Nach monatelangem Schweigen hat Microsoft jetzt den Fahrplan für das Windows Vista Service Pack 1 bekannt gegeben. ZDNet erklärt, welche Verbesserungen und Neuerungen das bis zu 1 GByte große Update mitbringt.
Der 8. November 2006 markierte das Ende einer Odyssee: Mit dem Blog-Eintrag "It's time"[1] erklärte der inzwischen ausgeschiedene Microsoft-Manager Jim Allchin die Entwicklung von Windows Vista[2] für abgeschlossen. Ende Januar 2007 kam der XP-Nachfolger dann für Endkunden auf den Markt.
Zwar sind die Erfahrungen mit dem System individuell unterschiedlich und abhängig von der eingesetzten Hard- und Software, als eines der problemloseren Updates wird Windows Vista aber wohl nicht in die IT-Geschichte eingehen. Vista-Nutzer der ersten Stunde müssen sich unter anderem mit fehlerhaften Treibern (für einige Geräte sind auch keine vorhanden), Inkompatibilitäten zu wichtigen Applikationen, instabilen Netzwerkverbindungen und Performanceproblemen herumschlagen. Mit einer Vielzahl kleinerer und größerer Updates[3] haben die Redmonder bereits gegengesteuert. Die Anstrengungen waren aber nicht ausreichend.
Um den erwünschten Rollout in Unternehmen nicht zu gefährden, hat Microsoft bislang mit Nachdruck versucht, Diskussionen über die Veröffentlichung eines Service Pack zu unterbinden. Die versehentliche Erwähnung auf eigenen Websites wurde gar als Schreibfehler tituliert. Der Softwarehersteller wollte so den Eindruck erwecken, dass ein Update des neuen Flaggschiffs nicht notwendig sei. Trotzdem ist es unter IT-Verantwortlichen ein ungeschriebenes Gesetz, ein neues Betriebssystem nicht vor dem ersten großen Patch einzusetzen - zu Recht, wie sich auch in diesem Fall herausgestellt hat. Entsprechend gering ist die Zahl der umgestiegenen Firmen[4].
Nach monatelanger Zwangspause hat Microsoft das Windows Vista Service Pack 1 jetzt offiziell angekündigt[5] und den Schleier rund um das ungeliebte Thema gelüftet. ZDNet zeigt, was der Softwarehersteller vorhat.Ein Whitepaper zum Service Pack 1[6] macht deutlich, was Microsoft für das erste große Vista-Update plant. Im Mittelpunkt stehen Verbesserungen in den Bereichen Leistung, Zuverlässigkeit, Sicherheit und Administration sowie die Unterstützung neuerer Hard- und Software-Standards. Wer auf die Einführung bahnbrechender neuer Features gehofft hat, wird enttäuscht.
Das Service Pack 1 soll alle bislang veröffentlichten Patches enthalten. Außerdem kündigt Microsoft folgende Änderungen an:
Sicherheit
- Security-Software von Drittanbietern wie McAfee und Symantec soll besser mit dem Sicherheitscenter zusammenarbeiten. Zudem soll es sich leichter durch alternative Lösungen ersetzen lassen.
- Neue APIs für das im 64-Bit-Vista[7] enthaltene Patchguard. Damit können Lösungen von ISVs laut Microsoft besser auf den Kernel zugreifen können, ohne die Sicherheit zu beeinträchigen.
- Änderungen am Remote Desktop Protocol.
- Erweiterung von Bitlocker um eine mehrstufige Authentifizierung. Zum Start eines Systems sind dann neben dem Schlüssel auf dem TPM-Chip ein weiterer auf einem USB-Stick sowie eine PIN notwendig.
Zuverlässigkeit
- Verbesserte Zusammenarbeit mit neueren Grafikkarten in bestimmten Szenarien.
- Verbesserte Zuverlässigkeit von Notebooks bei der Nutzung externer Displays.
- Verbesserte Zuverlässigkeit des Netzwerkfunktionen.
- Verbesserte Zuverlässigleit von Systemen, die über ein bestehendes XP installiert werden.
- Verbesserte Kompatibilität mit Druckertreibern.
- Höhere Zuverlässigkeit und Performance beim Wechsel in den Engergiespar- und Hibernate-Modus.
