Google Text & Tabellen: Das Online-Büro im Praxistest

(http://www.zdnet.de/magazin/39158010/google-text-tabellen-das-online-buero-im-praxistest.htm)

von Joachim Kaufmann, 2. Oktober 2007

Browser öffnen, einloggen, fertig. Mehr ist nicht notwendig, um mit Google Text & Tabellen typische Büro-Aufgaben erledigen zu können. ZDNet hat getestet, was der Dienst leistet.

Google[1] will mit Text & Tabellen[2] den Markt für Office-Lösungen aufmischen. Im Gegensatz zu Microsoft setzt das Unternehmen aber auf eine webbasierte Lösung, die ohne Installation auskommt und einfach im Browser ausgeführt wird. Neben Textverarbeitung und Tabellenkalkulation verfügt Text & Tabellen inzwischen auch über ein Präsentationsmodul. Der deutsche Markenname spiegelt diese Erweiterung noch nicht wieder, die englischsprachige Version heißt aus Gründen der Einfachheit ab sofort Google Docs. Was der seit wenigen Wochen auch komplett in deutscher Sprache erhältliche Dienst leistet, zeigt der ZDNet-Test.

Anm. d. Red.: Das Video wurde kurz vor der Vorstellung des Präsentationsmoduls gedreht - dieses ist daher nicht zu sehen.

Zur Nutzung von Google Text & Tabellen ist ein kostenloses Google-Konto notwendig, das auch als Eintrittskarte zu anderen Diensten des Unternehmens funktioniert. Nach dem Login zeigt sich die Oberfläche in Google-Manier: aufgeräumt, aber nicht gerade ästhetisch. Gleich auf der ersten Seite sieht man den ersten großen Unterschied zu einer klassischen Office-Suite: Google Text & Tabellen ist darauf ausgelegt, die erstellten Dokumente online zu speichern und zu organisieren. Zwar ist es auch möglich, sie in ein bestimmtes Format zu exportieren und auf der Festplatte abzulegen, doch dann hat man keine Lösung mehr wie aus einem Guss. Weder die integrierte Suche noch die Organisation sind dann noch möglich.

Google Text & Tabellen
Google Text & Tabellen speichert Dokumente online und ermöglicht ihre Organisation (Bild: Google).

Über eine Baumstruktur auf der linken Seite können Texte, Tabellen und Präsentationen per Drag-and-Drop in Ordner sortiert oder auf Basis bestimmter Kriterien wie Dokumenttyp angezeigt werden. Wie man es von Google erwartet, ist auch eine leistungsfähige Suche integriert, die während der Eingabe Vorschläge unterbreitet. Das Organisieren von Dokumenten funktioniert in der Praxis problemlos. Man lernt auch schnell zu schätzen, dass der Zugriff von jedem PC mit Internetzugang möglich ist.

Google Text und Tabellen ermöglicht das Hochladen bestehender Dokumente von der Festplatte. Es unterstützt die Formate .HTML, .TXT, .DOC, .RTF, .ODT, .SXW, .PPT, .PPS, .CSV, .XLS und .ODS. Lediglich mit Office-2007-Dokumenten kann der Dienst noch nichts anfangen. Wenn das Format aber tatsächlich so offen ist wie Microsoft behauptet, sollte es bis zur Implementierung nicht mehr lange dauern. Anstatt per Upload können Dokumente als E-Mail-Anhang an Text und Tabellen übermittelt werden. Google stellt dazu eine E-Mail-Adresse bereit. Zur Bearbeitung eines Dokuments öffnet Google Text & Tabellen ein neues Browser-Fenster. Interessant ist, dass die Bedienung der von Office 2007 ähnelt: So gibt es mit Datei nur ein Drop-Down-Menü, alle anderen Funktionen sind thematisch gruppiert und werden über Tabs angesteuert. Die Module Tabellenkalkulation und Präsentation funktionieren genauso.

Irritierend ist allerdings, dass der Dienst keine unterschiedlichen Ansichten ermöglicht und der Text immer über die gesamte Breite des Fensters fließt. Wenn üblicherweise mit der Seitenansicht arbeitet, muss sich umstellen. Zwei Funktionen, die viele Anwender wahrscheinlich häufig nutzen, hat die Textverarbeitung nicht: So gibt es keine Möglichkeit, Kopf- und Fußzeilen anzulegen. Außerdem sind keine Lineale verfügbar, um beispielsweise die Adresse für das Sichtfenster eines Briefs gezielt zu positionieren. Hier arbeitet man dann eher nach dem Trial-and-Error-Prinzip. Ein Inhaltsverzeichnis ist nicht generierbar.

