Billiger geht's nicht: Kostenlose Navigationssoftware fürs Handy

(http://www.zdnet.de/magazin/39156964/billiger-geht-s-nicht-kostenlose-navigationssoftware-fuers-handy.htm)

von Yvonne Göpfert, 10. August 2007

Navigationsgeräte fürs Auto sind schön und gut, aber nicht immer handlich. Wer wirklich mobil sein will, baut besser sein Handy zum Lotsen um. ZDNet hat die populärsten Navigationslösungen für Handys unter die Lupe genommen.

Hard- und Software-Hersteller sowie Dienstanbieter sind sich einig: Das Geschäft mit der Navigation wächst prächtig, Marktforscher sagen für die nächsten Jahre ein riesiges Umsatzpotenzial voraus. Dabei gibt es verschiedene Geschäftsmodelle: Zum einen soll der Verkauf von Software Geld einbringen, zum anderen denken vor allem die Dienstanbieter über werbefinanzierte Erlöse nach.

Derzeit dominiert die erste Variante den Markt, nur ganz wenige Anbieter liefern die Software bislang gratis aufs Handy. Doch Google, Microsoft und Yahoo streben mit ihrer Werbung auf die Mobiltelefone, und gerade Navigationssysteme bieten eine prima Werbfläche für Restaurants, Hotels oder Vergnügungsparks. Daher gibt es durchaus Überlegungen, das Kartenmaterial kostenlos anzubieten, um Nutzer zu gewinnen, an die sich bedarfsgerechte Werbung ausliefern lässt. Um die Hemmschwelle niedrig zu halten, stellen Anbieter wie Das Örtliche die Software gratis zur Verfügung. Das einzige, was der Nutzer sich separat anschaffen muss ist eine GPS-Maus, sofern das eigene Handy kein integriertes Lotsen-Modul hat.

Neben Das Örtliche bieten auch Wayfinder, Navigon und Nav4all kostenlose Navigationssoftware für das Handy an. Die Systeme sind allesamt Offboard-Systeme, das heißt, die Karten liegen auf einem zentralen Server, nicht auf dem Mobiltelefon. Dies bringt zwei Vorteile mit sich: Zum einen braucht die Software kaum Speicherplatz auf dem Handy, zum anderen sind die Karten immer aktuell. Die Mobilfunkbetreiber berechnen allerdings das Datenvolumen für die Auslieferung der Route aufs Handy. Doch dabei handelt es sich, je nachdem wie oft die Karte aktualisiert wird, um Beträge im Cent-Bereich. ZDNet stellt auf den folgenden Seiten vier kostenlose Navigationssysteme vor. Wayfinder erinnert ein wenig an Google Maps. In 3D zeigt es die Weltkugel an, der Nutzer legt einen Ort oder eine Straße fest, in die das System direkt hineinzoomt. Auf Wunsch präsentiert es die in der Umgebung gelegenen Bars, Restaurants, Hotels und Museen. Natürlich kann der Anwender auch direkt eine Adresse eingeben, und das Navi zeigt den Fleck auf der Karte an. Alle Orte lassen sich dabei auch als Favoriten abspeichern. Das Kartenmaterial stammt von Teleatlas.

Als hübsche Zusatz-Gimmicks hat Wayfinder einen Währungsrechner, ein Verzeichnis der öffentlichen Verkehrsmittel für verschiedene Länder und einen Wetterdienst integriert. Um diese Infos abzurufen, muss der Nutzer allerdings eine Verbindung ins Internet herstellen.

Screenshot Wayfinder Straßenansicht mit dem Wayfinder Earth.
Weniger schön: Für die Routenberechnung sowie für die Sprachausgabe der Fahranweisungen muss der Anwender nachrüsten. Erst dann kann er sich auf dem schnellsten oder dem kürzesten Weg von A nach B lotsen lassen. Die Aufrüstung für Routenführung kostet 4,95 Euro und ist im Mobil-Shop[1] unter Wayfinder Earth zu finden. Einmal aufgerüstet funktioniert das System jedoch fast so, wie man es von Tomtom, Garmin und Co kennt: Es können Start- und Zielort einer Route festgelegt oder mit Hilfe der eingebauten Suchfunktion ermittelt werden. Der gewünschte Ort lässt sich als Start- oder Zielort festlegen.

