Windows Vista hat einen mächtigen Gegner: das auf über 100 Millionen Desktops installierte und bewährte XP. Der ZDNet-Test zeigt, was das neue OS bietet, wo die wichtigsten Unterschiede liegen und ob sich der Umstieg lohnt.
"WOW." Windows Vista[1] ist da. Auf vielen Websites und Plakaten wird man derzeit mit diesem Slogan begrüßt. Microsoft setzt darauf, dass die Nutzung seines ersten neuen Betriebssystems seit einem halben Jahrzehnt Anwender in Begeisterungsstürme versetzt - sich eine Art WOW-Effekt einstellt. Hausinterner Benchmark ist Windows 95, dessen Markteinführung vor gut zehn Jahren für lange Schlangen um Mitternacht vor den Geschäften sorgte.
Während Windows 95 jedoch bei der Ablöse des völlig veralteten Vorgängers 3.1 relativ leichtes Spiel hatte, trifft Vista auf starke und erstarkte Gegner: Neben Mac OS X und den verschiedenen Linux-Distributionen ist es vor allem das ältere, inzwischen gereifte XP, das Microsoft den Erfolg vermasseln könnte. Denn schließlich muss es eines der wichtigsten Ziele der Redmonder sein, die installierte Basis zu migrieren.
Der ZDNet-Test zeigt unter Einbeziehung der Erfahrungen der letzten Wochen, was Windows Vista für XP-Anwender wirklich zu bieten hat. Über viele Funktionen wurde bereits ausführlich berichtet. Die Artikel sind im Text verlinkt.
Windows XP ist nur in den zwei Varianten Home und Professional im Handel verfügbar. Die später hinzugekommenen Produkte Media Center Edition, Tablet PC Edition und x64 sind OEM-Partnern vorbehalten.
Vista ist in deutlich mehr Geschmacksrichtungen zu haben. Das Standard-Portfolio umfasst fünf Versionen: Home Basic, Home Premium, Business, Enterprise (nur für Volumenlizenzkunden) und Ultimate. Dazu kommen noch das für Entwicklungsländer konzipierte Vista Starter sowie die Editionen ohne Media Player für die EU. ZDNet hat die zur Verfügung stehenden Versionen sowie deren Features in einer umfangreichen Tabelle zusammengestellt[3].
In Vergleich zu XP bietet die Vista-Welt damit mehr Möglichkeiten - vielleicht etwas zuviele. Denn die Auswahl der passenden Version ist dadurch nicht einfacher geworden. Außerdem motiviert Microsoft durch die Differenzierung der Features die Anschaffung einer höherwertigen und teureren Version. Ein Beispiel: Die neue Aero-Oberfläche sowie das Media-Center-Interface sind erst ab Vista Home Premium zu haben, Home-Basic-Nutzer müssen darauf verzichten. Schon die neu gestaltete Verpackung[4] setzt eindeutige Zeichen. Während einem Home Premium in saftigem Grün entgegen leuchtet, weist die spärlich hellgrün-weiß bedruckte Hülle von Home Basic schon auf die Funktionsdürre hin.
Doch auch für Anwender, die es sich später anders überlegen, bietet Windows Vista Abhilfe. Mit Anytime Upgrade[5] haben sie erstmals die Möglichkeit, innerhalb derselben Windows-Generation auf eine Version mit mehr Funktionen umzusteigen, beispielsweise von Home Basic auf Ultimate.Auch wenn zwischen XP und Vista fünf Jahre liegen, sind viele der bekannten Probleme dieselben geblieben: Auch eine Vista-Rechner wird mit zunehmender Nutzungsdauer langsamer. Irgendwann ist dann eine Neuinstallation fällig. Es gibt schlichtweg keine Mechanismen im Betriebssystem, die das verhindern oder lindern. Dazu sind Zusatztools notwendig. Auch im Jahr 2007 macht der Anwender den Kundendienst gegebenenfalls also selbst.