Drei Module
Anders als es der Name vermuten lässt, bietet Google Text & Tabellen drei Module: Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationsprogramm (Bild: Google).

Negativ fällt auch auf, dass die Rechtschreibprüfung nicht ständig im Hintergrund mitläuft, sondern immer per Mausklick angestoßen werden muss. Über einen Button ist es möglich, auf den einem Dokument zugrundliegenden HTML-Code zuzugreifen und ihn zu modifizieren. Das schafft – HTML-Kenntnisse vorausgesetzt – umfangreiche Gestaltungsmöglichkeiten. Über das Datei-Menü lassen sich Dokumente in mehrere Formate (.TXT, .PDF, .DOC, .HTML) exportieren und auf Festplatte speichern. Insgesamt erinnert die Lösung eher an einen Editor als an eine Textverarbeitung.

Viele Anwender nutzen ein Tebellenkalkulationsprogramm eher als Textverarbeitung mit vordefiniertem Raster. Wenn wirklich gerechnet wird, sind es meist relativ einfache Kalkulationen. Daher dürfte der Service die Ansprüche der meisten abdecken.

Neben grundlegenden Funktionen zum Erstellen und Formatieren einer Tabelle bietet Google Text & Tabellen eine relativ umfangreiche Formelsammlung. Außerdem können mehrere Tabellenblätter angelegt und der Datenbestand sortiert werden. Sogar die Erstellung von Diagrammen ist möglich. Es stehen fünf verschiedene Diagrammtypen mit mehreren Unterkategorien zur Verfügung. Derzeit lassen sich weder Tabellen noch Diagramme in die Textverarbeitung übernehmen.

Die Präsentationslösung ist die neueste Komponente von Google Text & Tabellen. Im Vergleich zu den anderen Modulen ist der Funktionsumfang aber relativ gering. Zwar kann man wie erwartet einzelne Folien anlegen und ihren Inhalt mit Textboxen und Bildern gestalten. Damit sind die Möglichkeiten aber schon weitgehend erschöpft. Weder einzelne Elemente auf den Folien noch deren Übergang kann animiert werden – was manchen ganz Recht sein dürfte.

Es gibt 15 Designvorlagen, bei deren Gestaltung sich Google offenbar von Microsoft hat inspirieren lassen: Sie sind genauso unattraktiv wie die in Powerpoint. Es können keine eigenen Stilvorlagen angelegt werden.

Zum Vortrag der Bildschirmpräsentation öffnet der Dienst ein Browser-Fenster in der maximal möglichen Größe. Beim Internet Explorer 7 bleibt beispielsweise immer noch eine Adressleiste und ein Rahmen. Das stört Optik und Aufmerksamkeit.

Da das Web die Plattform für Google Text & Tabellen ist, gehört die elektronische Veröffentlichung von Dokumenten und die gemeinsame Bearbeitung zu den Paradedisziplinen der Suite. Dateien müssen nicht erst irgendwohin gespeichert werden – sie sind schon da.

Die Veröffentlichung erfolgt über den Tab Veröffentlichen. Über die dargestellte URL kann jeder Internet-Nutzer darauf zugreifen. Um gemeinsam an einer Textdatei, Tabelle oder Präsentation zu arbeiten, müssen andere Nutzer per E-Mail dazu eingeladen werden. Das funktioniert in der Praxis ohne Schwierigkeiten.

Zu den Stärken von Google Text & Tabellen gehört die Zusammenarbeit mit anderen Anwendern (Bild: Google).

Sämtliche Änderungen jedes Nutzers werden mitgeloggt. Zu jedem Zeitpunkt kann eine bestimmte Version des Dokuments wiederhergestellt werden.

Nur die Tabellenkalkulation bietet die Möglichkeit, gleichzeitig eine Kalkulation zu bearbeiten. Über ein Chatfenster kann man sich verständigen. Die gerade gewählte Zelle des Gegenübers wird farblich markiert.

