Windows Vista: Ist die Zeit reif für den Umstieg auf 64 Bit?

(http://www.zdnet.de/magazin/39155080/windows-vista-ist-die-zeit-reif-fuer-den-umstieg-auf-64-bit.htm)

von Joachim Kaufmann, 8. Juni 2007

Die meisten Windows-Vista-Nutzer sind nur einige Mausklicks und 11,85 Euro von der 64-Bit-Version ihres Betriebssystems entfernt. ZDNet zeigt, wo die Unterschiede zur 32-Bit-Variante liegen und prüft, ob die Zeit reif für den Umstieg ist.

Der Durchbruch von 64 Bit auf dem Windows-Desktop ist bislang ausgeblieben. Die vor gut zwei Jahren vorgestellte 64-Bit-Version von Windows XP hat nie eine größere Verbreitung erreicht. Fehlende Software und die mangelhafte Treiberverfügbarkeit waren die wichtigsten Gründe.

Mit Windows Vista[1] macht Microsoft einen neuen Anlauf: Anstatt eine separate Version aufzulegen, sind alle Vista-Varianten[2] (Home Basic, Home Premium, Business, Ultimate) auch in 64 Bit erhältlich. Trotzdem bleibt 64 Bit ein Familienmitglied zweiter Klasse. Denn der Datenträger wird lediglich mit der teueren Ultimate-Version ausgeliefert, Nutzer anderer Pakete müssen ihn bei Microsoft gegen eine Gebühr von 11,85 Euro bestellen. Das Unternehmen hat dazu eine Website[3] eingerichtet.

Die Beschaffung einer geeigneten 64-Bit-Version ist im Vista-Zeitalter also kein Problem mehr. ZDNet zeigt auf den nächsten Seiten, was man durch einen Umstieg gewinnt und welche Hürden es zu überwinden gilt.

Die Installationsroutine von Windows Vista 64 unterscheidet sich nicht von der des 32-Bit-Pendants. Nach rund einer halben Stunde ist das System auf der Festplatte.

Aufgrund der verdoppelten Wortbreite benötigt 64-Bit-Software mehr Speicher. Das macht sich nicht nur auf der Festplatte bemerkbar, sondern auch im RAM.

Während Vista 32 7,12 GByte auf dem Laufwerk belegt, sind es bei Vista 64 10,3 GByte. Auch der Arbeitsspeicher wird mit 580 im Vergleich zu 425 MByte mehr belastet. Diese Veränderung beschränkt sich aber nicht auf das Betriebssystem, sondern trifft auch auf Anwendungen zu. Einen 64-Bit-Rechner sollte man also großzügiger mit Speicher ausrüsten.

Bei der Arbeit mit Vista 64 sind kaum Unterschiede sichtbar. Dass man nicht mit der 32-Bit-Version arbeitet, zeigt sich am schnellen daran, dass der Internet Explorer als 32- und 64-Bit-Variante vorliegt. Letzterer ist nämlich nicht kompatibel zu einigen verbreiteten 32-Bit-Plugins wie Flash.

Während die Oberfläche der beiden Systeme praktisch gleich ist, bringt Vista 64 unter der Haube wichtige Neuerungen mit. So sorgt eine Technologie namens Kernel Patch Protection dafür, dass Anwendungen von Drittherstellern Code im Kernel des Systems nicht verändern. Das Feature wirkt auch gegen Rootkits[4].

Microsoft stellt auf diese Weise sicher, dass der Kernel nur den im eigenen Hause getesteten Code enthält. Kernel Patch Protection ist aber kein Allheilmittel: Auf einer Konferenz demonstrierte kürzlich eine russische Sicherheits-Expertin, wie der Schutz umgangen werden kann.

Vista 64 akzeptiert standardmäßig nur digital signierte Treiber. Sie werden auf Stabilität und Sicherheit getestet. Durch die Veränderung der Boot-Parameter[5] lässt das System aber auch unsignierte Treiber zu. Beide Maßnahmen machen Vista 64 zuverlässiger und sicherer als das 32-Bit-Pendant.

Eines der wichtigsten Features eines 64-Bit-Betriebssystems ist die Unterstützung von mehr Arbeitsspeicher. Alle 32-Bit-Versionen von Vista ermöglichen theoretisch maximal 4 GByte. Die praktische Obergrenze liegt bei 3,25 GByte.

Vista 64 legt die Latte deutlich höher: Schon die Einstiegsversion Home Basic arbeitet mit bis zu 8 GByte RAM, das ebenfalls an Heimanwender gerichtete Home Premium mit 16 GByte. Vista Business, Enterprise und Ultimate können sogar mit mehr als 128 GByte betrieben werden. Mit gängigen Desktop-Boards ist dies aber nicht möglich, da nur wenige Slots für Speicherbausteine haben.