Auch Treiber sind nach wie vor ein Thema: Zwar liefert Windows Update deutlich mehr als für den Vorgänger, das Angebot ist aber bei Weitem nicht komplett oder aktuell. Auch zehn Jahre nach der Einführung von Windows 95 muss man sich Treiber also noch selbst auf irgendwelchen Unterseiten der Hardwarehersteller zusammensuchen.
Windows XP gilt eigentlich als relativ stabil. Daran haben neben dem System selbst vor allem auch die ausgereiften Treiber einen Anteil. Je nach Hardware und Einsatz kann ein XP-System über Jahre hinweg ohne Absturz betrieben werden. Neue Mechanismen zur Beendigung und Entfernung abgestürzter Anwendungen sowie eine verbesserte Codequalität sollen Vista noch etwas stabiler machen als XP. Wenn die Treiber noch ein paar Fortschritte machen werden, könnte dies auch eintreffen.
Wie XP zeigt aber auch Vista mit zunehmender Laufzeit einige Verhaltensauffälligkeiten, die am effektivsten mit einem Neustart kuriert werden: So konnte man bei einem Notebook, das über zehn Tage lang nur immer in den Energiesparmodus versetzt und nicht ausgeschaltet wurde, plötzlich keine Buttons mehr in der Taskleiste anklicken. Das Problem war jedoch erst nach einem Neustart gelöst. Solche Verhaltensmuster kennt man (insbesondere) von Windows-PCs zu genüge und findet dies inzwischen auch fast normal. Da die Komplexität aber noch erheblich zugenommen hat, bringt Vista in diesem Punkt auch keinen Durchbruch. Großspurige Ankündigungen von Microsoft, die Benutzung eines Rechners so zuverlässig wie die Stromversorgung zu machen, wirken da utopisch.
Immer wieder wird die Frage nach den Hardwareanforderungen von Windows Vista gestellt. Diese sind gar nicht so exorbitant, wie häufig behauptet wird. Eine CPU ab 2 GHz, mindestens 1 GByte RAM (perfekt mit 2 GByte) und eine DirectX9-Grafikkarte reichen aus, um das System mit hoher Performance zu betreiben. Auf der Festplatte sind nach der Installation rund 5 GByte belegt. Der Ressourcenverbrauch ist zwar nicht gering, aber vieles - mit Ausnahme des Arbeitsspeichers - steckt seit Jahren in jedem Discount-PC. Kritisch könnte es aber bei Notebooks werden, die weniger üppig bestückt sind.
In den Applikationstests[6] ist Windows Vista langsamer als sein Vorgänger. Sowohl Business- als auch Multimedia-Anwendungen büßen an Geschwindigkeit ein. Gleiches gilt für Spiele. Dies ist teilweise auf noch wenig optimierte Treiber zurückzuführen. In nächsten Monaten könnte es also noch Fortschritte geben.
Besser für das neue System sieht es beim Start und Aufwachen aus dem Standby aus. Dazu braucht XP länger. Die neue Speicherverwaltung Superfetch, die Anwendungen auf Basis ihrer Nutzungshäufigkeit im RAM cacht, sorgt auch für einen teils deutlich flotteren Start von Anwendungen. Insgesamt ist das Antwortverhalten von Vista besser als das von XP. Eine genaue Übersicht der Werte ist hier[7] zu finden.
Wer Windows Vista nicht bei der Anschaffung eines neuen Rechners erwirbt, kommt um die Installation[8] des Betriebssystems nicht herum. In diesem Bereich punktet das neue System klar gegen seinen Vorgänger: So dauert das Setup statt 45 Minuten meist weniger als 25 Minuten und ist dazu auch noch komfortabler: Während man unter XP zur Konfiguration der Partitionen noch auf eine textbasierte Oberfläche angewiesen ist, zeigt das Vista-Setup schon kurz nach dem Start ein mausbedienbares Interface.
Das Update von Windows XP auf Vista dauert im Normalfall deutlich länger als eine Stunde. Ohnehin sollte man auf diese Art des Umstiegs trotz der einfacheren Handhabung verzichten und sein System neu Aufsetzen. Tests[7] zeigen, dass ein über XP installiertes Vista teils erheblich langsamer arbeitet als eine Neuinstallation. Zudem könnte die Stabilität leiden.
