Nach Handys, DECT-Telefonen, WLAN und UMTS hält eine weitere Strahlungsquelle Einzug in die Haushalte: der kabellose Internetzugang Wimax. Dabei ist völlig ungeklärt, in welchem Maße die zunehmende Strahlenbelastung unsere Gesundheit gefährdet.
Internet auch in ländlichen Gegenden, schnurlos und zu günstigen Preisen – das klingt zunächst gut. Wimax[1] heißt die neue Technik, die vor allem DSL Konkurrenz machen soll. Fünf Unternehmen schnappten sich vergangenes Jahr die deutschen Lizenzen, nun bauen sie nach und nach die Basisstationen auf. Diese schicken die Daten kilometerweit übers Land, und zwar in Form von hochfrequenten Mikrowellen, wie sie auch bei Handys, schnurlosen Telefonen, WLAN[2] und Bluetooth[3] zum Einsatz kommen. Mindestens eines dieser Geräte findet sich mittlerweile in beinahe jedem Haushalt, und mit jedem Jahr kommen neue hinzu. Marktforschern zufolge wurden allein 2006 weltweit knapp eine Milliarde Handys verkauft. Die Strahlenbelastung steigt kontinuierlich.
Menschen absorbieren die hochfrequenten Strahlen, nehmen sie also in sich auf. Dass die Strahlen das menschliche Gewebe erwärmen können, ist wissenschaftlich erwiesen. Das Ausmaß der Erwärmung hängt von der Frequenz und Intensität der Strahlung ab, aber auch von der Entfernung der Strahlenquelle und von der Art des Gewebes. Die gesetzlichen Grenzwerte werden als spezifische Absorptionsrate (SAR[4]) angegeben. Diese sagt aus, welche Strahlungsleistung in Watt der Körper je Kilogramm Gewicht absorbiert. Wirkt auf den gesamten Körper eine Strahlung mit einem SAR-Wert von 4 Watt pro Kilogramm ein, erhöht sich die Körpertemperatur um 1 Grad Celsius – ähnlich wie bei normaler körperlicher Tätigkeit.
In Deutschland liegt die SAR-Obergrenze bei 2 Watt pro Kilogramm über je 10 Gramm gemittelt. Das entspricht den Empfehlungen der internationalen Strahlenschutzkommission ICNIRP[5]. Bei ortsgebundenen Sendestationen wie Wimax und UMTS[6] werden die Grenzwerte auf Basis der Leistungsflussdichte festgelegt. Sie darf einen Wert von 10 Watt je Quadratmeter nicht überschreiten, bei GSM liegt der Wert noch etwas niedriger. Die meisten Geräte unterschreiten die Grenzwerte deutlich. Bei Handys beispielsweise sind SAR-Werte zwischen 0,2 und 1,3 Watt pro Kilogramm üblich. Modelle mit einem SAR-Wert unter 0,6 dürften sich sogar mit dem "blauen Umweltengel" schmücken. Die Hersteller verzichten bislang jedoch dankend darauf, wohl auch, um keine schlafenden Hunde zu wecken. Wie stark ein Handy strahlt, hängt auch vom aktuellen Empfang und der Netztechnik ab. GSM-Handys senden beim Verbindungsaufbau und beim Wechseln der Funkzelle mit höchstmöglicher Leistung und senken sie dann bis zur benötigten Menge. UMTS-Handys verhalten sich genau umgekehrt. Die meisten DECT[7]-Telefone hingegen strahlen immer mit maximaler Intensität, egal ob die Basisstation nur 10 Zentimeter oder 20 Meter entfernt ist (siehe "DECT-Telefone - die Dauerstrahler"). Dennoch unterschreiten auch sie die SAR-Grenzwerte bei weitem.
Heftig umstritten unter Wissenschaftlern ist jedoch die Aussagekraft der SAR-Grenzwerte, berücksichtigen diese doch lediglich die Wärmewirkung der Strahlen. Es fehlen Erkenntnisse, ob und ab welcher Dosis die hochfrequenten Strahlen weitere biologische Wirkungen aufweisen, zum Beispiel Zellschäden verursachen oder zumindest begünstigen und damit Krebs auslösen können. Anders als Medikamente werden elektronische Geräte vor der Markteinführung nicht auf langfristige gesundheitliche Folgen überprüft. Erst wenn die Wissenschaft im Nachhinein Alarm schlagen sollte, werden Verbote erlassen.
Studien ohne Ergebnisse
Unzählige Studien haben mittlerweile die möglichen Folgen der Strahlenbelastung untersucht. Das Fazit lautet seit Jahren gleich: Eine gesundheitliche Gefährdung kann weder wissenschaftlich belegt noch ausgeschlossen werden. Studien, die eindeutig in die eine oder andere Richtung zeigten, wiesen Mängel bei der Umsetzung auf oder hielten einer Überprüfung nicht stand. Die meisten Untersuchungen von Langzeit-Handy-Nutzern etwa kranken gleich an mehreren Details: Die Gruppen sind zu klein und nicht repräsentativ, die untersuchten Zeiträume noch zu kurz. Zudem werden die Teilnehmer meist nach ihrem früheren Telefonierverhalten befragt, die Daten basieren also auf bloßen Erinnerungen. Auch jüngste Studien aus Skandinavien haben mit diesem Problem zu kämpfen - was die Süddeutsche Zeitung nicht daran hinderte, im Januar plakativ "Handy können Krebs auslösen" zu titeln. Die an der Studie beteiligten Forscher dementierten das jedoch.