Der Weg wird in der Kartenansicht als rote Linie, der Startort als Dreieck und der Zielort als Zielfahne gezeigt. Die Zielansicht zeigt die geschätzte Ankunftszeit. Für den Traffic fallen in der Wegweiseransicht etwa 5-10 KByte pro Stunde Fahrzeit an, in der Kartenansicht sind es etwa 30-60 KByte.

Wayfinder Earth umfasst eine weltweite Kartenabdeckung. Die Möglichkeit, bis auf Straßenlevel hereinzuzoomen, ist von Ort zu Ort verschieden. In der Regel werden nordamerikanische und europäische Karten detailgetreuer aufgezeigt als die der restlichen Welt.

Wayfinder ist für Symbian-Smartphones wie das Sony Ericsson M600i und das W800i oder das Nokia N70 konzipiert. Um sich das Programm, das sich derzeit in der Testphase befindet und daher kostenlos angeboten wird, herunterzuladen[2], muss der Nutzer auf der Webseite seine Handynummer eingeben, Wayfinder schickt einen Link zum Download direkt per SMS aufs Mobiltelefon. Einfach anklicken und der Download-Prozess beginnt.

Ö-Navi Ö-Navi mit Werbung oberhalb der Navigationsanzeige.
Die Navigation des Branchenbuch-Verlegers bietet umfangreiche Funktionen so wie man es von kostenpflichtigen Navigationsprogrammen kennt. So kann der Nutzer zwischen Fußgängermodus und Autofahrermodus wählen, sich Sonderziele oder eine Adresse aus Das Örtliche anzeigen lassen, und zwar jeweils aus der Vogelperspektive oder als normale Kartenansicht. Ohne Aufpreis gibt es Sprachanweisungen, die sogar einzelne Straßenamen wiedergeben. Das hilft bei der Orientierung: Die Anweisung lautet dann nämlich nicht "In 200 Metern rechts abbiegen" sondern "In 200 Metern in die Rosenstraßen einbiegen". Besonders praktisch ist auch die Funktion "Clever tanken" die die Preise für jeden Liter Benzin vergleicht und verrät, welche Tanke in der Nähe die günstigste ist.

Doch damit ist die Liste der Funktionen noch nicht zu Ende: Ein Tempowarner enthüllt sämtliche festinstallierten Blitzer, zudem gelangen per TMC auch aktuelle Stau- und Verkehrsmeldungen aufs Handy. Und zu guter Letzt kann der Nutzer eine Kompassfunktion und die Streckenhistorie aufrufen.

Die Datenkosten sind gering: Für den Weg von Nürnberg Stadtmitte nach München Zentrum fallen für 165 Kilometer und 1 Stunde und 40 Minuten Fahrzeit etwa 40-45 KByte an. Im Tarif Relax 100 von T-Mobile entspricht dies etwa 40 Cent.

Die Software unterstützt Symbian-Series-40- und Series-60-Modelle von Motorola, Nokia und Sony Ericsson. Samsung ist also nicht vertreten. So laufen beispielsweise viele Motorola-Razr-Varianten mit der Ö-Navi-Software, das Nokia 6233 und 6234 wie auch andere Geräte mit der 6000-Nummer, alle N-Serie-Minicomputer außer dem Nokia N95 und dem N76 sowie alle aktuellen Sony-Ericsson-Handys außer dem W610i, dem W880i, dem W910i und dem W960i wie auch dem K810i und dem K850i. Mehr Informationen zu den kompatiblen Mobiltelefonen gibt es auf der Webseite zu Ö-Navi[3].