Bei den Treibern hat das mittlerweile gut fünf Jahre alte XP erwartungsgemäß die Nase vorne. Sie stehen für alle Komponenten in meist hoher Qualität zur Verfügung. Bei Vista sind dagegen Lücken bei der Unterstützung oder Stabilitätsprobleme zu beklagen. Damit es später keine unliebsamen Überraschungen gibt, sollte man mit Tools wie dem Upgrade Advisor[9] prüfen, ob es für die eingesetzte Hardware Treiber gibt. Schwierigkeiten sind hauptsächlich bei speziellen Komponenten wie Fingerabdruckscannern zu erwarten.
Geht es nach Microsoft, sollen Windows-Vista-Nutzer ihren Rechner nicht mehr booten und herunterfahren, sondern in den Energiesparmodus[10] versetzten. Dabei wird der Systemzustand sowohl auf die Festplatte als auch in den RAM gespeichert und Komponenten wie Festplatte, CPU und Grafik deaktiviert. Innerhalb weniger Sekunden ist die Maschine betriebsbereit.
Wenn der RAM-Inhalt verloren geht, beispielsweise durch einen Stromausfall, erfolgt ein Rückgriff auf die Festplatte. Dies dauert zwar länger, hat aber denselben Effekt. Durch Modifikationen des Kernels soll der Energiesparmodus deutlich zuverlässiger sein als das teilweise recht wackelige XP-Standby. Die Tests bestätigen dies. Das Feature ist absolut praxistauglich.
Nach dem ersten Start von Vista zeigt sich das überarbeitete Design. Es wirk vertraut: Startbutton, Taskleiste und Desktop - alles funktioniert wie bisher, an der Philosophie hat sich nichts geändert.
Das einzige neue Element ist die Windows-Sidebar[11], in der als Minianwendungen bezeichnete Programme Platz finden. Sie sind für Windows-Verhältnisse grafisch aufwändig gestaltet und bieten meist einen eng begrenzten Funktionsumfang. Beispiele sind eine Wettervorhersage, ein RSS-Reader oder eine Anzeige für Börsenkurse. Eine solche Komponente besitzt XP von Haus aus nicht, sie kann aber über Drittanbieter wie Opera oder Yahoo nachgerüstet werden.
Selbes gilt mit Einschränkungen auch für die in Vista integrierte Desktop-Suche, die dank eines Index deutlich schneller arbeitet[12] als bisher. Zwar bieten Yahoo, Google und Microsoft ähnliche Tools auch für XP, die Vista-Lösung wirkt aber geschliffener und sauberer.
Als besonders praktisch erweist sich das ins Startmenü integrierte Suchfeld. Neben den Daten auf de Festplatte durchsucht es nämlich auch die im Startmenü eingetragenen Programme. Die Eingabe "wor..." zeigt blitzschnell das Icon des Textverarbeitungsprogramms. Es kann mit einem Druck auf Enter gestartet werden.
Die Oberfläche[11] von Vista (Ausnahme: Home Basic) wird erstmals unter Windows von der Grafikkarte gerendert. Damit hat das neue System im Vergleich zu Windows XP zwei Vorteile: Fenster werden mit einer kurzen Animation eingeblendet und ziehen auch bei hoher Auslastung keine Schlieren mehr. Mac OS X nutzt die Grafikkarte übrigens schon seit seiner Einführung im Jahr 2001.
Das wichtigste Design-Merkmal der als Aero bezeichneten Vista-Oberfläche sind Transparenzen. Sie kommen in der Taskleiste, in Rahmen von Fenstern sowie der Sidebar zum Einsatz. Irritierend ist, dass transparente Flächen nach der Vergrößerung auf Vollbild schwarz eingefärbt werden, das Look and Feel des Betriebssystem ändert sich dadurch beträchtlich. Wer sich an den durchsichtigen Flächen stört, kann sie mit wenigen Mausklicks abschalten.
