Die Javamail-API ist ein Messaging-Framework zur Entwicklung plattformunabhängiger Anwendungen, die E-Mails versenden und empfangen. Dieser Artikel erklärt die Javamail-API und zeigt Anwendungsbeispiele sowie spezielle Optionen.
Die Javamail-API[1] ist in die J2EE-Plattform integriert und als optionales Paket in J2SE verfügbar. Der Hauptzweck der API besteht nicht in der Übermittlung, Zustellung und Weiterleitung von Nachrichten, sondern vielmehr in der Bereitstellung eines protokollunabhängigen Zugangs zu Mail-Infrastrukturen für den Versand und den Empfang von Nachrichten.
Überblick
Die Javamail-API ist in zwei Bereiche aufgeteilt:
- Der erste Teil der API ist auf den Versand und Empfang von Nachrichten ausgerichtet (unabhängig vom Protokoll).
- Der zweite Teil implementiert protokollspezifische Sprachen wie SMTP, POP, IMAP und NNTP. Um die Kommunikation der Javamail-API mit einem Server zu ermöglichen, ist ein Provider für ein Protokoll erforderlich.
Hinweis: Das Erstellen protokollspezifischer Provider wird in diesem Artikel nicht erläutert, aber Sun bietet kostenlos eine ausreichende Auswahl an Providern, zumindest SMTP, POP und IMAP, was zum Senden und Empfangen standardmäßiger E-Mail-Nachrichten über eine herkömmliche Internet-Infrastruktur mehr als ausreichend ist.
Alle Versionen der Javamail-API benötigen das Javabeans Activation Framework, das eine Unterstützung der Eingabe und Handhabung beliebiger Datenblöcke mitbringt. Javamail verwendet die Implementierung Multipurpose Internet Mail Extensions (MIME) aus diesem Framework. Die MIME-Implementierung definiert den in einer E-Mail übermittelten Inhalt: das Format von Nachrichten, Anhängen und so weiter. Um Javamail problemlos benutzen zu können, muss eine Anwendung classpathmail.jar und activation.jar enthalten. Wer mit der J2EE arbeitet, muss gar nichts tun, um die grundlegende Javamail-API nutzen zu können - sie ist in den J2EE-Klassen enthalten.
2006 wurde Javamail zu Open Source, weshalb der Quellcode für die Javamail-API-Referenzimplementation jetzt, im Rahmen des Glassfish-Projekts[2], unter der Open-Source-Lizenz erhältlich ist.
Klassen
Es folgt eine Übersicht der wichtigsten Klassen, die in Javamail-Anwendungen zum Einsatz kommen:
- javax.mail.Session: Damit wird der Zugang zu den Implementierungen der anderen Mail-Klassen kontrolliert, welche die von dem Mail-System bereitgestellten Dienste darstellen, zum Beispiel javax.mail.Store. (Nicht zu verwechseln mit javax.servlet.http.HttpSession.)
- javax.mail.Transport: Wird für den Versand von Mail-Nachrichten über ein bestimmtes Protokoll wie SMTP benutzt, je nachdem, welches Protokoll der Service Provider implementiert hat.
- javax.mail.Store: Diese Klasse wird vom Service Provider implementiert. Die Klasse ermöglicht den Zugang zu Lese-, Schreib-, Überwachungs- und Suchfunktionen für ein bestimmtes Mail-Protokoll wie POP3 oder IMAP4. Über sie kann auch ein Verweis auf die Klasse javax.mail.Folder erlangt werden.
- javax.mail.Folder: Sie liefert einen hierarchisch aufgebauten Überblick über die javax.mail.Message-Objekte und ermöglicht den Zugang zu bestimmten Nachrichten für Lese-, Lösch- und Antwort-Vorgänge.
- javax.mail.internet.MimeMessage: Diese Klasse stellt die eigentliche Mail-Nachricht dar. Sie enthält bei der ersten Instantiierung sehr wenige Informationen und Daten über die Nachricht. Wenn dann nachfolgende Methoden mehr Daten über die Nachricht sammeln, wird diese Klasse zur Speicherung der Daten verwendet.
- javax.mail.internet.InternetAddress: Sie stellt eine RFC822-E-Mail-Adresse (Internet-Standard) dar, das heißt eine Adresse der Form peter@mikhalenko.ru. Wird ein nicht korrektes Format festgestellt, tritt ein Fehler auf, und eine AddressException wird innerhalb der Java-Methode ausgegeben, welche die E-Mail-Adresse verarbeitet.
Listing A
Es wird ein Sitzungsobjekt erstellt, das die laufende E-Mail-Sitzung darstellt. Der Konstruktor des Sitzungsobjekts benötigt ein java.util.Properties-Objekt, das die Schlüsseldaten der Sitzung darstellt. Für dieses Beispiel genügt es, die Eigenschaft "mail.smtp.host" auf einen geeigneten SMTP-Host zu setzen. Danach erstellt man das eigentliche MimeMessage-Objekt und passt es auf die E-Mail an. Es werden zwei InternetAddress-Objekte benötigt, die jeweils die Sender- beziehungsweise Empfänger-Adressen darstellen. Im hier verwendeten Code sollten diese Adressen tatsächlich gültige E-Mail-Adressen sein, auf die zugegriffen werden kann. Nach der Eingabe der Adressen für die E-Mail werden eine Betreffszeile und eine einfache Nachricht geschrieben.
Schließlich ist die Nachricht für den Versand bereit. In Javamail führt das Transport-Objekt den Versand der Nachrichten aus. Da es sich in diesem Fall um nur eine Nachricht handelt, wird die statische Versandmethode verwendet. Diese benutzt den als Adresse "mail.smtp.host" angegebenen Server. Die Javamail-API verfügt über zahlreiche erweiterte Funktionen. So ist es beispielsweise möglich, beliebige Mail-Header zu der Nachricht hinzuzufügen, mehrere Empfänger zu definieren, Blindkopien einer Nachricht zu erstellen (also die BCC-Zeile), den Nachrichtentext in verschiedene Zeichensatzkodierungen umzuwandeln und so weiter. In Listing B ist zu sehen, wie man mehrere Empfänger hinzufügt.
Listing B
Wird eine Nachricht mit Nicht-ASCII-Zeichen versendet (etwa bestimmte Zeichen mit Akzent), hat der Empfänger möglicherweise Schwierigkeiten beim Lesen des Textes. Um die Lesbarkeit zu verbessern, kann die folgenden Zeilen hinzugefügt werden, um einen Hinweis auf die Kodierung zu geben:
Listing B
Dies funktioniert zumindest für den Nachrichtentext, doch zur korrekten Darstellung akzentuierter Zeichen im Titel muss dieser mit Hilfe der Kodierungen "Quoted-Printable" oder "Base64" chiffriert werden. Die Methode encodeText() stellt sicher, dass die übergebenen Strings "mailsicher" sind. Listing C zeigt, wie eine E-Mail mit einem Anhang versendet wird.
Listing C
Fazit
Die umfangreichen Möglichkeiten, Javamail-API zu nutzen, würden den Rahmen dieses Artikels sprengen. Eine umfassende Beschreibung findet sich in JSR 919, der neusten Javamail-1.4-Spezifikation. Die Sun-Javamail-API ist die vollständige Referenzimplementation dieser Spezifikation. Sie kann einfach installiert und ihre vielfältigen Funktionen ausprobiert werden.
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