Die Speichergrenze von Vista 32 dürfte derzeit für die meisten Desktop-Anwendungen noch kein Problem darstellen. Beispielsweise im Bereich der Virtualisierung profitiert man aber schon heute: So unterstützt die 64-Bit-Version von Vmware Workstation 6.0 bis zu 8 GByte RAM. Hat man einige virtuelle Maschinen gleichzeitig laufen, erreicht man auch dieses Limit schnell.

Spürbare Performance-Vorteile kann man von einem 64-Bit-System nur im Zusammenspiel mit 64-Bit-Software erwarten. Besonders Anwendungen aus den Bereichen CAD/CAM, Digital Media, Finanzen und Multimedia profitieren. Man sollte sich allerdings vorher erkundigen, ob die eigesetzen Programme überhaupt als 64-Bit-Version verfügbar sind. Adobe bietet beispielsweise selbst das kürzlich präsentierte Photoshop CS3 nur in 32 Bit an.

Wie Windows XP 64 führt Vista 64 sowohl 32- als auch 64-Bit-Programme aus. Verantwortlich dafür ist ein Emulationslayer namens WOW64 (Windows on Windows 64).

16-Bit-Programme werden dagegen nicht unterstützt. Dies könnte sich in Einzelfällen als Problem erweisen, da manche Installer noch 16-Bit-Anwendungen sind. Obwohl die eigentliche Software laufen würde, kann sie dann nicht installiert werden. Mit den meisten 32-Bit-Programmen gibt es unter Vista 64 Bit aber keine Probleme.

Anders sieht es mit systemnaher Software wie Virenscannern, Firwalls oder Defrag-Tools aus: Sie muss als 64-Bit-Version vorliegen. Die für Vista 32 konzipierten Lösungen können nicht mehr weiterverwendet werden.

Um Hardware unter Windows Vista 64 betreiben zu können, sind 64-Bit-Treiber notwendig. In diesem Bereich gibt es seit der Vorstellung von XP 64 vor gut zwei Jahren große Fortschritte. Während gängige Chipsätze und Grafikkarten schon länger keine Probleme mehr bereiten, gibt es inzwischen auch im Multimedia-Bereich Licht im Tunnel: So bieten beispielsweise Hauppauge und Terratec für einige ihrer TV-Karten 64-Bit-Treiber an.

Grundsätzliche Entwarnung im Bereich der Treiber kann aber nicht gegeben werden: Für etwas ältere oder exotische Hardware sind möglicherweise keine 64-Bit-Treiber erhältlich. Man sollte also vor einem Umstieg prüfen, ob alle Komponenten unterstützt werden. Nur so ist man vor unliebsamen Überraschungen geschützt.

64 Bit spielt im Vista-Zeitalter eine größere Rolle als unter XP. Das ist unter anderem auf die Verfügbarkeit aller Versionen zurückzuführen. Ein weiterer Faktor ist, dass beide Releases zur gleichen Zeit auf den Markt kamen. Treiber- und Software-Entwicklung dürften dadurch einen Schub erfahren.

Für den baldigen Durchbruch auf dem Desktop wird dies aber nicht reichen. So basteln viele Hardware-Hersteller immer noch an den 32-Bit-Treibern herum und versuchen, deren Performance auf XP-Niveau zu heben. Häufig sind die 64-Bit-Treiber noch weniger optimiert - Geschwindigkeitseinbußen sind die Folge.

Nur wer besonders leistungshungrige Anwendungen betreibt, von denen er sicher weiß, dass sie von 64 Bit profitieren, sollte zum jetzigen Zeitpunkt einen Umstieg in Betracht ziehen. Andere Nutzer haben derzeit keine Vorteile, da Vista 32 in den Bereichen Kompatibilität und Performance überlegen ist.

Microsoft hat seine 64-Bit-Strategie noch nicht klar formuliert. Während der Nachfolger des kommenden Windows Server 2008 nur in 64 Bit erhältlich sein soll, ist für den Desktop noch keine Entscheidung gefallen. Es könnte also durchaus sein, dass das 2009 erwartete Vista-Update in beiden Varianten auf den Markt kommt.

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.zdnet.de/enterprise/os/vista/
[2] = http://www.zdnet.de/enterprise/os/vista/knowhow/0,39035504,39149648,00.htm
[3] = http://www.microsoft.com/windowsvista/1031/ordermedia/de-de/default.mspx
[4] = http://www.zdnet.de/security/praxis/0,39029462,39138593,00.htm
[5] = http://www.zdnet.de/enterprise/os/vista/workshops/0,39035507,39153962,00.htm