Das Rendering durch die Grafikkarte bietet neue Möglichkeiten: Die Schaltflächen in der Taskleiste zeigen beim Mouseover eine Live-Preview der geöffneten Fenster, selbes gilt für das Umschalten zwischen Anwendungen mit Alt + Tab. Zumindest letzteres kann mit den Power Toys[13] auch unter Windows XP realisiert werden. Die Tastenkombination Windows + Tab verteilt die geöffneten Anwendungen dreidimensional im Raum, um die Auswahl der gewünschten Applikation zu erleichtern. Mit solchen Gimmicks kann der Vorgänger nicht aufwarten.
Ist die Grafikhardware nicht leistungsfähig genug, verwendet Windows Vista das Basis-Interface, das ähnlich wie das von XP nicht von der Grafikkarte gerendert wird.
Microsoft hat den Explorer[14] weiterentwickelt. Die Fenster sind im Vergleich zu XP weniger überfrachtet und besser durchdacht. Die unter XP weitgehend nutzlosen Pfade können unter Vista zur Navigation genutzt werden, da sich die einzelnen Bestandteile anklicken lassen. Am linken Fensterrand sind nicht mehr die platzverschwendenden Klartext-Anweisungen wie "Ordner im Web veröffentlichen" zu finden, sondern frei konfigurierbare Verknüpfungen ins Dateisystem sowie der Explorer-Baum. Erstmals unter Windows ist es auch möglich, im Explorer einen Preview-Bereich einzublenden. In vielen Fällen ist das Öffnen der Applikation überflüssig.
Am Dateisystem selbst hat sich aus Endanwendersicht nichts geändert. Das ambitionierte Win-Fs wurde schon vor einiger Zeit von Vista abgekoppelt und ist inzwischen ganz gestrichen. Microsoft setzt mit Windows Vista auf den zunehmenden Einsatz von Metadaten, um die wachsende Zahl von Dateien auf einem PC effektiver organisieren zu können. Am unteren Rand jedes Explorer-Fensters befindet sich ein Bereich, in dem Metadaten bearbeitet werden können.
Ziel ist es, die unflexible Ordnerstruktur abzulösen und Daten auf Basis von Metadaten wie Autor oder Projekt zu Ordnen. Der Test[14] zeigt jedoch, dass dies nur eingeschränkt gelungen ist.
Insgesamt hat der Explorer im Vergleich zu XP zugelegt. Das klarere Layout, die integrierte Vorschau und die neuen Ansichten vereinfachen die Arbeit. Es handelt sich jedoch eher um evolutionäre Veränderungen, die man nach einem solchen Zeitraum erwarten kann.
Windows Vista kommt mit dem neuen Media Player 11, der in einer leicht abgespeckten Version aber auch für XP zum Download bereitsteht. Zu den gestrichenen Features gehören Möglichkeiten zur Wiedergabe von Content übers LAN. Erforderliche DRM-Komponenten und Quality-of-Service sind nicht enthalten. Im Vergleich zum Media Player 10 hat der Player große Fortschritte gemacht. Die eher grafisch orientierte Oberfläche mit Albumcovern erleichtert die Navigation, die Library kommt mit großen Datenbeständen besser zurecht.
Der Windows Movie Maker wartet in der Vista-Version mit neuen Effekten auf und bearbeitet ab Vista Home Premium auch HD-Material. Erstmals wird auch die Bearbeitung von Media-Center-Aufzeichnungen unterstützt. Diese können beispielsweise zu Archivierung geschnitten und in ein kompakteres Format umgewandelt werden. Im Vergleich zu XP ein wesentlicher Fortschritt.
Erstmals liefert Microsoft in Windows ein Tool zur Erstellung von Video-DVDs. Windows DVD Maker lässt sich zwar einfach bedienen, erlaubt individuelle Anpassungen aber nur sehr eingeschränkt. Die Lösung deckt also nur Grundbedürfnisse ab.
Die Windows-Fotogalerie ist eine willkommene Neuerung zur Verwaltung digitaler Bilder. Metadaten wie Aufnahmedatum oder hinzufügbare Stichworte vereinfachen die Organisation größer Archive. Für die meisten Anwender dürfte die Lösung ausreichen.
