Vor Analysten hat der Microsoft-CEO Steve Ballmer jetzt seine Erfolgsstrategie dargelegt. Seine Hauptziele sind Online-Dienste und Verbraucherelektronik. Unterstützung bekam er erwartungsgemäß von Bill Gates.
Das weltgrößte Software-Unternehmen Microsoft[1] hat an seinem Hauptsitz in Redmond, Washington, seinen jährlichen Financial Analysts Day abgehalten. Zu dieser Gelegenheit referiert CEO Steve Ballmer regelmäßig über die Strategie, mit der Microsofts seine historisch hohen Wachstumsraten auch in Zukunft zu erreichen gedenkt. Diesmal erklärte er, dass man stark auf verschiedene neue Märkte setzen werde. Hauptziel: Online-Dienste und Verbraucherelektronik. Gleichzeitig wolle man mehr Umsätze mit den etablierten Bereichen Desktop- und Server-Software erwirtschaften.
Microsoft orientiere seine Produktentwicklung und seine Geschäftsmodelle nun in Richtung "Software plus Services", sagte Ballmer - womit er den von Online-Dienste und Verbraucherelektronik Salesforce.com[2] geprägten Slogan von "Software as a Service" (SaaS[3]) konterkarierte. Der CEO führte aus, er meine damit Software, die durch Online-Dienste ergänzt werde.
Das Unternehmen war im Vorfeld der Konferenz von Finanzanalysten kritisiert worden, weil es nur langsam Profite aus Werbeumsätzen zu ziehen beginnt. Konkurrenten wie der Suchmaschinengigant Google[4] hatten dies erfolgreich vorgemacht. "Wir sind wild entschlossen, das Talent, die Mittel, das Geld und die Innovation einzusetzen, die nötig sind, um einen Platz unter den Großen im Werbegeschäft einzunehmen", sagte Ballmer.
Unterstützung erhielt Ballmer von Unternehmensgründer Bill Gates. Dieser hielt vor ihm einen Vortrag. Darin kündigte er an, dass Microsoft ein Internet Services Research Center genanntes Zentrum eröffnen werde. Dieses soll sich ausschließlich mit Online-Werbung und -Suche befassen. Unter der Leitung von Harry Shum werde sich die Arbeit des Zentrums auf Suchrelevanz, Spam-Vorbeugung und die Suche nach gescannten Bildern - zum Beispiel Buchseiten - konzentrieren.
Er führte aus, dass es Microsoft gewohnt sei, Veränderungen in der Technologie frontal anzugehen. Konkret bezog er sich dabei auf den Trend zu werbefinanzierten Web-Diensten. Man müsse sich vorrangig auf Online-Dienste und Verbrauchergeräte konzentrieren, da durch sie der Software des Unternehmens der Weg bereitet werde. Die hohen Investitionen in zwei unprofitable Bereiche - besagte Online-Services sowie den Bereich Entertainment and Devices - verteidigte er.
Microsofts mehrjähriges Engagement bei der Serversoftware für Unternehmens-Rechenzentren habe das Spektrum des Unternehmens erweitert und die Grundlage für Einnahmen in Höhe von mehreren Milliarden Dollar geschaffen. Diese Strategie sei auch künftig erfolgversprechend: "Wir bringen dieselbe Mixtur aus Vision und Hartnäckigkeit, die in unseren DNA (Distributed Internet Applications[5]) steckt - die uns ja ins Unternehmensgeschäft gebracht haben -, in die Bereiche Verbrauchergeräte und Online-Dienste", sagte Ballmer. "Wir werden eine Werbeagentur sein und ein Gerätehersteller."
Selbst angesichts der starken Leistung im Finanzjahr 2007, so Ballmer, sei er "nie optimistischer gewesen", was die Aussichten von Microsoft betreffe. Er umriss Bereiche, in denen höhere Umsätze erreicht werden sollen. Dazu zählte ein verstärkter Absatz von Windows über PC-Hersteller, Xbox-Spielekonsolen, Windows-Mobile-Telefonsoftware, ein größerer Marktanteil im Bereich Serversoftware, Büroproduktivitätssoftware für kleine und mittlere Unternehmen sowie Werbeeinnahmen aus den Online-Diensten.
Kürzlich hatte Microsoft mitgeteilt, dass man Windows Vista seit der Einführung des Produkts Anfang des Jahres 60 Millionen Mal verkauft habe. Das Volumen der Portalgeschäfte mit Sharepoint Web sei auf 800 Millionen Dollar angewachsen. Ballmer führte aus, dass bis zum Ende des Steuerjahres 2008 Windows auf über einer Milliarde PCs installiert sein werde.
Von diesen PCs aus will Microsoft nun endgültig den erfolgreichen Sprung ins Internet schaffen. Dazu muss man die Webentwickler und -designer umwerben. Dazu hat Microsoft gerade den Silverlight[6] 1.0 Release Candidate veröffentlicht. Silverlight kann aus dem Netz heruntergeladen werden und ist ein Programm, mit dem Medieninhalte und interaktive Inhalte auf Webseiten angezeigt werden. Es ist als Konkurrenz zu Flash und anderen Plugins aufgestellt, die auf Websites für Interaktivität sorgen.
In seinem Vortrag beschrieb Gates das "Cloud OS[7]"-Projekt. Er sagte, dass die Verbreitung von Breitband-Anschlüssen es den Technikern von Microsoft erlaube, das EDV-Modell neu zu denken. Ressourcen, die sich normalerweise auf einem einzelnen Rechner befinden, zum Beispiel der Speicher, könnten so in die Internet-"Wolke" verlegt werden.
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