Um sich die Software auf dem Handy zu installieren gibt es zwei Möglichkeiten: Wer eine SMS mit dem Inhalt "oenavi" an die Nummer 01 77 / 178 12 57 schickt, erhält nach wenigen Augenblicken eine SMS mit dem Downloadlink. Ein Klick, und die Anwendung lädt sich aufs Handy. Alternativ kann der Nutzer per WAP-Browser die Seite "get.oenavi.de" öffnen. Auch hier wird ein Downloadlink angezeigt. Einmal klicken genügt, um die Installationsroutine aufzurufen.

Navigon Screenshot Mobile Navigator zeigt viele detailierte Informationen.
Navigon ist bekannt als Hersteller von Navigationsgeräten, wie sie auch Blaupunkt, Falk, Tomtom oder Garmin bauen. Doch daneben bietet der Hersteller auch Software-Lösungen fürs Handy an, den mobile Navigator 6 Java Edition gibt es sogar kostenlos. Dabei handelt es sich zwar um eine abgespeckte Version, doch die wichtigsten Features wie Route planen oder Sonderziele ansteuern, nach Hause fahren und ein Geschwindigkeitsassistent, der auf Geschwindigkeitsbeschränkungen aufmerksam macht, stehen wie bei den großen Brüdern zur Verfügung. Eine 3D-Darstellung fehlt allerdings.

Die Karteninformationen liefert Navteq - grafisch in verschiedenen Darstellungsmodi aufbereitet: Neben der Übersichtskarte gibt es die Straßenkarte und eine Pfeilansicht für die Routenführung - beides inklusive Sprachansagen. Die Straßenansicht aktualisiert ständig die Straßenbilder während der Fahrt. Auffällig im Vergleich zu anderen Karten ist die hohe Detailgenauigkeit - auch Straßennamen der Nebenstraßen zeigt das Navigationssystem an. Führt der Weg auf eine Landstraße oder Autobahn, erkennt dies das System und zeigt die Strecke in einem kleineren Maßstab an, um Datenverkehr zu sparen. Dennoch ist der anfallende Traffic im Vergleich zu anderen Anbietern ein wenig höher. Günstiger wird eine Fahrt mit der sprachunterstützten Pfeilansicht.

Insgesamt kann der Datentransfer für dieselbe Strecke unterschiedlich ausfallen. So ist es beispielweise möglich, dass für eine Stadtfahrt in der Pfeilansicht nur etwa 70 KByte an Datenübertragungsmenge anfallen, hingegen für die gleiche Strecke in der Straßenansicht einige hunderte KByte zusammenkommen.

Im Vergleich zu anderen Angeboten unterstützt der Mobile Navigator verhältnismäßig wenige Handymodelle: Nokias 6280, 6270, 6233 und 6234 sowie das 6230i sind gelistet, von Sony Ericsson werden das W900i, das W810i, das W550i und das K800i unterstützt. Eine Liste der unterstützten Handys[4] ist bei Navigon zu finden. Nav4all bietet bis 2008 kostenlose Navigation. Im Vergleich zu anderen Systemen wirkt Nav4all jedoch wie die ersten DOS-Computer: Die Grundfunktionen sind vorhanden, doch der Leistungsumfang ist minimal. So liefert das Navigationssystem, das die Geodaten von Navteq bezieht, zwar eine Karten- und eine Satellitenansicht, 3D-Darstellung beherrscht es jedoch nicht. Standard ist die Pfeilanzeige, die recht übersichtlich und kontrastreich ist. Eine Übersichtskarte gibt es nicht, doch Abbiegepfeile und Sprachausgabe lotsen den Nutzer relativ zuverlässig ans Ziel. Der große Vorteil der reduzierten Anzeige liegt darin, dass nur minimale Routingdaten übertragen werden: 2-6 KByte sind es im Schnitt.

Schade, dass sich das System keine gefahrenen Wege merkt. Ein Fahrtenbuch, das sämtliche Orte trackt und vor allem im Urlaub nützlich ist, gibt es also nicht. Dafür zeigt Nav4all aber die Anzahl der Fahrspuren an - dieses Feature sieht man nur bei wenigen Navigationssystemen -, zum anderen verkündet die Software bereits vor einem Tunnel, wenn der Nutzer darin abbiegen muss. Verkehrsinformationen lassen sich optional abrufen.

