Auf SOA basierende Anwendungskombinationen können durch die Verwendung von Web-2.0-Tools besser realisiert werden. Wie aber lassen sich die Werkzeuge aus der Consumer-Welt in die Unternehmens-IT integrieren?
Im Geschäftsalltag prasseln auf jeden Anwender täglich eine Vielzahl an Informationen über E-Mail, Alerts, Instant Messaging und andere Kanäle ein. Das macht die Suche nach den wirklich wichtigen Nachrichten und den richtigen Ansprechpartnern im Unternehmen schwierig und zeitaufwändig. Gleichzeitig verhindern Datenflaschenhälse die Zusammenarbeit und führen zu komplizierten Arbeitsprozessen. Fast 40 Prozent aller Mitarbeiter in großen Unternehmen arbeiten heute als sogenannte Knowledge Worker. Sie verbringen einen großen Teil ihrer Arbeitszeit mit der Suche nach Informationen und deren Auswertung. Zwar bilden sich immer mehr virtuelle Teams in den Unternehmen, die Tools, mit denen sie bisher arbeiten, sind allerdings oft unflexibel und veraltet.
Der Zugang und Austausch von Informationen könnte sich durch Social-Computing-Tools beschleunigen. Anwendungen zur interaktiven Kommunikation auf einer Website - Blogs für kollaboratives Publishing, Wiki zur Kombination von Inhalten und Diensten aus unterschiedlichen Quellen, Mashups, Tags oder RSS (Really Simple Syndication) für das Online-Abonnieren von Information - machen nahezu aus jedem Mitarbeiter einen Autor. Die Entscheidungszeiten verkürzen sich und die Entwicklungszeiten für neue, inhaltsbasierte Anwendungen werden beschleunigt. Mashups - beispielsweise die Verknüpfung von Google-Karten mit einer Liste möglicher Kunden - ermöglichen es, schnell neue Anwendungen beispielsweise für ein bestimmtes Vertriebsgebiet bereitzustellen.
Auch Gartner bestätigt das Potenzial von Social Computing. Die Analysten sehen Mashups als eine der vier wichtigsten Technologien des Jahres 2007 und erwarten, dass sich bis 2010 Web-Mashups zum dominierenden Modell für das Erstellen von Composite Enterprise Applications entwickeln. Mashup-Applikationen lassen sich auch als Frontend für die Prozessautomatisierung einsetzen. Sie verbinden so verschiedene Schichten von Legacy-Systemen. Weitere neue Unternehmensanwendungen sind kollaborative Netzwerke für Forschung und Entwicklung zwischen Mitarbeitern, Partnern und Zulieferern oder CRM-Applikationen in Form eines Digg-Votings, das die Vertriebsmitarbeiter nutzen können, um ihre Kundenreferenzen dynamisch zu beurteilen. Ebenso kann man über Blogs eine Best-Practices-Wissensbasis aufbauen oder mit RSS neue Informationen mühelos erstellen und teilen.
Viele Unternehmen haben bereits begonnen, Social Computing durch Initiativen wie serviceorientierte Architekturen (SOA) zu implementieren. Unternehmen, die SOA eingeführt haben, stellen ihre Unternehmensdaten, die Geschäftslogik und andere Informationen als Web-Services für den Aufbau neuer Applikationen bereit. Die Nutzung von Social-Computing-Tools, die in eine SOA integriert sind, macht es möglich, viele servicefähige Datenquellen für die tägliche Arbeit zu erschließen.
Diesen Trend bestätigt auch eine aktuelle McKinsey Untersuchung unter 2000 IT- und Business-Executives. Mehr als 80 Prozent der Befragten gaben an, dass sie Web-Services bereits für Web-2.0-Anwendungen nutzen oder planen, sie einzusetzen. Zur Integration müssen die Entwicklungskompetenzen nicht so hoch sein wie bei reinen SOA-basierten Anwendungskonzepten. Zum Teil sind die Ergebnisse einer Kombination von Web 2.0 und SOA sogar besser, da die Bedürfnisse der Anwender genauer und schneller realisiert werden können. Es geht im Wesentlichen nicht darum, einzelne Anwendungen Web-2.0-fähig zu machen, sondern aus unterschiedlichen, vorhandenen Applikationen schnell eine individuell zugeschnittene Lösung zu erstellen.
Als Beispiel sei hier BEA genannt, das mit drei neuen Produkten Social Computing im Unternehmen unterstützen will. Aqualogic Pages soll Einsicht auf Unternehmensdaten und die Entwicklung von einfachen Web-Applikationen für tägliche Geschäftssituationen ermöglichen. Aqualogic Ensemble ist eine Infrastruktursoftware für Mashup-Anwendungen. Aqualogic Pathways schließlich verbinde Social Bookmarking und Tagging mit Such- und Analysefunktionen.
Werden vergleichbare Tools nicht von den IT eingeführt, dann besteht die Gefahr, dass Mitarbeiter Web-2.0-Anwendungen eigenständig installieren. Die Folgen sind unkontrollierte Datenflüsse nach außen und unproduktiver Wildwuchs der IT-Anwendungen. Aber auch die Erwartungen, mit denen insbesondere junge Mitarbeiter ins Unternehmen kommen, und die Art, wie sie gewohnt sind, zusammenzuarbeiten, werden nicht erfüllt und unterstützt, wenn modernen Kollaborationstools fehlen. Kreative Ideen bleiben dann schnell auf der Strecke. Moderne Unternehmen sollten schon heute auf die neuen Social-Computing-Technologien setzen, um junge Mitarbeiter zu integrieren und gemeinsam flexibel auf zukünftige Herausforderungen reagieren zu können.
Insgesamt erhöhen die Social-Computing-Tools den Wissensstand der Mitarbeiter, vermehren das Unternehmenswissen und fördern schnelles Feedback. Web-2.0-Produkte ergänzen dabei die bestehende IT-Investitionen. Aus den serviceorientierten Architekturen von heute werden so die partizipationsorientierten Architekturen von morgen.