Performance
- Schnelleres Kopieren und Entpacken von Dateien.
- Schnelleres Aktivwerden nach dem Wechsel aus dem Energiespar- und Hibernate-Modus.
- Höhere Arbeitsgeschwindigkeit von PCs in Domänen-basierten Netzwerken. Derzeit kann es beispielsweise beim Öffnen der Datei-Dialogbox zu Verzögerungen kommen.
- Erhöhte Performance des Internet Explorer 7. Verringerte CPU-Belastung bei der Ausführung von Javascript.
- Erhöhung der Batterielaufzeiten durch seltenere Refreshs des Screens.
- Keine Wartezeit mehr zwischen der Betätigung von STRG+ALT+ENTF und der Anzeige der Login-Maske.
- Schnelleres Durchsuchen von Netzlaufwerken bei verringerter Netzlast.
- Bitlocker verschlüsselt auf Wunsch künftig alle Partitionen, nicht nur die des Betriebssystems.
- Probleme beim Druck aus einer Windows Terminal Services Session sollen beseitigt werden.
- Die Netzwerkdiagnose soll künftig auch mögliche Probleme beim Tausch von Dateien erkennen und bei deren Lösung behilflich sein.
- Admins sollen kontrollieren können, welche Laufwerken defragmentiert werden.
- Neue Tools zur Verwaltung der Gruppenrichtlinien.
Mit dem Service Pack 1 will Microsoft neue Hard- und Software-Standards unterstützen:
- Extended File Allocation Table[8] (Ex-FAT), ein Dateisystem für Flash-Speicherkarten.
- Advanced Direct Memory Access, um die Übertragungsgeschwindigkeit beim Zugriff auf SD-Karten zu erhöhen und die CPU-Auslastung zu verringern. Dazu ist jedoch ein kompatibler Controller notwendig.
- Booten übers Netzwerk auf Extensible Firmware Interface [9]-basierten (EFI) x64-Systemen.
- DirectX 10.1.
- SSTP[10].
Microsoft weist im Whitepaper darauf hin, dass das Service Pack 1 für Vista nicht mit dem Service Pack 2 für XP zu vergleichen ist. Letzteres hat für die Beseitigung schwerer Sicherheitsmängel einen Bruch der Kompatibilität zu bestimmten Anwendungen in Kauf genommen. Aufgrund einer Vielzahl von Änderungen wird aber wohl auch das Vista-Update kein einfacher Rollout.
Die Standard-Version mit allen Features und Sprachen soll 1 GByte (x86) groß sein. Für die Installation sind auf der Betriebssystem-Partition 7 GByte (x86) beziehungsweise 12 GByte (x64) freier Speicher notwendig. Das Service Pack 1 soll viele Dateien aus dem kommenden Windows Server 2008 enthalten und damit von den Weiterentwicklungen profitieren. Ob, wie in der Vergangenheit angekündigt, auch der Kernel getauscht wird, ist derzeit nicht bekannt. Das Whitepaper geht darauf nicht ein.
Die Verteilung der Service Pack 1 soll auf drei Arten erfolgen: Express lädt nur die für den jeweiligen PC benötigten Dateien aus dem Netz (circa 50 MByte für x86). Die Standalone-Version enthält dagegen alle neuen Dateien in allen Sprachen und eignet sich für die Installation mehrerer PCs im Netz (circa 1 GByte für x86). Die Slipstream-Version von Vista enthält den neuen Code und macht ein separates Setup überflüssig. Sie soll später im Handel zu finden sein und Volumenlizenzkunden zur Verfügung stehen. Microsoft will eine Beta des Service Pack 1 für Windows Vista in den nächsten Wochen zum öffentlichen Download anbieten. Eine Vorabversion ist bereits in den Händen von Testern. Die Final der Software hat der Hersteller für das erste Quartal 2008 angekündigt.
Die Liste der geplanten Änderungen zeigt, dass es beim Service Pack 1 hauptsächlich um die Verbesserung der bestehenden Codebasis geht. Im nächsten Jahr soll aber auch eine neue Version der Media-Center-Oberfläche erscheinen, die Teil der Vista-Versionen[11] Home Premium und Ultimate ist. Der genaue Zeitpunkt sowie weiteren Features sind derzeit aber nicht bekannt.
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