Vista Service Pack 1: Microsoft will zurück in die Erfolgsspur

(http://www.zdnet.de/magazin/39157519/vista-service-pack-1-microsoft-will-zurueck-in-die-erfolgsspur.htm)

von Ina Fried und Dietmar Müller, 10. September 2007

Ein Wehklagen ging durch die IT-Branche: Vista befeuerte den Absatz von PCs nur mäßig. Nun wurde das erste Update für die ersten drei Monate kommenden Jahres in Aussicht gestellt. Gelingt es Microsoft so, seinen verpatzten Start zu korrigieren?

Die IT-Branche zeigte sich bislang über Windows Vista[1] enttäuscht. Symptomatisch war das Wehklagen des Acer-Präsidenten Gianfranco Lanci. Er erklärte, noch nie zuvor in der Geschichte der PC-Branche habe eine Windows-Version den Absatz von Computern derart wenig angekurbelt. Zudem glaube er nicht, dass sich jemand wegen Vista einen neuen PC anschaffe. Microsoft hofft nun auf das erste Service Pack für Windows Vista. Das Update, das für das erste Quartal des kommenden Jahres in Aussicht gestellt wurde, könnte nämlich einen doppelten Zweck erfüllen: einige der verbliebenen "Unebenheiten" des Betriebssystems ausbügeln und gleichzeitig signalisieren, dass es für den allgemeinen Einsatz bereit ist.

Bisher hat Microsoft die Bedeutung von Service Packs heruntergespielt. Außerdem drängten die Redmonder Unternehmen dazu, mit dem Testen und dem Einsatz von Vista nicht bis zum Erscheinen eines Service Pack zu warten.

Nichtsdestotrotz erklärt Microsoft nun in seiner Ankündigung für das Service Pack 1, dass dieses für einige Unternehmen ein wichtiges Signal sein dürfte, dass Vista inzwischen ausgereift ist. Analysten hatten den Unternehmen immer wieder dazu geraten, mit dem Einsatz von Vista noch zu warten, bis das erste Service Pack herauskomme. "Es gibt einen Teil des Marktes, der immer so vorgeht", beschwichtigt Shanen Boettcher, Manager des Windows-Bereichs. "Ich rechne damit, dass wir zumindest einen geringen Anstieg bei der Nutzung von Vista erleben werden."

Genau genommen hatte Microsoft nach eigenen Angaben erwartet, dass Unternehmen in den ersten zwölf Monaten doppelt so schnell auf Vista umsteigen würden, als sie dies bei XP getan hatten. IDC-Analyst Al Gillen berichtet allerdings, dass die Unternehmen sich nicht sonderlich beeilen: "Nach dem, was wir beobachten können, verläuft die Akzeptanzkurve im Wesentlichen so wie bei früheren Versionen."

Zum Teil liege das daran, dass der Wechsel des Betriebssystems mit erheblichem Aufwand verbunden sei. Unternehmen müssten es mit jeder selbst erstellten oder gekauften Software testen, Sicherheitsüberprüfungen durchführen, sicherstellen, dass ausreichende Rechner zur Verfügung stünden, auf denen das neue Betriebssystem auch läuft, und Geld für Hardware, Software, Schulungen und Support bereitstellen. "Das führt dazu, dass die Kunden ziemlich zögerlich vorgehen", so Gillen.

Die meisten Unternehmen setzen Vista noch immer nicht in größeren Stückzahlen ein, aber Microsoft geht damit hausieren, dass einige große Firmen das neue Betriebssystem bereits auf einer größeren Zahl von PCs verwenden. Infosys hat Vista inzwischen auf 4000 PCs installiert, 20.000 sind bis Ende des Jahres geplant. Citigroup, Charter Communications und Continental Airlines haben alle mehr als 2000 Vista-Rechner im Einsatz und planen 10.000 PCs mit Vista bis Ende des Jahres. ZDNet hat sich zudem bei deutschen Großkunden umgehört[2] und mit der Heidelberger Druckmaschinen AG einen nach eigener Auskunft begeisterten Vista-Kunden gefunden.

"Es gibt ein paar Vorreiter, die Microsoft natürlich gerne präsentiert", sagt Gillen. "Aber das ist eher die Ausnahme und nicht die Regel." Boettcher gibt an, dass die Akzeptanzrate bei den Unternehmen "bislang den Erwartungen entspricht". Was das Ziel betrifft, die Geschwindigkeit der Einführung zu verdoppeln, meint er: "Es ist noch zu früh, von Erfolg zu sprechen. Aber alle Zeichen deuten darauf hin, dass wir unsere Vorgaben gut umsetzen."

Nach Meinung von Gillen dürfte das Timing des Service Pack eher keine großen Auswirkungen darauf haben, wann Unternehmen zu Vista wechseln. "Wenn Microsoft SP1 in den ersten drei bis sechs Monaten nach der Markteinführung herausgebracht hätte, hätte das wahrscheinlich die Akzeptanz nicht besonders gesteigert."

Ob es das Service Pack 1 aber schaffen wird, das allgemeine Vorurteil zu zerstreuen, dass das Betriebssystem immer noch zu viele Macken und Fehler hat? Selbst anfangs noch eifrige Verfechter von Vista geben inzwischen zu, dass es noch einige Problemzonen gibt. In der Kritik standen besonders die Treiberunterstützung und die Kompatibilität zu vorhandener Software.

Das Unternehmen selbst gibt offen zu, dass die Einführung von Vista unter keinem so guten Stern stand wie die von Windows 95 – was man offensichtlich gehofft hatte. "Offen gesagt war die Welt noch nicht vollständig bereit für Windows Vista", gab Corporate Vice President Mike Sievert in einem Interview auf Microsofts Partnerkonferenz in Denver zu. "Das hat sich aber in den vergangenen sechs Monaten erheblich geändert."

Gillen sagt, es sei gut, dass Microsoft auch schon einen Termin für Windows XP Service Pack 3 genannt habe: Es soll in der ersten Hälfte des nächsten Jahres herauskommen. "Das ist immerhin ein Indiz dafür, dass Microsoft nicht ganz so offensichtlich versucht, die Kunden zu einem Wechsel zu Vista zu zwingen."

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[1] = http://www.zdnet.de/enterprise/os/vista/
[2] = http://www.zdnet.de/itmanager/strategie/0,39023331,39156726,00.htm