Aussagekräftige Studien müssten tausende Teilnehmer über einen Zeitraum von 20 Jahren hinweg begleiten und deren Telefonierverhalten ebenso regelmäßig dokumentieren wie andere Risikofaktoren, Rauchen zum Beispiel. Nur so wäre einigermaßen sicherzustellen, dass potentiell gehäuft auftretende Erkrankungen tatsächlich auf die Strahlenbelastung zurückzuführen sind – oder dass es umgekehrt tatsächlich ein Grund zur Entwarnung ist, wenn die Krankheiten ausbleiben. Solange solche eindeutigen Studienergebnisse fehlen, bleibt vorsichtigen Naturen nur eines: hochfrequente Strahlen nach Möglichkeit zu meiden. Diese Empfehlung spricht auch das Bundesamt für Strahlenschutz aus. Mikrowellen zählen zu den elektromagnetischen Wellen, ebenso wie zum Beispiel Radiowellen, Infrarotstrahlen, Licht, UV- und Röntgenstrahlen. Sie breiten sich mit Lichtgeschwindigkeit aus und übertragen über große Entfernungen hinweg Energie und damit Informationen. Jede Wellenart weist eine charakteristische Frequenz und Länge auf. Kurze Wellen haben eine höhere Frequenz, also mehr Schwingungen pro Sekunde, und mehr Energie. Mikrowellen erreichen eine Frequenz von bis zu 250 Gigahertz, schwingen also bis zu mehrere Milliarden Mal in jeder Sekunde. Dabei entsteht Wärme – ein Effekt, den sich der Mikrowellen-Herd zunutze macht. Seine Sendeleistung ist allerdings einige Hundert mal größer als die eines Handys oder WLAN-Routers.
Die Intensität oder Leistungsflussdichte der elektromagnetischen Strahlung hängt stark von der Entfernung zur Basisstation ab: Im freien Raum verringert sie sich jeweils auf ein Viertel, wenn sich der Abstand verdoppelt. Basisstation und Empfänger tauschen in der Regel nicht ununterbrochen Informationen aus. GSM-Handys zum Beispiel senden alle 4,62 Millisekunden jeweils ein Achtel der Zeit und pausieren dann die übrigen sieben Achtel. Man spricht dabei von gepulster Strahlung.
DECT-Telefone – die Dauerstrahler
Verglichen mit Handys haben DECT-Telefone gleich mehrere schlechte Angewohnheiten: Die Basisstation steht nicht einige Kilometer entfernt im Freien, sondern direkt in der Wohnung. Möglicherweise ist sie sogar in ein schnurgebundenes Komforttelefon integriert und strahlt deshalb mitten auf dem Schreibtisch. Basisstation und Mobilteil senden zudem mit voller Stärke, unabhängig von der Entfernung und selbst dann, wenn nicht telefoniert wird der Vorgänger-Standards CT1, CT1+ und CT2 strahlten nur während des Gesprächs. Als Nachteil der alten Standards wird häufig die mangelnde Abhörsicherheit angeführt. Schwerer wiegt aber die Tatsache, dass die alten CT-Modelle kaum mehr im Handel erhältlich sind und ihre Betriebserlaubnis Ende 2008 erlischt.
Das Bundesamt für Strahlenschutz forderte die Hersteller im vergangenen Jahr dazu auf, neue DECT-Telefone mit einer bedarfsgerechten Regelung der Sendeleistung zu entwickeln. ZDNet fragte bei den wichtigsten Herstellern nach, wie es um die Umsetzung steht – mit positivem Ergebnis: Immerhin reduzieren nun mehrere aktuelle Geräte die Strahlung, sobald das Mobilteil in der Ladeschale liegt. Voraussetzung ist, dass Sie nur ein einziges Mobilteil verwenden. Geräte mit diesem meist Eco-Modus genannten Merkmal gibt es unter anderem von AEG, AVM (Fritzfon 7150, jedoch nur nach Firmware-Update), DeTeWe, Hagenuk, Orchid, Siemens, Swissvoice und Topcom. Einige Modelle von AEG und der Deutschen Telekom sowie alle Orchid- und Siemens-Gigaset-Mobilteile senken zudem die Sendeleistung, wenn sich die Basisstation in der Nähe befindet. Eine echte bedarfsgerechte Regelung bietet bislang aber noch kein Gerät. Sinnvoll wäre außerdem, wenn sich der Eco-Modus auch mit mehren Mobilteilen nutzen ließe.
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