Der Business-Intelligence-Experte Hyperion wird gerade in Oracle eingegliedert. ZDNet sprach mit dem CTO John Kopcke über seine Zukunftsstrategie: Er will Standardisierung und Multifunktionalität unter einem Dach.
3,3 Milliarden Dollar ist Oracle die Übernahme von Hyperion[1] wert. Das 25 Jahre alte US-Unternehmen bietet Business Intelligence (BI) für spezielle strategische Aufgaben. Zur CeBIT hat man die Hyperion System 9 Suite vorgestellt, die die Geschäftsanalyse mit stringenten Finanzwerkzeugen verbindet.
ZDNet sprach mit dem Chief Technology Officer (CTO) John Kopcke[2] über seine Zukunftsstrategie und die Integration in Oracle. Kopcke war im vergangenen Jahr von der Finanzpublikation "Treasury & Risk Management" in die Liste mit den 100 einflussreichsten Finanzexperten aufgenommen worden. Er wird in der Kategorie "Business Intelligents: Teaching Finance how to do more than Excel" geführt.
ZDNet: Herr Kopcke, der Markt für BI wächst. Analysten zeigen uns, dass es gerade die mittelständischen Firmen[3] sind, die vermehrt die Analyse ihrer Datenbestände nachfragen. Wird Hyperion diesem Trend Rechnung tragen und eine BI-Lösung für kleine und mittlere Firmen auf den Markt bringen?
Kopcke: Zunächst möchte ich diese Aussage etwas einschränken: Wir sehen auch in der Enterprise-Klasse ein starkes Wachstum für BI-Lösungen. Laut TDWI[4] nutzen gerade 15 Prozent der Mitarbeiter in Enterprise-Unternehmen BI-Tools. Da liegt also noch jede Menge Potential für uns. Für diese Kunden kommt es darauf an, tiefgehende und ausgefeilte Methodiken an die Hand zu bekommen. Im Mittelstand kommt es dagegen mehr darauf an, einfach zu handhabende Werkzeuge bereitgestellt zu bekommen. Die Technologie sind in beiden Fällen dieselben, die Darbietung aber unterscheidet sich.
ZDNet: Und werden Sie diese einfach zu handhabende Werkzeuge für den Mittelstand anbieten?
Kopcke: Ja, schon heute sind etwa ein Drittel unserer Kunden aus dem mitleren Marktsegment. Ich denke, ein spezielles Mittelstandsangebot könnten wir bereits im kommenden Jahr anbieten. Allerdings müssen wir erst abwarten, was die Übernahme durch Oracle an neuen Plänen bringt.
ZDNet: Was Sie heute schon - und zwar ganz neu - im Portfolio haben, ist ein interaktives Webportal. Können Sie uns darüber etwas berichten?
Kopcke: Üblicherweise gucken Sie sich eine Site an und klicken darauf herum. Wir haben etwas Neues versucht: Auf smartbi.hyperion.com[5] bieten wir jedermann die Chance, in die Rolle des CIOs zu schlüpfen. Das Webportal beschreibt Ansätze, wie CIOs mit BI-Technologie mehr als nur Informationen bereitstellen können. BI kommt eine strategischere Bedeutung als Komponente des Performance-Management-Systems in Unternehmen zu. Zusätzlich haben wir unter hyperionbusinesschallenge.com/en/game.html[6] einen BI-Simulator bereit gestellt. Damit können die möglichen Auswirkungen von BI-Entscheidungen auf die Geschäftsentwicklung anhand eines simulierten Real-Life-Szenarios veranschaulicht werden.
ZDNet: Gerade haben Sie eine Keynote zum Thema Standardisierung gehalten. Können Sie uns Ihre Erkenntnisse zu diesem Thema kurz zusammenfassen?
Kopcke: Bereits vor einigen Jahren kam Gartner mit einer Studie auf den Markt, in der die Notwendigkeit für Firmen zur Standardisierung im Bereich BI aufgezeigt wurde. Viele Firmen setzen zu viele verschiedene Tools ein, was naturgemäß sehr kostspielig ist. Letztes Jahr hat sich Gartner des Problems nochmals angenommen - und siehe da: Die Zahl der eingesetzten BI-Tools hat sich glatt verdoppelt. Wie kann es zu diesem Paradox kommen? Einerseits sollen die Firmen standardisieren, andererseits fragmentiert sich der Einsatz von BI immer mehr.
ZDNet: Und Ihre Lösung lautet?
Kopcke: Ich sehe zwei Hauptgründe für diese Entwicklung: Die IT-Abteilung fordert Standardisierung und Vereinheitlichung. Die Business-User aber haben eine ganze Reihe von Anforderungen an ihre Tools. Sie müssen ihren Job erledigen - und setzten deswegen immer neue Werkzeuge ein. Für Oracle beziehungsweise Hyperion bedeutet dies, das wir beide Seiten befriedigen müssen und der IT-Abteilung ein umfangreiches aber standardisiertes Lösungsportfolio anbieten, dass alle Anforderungen der User abdeckt.
ZDNet: Fragmentierung scheint doch eines der Markenzeichen von Oracle zu sein. Niemand sonst bietet fünf verschiedene CRM-Lösungen[7] gleichzeitig an.
Kopcke: Zum CRM-Bereich kann ich wenig sagen, außer dass sich das aus der Historie der Zukäufe erklärt. Dien Strategie dahinter ist es, sicherzustellen, dass die Investitionen der Kunden geschützt werden. Außerdem versucht Oracle ja, diese Lösungen in Fusion zusammenzufassen. So geben sie den Lösungen eine langfristige Perspektive.
ZDNet: Ich merke schon: Sie sind bereits ein echter Oracle-Mann. Aber zurück zu Hyperion: Wie wollen Sie denn das Problem lösen und beide Seiten befriedigen?
Kopcke: Wir haben einen doppelten Lösungsansatz: Zum einen offerieren wir umfangreiche Einsatzmöglichkeiten: Masterdata-Management, Reporting und Analytics. Und das Ganze zum anderen zusammengefasst zu einem einzigen System, nicht als Suite, also einem Sammelsurium verschiedener Werkzeuge. Unser neustes Hyperion System 9[8] hat einen Lösungsansatz aus der ERP-Branche übernommen: Statt Transaktionen mit verschiedenen Werkzeugen durchzuführen, bieten wir eine einzige Plattform.
ZDNet: Vergleichbar etwa mit Netweaver?
Kopcke: Nein, ich denke eher noch etwas weiter zurück in die jüngere Vergangenheit von ERP - an R3. SAP dachte an ein einziges System, um das Geschäft mit den täglichen Geschäftsvorfällen effektiver betreiben zu können. Wir denken an ein einziges System, um das Geschäft mit Blick auf die Entscheidungsprozesse im Unternehmen besser managen zu können.
ZDNet: Nicht nur wurde Hyperion von Oracle übernommen - auch Hyperion selbst hat sich verstärkt: Im Januar haben Sie Decisioneering, ein auf Analysetechniken spezialisierten Privatunternehmen aus Denver, gekauft. Wie kann das Unternehmen Sie beim Ausbau Ihres Systems-Ansatzes unterstützen?
Kopcke: Decisioneering liefert uns Simulations- und Business-Modeling-Software für das Risikomanagement. Business-Performance-Management-Lösungen benötigen voraussagende, analytische Applikationen. So können die Anwender Risiken und Unsicherheit vermindern. Wir können nun mit Decisioneerings Software Crystal Ball Werkzeuge für Predictive Analytics, Simulation und Modellierung anbieten.
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