
Fazit
Die drei vorgestellten WLAN-Communities verfolgen technisch und organisatorisch unterschiedliche Ansätze. Daher sollte man sich die Angebote genau ansehen, bevor man sich für die Teilnahme entscheidet. Für Anwender, die nur online gehen möchten, lohnt sich ein Blick auf die Hotspot-Angebote der großen Provider. In einigen DSL-Komplettpaketen ist die Hotspot-Nutzung bereits enthalten.
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