Media Center[15] ist in der neuen Version geblieben, was es schon unter XP war: eine fernbedienbare Oberfläche zur Wiedergabe von Medien. Diese präsentiert sich jetzt optisch aufpoliert und nutzt durch die horizontale Navigationsweise die zunehmend verbreiteten Widescreens besser aus. Auf diese Weise lässt sich mehr Content darstellen. Eine willkommene Neuerung ist der integrierte Mini-Programmführer, der bei laufendem TV das Durchblättern der Kanäle erlaubt. Trotz der Unterstützung zweier Tuner hat Media Center noch immer keine Picture-in-Picture-Funktion.
Wenn über Windows Vista geredet wird, kommt die Sprache schnell auf Digital Rights Management (DRM) und Fesseln für den Anwender. Entgegen anders lautender Gerüchte lassen sich alle Mediendateien, egal von welcher Quelle, auch unter Vista ohne Probleme wiedergeben.
Anders sieht es dagegen aus, wenn Dateien mit Digital Rights Management geschützt sind. PVP-OPM (Protected Video Path Output Protection Management) für Filme und PUMA (Protected User Mode Audio) für Musik sollen für eine effektivere Durchsetzung des DRM sorgen. Dazu wird die jeweilige Verarbeitungskette bis zu Hardware genau kontrolliert und Ausgänge werden überwacht. In Zukunft wäre es möglich, die Qualität von HD-Material bei der Wiedergabe über einen unverschlüsselten Aufgang herunterzurechnen. Letztendlich sind es aber die Medienunternehmen, die über die Anwendung der Maßnahmen entscheiden.
Zwar kann Windows Vista ohne die Eingabe eines Schlüssels installiert werden, spätestens nach 30 Tagen ist dieser aber fällig. Außerdem ist eine erfolgreiche Windows-Echtheitsprüfung notwendig. Andernfalls schaltet Vista die Aero-Oberfläche, den Defender sowie einen Caching-Mechanismus ab. Außerdem liefert Windows-Update keine Aktualisierungen mehr. Microsoft hat die Daumenschrauben also wieder etwas mehr angezogen.
Windows XP musste während seiner fünfjährigen Laufzeit mit unzähligen Patches geflickt und dem Service Pack 2 grundlegend renoviert werden. Die mangelhafte Sicherheit hat dessen Ruf des Systems nachhaltig ramponiert.
Vista wurde nach Angaben von Microsoft unter Zuhilfenahme neuer Prozesse und Code-Analyse-Tools entwickelt. Beides zusammengenommen soll Sicherheitslücken im Vorfeld verhindern. In welchem Maße dies gelungen ist, lässt sich gut sechs Wochen nach dem Marktstart kaum beurteilen - in einem Jahr dürfte die Situation klarer sein.
Die wohl wichtigste Änderung am Sicherheitskonzept ist, dass Anwender unter Vista nicht mehr mit Administrator-Rechten arbeiten. Unter XP lassen sich die meisten Anwendungen nur auf diese Weise betreiben. In Vista greift ein Mechanismus namens Benutzerkontensteuerung, wenn eine Anwendung eine Aktion durchführen will, die das System schädigen könnte. Dann verdunkelt sich der Bildschirm und der Anwender muss die Aktion mit einem Klick abnicken.
Das System setzt darauf, dass Nutzer schädliche Aktionen - die beispielsweise von einem Trojaner ausgehen - erkennen, und die Erlaubnis zur Ausführung verweigern. Dieser Ansatz ist aber aus zwei Grunden zum Scheitern verurteilt. Einerseits tritt die Nutzerkontensteuerung viel zu häufig in Aktion (beispielsweise beim Öffnen der Computerverwaltung) und wird daher eher früher als später mechanisch weggeklickt. Andererseits sind die Beschreibungen eher kryptisch, was die Entscheidung zwischen gut und böse für die meisten Nutzer nur schwer möglich machen dürfte. Wie wirksam die Vista-Benutzerkontensteuerung ist, lässt sich ebenfalls erst in einigen Monaten beurteilen.
