Die Manager in Redmond wissen natürlich um diese Gefahr und haben vorgesorgt. Längst haken sie sich auf zwei Wegen im Rechenzentrum fest. Das sind zum einen System-Management-Werkzeuge jeder Art, zum anderen die Positionierung von Büroapplikationen als Frontend-Tool für Unternehmensanwendungen. Beispiele sind die Tabellenkalkulation Excel für Business-Intelligence-Funktionen oder das E-Mail-Programm Outlook für Kundenmanagement.
Aktueller Dauerbrenner ist die seit Jahren beworbene, und derzeit für 2008 angekündigte Duet-Software, die eine Brücke zwischen MS-Office und SAPs Bertriebswirtschafts-Paketen schlagen soll. Wäre Duet vor Vista eingeführt worden, gäbe es jetzt möglicherweise für viele SAP-Anwender (und das sind hier zu Lande fast alle Großunternehmen) keinen Weg mehr weg von Microsoft. Noch aber können die SAP-Anwender wählen.
Kurz: Microsoft ist mit Vista und der aktuellen Office-Version ein hohes Risiko eingegangen. Der Konzern spekuliert darauf, dass alles so verlaufen wird wie immer, sprich die Einkäufer vorsichtshalber weiter beim Marktführer ordern und Anwender wie Administratoren sich langsam so sehr an die neuen Probleme gewöhnen, dass sie sie für Features halten.
Derartige Hochnäsigkeit ließ schon einmal einen IT-Marktführer tief stürzen. Auch Big Blue hatte Anfang der 90er Jahre geglaubt, die Anwenderunternehmen wären bereit, ihre IT in alle Ewigkeit auf proprietäre IBM-Standards zu konsolidieren. Damals schwenkte die Kundschaft auf die plattformoffenen Unix-Systeme ein. Die Alternativen zu Microsoft heißen heute Linux und Open Source.

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