80 Prozent der Betriebe wollen mehr für IT ausgeben. Das ergab eine Internet-Umfrage. Die Optimierung von Vertriebs-, Controlling- und Produktionsprozessen steht im kommenden Jahr ganz oben auf der Agenda der Entscheider.
Acht von zehn befragten Betrieben wollen im nächsten Jahr mehr Geld für IT ausgeben als bisher. Das ergab eine "Trendbefragung 2007" der des Online-Portals ERP Expo. Gefragt wurden die Besucher der Messe nach ihren Planungen für das nächste und übernächste Jahr: "Wir wollten von unseren Besuchern wissen, in welchen Unternehmensbereichen sie den dringendsten Handlungsbedarf sehen, welche Prozesse sie auf den Prüfstand stellen und was sie sich sowohl von den Investitionen als auch den organisatorischen Maßnahmen versprechen", sagt Produktmanagerin Sonja Keupp.
Zur Freude der IT-Industrie planen rund 80 Prozent der insgesamt 68 befragten Betriebe größere Budgets als im Vorjahr ein. Dabei gaben 34 Prozent an, die Ausgaben um fünf Prozent steigern zu wollen. Zwei von zehn wollen ihre Ausgaben sogar um etwa 10 Prozent aufstocken. Überraschend ist, dass 29 Prozent planen, sogar über 10 Prozent mehr als im Vorjahr auszugeben. Aber auch in Zukunft treten 20 Prozent der Befragten in Sachen IT-Ausgaben auf die Bremse - in der Vorjahresumfrage waren es immerhin noch 30 Prozent.
Den größten Handlungsbedarf sehen Firmen in den Bereichen Vertrieb, Controlling und Produktion. Beachtenswert ist, dass Produktionsbelange bei der diesjährigen Befragung eine Sprung von Platz neun auf Position drei der Handlungsbedarfsskala absolviert haben. An dieser Priorisierung der Investitionen für Geschäftsprozesse lässt sich herauslesen, dass Betriebe sowohl auf mehr Umsätze setzen und dabei den Service nicht vergessen - wie in der Vergangenheit leider allzu oft geschehen. Zudem stehen viele Unternehmen davor, modernere und flexiblere Produktionssteuereungstools einzuführen.
Der hohe Stellenwert von Controlling-Aspekten - wie bereits im Vorjahr - zeigt einmal mehr, dass sich die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass Märkte nicht in dem Himmel wachsen und ein straffes Controlling nötig ist, um den Nutzen der getätigten Investitionen immer wieder zu überprüfen. "Die Unternehmen schaffen sich einen Kreislauf: Sie planen und starten Projekte - und vergessen immer seltener, den Erfolg der Maßnahmen auch zu messen und zu überprüfen", sagt Christiane Schulz. Speziell im Vertrieb besteht weiterhin ein großes Potenzial für Verbesserungen etwa beim Cross- und Upselling, dem Lead-Management, der Kampagnen-Planung und schlicht der längst überfälligen Integration von Verkauf, Service und Marketing.
Wie die Umfrage zeigt, legen die Unternehmen bei der Umsetzung ihrer Vorhaben besonderen Wert auf die Einführung und Implementierung von Lösungen sowie auf das Projekt- und Veränderungsmanagement. In einer Skala von 1 (unwichtig) bis 4 (sehr wichtig) erhielten diese Punkte mit Werten um die 3,5 die höchste Einstufung. Die hohe Priorität der eher weichen Faktoren überrascht, da ein Großteil der Befragten IT-Entscheider sind und somit eine höhere Einstufung von technischen Themen zu erwarten gewesen wäre.
Als Hauptziel, das mit den IT-Investitonen erreicht werden soll, hat sich das Anliegen, die "Zukunftsfähigkeit der Unternehmen zu verbessern", in diesem Jahr an die erste Position geschoben. Heuer wurde auch erstmals nach dem Ziel gefragt, die Geschäftsprozesse zu verbessern: Das Thema entpuppte sich als Shooting-Star und landete gleich auf Platz zwei. Nach der Verbesserung der Kundenbindung und Datentransparenz macht die Unternehmens- und Prozesssicherheit einen Sprung nach vorne.
Bemerkenswert ist, dass das Thema "Aufbau einer serviceorientierten Architektur" (SOA) im Vergleich zum Vorjahr an Beachtung gewonnen hat. Immer mehr Unternehmen setzen sich mit dem Entwicklungsparadigma auseinander, wobei hier dennoch weiterer Aufklärungsbedarf besteht, um die Chancen zu vermitteln, die in SOA stecken.
Über die Umfrage
Befragt wurden im Zeitraum September 68 Besucher der Online-Messe ERP-Expo. Die Teilnehmer kommen überwiegend aus mittelständischen Unternehmen. Rund die Hälfte der Befragten stammt aus dem klassischen Mittelstand, also aus Firmen mit zwischen zehn und 500 Mitarbeitern. Antworten gaben insgesamt Personen aus zehn verschiedenen Branchen. Der überwiegende Teil der Befragten sind Führungskräfte und Geschäftsführer.