In Windows Vista ist standardmäßig die für XP separat erhältliche Anti-Spyware Windows Defender[16] integriert. Diese soll Schädlinge, die sich trotz anderer Maßnahmen auf der Festplatte einnisten konnten, bekämpfen. Eine wichtige Neuerung ist, dass der auch für XP zum Download stehende Internet Explorer 7 unter Vista mit reduzierten Rechten ausgeführt wird. Dies sorgt für eine Verringerung der Angriffsfläche. Eine Anti-Viren-Lösung muss aber weiterhin separat beschafft werden.
Neben für Anwender unsichtbaren Neuerungen wie den renovierten Netzwerkstack bringt Windows Vista im Netzwerkbereich vor allem eine Neuerung: das Netzwerk- und Freigabecenter. Es fasst Funktionen zur Einrichtung und Konfiguration neuer Netzwerke und Netzwerkverbindungen sowie die Einstellungen von Freigaben (Dateien, Drucker) zusammen.
Die Topologie des Netzwerks wird grafisch aufbereitet dargestellt. Das sieht nicht nur nett aus, sondern erleichtert auch die Identifikation von Problemen. Ein gelbes Warndreieck weist auf Schwierigkeiten hin. Erstmals merkt sich Windows die Konfiguration unterschiedlicher Netzwerke. Eine zu Hause freigegebene Datei ist damit im Unternehmensnetzwerk nicht mehr zu sehen. Dies war bisher nur mit Zusatztools möglich. Die Anzeige von Rechnern im Netzwerk erfolgt nach wie vor im Fenster Netzwerk, das über das Startmenü erreichbar ist. Das Netzwerk- und Freigabecenter stellt eine wichtige Neuerung dar, das es für mehr Transparenz dieser komplexen Thematik sorgt.
Die Schnittstelle zum Internet bildet der neue Internet Explorer 7. Er steht seit November auch für XP zum Download[17]. Das neue System kann damit zumindest aus Sicht der Funktionen keinen Vorteil für sich verbuchen. Durch die eingeschränkten Rechte bietet der Browser aber mehr Sicherheit als unter XP. Um den Computernamen zu ändern, ist nach wie vor ein Neustart des Rechners notwendig.
Auch im Vista-Zeitalter bleibt die 64-Bit-Version ein Familienmitglied zweiter Klasse. Zwar sind fast alle Versionen (Ausnahme: Home Basic) auch in 64 Bit verfügbar, doch der Datenträger ist nur in der Ultimate-Verpackung enthalten. Käufer anderer Vista-Versionen können die DVD für 11,85 Euro Bearbeitungsgebühr bei Microsoft nachbestellen[18].
Die Treiberprobleme der 32-Bit-Version treten auch bei Vista 64 auf. Vor einem Umstieg sollte man sich also genau versichern, dass sich die jeweilige Hardware betreiben lässt.
Fazit: Viele Verbesserungen - aber der WOW-Effekt bleibt aus
Windows Vista ist seinem Vorgänger in den meisten Punkten überlegen. Ob Sicherheit, digitale Medien, Netzwerk oder Dateiverwaltung - kleine oder manchmal auch etwas größere Änderungen machen das Arbeiten angenehmer. Es sind eher die unscheinbaren Features wie das überarbeitete Backup-Programm[19] oder der Präsentationsmodus[20], die den Unterschied ausmachen. Der WOW-Effekt, auf den Microsoft setzt, bleibt jedoch aus.
Eine generelle Empfehlung zum schnellen Umstieg kann XP-Nutzern daher nicht gegeben werden. Jeder Anwender sollte sich die gebotenen Funktionen genau ansehen und auf dieser Basis eine Entscheidung treffen. Diese kann am Ende durchaus auch für einen Wechsel fallen. In Anbetracht der noch auftretenden Inkompatibilitäten mit Anwendungen und Treibern kann es aber nicht schaden, noch ein paar Monate zu warten.
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