Navigon Screenshot Rudimentäre Anzeige: Nav4all
Die Anzeige arbeitet ohne Icons, vorhandene Menüeinträge werden komplett als Text dargestellt. Das geht manchmal zu Lasten der Übersicht, schon allein ob der Menge der Informationen. Unter Einstellungen lassen sich übrigens Ton-, Licht- und Geschwindigkeitsoptionen einstellen.

Nav4all unterstützt etwa 1000 verschiedene javafähige Mobiltelefone, unter anderem Nokias gesamte E- und N-Serie, Sony Ericssons Walkman-Modelle vom W800i bis zum W950i, Motorolas Razr, Rizr- und Krzr-Geräte sowie Samsungs SGH-D600, SGH-D800, SGH-F700, SGH-I520 oder SGH-I600. Die vollständige Liste[5] ist auch hier auf der Website von Nav4all zu finden.

Nav4all lässt sich direkt vom Handy aus installieren. Voraussetzung ist lediglich, dass die SIM-Karte eine Internetverbindung unterstützt. Mit dem Telefon-Browser muss man einfach die Webseite www.nav4all.com/install aufrufen und den Installationsprozess starten. Im Laufe des Downloads darf der Anwender Display-Sprache und Sprache der Sprachansagen auswählen. Sobald das Herunterladen beendet ist, findet sich die Anwendung unter dem Menüpunkt "Applikationen" auf dem Handy. Offboard-Systeme sind noch nicht ganz so leistungsfähig wie mobile Navigationssysteme von Tomtom und Co, dafür jedoch bedeutend billiger. Den Weg finden sie, meist in 2D-Darstellung, ohne größere Probleme. Auf viele Sonderfeatures muss der Nutzer jedoch verzichten. Rühmliche Ausnahme: Ö-Navi von Das Örtliche. Es zeigt 2D- und 3D-Karten an, gibt bei den Sprachanweisungen auch die Straßennamen wieder, warnt vor festinstallierten Radarfallen und verarbeitet Staumeldungen. So viel Umfang bietet keines der anderen Software-Pakete.

Für Minimalisten eignet sich dagegen Nav4all. Die Pfeilanzeige inklusive Sprachansage zeigt, wo es lang geht. Ein paar Features überraschen dabei wohltuend: So verrät die Software die Anzahl der Fahrspuren und verkündet bereits vor einem Tunnel, wenn der Nutzer darin abbiegen muss. Selbst Verkehrsinformationen rechnet das System optional in die Routenplanung ein.

Wayfinder und der Mobile Navigator von Navigon beherrschen die wichtigsten Funktionen wie die anderen vorgestellten Navigationshilfen auch, haben jedoch so ihre Macken. So muss die Sprachunterstützung beim Wayfinder separat hinzugekauft werden, das Navigon-Produkt mit nur 2D-Darstellung unterstützt nicht einmal zehn Handys.

Für wen sind diese Software-Angebote interessant? Zum einen sind sie wenig für den Einsatz im Ausland geeignet, denn hier würden die Kosten aufgrund der teuren Roaming-Gebühren sehr schnell steigen. Außerdem ist die Navigation per Handy einfach nicht so komfortabel wie mit einem reinen Navigationssystem - daran gibt es nichts zu rütteln. Wer aber nur hin und wieder eine Navigationshilfe braucht und das auch nur innerhalb Deutschlands, sollte sich, genauso wie Pfennigfuchser, die Angebote genauer ansehen - vorausgesetzt, es gibt kompatible Navigationssoftware für das eigene Handy.

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.wayfinder.com/catalog/index.php?language=en¤cy=EUR
[2] = http://www.wayfinderearth.com
[3] = http://www.oe-navi.de/index_ext.php?sel=2
[4] = http://www.navigon.com/site/de/de/mobile_navigation/cellphone/javaphone/compatibility;jsessionid=075512D4036F859BA659DE3CC1241655
[5] = http://www.nav4all.com/site2/www.nav4all.com/eng/handsets_install.php