Obwohl man Desktop-Computing wahrlich nicht als ein neues Phänomen bezeichnen kann, ist man doch jedes Mal ein wenig überrascht, wenn die Aktualisierung einer Software problemlos über die Bühne geht. Der Charme von Online-Anwendungen ist, dass Anwender ohne langwierige Update-Prozeduren von neuen Funktionen profitieren können. Beim nächsten Login stehen sie zur Verfügung.

Da der Funktionsumfang von Google Text & Tabellen noch vergleichsweise gering ist, werden ständig neue Features hinzugefügt. Sie können auf einer Website[3] begutachtet werden. Die Textverarbeitung wird derzeit um Suchen und Ersetzen erweitert. Man kann also gespannt sein, was die Zukunft bringt.

Neben der Technik spielt bei einem Onlinedienst wie Google Text & Tabellen der Datenschutz eine entscheidende Rolle. Schließlich legt man seine Dokumente im Internet auf Servern ab, über die man keine Kontrolle hat. Die Lösung bietet in ihrer aktuellen Form keine Möglichkeit, Informationen verschlüsselt abzulegen.

Erst vor wenigen Wochen gab es Irritationen um die AGBs[4] für Text & Tabellen. Unter Punkt 11 Von Ihnen gewährte Lizenz für Inhalte heißt es: "Durch Übermittlung, Einstellung oder Darstellung der Inhalte gewähren Sie Google eine dauerhafte, unwiderrufliche, weltweite, kostenlose und nicht exklusive Lizenz zur Reproduktion, Anpassung, Modifikation, Übersetzung, Veröffentlichung, öffentlichen Wiedergabe oder öffentlichen Zugänglichmachung und Verbreitung der von Ihnen in oder durch die Services übermittelten, eingestellten oder dargestellten Inhalte. Diese Lizenz dient ausschließlich dem Zweck, Google in die Lage zu versetzen, die Services darzustellen, zu verbreiten und zu bewerben; sie kann für bestimmte Services, wie in den Zusatzbedingungen für die entsprechenden Services festgelegt, widerrufen werden."

In den englischsprachigen Versionen[5] schließt Google den Besitz oder die Kontrolle von Dokumenten, sofern sich nicht veröffentlicht werden und für alle zugänglich sind, eindeutig aus. Das hat Google-Sprecher Stefan Keuchel gegenüber mehreren Medien auch für die deutsche Version getan. Nur leider steht davon auch nach einigen Wochen nichts in den AGBs. Da Google mit Text & Tabellen relatives Neuland betritt, fällt eine Bewertung schwer. Niemand wird daran zweifeln, dass der Funktionsumfang bei weitem nicht auf dem Niveau von Desktop-Lösungen liegt. Es ist sicherlich nicht das Ziel von Google, die überfrachteten Multifunktionspakete ins Web zu übertragen, Features wie Kopf- und Fußzeilen fehlen in der Praxis aber eben doch. Das Unternehmen rüstet jedoch ständig neue Features nach, sodass die Kritik eher temporärer Natur sein könnte.

Schwerer wiegen da schon die AGBs mit ihren Nutzungsrechten für Dokumente. Hier sollte Google schnellstens nachbessern und auch für den deutschen Markt eine saubere und transparente Lösung finden. Der Anwender muss sich derweil über die Frage klar werden, ob er seine Dokumente überhaupt im Internet auf Servern speichern will, auf die er keinen Einfluss hat.

Google Text & Tabellen hat aber auch starke Seiten: So gewöhnt man sich schnell an die Möglichkeit, von jedem Rechner auf seine Dokumente zugreifen und sie bearbeiten zu können. Alte Abhängigkeiten von bestimmten Betriebssystemen sind damit hinfällig. Sehr gut an webbasierten Lösungen ist auch, dass Features ohne große Unterbrechungen des Arbeitsalltags ausgerollt werden können.

Der Eindruck von Google Texte & Tabellen ist daher zwiespältig. Teils starke Einschränkungen treffen auf großes Potential. Da der Dienst kostenlos ist, probiert man ihn am besten selbst aus.

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.google.de
[2] = http://www.google.com/google-d-s/hpp/hpp_de.html
[3] = http://www.google.com/google-d-s/whatsnew.html
[4] = http://www.google.com/google-d-s/intl/de/terms.html
[5] = http://www.google.com/google-d-s/intl/en/terms.html