IT-Projektmanager sind zurzeit sehr gefragt. Sie sollten Fachkompetenz und Methodenwissen besitzen sowie ausgesprochen kommunikativ sein. Ihr wahres Können zeigt sich, wenn im Projekt ungeahnte Probleme auftreten. Dann hilft langjährige Erfahrung weiter.
Ingo Meironke arbeitet seit fünf Jahren als Projektmanagementberater bei Campana & Schott Realisierungsmanagement[1]. Seine Einsatzorte verteilen sich über ganz Deutschland. Die Tage, die er im Büro seines Arbeitgebers verbringt, sind selten. Die meiste Zeit ist er beim Kunden vor Ort und unterstützt vor allem IT-, Organisations- und Entwicklungsprojekte. "In den fünf Jahren habe ich alle Herausforderungen des Projektmanagements mitgemacht und in unterschiedlichsten Projekten wertvolle Praxiserfahrung gesammelt."
Erfahrung zählt in der Praxis am meisten: "Ein Projektleiter erkennt mögliche Probleme oft rechtzeitig, bevor sie eskalieren. Zudem hat er dank seines Erfahrungswissens ein besseres Standing beim Kunden und innerhalb des Teams", erklärt Gerrit Kerber, Sprecher der Fachgruppe IT-Projektmanagement bei der Gesellschaft für Informatik. Neben einer starken Persönlichkeit zählt Kerber soziale Kompetenz, Methodenwissen, Branchenkenntnisse und fachgebundenes IT-Know-how zu den wesentlichen Eigenschaften eines IT-Projektmanagers.
Helmut Strohmeier, bei der Gesellschaft für Projektmanagement[2] (GPM) ebenfalls Leiter der Fachgruppe IT-Projektmanagement, berichtet von einer Diskrepanz zwischen den Umfragen und den konkreten Anforderungen an den Projektmanager im Projekt. In Umfragen stünden soziale Kompetenz und Organisationswissen im Vordergrund, während IT-Know-how weit hinten rangiere. "Bei der konkreten Projekt-Ausschreibung hingegen ist vor allem IT-Kompetenz gefragt, da diese messbar ist. Denn Programmier- oder Datenbankkenntnisse sind leichter nachzuweisen."
Für Strohmeier zeigt sich das wahre Können eines Projektleiters im Umgang mit Ausnahmesituationen, die nicht in Lehrbüchern beschrieben sind und für die es keine Management-Methode gibt. "Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Der Projektleiter muss vorausschauend denken, mögliche Probleme im Projekt frühzeitig erkennen und diese kreativ lösen. Auch hier hilft Erfahrungswissen weiter." Gefragt seien starke Persönlichkeiten mit Überzeugungskraft, die auch Widerstände überwinden können. Der Projektleiter müsse fähig sein, Veränderungen innerhalb des Projekts beziehungsweise im Projektumfeld aufzugreifen und zu integrieren sowie die Projektziele kontinuierlich weiterzuentwickeln, also sie zu präzisieren, zu verändern und der neuen Lage anzupassen.
In den letzten beiden Jahren hat sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt für IT-Projektmanager erheblich verbessert. Der GULP-IT-Projektmarktindex[3] zeigt zwischen 2004 und 2006 einen Anstieg der Projektanfragen um annähernd 70 Prozent. Auch im ersten Quartal 2007 ist die Tendenz steigend. "Die Unternehmen haben sich jahrelang mit Investitionen in Software und Infrastruktur zurückgehalten. Durch den Nachholeffekt gibt es jetzt sogar Engpässe bei den IT-Spezialisten und Projektmanagern", sagt Helmut Strohmeier.
Häufigste IT-Projekte sind derzeit die Einführung oder das Update von ERP-Systemen (in Großfirmen vor allem SAP), eine Neuausrichtung der internen IT-Prozesse oder die Einführung von Software, die mit einer Reorganisation der Prozesse im Unternehmen zu tun hat. Zahlreich sind insbesondere Integrationsprojekte, das heißt die Einbindung von neuer Software in bestehende, zum Teil heterogene IT-Landschaften und Systeme. Der Projektleiter muss hier mehrere Betriebssystem-Welten, Datenbanken oder Oberflächen unter einen Hut bringen. "Integrationsprojekte stellen daher hohe Anforderungen an die fachliche Qualifikation des Projektleiters. Er muss den Überblick behalten, die Fäden zusammenführen und Irrwege vermeiden", betont Gerrit Kerber von der Gesellschaft für Informatik.
Das gilt auch für Ingo Meironke. Sein Arbeitgeber Campana & Schott stellt Mitarbeiter ein, die gute Studienleistungen mit Erfahrungen aus dem Projekt- oder IT-Bereich kombinieren. "Kandidaten mit interessanten Praktika im Bereich Projektmanagement oder Beratung werden von uns ganz besonders angesprochen", erklärt Christophe Campana, einer der beiden Geschäftsführer. Ideale Kandidaten seien Wirtschaftsingenieure oder -informatiker, da sie eine gute Mischung aus betriebswirtschaftlichen, informationstechnischen und methodischen Grundlagen mitbrächten. "Leider gibt es relativ wenige Lehrstühle, die intensiv auf das Thema Projektmanagement eingehen. Absolventen von dort sind natürlich besonders willkommen", ergänzt Co-Geschäftsführer Eric Schott. Ein Großteil der Berater bei Campana & Schott ist zum Project Management Professional (PMP) nach PMI (Project Management Institute[4]) zertifiziert.
Immer mehr Unternehmen legen Wert auf eine professionelle Ausbildung ihrer Projektleiter. Zertifizierungen im Projektmanagement werden dadurch immer wichtiger. "Die Zahl der Zertifikate für Projektmanager wächst exponentiell. 2001 waren es in Deutschland 500 Zertifikate, bis Ende 2006 sind es bereits mehr als 10.000 Zertifikate", sagt Andreas Frick, Vorstandsvorsitzender der GPM und Geschäftsführer der auf Projektmanagement spezialisierten Unternehmensberatung Frick & Partner[5]. Diese bietet auch Vorbereitungskurse zu den verschiedenen Zertifizierungen an, beispielsweise zum zertifizierten Projektleiter (Level C), Projektmanager (Level B) oder Projektdirektor (Level A). Die Grundstufe (Level D) ist das Zertifikat zum Projektmanagement-Fachmann.
"Die Zertifikate haben sich als Kompetenznachweis etabliert, da sie eine bereits vorhandene Qualifikation prüfen und bestätigen. Sie bringen häufig einen Karriereschub", erzählt Andreas Frick. Die Zertifizierung in Level D teilt sich in die drei Bereiche Wissensprüfung (42 Themenbereiche, darunter Projektmanagement-Methoden und Teambildung), Transferprojekt (Teilnehmer setzt Projekt in seiner Firma um, muss es dokumentieren und so seine Kompetenz nachweisen) und eine mündliche Prüfung zum Abschluss.
Bei den Levels C, B, A ist das Transferprojekt komplexer. Die Teilnehmer müssen zudem in einem 1,5-tägigen Assessment ein konkretes Projekt mit diversen Fallstricken unter Beobachtung absolvieren und so ihre Erfahrung nachweisen. "Projektmanagement lernt man nur durch Machen, nicht aus dem Lehrbuch", so Andreas Frick.
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